31. Dezember 2003
Musik:
Emmylou Harris: Stumble into Grace
June Carter Cash: Wildwood Flower
Chatham County Line: Chatham County Line
Bücher:
Robert Frost: Promises to keep: Poems - Gedichte (Übersetzung: Lars Vollert)
Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet
Catherine Pickstock: After Writing: On the Liturgical Consummation of Philosophy
29. Dezember 2003
Man muß nicht Roland Breitenbach heißen, um die Kirche voll zu predigen. Wilhelm Imkamp tut's auch, und laut Münchener Merkur mit "Wortwitz, umfassende[n] Geschichtskenntnisse[r] und eine[r] breit gestreute[n] Lektüre".
![]() | Theoden If I were a character in The Lord of the Rings, I would be Theoden, Man of Rohan, King of the Mark, and uncle of Eomer and Eowyn. In the movie, I am played by Bernard Hill. Who would you be? |
"Die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' wurde Mitte der achtziger Jahre von einem namhaften Chemieunternehmen gebeten, ihr Kreuzworträtsel künfitg doch bitte nicht mehr am ohnehin arbeitsschwachen Freitag zu veröffentlichen, weil zwischen den Abteilungen jede Woche aufs neue ein Wettraten ausbrach." (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.12.2003, S. 46)
Da hat unser damaliger Chef doch hinter unserm Rücken an die FAZ geschrieben... Lang, lang ist's her.
Die Erzabtei St. Ottilien lädt zu verschiedenen virtuellen Klosterführungen ein, u.a. durch ihre Bibliothek. Auch Frauen sind diese virtuelle Klausur eingeladen.
Ein paar Zeilen aus einer weihnachtlichen Meditation von Schwester M. Hedwig a.k.a. Silja Walter:
"Über die Weihnachtshügel
läufst du daher,
auf uns zu,
herein
in den Schober der Welt.
Erst im Stroh unserer Armut
kommst du zur Ruh.
Komm, Herr Jesus!"
(Gerade habe ich entdeckt, daß es von Silja Walters Werken auch schon eine Gesamtausgabe gibt.)
27. Dezember 2003
Guido Horst in der Tagespost:
"An dieser Stelle sei das nun nachgeholt, was die Besucher allen Kirchgängern in diesem Land nahelegen wollten: Statt zu jammern, schreite man zur Tat. Ob es nur zwei oder vier Personen sind, die in einer Gemeinde für mehr geistliche Berufungen beten, das ist egal. Und welcher Pfarrer wird sich dem Wunsch einen kleinen Gruppe von Gläubigen verschließen, diesem Gebet in der Kirche auch einen besonderen Rahmen zu geben. Es ist Weihnachten. Ganz klein fing alles an – mit einem Neugeborenen in einem Stall. Die Kirche in Deutschland braucht keine soziologischen Analysen, sondern Menschen, die beten. Nur so fängt alles wieder von Neuem an."
Die Unfruchtbarkeit des Alten Europa nimmt Mark Steyn aufs Korn - "The evidence suggests that, once you reach the post-Christian stage, you don't have much of a future."
24. Dezember 2003
von seiner Fülle haben wir alle empfangen,
Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz ward durch Moses gegeben,
die Gnade und die Wahrheit aber
ist mit Jesus Christus zur Welt gekommen.
Niemand hat GOtt je gesehen;
der Einzige, göttliche Sohn,
der am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
(Jo 1, 16 - 18)
Euch allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!
Konrad Weiß: Gott in der Krippe
Ich dachte an jenes Haus,
Wirtshaus des Herrn,
die heilige Nacht war zur Mitte
fortgeschritten, die Hütte
leuchtete still noch und froh
lag das Kind auf dem Stroh,
mein Auge blick um dich und lern,
der Hunger betrübt uns.
Ich sehe den hölzernen Trog,
die Mulde geleert,
auf seinem gekreuzten paar Füßen
wie wird der Fuhrmann ihn grüßen,
dem man vor die Schenke ihn stellt,
wenn er seinen Aufenthalt hält,
der Metzger wird also geehrt,
der Hunger betrübt uns.
