13. April 2004

Ein Fleisch bleiben

Endlich ist es so weit: Jennifer Hoes darf sich selbst heiraten.

Uwe Siemon-Netto stellt bei UPI die richtigen Fragen und bemerkt: "To paraphrase Malcolm Muggeridge, there is no cause mad enough not to enlist the services of demented clergymen strumming their guitars."


Indeed, Jesus wollte doch, daß jede und jeder ganz zu sich findet und seinen eigenen, ganz persönlichen Lebenssinn entdeckt und ihn er-leben kann. Zeitgebunden sah er natürlich in der Dauer-Ehe zwischen Mann und Frau das Ideal gelingender Partnerschaft. Diese zeitbedingte Enge gilt es abzustreifen, und zum Glück haben wir Menschen wie Jennifer Hoes, die zu ihrem So-und-nicht-anders-Sein stehen und sich nicht von gesellschaftlichen oder kirchlichen Konventionen begrenzen lassen.
Tatsächlich, leiblich oder gar nicht?

Gegen die offiziöse Theologen-Lehrmeinung betrachtet Klaus Berger in der Tagespost die Osterereignisse im NT als "historische Ereignisse", als Erfahrungen innerhalb von Raum und Zeit, die ihren Grund im "personalen Gegenüber Gottes" haben.
Lenz

Wo wir gerade beim Lenz sind:

Nachdem vor einigen Jahren die Illustrierte "Weltbild" schon in den "Lenz" aufging, scheint das gleiche Schicksal nun die "Frau im Leben" zu treffen. Auch wenn die Zeitschriften unter ihrem Titel getrennt weitererscheinen sollen: Die Redaktionen werden zusammengelegt, und am Ende winkt die finale Fusion. Ob die Omas vom Frauenbund allerdings mit dem "Lifestyle-Blatt für Best-Ager" so richtig glücklich werden?

Da die Leute ihre Kinder heutzutage immer später kriegen, ist es bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis "Leben und Erziehen" mit dem "Lenz" verschmilzt. Und die Hoppla- und Xmag-Leser werden in ein paar zehn Jahren 45 und gehören dann ebenfalls irgendwie zur Zielgruppe der "Best-Ager".
Sieben

Bei der Lektüre der Altenzeitschrift namens "Lenz" fiel mir am Wochenende so richtig auf, daß Geheimnisse grundsätzlich im Siebener-Pack auftreten. Das lässt sich durch eine Google-Suche empirisch stützen und trifft nicht nur auf "atemberaubenden Sex" zu, sondern auch auf die moderne Hausverkabelung, die Slowakei und leider auch auf das "Göttliche Herz Jesu".

Wer daher irgendwo "sechs Geheimnisse" proklamiert und verkauft, hat eines verpasst - das lässt sich in der Neu-Auflage des jeweiligen Buches nachschieben. Und wo von "acht Geheimnissen" die Rede ist, muß eines entweder doppelt oder: kein Geheimnis sein.

12. April 2004

In den Schrank

Into the Wardrobe nennt sich eine gut gepflegte und reichhaltige Site über C. S. Lewis
Sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

"Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach." (Lukas 24, 13 - 35)

11. April 2004

Ins Schwarze!

"Kurz gesagt: Das Judentum verlangt einem ganz schön was ab. Es ist definitiv nicht volltrottelkompatibel. Aber:

Es gibt keine 'Rumeier im Osterdesign', wie diese Teile hier beschrieben werden. Im Judentum wird nicht rumgeeiert. Und es ist auch kein Designgag. Es hat durchaus etwas Würde.

Btw. weil grad Pessach ist: Diese Würde kriegt man nicht, wenn man als Oberkirchenrat in irgendwelchen Kirchen den Seder nachspielt und sich irre versöhnlich dabei fühlt. Das ist unser Fest. Ich lade gerne Freunde zum Seder ein, und es ist mir egal, was die sind.

Aber alle Sedernachäffer: Eat Rumeier im Osterdesign and, well ya know what."

Sündenbekenntnis durch aus fremdem Mund. Liest keiner. Glaubt keiner. Und wenn doch, dann ohne Konsequenzen. Mich inclusive.

(Chuzpe - das Blog zur Sendung)

10. April 2004

Ein frohes und gesegnetes Osterfest ringsum!
What would Jesus eat?

Wäre er Vegetarier?

Aber wie war das mit dem Taubenopfer, dem Osterlamm, den Fischen? Hat Er den Schrecken des unschuldigen Leidens nicht recht verstanden? War vielleicht Er gefangen in zeitgenössischen jüdisch-mediterranen Vorurteilen?
"Hey, Padre, It's Mel"

Über die linguistischen Feinheiten des Passion-Skripts berichtet in der Chicago Tribune P. William Fulco S.J., der für die Übersetzungen ins Lateinische und Aramäische verantwortlich war. (via A Saintly Salmagundi)
In der Nacht, schlafend

"Niemand sah die Stunde deines Sieges. Niemand ist der Zeuge einer Weltgeburt. Niemand weiß, wie sich die Nacht der Samstagshölle wandelte ins Licht der Osterfrühe. Schlafend wurden wir alle auf Flügeln über den Abgrund getragen, schlafend empfingen wir die Ostergnade. Und keiner weiß, wie ihm geschah. Keiner, welche Hand ihm über die Wange strich, daß plötzlich die fahle Welt in bunten Farben erstrahlte und er lächeln mußte, ohne zu wollen, über dem Wunder, das sich an ihm vollzog." (Hans Urs von Balthasar: Das Herz der Welt.- Ostfildern: Schwabenverlag, 1988, S. 117)

8. April 2004

Auf den Spuren der Auferstehung

Johannes Zang, einer meiner alten Freunde, beschreibt die Heilige Woche in der Heimat Jesu. (Tagespost)

7. April 2004

Sinn-Wissen und Poesie

Das Leipziger Bücherlei: Lesefieber Wortlog zitiert: "Wir wissen ja heute auch noch nicht, wozu der Floh, das Zittergras oder der Mensch in der Schöpfung steht. Von der Stunde ab, wo wir es wüßten, verlöre alles seinen dichterischen oder religiösen Sinn." (Albert Vigoleis Thelen)

Ehrlich? In der Nachfolge Chestertons würde ich die Realität für poetischer halten als unsere Gedanken und Spekulationen, und entsprechender sollte die volle Erkenntnis der Wirklichkeit unsere dichterischen Fähigkeiten, unser Staunen und unsere Dankbarkeit mehr wecken als das Tasten im Halbdunkel und das Anzünden spekulativer Laternen im Hirn.

