29. August 2004

Unersättliche Sättigung

Als ich den vorigen Eintrag schrieb, hatte ich noch nicht gemerkt, daß gestern das Fest des hl. Augustinus war. Ansonsten hätte ich ihn gleich zum Thema "Hunger und Durst" zu Wort kommen lassen. So etwa:

"Darum werden wir, wenn wir einst Antlitz zu Antlitz schauen, was wir jetzt durch Spiegel und Rätsel sehen, mit unendlich, ja mit unsäglich anderer Liebesregung 'wahr ist es" rufen, und wenn wir Amen sagen, es sagen in unersättlicher Sättigung. Sättigung wird es sein, weil nichts mehr uns fehlen wird; weil aber das, was uns nicht fehlt, uns ewig entzücken wird, darum wird es, wenn man so sagen darf, eine Art unersättlicher Sättigung sein. So unersättlich dich also die Wahrheit sättigen wird, mit so unersättlicher Wahrheit wirst du rufen: Amen!" (Das Antlitz der Kirche, S. 357)

28. August 2004

Immer hungrig und durstig

"Das Leben ist Hunger und Durst, leidenschaftliches Verlangen nach einem Letzten, das sich auf einen Lebenshorizont bezieht, sich jedoch stets außerhalb dieses Horizontes findet. Und dies ist es, was einmal erkannt, den Menschen zum unersättlichen Sucher macht."
So schreibt Luigi Giussani, der Gründer von Communione e Liberazione, in seinem Buch "Der religiöse Sinn".

Erstaunlicherweise kommt diese Dynamik für den Christen, der ja denkt, er habe die Wahrheit, die volle Wahrheit gefunden, nicht an ein Ende. Nicht weil er an der Wahrheit zweifelt, die für ihn einen Namen hat und ein Gesicht. Nicht weil er unzufrieden mit dem gefundenen weiterzieht. Nicht weil es doch nicht die einzige Perle, der Schatz war, für den er alles aufgab, dem er sich hingab.

Sondern weil dieser GOtt und SEin Wort größer, immer größer als unser Reden, unser Erkennen, unser Lieben ist. Weil ER uns immer neu, anders, überraschend SIch zeigt. Weil SEine Liebe unseren Hunger stillt, indem sie ihn weckt. Unseren Durst löscht und ihn weiterbrennen lässt. Paradox? Ja. Aber wie sonst beschreiben?

Wer den Himmel für langweilig hält, zeigt nur auf die dümmstvorstellbare Weise, daß er SEine Berührung nicht gespürt oder möglichst schnell aus seinem Bewußtsein getilgt hat.
Kritischer müssten sie mir sein...

"Er habe dieser Aussage Ziesels Glauben geschenkt und deshalb auch keinen Grund gesehen, weiter zu recherchieren, so der SWR-Journalist." Thomas Leif heißt der gute.

Schade - P. Udo Ziesel hatte doch so gut in die Dokumentation gepasst. (Falscher Benediktiner als Kronzeuge in der Tagespost - danke, Jochen)

27. August 2004

Wochenendlektüre

Janine Langan: On the Lay Vocation

"Everyone agrees: We need more priests. I, however, think that, more importantly, we need more lay people."
Alle Muslime sind gleich...

aber manche sind weniger gleich als die anderen. Kolumnist Salim Mansur zum Schweigen der arabischen Muslime vor dem Völkermord im Westsudan:

"The one constant in the history of Arab states over the past five decades is the abuse of people by power-holders in a part of the world -- between the Atlantic Ocean and the Persian Gulf -- where regimes rule without popular legitimacy.

It is understandable, though inexcusable, that there are no demonstrations in the streets of Cairo, Damascus, Beirut, Tunis, Algiers or elsewhere in the wider Arab-Muslim world, denouncing the Khartoum regime for its crimes in Darfur.

Freedom and democracy are sorely lacking among the Arab League members, and popular condemnation of an Arab regime would not be tolerated.