Dann trägt man den Trog vor die Tür,
den Rößlein ihn zu,
unsre Augen, das sind die zwei Rosse
mit Sprüngen und sind an die Sprosse
gefesselt und eilen zum Streit,
so fährt mit uns in die Zeit
unser Wagen weltein ohne Ruh,
der Hunger betrübt uns.
Ihr Tiere, jetzt habt ihr genug,
Maria sprach,
sie hob das Kind, und so liege
du besser und brauche die Wiege,
und die Krippe der Menschheit mit eins
ineinandergegriffenen Scheins
war ein Kreuz und ein Kelch lief darnach,
der Hunger betrübt uns.
Das Werk, glückschuldiges Werk,
laß liegen und bleib,
Maria, laß liegen und nähren,
wir essen, wer wird es uns wehren,
mit Schauen, das Gründe nicht hat,
Maria, wir essen uns satt,
Gottrose im kindlichen Leib,
der Hunger betrübt uns.
23. Dezember 2003
Die Frontweihnacht 1914 in den Gräben Flanderns hat durch das Buch "Der kleine Frieden im Großen Krieg" von Michael Jürgs und diverse Fernsehsendungen Schlagzeilen gemacht. (Auch der Guardian brachte eine Rezension.)
David Michael Jones erzählt die Geschichte in seinem großen Großgedicht "Anathemata" so:
"If much of this is fancy-fed though not unmixed with some theology, more surely on this night the white owls of Britain, seeking their Lady Wisdom where the columned Purbeck gleams, would find her unter Pales' thack, ad praesepem.
If this, though sure, is but allegory
at all events
and speaking most factually
and, as the fashion now requires, from observed data: On this night, when I was a young man in France, in Gallia Belgica, the forward ballista-teams of the Ilsand of Britain green-garlanded their silent three-o-threes for this I saw and heard their cockney song salute the happy morning; and later, on this same morning certain of the foodmen of Britain, walking in daylight, upright, through the lanes of the war-net to outside and beyond the rusted trip-belt, some with gifts, none with ported weapons, embraced him between his fossa and ours, exchanging tokens.
And this I know,
if only from immediate hearsay, for we had come on this mild morning (it was a Green Christmas) back into the rear, two to three thousand paces behind where his front vallum was called by us, the Maiden's Bulge, and ours, the Pontiff's Neb, between which parallels, these things, according to oral report reaching us in this forward reserve area, were done,
BECAUSE OF THE CHILD." (Mabinog's Liturgy)
In der Übersetzung von Cordelia Spaemann:
"Mag so manches hiervon der Phantasie entsprungen sein - immerhin mit einem Schuß Theologie -, so läßt sich doch von dieser Nacht mit mehr Gewißheit sagen, daß Frau Weisheit, falls Britanniens weiße Eulen im Glanz von gesäultem Purbeck-Marmor nach ihr suchen, eher ad praesepem unter Pales' Dach zu finden ist.
Falls dies, obgleich gesichert, nur Allegorie sein sollte,
für alle Fälle
 und rein aufs Tatsächliche beschränkt
und, wie der Zeitgeist es jetzt verlangt, aufgrund beobachteter Daten Folgendes: als ich ein junger Mann in Frankreich war, in Gallia Belgica schmückten in dieser Nach die britischen Geschützbedienungen in den vorderen Linien ihre schweigenden Achtzehnpfünder. Dies sah ich und hörte, wie ihr Cockneygesang dabei den fröhlichen Morgen grüßte. Und später, am selben Morgen, wanderten einige von den Infanteristen Britanniens aufrecht bei Tageslicht durch die Maschen des Verteidigungsnetzes nach vorn, über verrostete Stolperdrähte, unbewaffnet, manche noch mit Geschenken, und umarmten ihn zwischen seiner fossa und unserer und tauschten Andenken aus.