GOtt weiß, wofür Floh und Flöhin, das Zitter- und jedes andere Gras und wofür der homo sapiens in der Schöpfung stehen - und ist dabei der größte Poet, Urbild unserer Dichter und Ursprung aller Dichtung.
Die selben europäischen Tränen für Opfer und Mörder

"Der Tod eines Terroristenchefs, der zum Mord an 'den Juden' aufrief, der einen, übrigens legitimen, nationalen Kampf instrumentalisierte, der ohne die geringsten moralischen Bedenken seine eigenen Kinder dazu trieb, sich umzubringen um andere Kinder zu töten, der das Geld von Wohlfahrtsorganisationen missbrauchte, um seinen totalen Krieg zu finanzieren, verwandelt sich im offiziellen europäischen Diskurs in einen 'inakzeptablen und nicht zu rechtfertigenden' (so Jack Straw) Mord am geistigen Führer einer von manchen als 'politisch' bezeichneten Bewegung... Es ist bestürzend zu konstatieren, dass das Mitleid mit den Opfern in Europa aus postkolonialem Schuldgefühl zu einer Geschichtsversion führt, die mit den selben ernsthaften Tränen, die Opfer und und ihre Mörder beweint."

So übersetzt der Perlentaucher aus dem Manifest von Pascal Bruckner, Iannis Iannanakis und Michele Tribalat in Le Monde.
Christophobie

Jan Ross: Kontinent der leeren Kirchen in der aktuellen Zeit:

"Die Präambel, wie sie nun wohl kommen wird, ohne Gott und Christentum, hat einen ausgesprochen hochgemuten, humanistisch-vollmundigen Ton; die Religion in Europa, mit ihrer Geschichte der Brüche und Sünden, könnte so triumphalistisch gar nicht mehr auftreten und reden. Tadeusz Mazowiecki, seinerzeit der erste nachkommunistische Ministerpräsident Polens, hat stattdessen einen Text vorgeschlagen, in dem das Christentum Erwähnung findet, aber Judentum und Islam auch und nicht zuletzt der Verrat, den Gläubige wie Ungläubige an den europäischen Werten begangen haben. Die Alternative zur 'Christophobie' wäre nicht bigotte Selbstfeier, schon gar nicht Ausschluss der muslimischen Welt – gerade der Papst hat sich mit Sympathie über die europäische Berufung der Türkei geäußert. Was Europa mit seinem Verhältnis zur Religion zu gewinnen oder zu verlieren hat, ist Tiefe, das Bewusstsein seiner Wurzeln, aber auch seiner Abgründe. 'Seele' ist dafür kein schlechtes Wort."
Modernes Sakrament

Reinlichkeit statt Sündenvergebung - Wash Away Your Sins Easter Body Care Basket. Ist aber eher aus der Kategorie "Scherzartikel" bzw. "Ostergeschenke für Nichtglaubende." (via Sehpferd)
komm, ich führ dich hinweg

Ebenfalls heute in der Welt:

Paul Celan: Schibboleth

Mitsamt meinen Steinen,
den großgeweinten
hinter den Gittern,

schleiften sie mich
in die Mitte des Marktes,
dorthin,
wo die Fahne sich aufrollt, der ich
keinerlei Eid schwor.

Flöte,
Doppelflöte der Nacht:
denke der dunklen
Zwillingsröte
in Wien und Madrid.

Setz deine Fahne auf Halbmast,
Erinnerung.
Auf Halbmast
für heute und immer.

Herz:
gib dich auch hier zu erkennen,
hier, in der Mitte des Marktes.
Ruf's, das Schibboleth, hinaus
in die Fremde der Heimat:
Februar. No pasaran.

Einhorn:
du weißt um die Steine,
du weißt um die Wasser,
komm,
ich führ dich hinweg
zu den Stimmen
von Estremadura.
"Wir wissen, dass mit der Abtreibung ein potenzielles Leben endet. Warum sind wir so geschockt, wenn wir es sehen?"

Das sagt Julia Black, die Tochter eines der führenden britischen Abtreibungsärzte. Ihr Film "My Foetus" wird demnächst im Channel 4 ausgestrahlt.
Die Welt berichtet über diese Frau und ihren bemerkenswerten Film.

Ist das nur ein neuer Tabubruch des Sensationsfernsehens? Oder wird hier nicht auch eine Gesellschaft vorgeführt, die Abtreibungen nur deshalb "liberal" regeln kann, weil sie nicht sehen will, was bei diesem "Eingriff" geschieht: die Tötung eines ungeborenen Menschen.

6. April 2004

Der Ball der Verantwortung



Keine Beschäftigungstherapie für jugendliche Delinquenten oder hyperaktive Kinder, sondern die symbolische Übernahme der "Verantwortung für die Welt und den Weltjugendtag 2005".

Gut, daß die nachkonziliaren Kirchen von nutzlosem Tand, Stuck und Gipsfiguren leer geräumt sind; da kann nichts runterfallen. Ideal geeignet für eine richtig große Benimm-Show: Wie verhalte ich mich im sakralen Raum?

(Anstoß für Jesus)
Fasten-Blog zur CD

Der Jonathan-Rundman-Sound-Theology-Blog: MonDevotions von Ben Squires, Associate Pastor an der Redeemer Lutheran Church (Missouri Synod), Manitowoc, WI.
Kennt den jemand?

Was für ein interessanter Untertitel: "Perspectives on faith and rock & roll from a Finnish-American Midwestern Generation X Lutheran at the turn of the millennium.'

Gehört zu Jonathan Rundman: Sound Theology: Discs 1 & 2 mit 52 Songs, für jede Woche des Kirchenjahres einer.
Keine Visa-Verlängerung für Priester und Ordensleute in Israel

Erich bat, mit ihm einen Bericht öffentlich zu machen, der eine für die Kirche im Heiligen Land neue Situation beschreibt: Die Israelischen Behörden verweigern Priestern und Ordensleuten die Verlängerung ihrer Visa - nein: sie verweigern nicht, sondern tun schwillschweigend, in Bürokraten-Art, ganz einfach: nichts.

Bereits 100 "Illegale" sollen sich so in Israel aufhalten, und Schulen, Krankenhäuser und christliche Heiligtümer dort geraten inzwischen in Probleme. Das ist ganz sicher nicht die Art, wie diplomatische Verträge eingehalten werden: Der Vertrag zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl aus dem Jahr 1994 gab der der katholischen Kirche ausdrücklich das Recht, Mitarbeiter für ihre Einrichtungen ins Land zu bringen.

P. David Jaeger: "The situation here is really amazing –Kafkesque, to say the least. We are dealing with a very serious problem indeed, one which is getting worse by the day. Promises made by top ranking government officials have not been kept so far. They won’t let us know their reasons behind the new policy. There are no official channels of dialog to bring about a resolution to the situation. For some time now the Catholic Church in the Holy Land has been appealing to the solidarity of other Churches worldwide. The country’s rulers must realize that the situation now involves the entire Catholic Church across the globe."
(Franciscans and other religious treated like illegal immigrants - Asianews.it)

5. April 2004

Naja, man kann ja nie wissen!