Arabs and Muslims, however, now live in growing numbers in cosmopolitan centres of the West, and enjoy freedoms denied their people elsewhere.

Here they came out in unprecedented numbers, protesting American-led wars to liberate Afghans and Iraqis from despots. But in their unconscionable silence over Darfur, they disclose how selective is their outrage.

This silence is also revealing of culturally entrenched bigotry among Arabs, and Muslims from adjoining areas of the Middle East.

Blacks are viewed by Arabs as racially inferior, and Arab violence against blacks has a long, turbulent record. The Arabic word for blacks ('abed) is a derivative of the word slave ('abd), and the role of Arabs in the history of slavery is a subject rarely discussed publicly.

Here, the contrast between the Arab treatment of blacks, irrespective of whether they are Muslims or not, and the Israeli assimilation of black Jews of Ethiopia, known as Falashas, cannot go unnoticed.

The tragedy of Darfurians ironically has exposed to the world the racial dimension of Arab-Muslim culture and the hollowness of rhetoric proclaiming the brotherhood of Muslims." (London Free Press)
Frau bloggt beim Zwirnen

Invasion der Wollblogs: Stricksentine, was strickst du?, texturen, Das kleine Nadelspiel, Stricksucht, Spinnen, Stricken, Sticken undsoweiterundsofort.

Fast beängstigend, wenn man drüber nachdenkt:

"Am früheren Abend habe ich das zweite Drittel schwarzes Alpaka gezwirnt. Es färbt beim Spinnen dermaßen ab, dass ich mich frage, ob das Alpaka nicht mit Poly-Diadem oder ähnlichem... Auch beim Waschen kommt geballte Farbe raus. Und zwar nicht Kacke, also Braun, sondern so ein rötlich-violetter Ton, sehr verdächtig. Wenn alles fertig gesponnen ist, werde ich es erst mal waschen, bis nix mehr raus kommt und dann sehen, was für eine Farbe das naturschwarze Alpaka eigentlich hat. Schwarz färben kann ich es dann immer noch.

Während des Zwirnens zähle ich ja. Im Augenblick immer bis 6. Das verselbständigt sich schnell – wie eine Art Doppel-Walzer. Im Laufe der Monate habe ich festgestellt, dass ich währenddessen einem Gespräch folgen – ja sogar lesen – kann [man liest aber nicht beim Zwirnen ]." (von Angela)

Topfit

Den Literaturtest des Focus erfolgreich bewältigt. Schon seltsam, daß solche Spielereien einen Tag auf andere Gleise setzen können. So wirksam wie falsche Komplimente.
Tiefer gespalten als jemals zuvor

Ralf hat in pax et bonum auf eine wirklich bemerkenswerte Stellungnahme des (übrigens erst 38 Jahre alten) russisch-orthodoxen Bischofs Hilarion von Wien und Österreich verlinkt, der ganz ungeschminkt auf die eigentlichen Probleme der Ökumene eingeht:

Die Rede von einer "realen, aber unvollkommenen Kirchengemeinschaft", wie sie in ökumenischen Erklärungen verbreitet ist, hält er für "fraglich, irreführend und (be)trügerisch [deceitful]". Es gibt keine Communio zwischen den Kirchen, solange die Kommunion, die Eucharistiegemeinschaft nicht erreicht ist.

"Our inability to share the Eucharist, in turn, reflects the most profound division in dogma, spirituality, ethics, in the very experience of faith that exist among various bodies calling themselves ‘Christian churches’."

Die fortschreitende Liberalisierung in den "westlichen Kirchen der Reformation" ist es, die die Kirchenspaltung mehr als je zuvor vertieft hat:

"Our inability to share the Eucharist, in turn, reflects the most profound division in dogma, spirituality, ethics, in the very experience of faith that exist among various bodies calling themselves ‘Christian churches’. Metropolitan Gennadios of Sassima in his response to the paper in question has rightly pointed out that ‘there is little ontological unity and little agreement among those… who confess Christ as God and Saviour’. And let us be honest to one another and not pretend that the question is about a ‘unity in diversity’: we are deeply disunited, in spite of almost a century of the ecumenical movement.