Und dies weiß ich,
wenn auch nur vom unmittelbaren Hörensagen, denn wir waren an diesem milden Morgen (es war ein grünes Weihnachten) in die Etappe zurückgekehrt, zwei- oder dreitausend Schritt hinter den Ort, wo sein Front-vallum 'Mädchenbuckel' und unser eigenes 'Papstschnabel' genannt wurden. Zwischen diesen Linien hatte sich, nach dem mündlichen Bericht, der uns in der rückwärtigen Stellung erreichte, solches zugetragen
WEGEN DEM KIND." (S. 214-6)
22. Dezember 2003
Alexander Kissler über den langen Weg von Friedrich Schleiermacher zu Franz Beckenbauer.
21. Dezember 2003
Ähnlich erhellend ist der Glaubens-Satz, den Jutta Speidel von sich geben darf:
"Ich bin katholisch erzogen worden, aber ich finde es grauenhaft, dass die katholische Kirche von ihren Priestern immer noch ein zölibatäres Leben verlangt (...) Aber ich habe vom lieben Gott viel Kraft mitbekommen. So schnell haut mich nichts mehr um."
Ich befürchte fast, daß auch nach Aufhebung des Zölibats Frau Speidel immer noch einige Forderungen der katholischen Kirche an ihre Priester grauenhaft fände: der Verzicht auf serielle Monogamie z. B. Aber zum Glück haut sie ja so schnell nichts um.
[Persönlich finde ich eher die Frühfilme von Frau Speidel grauenhaft, "Mädchen beim Frauenarzt" z. B. oder "Pepe, der Paukerschreck".]
Zu Weihnachten dürfen sich im Gong Stars zum Glauben äußern. Zum Beispiel Michael Mendl:
"Ich bin nicht einer, der ständig in die Kirche rennt. Aber ich glaube! Ich glaube an die Kraft im Menschen, die man mit Liebe, Hoffnung und Demut umschreiben kann."
Das ist natürlich erfreulich. Und vielleicht verrät uns Herr Mendl bei einer anderen Gelegenheit, was genau er damit meint und worin sich sein Glaube begründet...
Kardinal Meisner im Weihnachtsinterview beim Rheinischen Merkur:
"Ich habe keine Angst vor dem Mangel. Alle werden sich einschränken müssen. Aber die Energien des Evangeliums bleiben verfügbar, ja sie steigen, wenn die äußeren Möglichkeiten zurückgehen. Darum ist die Evangelisierung der Gesellschaft letztlich keine Frage des Geldes. Wir hatten noch nie so viel Geld wie in den letzten dreißig Jahren und haben noch nie so viel Glaubenssubstanz verloren wie in dieser Zeit. Die Armut macht uns nicht unfähig zur Offensive."
TSO postet ein schönes Stück aus "Mystery and Manners" von Flannery O'Connor.
"Das menschliche Kind Jesus staunt gewiß über alles: vom Dasein der liebenden Mutter zurück auch über sein eigenes Dasein und von beidem her über alle umgebenden Gestalten der Welt, vom kleinsten Blümchen bis zu dem unabsehbaren Himmel. Aber dieses Staunen stammt von dem viel tieferen Staunen des ewigen Kindes, das im absoluten Geist der Liebe über die alles durchwaltende und übersteigende Liebe selbst staunt.
'Der Vater ist größer': es bleibt bei diesem Komparativ, der weit mehr meint als ein Positiv 'groß', weit mehr auch als ein Superlativ 'der Größte', womit ein unüberschreitbarer Abschluß erreicht wäre. Der Komparativ ist die Sprachform des Staunens." (Hans Urs von Balthasar: Wenn ihr nicht werdet wie dieses Kind.- Ostfildern: Schwaben-Verlag, 1988, 36)
oder:
Feingefühl, liturgisches, immer noch fehlendes
Im Advent singen die Engel bei uns zum Sanctus nicht mehr "925,4", sondern "Macht hoch die Tür".
17. Dezember 2003
Bayern in Person von Edmund Stoiber will die Zahl seiner Theologischen Fakultäten halbieren: Nur noch München, Regensburg und Würzburg (alle kath.) und Erlangen (ev.) bleiben übrig. (Vertreibung aus der Universität - sueddeutsche.de - Bayern