"Für ein wirklich erfülltes Leben nach dem Tod geben Chinesen ihren verstorbenen Verwandten seit neuestem auch Viagra und Kondome mit auf den Weg ins Jenseits. Auch Prostituierte aus Papier seien derzeit als moderne 'Grabbeigabe' sehr begehrt, berichtete die Tageszeitung 'Shanghai Daily' am Freitag." Oberoesterreich.com
C'mon take me to the Mardi Gras



Bilder von der Faschingsfete der "Schwestern vom Hl. Joseph" (CSJ).
Gebildete aller Länder, vereinigt Euch!

Adieu, Karl Marx: Es sind nicht die Marginalisierten und Unterdrückten, die zurückschlagen, sagt Karsten Fischer (Das Projekt des Fundamentalismus, im März 2004-Merkur)

"Ein maßgeblicher Teil des Schreckens, den die Attentate vom 11. September 2001 nachhaltig verbreiten, resultiert aus der Furcht, daß ihnen eine internationale soziale Bewegung zugrunde liegen könnte, die gewaltsamen Protest gegen eine als ungerecht empfundene Weltwirtschaftsordnung artikuliert. Diese Befürchtung eines drohenden Armutsaufstandes dient regelmäßig als Argument für ein Umdenken im westlichen Wohlstandsmodell in Richtung verstärkter Entwicklungshilfe.

Diese Überlegungen beruhen jedoch insofern auf einem Irrtum, als sich fundamentalistische Eliten um so stärker provoziert und zu Terroranschlägen motiviert fühlen, je stärker die westlichen Wohlfahrtsgesellschaften entwicklungspolitisches Engagement zeigen, das den Fundamentalisten als kapitalistischer Imperialismus und als Hegemonie eines dekadenten Konsumismus erscheint.

Diese Vermutung einer besonderen Bedeutung sozialer Eliten für fundamentalistische Aktivitäten wird durch empirische Untersuchungen gestützt. So weiß man, daß der einflußreiche Chefideologe hinter Bin Laden, der Ägypter Ayman al-Zawahiri, aus einer wohlhabenden und gebildeten Kairoer Ärztefamilie stammt und als Chirurg der ägyptischen Armee arbeitete, bevor er 1980 nach Afghanistan ging. Allgemeiner belegt eine zwischen 1996 und 1999 durchgeführte Studie des Pakistani Nasra Hassan, der fast 250 Ausbilder und Angehörige von Selbstmordattentätern sowie gescheiterte Selbstmordattentäter befragt hat, daß es sich in der Regel um männliche Personen zwischen 18 und 38 Jahren handelt, von denen keiner ungebildet oder arm ist.

Auch eine Erhebung in der Westbank und im Gazastreifen durch das Palestinian Center for Policy and Survey Research hat ergeben, daß die Zustimmung zu Gewalt bis hin zu Selbstmordattentaten um so größer ist, je höher Bildungsstand und Lebensstandard sind. Und eine umfassende Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup in den relevanten muslimischen Ländern aus dem Jahr 2002 hat ergeben, daß die Zustimmung zu dem Satz, Toleranz sei einer der drei wichtigsten Werte und den Kindern in der häuslichen Erziehung zu vermitteln, mit steigendem Bildungsgrad sinkt. Dschihadisten agieren nicht aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, ganz im Gegenteil."


"... ich bin kein Prophet ..."

"Strukturwandel der Kirche als Aufgabe und Chance", Karl Rahners 1972er Buch zur Gemeinsamen Synode im Volltext als pdf-Datei.

"Wir sind doch, wenn wir ehrlich sind, in einem schrecklichen Maße eine spirituell unlebendige Kirche."

"Erst wenn diese Botschaft vom lebendigen Gott in den Kirchen mit aller Kraft des Geistes gepredigt wird, wird der Eindruck verschwinden, die Kirche sei doch nur ein seltsames Relikt aus den Zeiten einer Gesellschaft, die zum Untergang verurteilt ist."
Travelin' Isarside Blues

Die Süddeutsche über Eric, Mr. Johnson und das Konzert zur CD.
Ein Heiliger ist ein Heiliger ist ein Heiliger

Paul Badde über Francesco Forgione a.k.a. Pater Pio.
Da grüßt nicht nur das Murmeltier



Zur Theologie von "Groundhog Day" ("Und täglich grüßt das Murmeltier") ein Artikel von Michael P. Foley in Touchstone:

"A more fruitful approach, I suggest, would involve following all of the clues, clues that lead not only to religion but also to the great conversation of philosophy. Once we do so, Groundhog Day may be seen for what it is: a stunning allegory of moral, intellectual, and even religious excellence in the face of postmodern decay, a sort of Christian-Aristotelian Pilgrim’s Progress for those lost in the contemporary cosmos."

4. April 2004

"Wie Weihrauch steige mein Gebet zu Dir empor" (Ps 141, 2)

Ausführliche Informationen zum Weihrauch und allem Möglichen drumherum gibt es auf den Seiten von Michael Pfeifer.

2. April 2004

Liebe und Fruchtbarkeit, Geburt und Tod

Robert Frost: Putting in the Seed

You come to fetch me from my work to-night
When supper's on the table, and we'll see
If I can leave off burying the white
Soft petals fallen from the apple tree.
(Soft petals, yes, but not so barren quite,
Mingled with these, smooth bean and wrinkled pea);
And go along with you ere you lose sight
Of what you came for and become like me,
Slave to a springtime passion for the earth.
How Love burns through the Putting in the Seed
On through the watching for that early birth
When, just as the soil tarnishes with weed,

The sturdy seedling with arched body comes
Shouldering its way and shedding the earth crumbs.
"Ach, was soll der Apfel tun - aufgegessen wird er nun!"

Seit 50 Jahren gibt es die Pixi-Bücher aus dem Carlsen-Verlag und die FAZ würdigt die Töpfchen-Lekture der Nachkriegsdeutschen würdig.

Mein Lieblings-Pixi ist der Band 838, "Von Apfel bis Zylinder", James Krüß' "Alphabet für Kinder".

1. April 2004

Die Konzilsretter in Aktion

Nach Ansicht der Schwestern und Brüder unserer KirchenVolksBewegung - Wir Sind Kirche steht der r.-kath. Kirche eine neue Katastrophe ins Haus: die gemeinsame Instruktion von Glaubens- und Gottesdienstkongregation zur liturgischen Praxis, die wohl vor Ostern veröffentlicht werden soll.

Nachdem aus Rom ja nichts Gutes kommen kann, kündigt Wir-sind-Kirche schon mal die "Aktion 'Wir feiern Hoffnung'" an und ruft "die Gemeinden auf, ihre konzilsgemäße Gottesdienstpraxis beizubehalten".