The tragedy of contemporary Christianity, I believe, consists in the fact that, while we are all engaged in a laudable struggle for unity, processes are underway within some Christian communities which alienate us from one another ever more profoundly. And I think it is no longer the divisions between the Catholics and the Protestants, or the Orthodox and the Reformed, or one confessional family and another that should be an object of our primary attention. We must address very seriously the fundamental discrepancy between the traditional and the liberal versions of Christianity.

I believe that the recent liberalization of ‘faith and order’, of dogma and morality within a number of Western churches of the Reformation has alienated them from the traditional churches – notably from the Roman Catholic and Orthodox Churches – more than several preceding centuries of Protestant history. As a result of this liberalization and in spite of many decades of ecumenical quest for unity, we are now more profoundly divided among ourselves than ever before."(Europaica Bulletin Nr. 46 vom 16. August 2004))

26. August 2004

Schweizerische Dávila-Rezept/nsion

Schiffbruch mit Würde: Der philosophische Aphoristiker Nicolás Gómez Dávila - von Stojan Gjaurov in der NZZ vom 10.7.04

25. August 2004

Nord-Süd-Konflikt auf anglikanisch - Fortsetzung

Die Church of Uganda bricht alle Verbindungen mit der Episcopal Church of America (ECUSA) ab, die kürzlich den schwul lebenden Gene Robinson zum Bischof weihte. Davon betroffen sind auch die anderen Kirchen, die mit der ECUSA in Gemeinschaft stehen.

So ernst ist es der Church of Uganda, daß sie auch keine finanzielle Unterstützung mehr annimmt. Das nenne ich Konsequenz! Erzbischof Henry Luke Orombi:

"The decision has meant that we are no longer receiving funds as a means of making it clear to the Episcopal Church of the US that such a deliberate action on their part affects the whole of Anglican Communion.

It also serves as a wake-up call on our part to find ways to sustain ourselves honourably. We call upon those advocating for this ungodly behaviour to repent and allow Christ to take charge of his Church." (allAfrica.com)
Beim Frühstück gelesen

be unto love as rain is unto colour;create
me gradually(or as these emerging now
hills invent the air)
breathe simply my each how
my trembling where my still uninvisible when. wait

if i am not heart,because at least i beat
--always think i am gone like a sun which must go
sometimes,to make an earth gladly seem firm for you:
remember(as those pearls more than surround this throat)

i wear your dearest fears beyond their ceaselessness

(nor has a syllable of the heart's eager dim
enormous language loss or gain from blame or praise)
but many a thought shall die which was not born of dream
while wings welcome the year and trees dance(and i guess

though wish and world go down,one poem yet shall swim)
(E.E. Cummings)
Zwischentest

Wir Abstandhalter

"Wer von uns hält es aus neben dem verzehrenden Feuer, / wer von uns hält es aus neben der ewigen Glut?" (Jes 33, 14)

Vielleicht nur die Abenteurer, die Mystiker und die, die lieben. Uns anderen wird es schnell zu warm. Es könnte ja sein, daß die Hitze unser Herz erreicht und uns hinschmelzen läßt - unwiderruflich.
Banana Split-Jubiläum

Außer dem Hamburger feiert dieses Jahr der Banana Split seinen hundertsten Geburtstag. David "Doc" Strickler, ein Apotheker und Optometriker aus Latrobe, PA hat ihn 1904 zum ersten Mal verkauft - für 10 cents. Das hält jedenfalls Jackson Arnold und mit ihm die Post-Gazette aus Pittsburgh für den wahrscheinlichsten Geburtstag und -ort.