Wie diese Gottesdienstpraxis laut Vatikanum II aussehen soll, lässt sich zum Glück für uns alle in der "Konstitution über die Heilige Liturgie", unter dem Titel "Sacrosanctum Concilium" bekannt, nachlesen.

Z. B. Nr. 22:
"§ 1. Das Recht, die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der Kirche zu. Diese Autorität liegt beim Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe des Rechtes beim Bischof.

§ 2. Auch den rechtmäßig konstituierten, für bestimmte Gebiete zuständigen Bischofsvereinigungen verschiedener Art steht es auf Grund einer vom Recht gewährten Vollmacht zu, innerhalb festgelegter Grenzen die Liturgie zu ordnen.

§ 3. Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern."

Z. B. Nr. 28:
"Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt."

Z. B. Nr. 36 (mit Ergänzungen in Nr. 40 und 54):
"§ 1. Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht.

§ 2. Da bei der Messe, bei der Sakramentenspendung und in den anderen Bereichen der Liturgie nicht selten der Gebrauch der Muttersprache für das Volk sehr nützlich sein kann, soll es gestattet sein, ihr einen weiteren Raum zuzubilligen, vor allem in den Lesungen und Hinweisen und in einigen Orationen und Gesängen gemäß den Regeln, die hierüber in den folgenden Kapiteln im einzelnen aufgestellt werden."

Aber halt! Ich vergaß: Was "konzilsgemäß" ist, bestimmt sich ja nicht nach dem Wortlaut der Konstitutionen, Dekrete und Erklärungen, sondern aus dem Geist des Konzils. Der wiederum weht aber nicht dort, wo er will, sondern wo die Brüder und Schwestern, die Wir-sind-Kirche sind, sagen, daß er sei.
Märtyrer des Gewissens

Nicht nur GWB spielt auf dem christlichen Klavier, auch JFK. Laut The American Spectator suchen Kerrys Helfer eine US-Diözese, in der dem Kandidaten öffentlichkeitswirksam die Kommunion verweigert werden könnte.

Mehr in der Tagespost.
Na, wer sagt's denn -

hier ist er schon, der sehr menschliche, zutrauliche Kanarien-Jesus, der uns aus der Hand frisst: "Der Schauspieler Nils Liebscher zeigt einen sehr menschlichen Jeschua: Einen Mann, der eigentlich Schreiner werden wollte wie sein Vater; der sich verliebte, sich aber nicht binden wollte. In sechs Beiträgen, jeder einzelne gut drei Minuten lang und unterlegt mit meditativer Musik, zeigt die Redaktion „Kirche im Lokalfunk“ die altvertraute Geschichte des Mannes aus Nazareth mit neuen Facetten."

Oder lässt uns Eric-Emmanuel Schmitt doch nicht so fröhlich ziehen? Muß auch sein Jesus sterben?
All-American Christ?

Antisemitisch sei der Film nicht und die Gewaltszenen seien "so weit von der Realität nicht entfernt", meint Exeget Bernhard Heininger (Universität Würzburg). Doch von der Angel lässt er Mel Gibson nicht so schnell: Jesus sei zum "all american hero" stilisiert, "der wie alle amerikanischen Helden einsam und unbeugsam seinen Weg bis zum Ende gehe".

Fragt sich nur, welchen Film Heininger gesehen und welche Bibel er zuhause hat:

Jesus einsam? So wie im Evangelium? Mit drei Schläfern am Ölberg und zehn flüchtigen Aposteln während des Prozesses? Mit Maria, "den Frauen" und Johannes unterm Kreuz? Welche Form von "Einsamkeit" schlägt Heininger vor, wenn nicht die der Evangelien und des Films?

Jesus unbeugsam? So wie im Evangelium bei Jo 10, 17f: "Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen"? Wenn der HErr der "Passion" und der Evangelien der gehorsame Jesus ist, der sich in Freiheit und in der Übernahme des göttlichen Willens beugen, biegen, zerbiegen lässt bis an sein Ende - wie sieht Heiningers HErr aus?

Den Weg bis ans Ende gehen? Bis zum "Tetelestai", zum "Es ist vollbracht" (Jo 19, 30)? Sich von Simon schleifen lassen, gegangen werden statt gehen?

Oder hätte Gibson doch weniger buchstabengläubig sein und den HErrn sanft entschlafen lassen sollen, möglichst in den liebenden Armen Maria Magdalenas, im warmen Bett, umgeben von seiner Großfamilie im heimischen, europäisch-bürgerlichen Nazareth?

Aber vielleicht waren die Evangelien schon pro-amerikanisch, denn immerhin lassen sie Jesus die Geißelung überleben? Ganz klar: Wir brauchen dringend eine überarbeitete Bibel, eine "Guten Nachricht für heutige Deutsche"?

26. März 2004

No Blogging



Bis Donnerstag bin ich da, wo es dieses Bier gibt.
"Geht hinaus und verkündet..." - Fragt sich bloß: Was?



Auch Kollar und Stola beugen dem mageren Jesusbild nicht vor. What would Luther say?

"Die Frage war, was danach passiert ist?

Nachdem er gekreuzigt worden war, hat eine tiefe Enttäuschung seine Anhänger ergriffen, nach dem Motto, jetzt ist alles aus. Dann ist etwas geschehen, was wir nicht greifen können, was höchstens zu deuten ist und was der Glaube akzeptieren kann.

Wir reden von der so genannten Auferstehung?

Das ist das, was wir nachher Auferstehung nennen. Es muss nach diesem Einschnitt ein Hoffen, ein Erwarten, ein Gegen-den-Augenschein-Annehmen aufgekommen sein, dass dieser Mann, der uns seinen Gott so verkündigt hat, nicht einfach in der Versenkung verschwunden ist, in irgendeiner Weise weiter lebendig sein muss. Aus dieser Annahme, so nenne ich es zunächst einmal, ist die Gewissheit geworden, dass das, was dieser Jesus war und verkörpert hat, mit seiner Kreuzigung nicht einfach tot ist, sondern ist in seiner Wirkung und seiner Bedeutung über seinen Tod hinaus lebendig bleibt. Dass diese Überzeugung theologisch erst mal zu dem Begriff "Auferstehung" geführt hat und im realen Glauben die Vorstellung von der Wiederbelebung eines Toten entstanden ist, ist ein weiterer Vorgang, weil der Glaube sich Bilder und Konkretionen sucht."

(Aus dem Interview des Südtiroler Wochenmagazins mit Hans Reimer, dem evangelischen Pastor von Meran.)
"Kein Problem, Chef!"

Das Buch zum Spruch. Eine Tour de Farce durch den längst vergangenen deutschen Alltag AD 2002. Absolut liebenswert!
Es geht ohne

Na, wenigstens ein Fasten, das nicht nur dem Herrn, sondern auch mir gefällt: Handy-Fasten.

Ich hab' nämlich keins.

25. März 2004

Die Wiederkehr der zwei Götter?

Sandro Magister vom italienischen L'espresso stellt die Debatte um die "Passion Christi" in den größeren Zusammenhang einer theologischen Auseinandersetzung um das richtige Verständnis der Heiligen Schrift.

Auf der einen Seite steht eine Strömung, die die Schrift von antijüdischen Tendenzen reinigen und sie deshalb nicht als "direkten Ausdruck des göttlichen Willens" (S. Ceccanti) verstanden wissen will. "Es ist klar, daß die vier Evangelisten ... eine Widerspiegelung der Gemeinschaften waren, zu denen sie gehörten. Notwendigerweise behaupteten sie ihre Identität, indem sie sich von den Juden abhoben. Doch der frühe (christliche) Glaube, der des Sohnes Gottes, konnte nicht anders als einen klaren Bruch zu vollziehen mit dem Glauben, der vom Vater auferlegt war, dem Gesetz des Moses. Dies hatte eine polemische Wirkung auf ihren Bericht von der Passion Christi."

Demgegenüber stehen Theologen wie der Päpstliche Hofprediger P. Raniero Cantalamessa und der Dominikaner Joseph Augustine Di Noia, Sekretär der Glaubenskongregation, die hier eine uralte Häresie heraushören, die des Marcion nämlich:

"M. fixierte seine Lehren in den 'Antithesen', die lediglich fragmentarisch überliefert sind. In ihnen machte er den Gegensatz von Alten und Neuem Testament thematisch. Das alte Testament wird verworfen, weil es einen zürnenden, gerechten, letztlich 'bösen' Gott (den Schöpfergott, Demiurgen) verkünde, der mit dem neutestamentlichen Gott der Liebe nichts gemein habe. Christus, der diesen Gott der Liebe verkündete, habe durch sein Leiden in einem zum Schein angenommenen Leibe (Doketismus) aus der Macht des Demiurgen befreit. Die Ablehnung des Schöpfergottes führte bei den Marcioniten zu einer weltflüchtigen Askese, die sich u. a. in der Ablehnung der Ehe äußerte. Die Zurückweisung des Alten Testamentes war zwangsläufig Antrieb, auch die neutestamentliche Überlieferung von allen Judaismen zu reinigen. M.s Bemühungen in dieser Hinsicht forcierten die Diskussionen um die 'Kanonbildung' und erzwangen dezidierte Stellungnahmen seitens der Großkirche. Das gereinigte Neue Testament M.s enthält neben dem gekürzten Lukasevangelium nur die Paulusbriefe (mit Ausnahme der Pastoralbriefe und des Hebräerbriefs)." (Art. Marcion des Bio-Bibliographischen Kirchenlexikons)

Auch im deutschen Kirchenalltag lässt sich ein ähnliches Phänomen beobachten: Um Jesus als den befreienden Heiler, als den zärtlichen Menschenfreund zu sehen, wird oft ein derart absoluter Gegensatz zwischen jüdischer Gesetzesfrömmigkeit und christlicher Freiheit vom Gesetz konstruiert, daß Marcion tatsächlich um die Ecke lugt. Konsequent wird der vom Konzil reich gedeckte "Tisch des Wortes" Sonntags wieder leer geräumt von der alttestamentlichen Lesung, die nicht ins zeitgemäße Weltbild passt in ihrer Partikularität, ihrem Eifer für das Gesetz und den eifernden Gott Israels.

(Den Text der von Magister angesprochenen Predigt P. Cantalamessas gibt es in einer englischen Version.)

24. März 2004

Und Ostern ist nicht mehr weit



Eier, Hasen, Hühner - und alles als fett- und schokoladenfreie
Marshmellows

23. März 2004

Matt Talbot Anläßlich einer Diskussion bin ich heute wieder auf ihn gestoßen: den irischen Quartalssäufer und Heiligen Matt Talbot. Er war einer der Helden meiner katholischen Kindheit, denn in der alten Heiligenlegende von 1936 war er eine auffällige Figur: ein Dockarbeiter, einer von der Straße, ein Süchtiger und dann doch durch die Gnade Gottes: geheilt, neu geschaffen, großherzig, arm, offen, froh.
Leserbrief an die Heimatzeitung

... , 23. März 2004

Leserbrief zu Ihrem Interview „Ohne jede Barmherzigkeit“ – Main-Echo vom 20./21. März 2004

Sehr geehrte Redaktion,

anbei finden Sie einen Leserbrief zum obigen Artikel, den Sie gerne veröffentlichen dürfen:

„Zu meinem großen Schmerz wird der berüchtigte Film 'Die Sünderin' trotz aller Proteste zuständiger Stellen nun auch in Köln, in der Metropole unserer Erzdiözese aufgeführt. [...] Ich erwarte, daß unsere katholischen Männer und Frauen, erst recht unsere gesunde katholische Jugend in berechtigter Empörung und in christlicher Einmütigkeit die Lichtspielhäuser meidet, die unter Mißbrauche des Namens der Kunst eine Aufführung bringen, die auf eine Zersetzung der sittlichen Begriffe unseres christlichen Volkes hinauskommt.“ So warnte 1951 der spätere Konzilsvater Josef Kardinal Frings seine Gläubigen vor Hildegard Knef.

Über 50 Jahre und ein Konzil später hören die deutschen Katholiken ähnliche Warnungen - mit einem Unterschied: Diesmal geht es um einen Film, der die Passion Jesu aus biblischer und christlicher Perspektive zeigen will. Da muß Gefahr im Verzug sein, wenn die Deutsche Bischofskonferenz schon zwei Wochen vor dem Filmstart ein Statement loslässt und kurz danach – mit EKD und dem Zentralrat der Juden in Deutschland - eine großökumenische Stellungnahme nachschiebt! Für wie mündig hält man uns eigentlich nach 40 Jahren nachkonziliarer Erziehung zur Mündigkeit? Nach 9 – 13 Jahren staatlich gefördertem Religionsunterricht, nach diversen Sakramentskatechesen und allsonntäglichen Predigten?

Die lokalen Theologen dürfen im Konzert der Hierarchen nicht fehlen. So hatten die Leser des Main-Echo am 20. März die Gelegenheit, ganz erstaunliche Neu-Interpretationen des Christen-Glaubens zu vernehmen. Jesus, der charismatische Geschichtenerzähler und Knacker „ganz vertrackter Situationen“ – wenn das „das Entscheidende“ ist, sollten wir das uralt-veraltete Credo endlich updaten und die Formulierung „gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ersatzlos streichen. Und den Rosenkranz mit dem Gesätz: „Jesus, der noch jedes Problem gelöst hat“ ergänzen.