Den richtigen, korrekten Banana Split beschreibt die Post-Gazette so:

According to several sources, this is what has become the traditional banana split: An oblong glass dish holds a banana sliced lengthwise (that's where split comes in). The banana cradles a generous scoop of chocolate ice cream, a scoop of strawberry and a scoop of vanilla. Chocolate syrup (or, better yet, fudge topping) is poured over the chocolate ice cream, strawberries over the strawberry ice cream and crushed pineapple over the vanilla.

Then comes the whipped cream. Not ersatz whipped topping with an ingredient list longer than the Bill of Rights, but cow's cream that has been whipped and sweetened with a little sugar. Next, a bright red maraschino cherry is dropped on each scoop. (The old cherries would have had now-banned Red Dye No. 4, but some things do have to change.) Chopped nuts are optional, but the best ones would have pecans.

Ob der Banana Split, den ich vor Jahren bei Bischoff's in Teaneck, NJ aß, diesem Rezept in allen Details folgte oder nicht doch die Ananas auf dem Schoko-Eis plaziert war - ich weiß es nicht mehr. Aber er war absolutely gorgeous!
Ein Mann des Glaubens

Nachdem der Atlantic Monthly kürzlich seine web policy geändert hat, ist der Artikel von Paul Elie: In Search of a Pope nicht frei zugänglich. Schade.

Denn Elie benennt ein Schlüsselkriterium der nächsten Papstwahl, das jenseits kirchenpolitischer Spekulationen liegt:

"Wie er [JPII], sind sie [die Kardinäle] Glaubende; und trotz all ihrer menschlichen Schwächen scheint es vernünftig anzunehmen, daß sie, wenn die Zeit da ist, einen neuen Papst zu wählen, sich mühen werden, die wichtigsten Dinge obenan stellen. Wenn sie den Nachfolger von Johannes Paul wählen, werden sie gewiß niemanden wählen, der nicht ebenso ein Mann des Glaubens ist wie er. Alter, Nationalität, Sprachkenntnisse, bisherige Leistungen, die demographischen Aussichten der Kirche im neuen Jahrhundert: all das sind wichtige Gesichtspunkte, und die Medien werden sich darauf stürzen. (...)

Aber die Kardinäle und Papstwähler - mit dem nächsten Papst in ihrer Mitte und unter dem Vorsitz, wie sie glauben, des grande elettore [des Hl. Geistes] - werden vor allem anderen fragen, wie authentisch der Glauben des Mannes des Glaubens ist: wie groß seine Hoffnung und wie tief seine Tiefe. Sie werden seine Persönlichkeit wägen, bedenkend, daß die Persönlichkeit von Johannes Paul die Kirche weltweit für ein Vierteljahrhundert geformt hat. Sie werden fragen: Wie ist sein Glaube? Und ein wenig später wird das unsere Frage sein."

24. August 2004

The University of Blogging

Presents to
Scipio

An Honorary
Bachelor of
Color Bars

Majoring in
Quiz Addiction
Signed
Dr. GoQuiz.com
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Username:


Blogging Degree
From Go-Quiz.com
Unser Buch

Wäre ich mit Christian Geyer auf der gleichen Insel, würden wir uns wohl um unser einziges Exemplar dieses Buches streiten: Die Wiederkehr von Walker Percy.

Oder auch nicht: Er kennt es in- und auswendig, und mir geht es auch nicht viel anders.
Der Zu-christlichen-Links-Verlinker empfiehlt:

Die lagen im Kreuzgang rum: christliche Weicheibegriffe.
Canya b'lieve it -

es gibt Löwen in Kenia. Und Tiger. Kann man hier sehen.

(Vielleicht gibt es demnächst auch mal wieder etwas ernstere Betrachtungen... Momentan ist mir nicht danach.)

23. August 2004

"Denken ist schädlich und unsozial"

Hannes Stein: Eine ganz schlechte Angewohnheit (Welt vom 31.7.2004)

Der Artikel stammt aus der Einleitung von "Endlich Nichtdenker!", einem Handbuch zum Glücksein. Wer nicht mehr denkt, hat mehr vom Leben, oder?