Diakon G. Knörzers Formulierung: „Also ich seh’ überhaupt keinen Gott, an keiner Stelle. Es ist ein gottloser Film“ sagt weniger über den Film als über eine Wahrnehmungsstörung des christlichen Geistlichen. Das bekannte Zitat aus Elie Wiesels Buch „Die Nacht“ („‚Wo ist Gott, wo ist er?’ fragte jemand hinter mir. ...Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: ‚Wo er ist? Hier ist er ... Er hängt dort am Galgen ...’“) gibt die Richtung an, in die wir auf Golgotha blicken müssen, wenn wir Gott sehen wollen. Übrigens sprechen nicht nur konservative Katholiken, sondern auch der evangelische Theologe Jürgen Moltmann vom „gekreuzigte(n) Gott“ und vom „Kreuz Christi als Grund und Kritik christlicher Theologie“. Aber das war 1972 und die Theologie ist eine schnelllebige Wissenschaft. Vielleicht ist ja, was heute „theologisch absolut unzulässig“ ist, auf der nächsten „Reflexionsstufe“ schon wieder erlaubt oder geboten?

Wer das Interview ganz aufmerksam liest, dem wird auch nicht entgangen sein, daß G. Knörzer zwar vom Leben Jesu, nie aber von der „Auferstehung“ spricht: Er redet nur von der „Auferstehungs-“, der „österlichen Geschichte“. – Ist Jesus nun auferweckt, oder erzählen wir uns das nur weiter? Ist die Frage selbst vielleicht schon Ausfluß einer mittelalterlichen „Reflexionsstufe“, die momentan „theologisch absolut unzulässig“ ist?

Wird ein Theologe eigentlich schizophren, wenn er einerseits das Leiden Jesu für ein „kleines Verbindungsglied“ und „die bedeutungslose Seite“ des Christentums hält und dann jeden Sonntag – wie G. Knörzer – mit am Altar steht und die Euchariste mitfeiert, die nach den Worten des Konzils „eingesetzt“ wurde, „um dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauern zu lassen und so der Kirche, seiner geliebten Braut, eine Gedächtnisfeier seines Todes und seiner Auferstehung anzuvertrauen“?

Schon allein um das kirchliche Establishment zu ärgern, möchte man alle über-16jährigen auffordern: Schock deine Eltern, deinen Pfarrer, deinen Religionslehrer - Geh in die „Passion Christi“! Bild dir selber deine Meinung!

Mit freundlichen Grüßen,

scipio

22. März 2004

Lesenswert (via Fonos Log)
Andreas Püttmann: Mel Gibsons Glaubenszeugnis Die Passion Christi.

Wieso bezahlen wir eigentlich nach 40 Jahren postkonziliarer Erziehung zur Mündigkeit eine Funktionärskaste, die uns um des Heils unserer Seelen willen warnt, bestimmte Filme zu besuchen?

Und was für eine spirituelle Weiterentwicklung: 1951 warnten die deutschen Bischöfe unsere Väter und Mütter vor der Sünderin Hildegard Knef: "Zu meinem großen Schmerz wird der berüchtigte Film 'Die Sünderin' trotz aller Proteste zuständiger Stellen nun auch in Köln, in der Metropole unserer Erzdiözese aufgeführt. [...] Ich erwarte, daß unsere katholischen Männer und Frauen, erst recht unsere gesunde katholische Jugend in berechtigter Empörung und in christlicher Einmütigkeit die Lichtspielhäuser meidet, die unter Mißbrauche des Namens der Kunst eine Aufführung bringen, die auf eine Zersetzung der sittlichen Begriffe unseres christlichen Volkes hinauskommt." (Josef Kardinal Frings).

Die Nachfolger ebendieser Bischöfe warnen uns 2004 vor dem Film eines gläubigen Katholiken über die Passion Jesu. Über die Warnung vor der "Sünderin" lachen wir heute, die Warnung vor der "Passion" befolgen wir.
Zwist in Bremen: Dürfen Muslime biblische Geschichte unterrichten?
Nachgedanken zur "Passion Christi"- I

"Nach all den Verrissen, nun mal ehrlich: wer kann es sich erlauben, einen Film nicht gesehen zu haben, vor dem einhellig durch die katholische Bischofskonferenz, der EKD und dem Zentralrat der Juden in Deutschland gewarnt wird?" - damit hat Catholicism Wow absolut recht. Wenn dann noch ein Kino im näheren Umkreis den Besuchern eine Ausweiskontrolle ankündigt und gutbürgerliche Christen aus dem Familienkreis fragen, wie ich denn in diesen Film gehen könne, wo doch gerade heute in der Zeitung zwei Theologen usw. usf. - dann ist "Die Passion Christi" ein absolutes Muß für den White Male Conservative Catholic, der dieses Blog schreibt.

Gestern abend, zur Prime Time saß ich also in unserem lokalen Multiplex-Tempel; der Saal war zu gut 50 % gefüllt - vor allem mit jungen Leuten zwischen 18 und 25 beiderlei Geschlechts, viele Pärchen und kleine Gruppen, mit Cola, Popcorn und Nachos gut versorgt, keine typischen Kirchgänger und Bibelleser (beides cum grano salis). Die Stimmung war etwas ruhiger als sonst und wurde nach der Werbung, die uns leider nicht erspart blieb, ganz still. So weit ich sehen konnte, hielten alle bis zum Ende durch. Viele blieben über den Abspann hin sitzen. Von starken Gefühlen war nichts zu sehen oder zu hören, dafür gab es nachdenkliche Gesichter und leise Gespräche.

Ich habe selber für mich kein Fazit der "Passion" gefunden - es sind nur Bausteine, die ich im Folgenden aufschreibe:
  • Das vierte Gottesknechtlied (Jes 52, 13 - 53, 12) ist einer der zentralen Schlüssel, unter denen Gibson seinen Film verstanden haben will. Nicht nur das Motto "Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt" (53, 5), auch Sätze wie "Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen" (52) oder "Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht." (53, 11) finden ihre filmische Darstellung.
  • Wer mit dem Johannesevangelium, seiner Zuverlässigkeit als historische Quelle und seiner Theologie, Probleme hat, der wird auch weite Teile der "Passion" ablehnen. Denn das Warum der Passion und des Todes Jesu sieht Gibson in der dort gedeuteten Selbsthingabe Jesu für seine "Freunde" und seinem "Selbstverständnis" als "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Jo 14, 6). Ebenso betont Gibson die Souveränität Jesu, die Freiheit, mit der Er Sein Leiden annimmt als den Willen des Vaters - ebenfalls ein johanneisches Thema.
  • Wie sieht es denn aus mit dem "Es ist, wie es war", mit dem Anspruch auf eine vollständige Rekonstruktion des Passionsgeschehen? Wenn Joaquin Navarro-Valls von einer "cineastischen Transskription" spricht, steckt im Adjektiv die Einschränkung: Wir haben es hier mit einem Kunstwerk (manche nennen es "Machwerk", ich weiß) zu tun, und die schließen andere Interpretationen und Darstellungen nicht aus. Auch nach Mel Gibson wird es vermutlich noch viele andere filmische und künstlerische Werke geben, die das Leben und den Tod Jesu mit ihren je eigenen Mitteln zu verstehen suchen.
  • Gibson scheint nun undifferenziert aus den vier Evangelien, aus der katholischen Volksfrömmigkeit und Legende und aus Quellen wie den Schriften Anna Katharina Emmerichs zu schöpfen, ohne Hinweis auf ihre unterschiedliche historische Zuverlässigkeit und theologische Wertigkeit. Er folgt eben nicht streng dem johanneischen Ablauf oder einer synoptischen Perspektive. Der Kreuzabnahme durch Josef von Arimathäa folgt das alte Pieta und der Blick auf eher barocke Zusammenstellung der "Passionswerkzeuge", der "arma Christi". Ich frage mich aber, ob er nicht ganz bewußt genau das darstellt, was jeder von uns ungewollt und quasi-automatisch tut, wenn er die Passion Christi schildern soll: Die Einzelbericht zusammenfügen in eine "best of"-Variante. Nur Exegeten schaffen es wohl, fein-säuberlich jeweils zum matthäischen, markinischen, lukanischen oder johanneischen Jesus zu beten - je nach Anlass oder Lesejahr. Wir andern begegnen dem Einen, dessen Bild in uns aus allen möglichen Elementen sich zu einer - vielleicht - konsistenten "Gestalt" zusammensetzt. "Praestet fides supplementum sensuum defectui" - Der Glaube kommt dem Fehlen sinnlicher Wahrnehmung ergänzend zu Hilfe und füllt die Lücken mit seiner Vorstellungskraft, ein altes Verfahren in der Passionsbetrachtung.
  • Das Schlimmste am Film ist die Musik.
  • Wie schlimm ist die gezeigte Gewalt? Ich kenne kaum Filme aus der Brutalo-Schublade, weder die guten noch die schlechten, und bin auch sonst kein großer Kinogeher oder Filmexperte. Ich habe keine Ahnung, wie "schrottig", slayer- oder splattermäßig - so einer der oben erwähnten Theologen in unserer Lokalzeitung - "The Passion" im Vergleich ist. Es gab nur wenige Momente, wo ich dachte: "Jetzt ist es zu viel. Warum hat er an dieser Stelle nicht aufgehört". Dafür gab es aber einen Moment, wo es mich durchzuckte und ich mir eingestehen musste: "So brutal wie diese Römer - das könnte ich auch sein." Ich selber wurde mir offenbar als jemand, der nicht nur durch Feigheit und Taktieren, nicht nur Hetze und Verleumdung, sondern von schlichter Gewalttätigkeit gepackt, einen Menschen quälen und töten könnte. Eine Sekunde lang war mir klar, daß ich mich weiden könnte am Leiden anderer. Wie sagt Johannes über Jesus: "er wusste, was im Menschen ist". (Jo 2, 25)

(to be continued)
Hat Jesus gelacht?

Dem nachkonziliaren Volksmund und Umbert Eco nach wurde diese Frage in den dunklen Zeiten des Christentums ja mit einem klaren "Nein" beantwortet.

Umso bemerkenswerter eigentlich, daß der "Traditionalist" Mel Gibson in seinem Film gleich zu Anfang mit "Ja" antwortet und noch bemerkenswerter, daß das keiner unserer Großkritiker bemerkt. Aber dann vielleicht auch wieder nicht... De Passione Christi nihil nisi male.

19. März 2004

Todesrate

Die Aktion Lebensrecht für Alle referiert in ihrem Newsletter einen Bericht der WELT: Im Jahr 2001 kommen in Deutschland auf 1.000 Geburten 182,4 Abtreibungen - jedes 6. Kind wird während der Schwangerschaft getötet.
Puder

1920 in Deutschland: Als damals nach dem ersten Krieg, so erzählt die alte Dame, der kleine Bruder zur Welt kam, wurde jeden Abend eines der Kinder auf den Dachboden geschickt und klopfte dort das frische Wurmmehl aus den Balken. In der Küche wurde das Mehl gesiebt, um etwaige Splitter zu entfernen, und über Nacht getrocknet. Damit war der Vorrat an Babypuder für einen neuen Tag gesichert.

18. März 2004

Authentisch statt wahr

Eine Illustration zum vorigen Posting ebenfalls in der ZEIT: Aus anderem Holz. Robin Detje besucht einen Oberammergauer Herrgottsschnitzer - um das Mysterium Tremendum der biblischen Religion und ihre Praktiker zu erleben.

Was er fand, war ein moderner Katholik, der bis vor kurzem beim Schnitzen Guns 'n' Roses hörte, mit seinem Gott ein "recht privates und undogmatisches" Auskommen hat und in der Kunst "die Gnade der persönlichen künstlerischen Erfüllung" erhofft.

Es ist ein weiter Weg vom wahren Antlitz Christi, das die Ikonenmaler des Christlichen Ostens betend und fastend darzustellen suchten, zum "authentischen" Jesus am Kreuz, der sich "in einer tänzerischen Geste himmelwärts" reckt.
Klaus Bergers Therapie

"Es wird nichts helfen, die drei 'K' werden für Christen in dieser weltgeschichtlichen Auseinandersetzung notwendig werden: Katechismus, Kultur und Kinderfreundlichkeit. Mit Katechismus meine ich ein klares und verständliches Begreifen des eigenen Glaubens. Das betrifft besonders jene Positionen, die sich vom Islam unterscheiden, nämlich Dreifaltigkeit und Sühnetod Jesu. Wir können es nicht dabei belassen, dass nur der Islam auftritt als die 'biblische Religion für die Leute von der Straße'. Ein schlichter, klarer Katechismus, wie wir ihn in der Nachkriegszeit hatten, ist überfällig. Unsere Kultur aber sollte mit traditionsbewusster Gelassenheit auftreten, die darum weiß, dass wir viel, aber eben bei weitem nicht alles dem Islam des Mittelalters verdanken. Die Begegnungen werden oft gerade dadurch erschwert, dass die Gemeinsamkeiten weiter reichen, als wir ahnen. Ich habe aber immer wieder Muslime erlebt, die vor glaubwürdig frommen Christen große Hochachtung hatten. So ist es auch im Koran."

Wie geht der Westen mit dem Islam um? Dem Allermeisten im ZEIT-Artikel von Klaus Berger: Die Muslime sind längst unter uns stimme ich zu - eines aber lässt er außer acht: Der Westen - mindestens der europäische - ist säkular. Das eigentliche Thema ist daher nicht, wie Christen und Muslime miteinander umgehen und wie sie einander besser verstehen, sondern wie eine gott-freie Gesellschaft und Kultur mit Kulturen umgeht, in denen die Religion genau so selbstverständlich ist wie in Deutschland das Bekenntnis zur Freiheit des einzelnen, sein Leben nach eigenen, individuellen Vorstellungen zu gestalten, oder zu glauben, was er für richtig hält.

Ein "schlichter, klarer Katechismus" wäre vermutlich eine interessante Lektüre für aufgeschlossene Muslime und einen Teil des Feuilletons, ein Tabu-Buch für die Mehrzahl der deutschen Katholiken, ein schwer verdaulicher Bissen für die Hierarchie und unakzeptabel für die Theologenzunft. No chance, nicht einmal in der katholischen Kirche.
Korrektur am Rande

Das letzte Wort Jesu bei Mel G. sei das aramäische "tetelestai", sagt die FAZ.

Na, da hat aber jemand im Griechisch-Unterricht nicht aufgepasst. "tetelestai" ist immer noch das Perfekt Passiv des griechischen "telein - beenden, abschließen, vollenden".

17. März 2004

"... das ist ein theologisches Verbrechen!"

Na, diese Beiden sind ja richtig empört! Sind wir von 40jährigen Prälaten gar nicht gewohnt...
Empathie statt "backlash"

"Mel Gibson's new film 'The Passion of the Christ' may be reducing anti-Semitism, according to a new poll.

Not only is 'The Passion' not producing the much-feared anti-Semitic backlash, it has actually created an empathy for Jews, according to a poll released by the San Francisco-based Institute for Jewish and Community Research (IJCR).

Among the 1,003 adults recently polled nationwide about the film, 83 percent said it did not make them blame contemporary Jews for Christ's death; only 2 percent said the film made them more likely to hold today's Jews responsible; and 9 percent said the film made them less likely to do so."

('Passion' not fueling anti-Semitism - The Washington Times)
Guido Horst: Mel Gibson oder Karl Rahner?

Die Paradigmen wechseln, während die deutsche Kirche Rahner feiert und huldigt. Die Inkarnation geschieht nicht mehr begrifflich-abstrakt, schwarz auf weiß, sondern vielfarbig-grell und zum Anfassen nah.

Wohl dem, der da noch ruhig akademisch feiern kann.
Leider keine Sensationsmeldung -

Es hätte sich so gut in den Zeitungen gemacht: Man treated after attempting to nail himself to cross - zu schade, daß er "Den Film" noch gar nicht gesehen hat. (via Saintly Salmagundi)

Garantiert unanstössige Kreuze!

Das Jesusbild der heutigen Kirchen sei in "Passion" nicht zu finden, sagt Ferdinand Kaineder, Referent für Laientheologen am Bischöflichen Ordinariat Linz in den Oberösterreichischen Nachrichten.

Meinte er solche Jesusbilder?



Motiv "Greenpeace" (politisch korrekt, daher auch für öffentliche Schulen geeignet)



Motiv "Swimmy" (führt Motive aus dem Kleinkindergottesdienst positiv in den Alltag hinein weiter)



Motiv "Leer" (erregt garantiert keinen Anstoß; völlig gewaltfrei)

16. März 2004

Papstwahl-Empfehlungen aus Belgien

Ein Kerl muss eine Meinung haben! Und deshalb weiß Daniel Vanescote ganz genau, was er vom Nachfolger des Johannes Paul II. erwartet: "Von einem Papst erwarte ich, dass er keine Dogmen aufstellt, sondern unterschiedliche Auffassungen in der Kirche und Gesellschaft wahrnimmt und überbrückt." Und dann hätte er noch gerne jemanden, der auf machtpolitischen Einfluß zugunsten von "Dienen" verzichtet.

Da muss er ja eigentlich mit JPII recht glücklich gewesen sein, denn der hat 1. keine Dogmen aufgestellt und 2. die unterschiedlichen "Auffassungen" in seiner Kirche und dem Rest der Welt sehr wohl wahrgenommen. Nur beim Überbrücken haperte es - was ja nicht am Papst gelegen haben muß.

Und ob Lech Walesa und seine Solidarnosc-Kollegen so froh gewesen wären, wenn der Papst nur schüchtern und bescheiden gedient und nicht auch mal mit den Sowjets diplomatisch Tacheles geredet hätte? Und die vielen anderen Christen und Nicht-Christen, denen JPII durch "machtpolitischen Einfluß" das Leben leichter machte?

Aber sehen wir M. Vanescote seine enge Perspektive nach, schließlich ist er als Synodalpräsident der Vereinigten Protestantische Kirche Belgiens Bürger einer westlichen, zivilen Gesellschaft und benötigt die moralische und machtpolitische Unterstützung des Vatikans frühestens, wenn in akuter Euthanasiegefahr schwebt.

(Südthüringer Zeitung Online: Wer soll der nächste Papst werden?)
Luzifers bloggende Kinder

Steiner-, Waldorf-, Anthro- und Posophenblogs gibt es auch "in stattlicher Anzahl", und zwar mit so richtig schön ungebrochenem Selbstbewußtsein, daß man als weißer deutscher männlicher Katholik - 2000 Jahre Kirchengeschichte auf dem Buckel und in eine hurenhafte Una Sancta hineingetauft - richtig neidisch sein möchte. Denn immerhin wissen sie sich ja von Joseph Beuys gesandt: "Schreiben Sie Artikel, gründen Sie Zeitschriften! Gestalten Sie Ihr Bewusstsein zum Platz der Völker, zur totalen Inkarnation, zum Sinnesorgan des Weltgeistes! Und zwar jetzt und sofort!"

Doch wenn dann wieder das Geraune um Feinstoffhöllen - ähm: -hüllen, unreine und gereinigte Auren und - Henscheid bewahre - Chakren-Arbeit einsetzt, bin ich um meinen leidenden und lebenden Erlöser aus Nazareth schon rein menschlich richtig froh. Freilich gibt es auch Blogs wie das von Felix Hau, der den inneranthroposophischen Frieden (wenn es den denn gibt) mit frechen Bemerkungen und Bildern stört. Highly amusing, auch wenn man nicht zu Luzifers Kindern gehört.

15. März 2004

Her mit den symbolischen Akten!

Nicht schlecht ist auch die Einladung der Benedictine Sisters of Erie, von der Orthodoxie zur Orthopraxie fortzuschreiten:

"Let prayer change you. Do something: Hug someone."
Der fehlende Blog

Nachdem Rachelle Linner in ihrem Commonweal-Artikel bemängelt hatte, daß es noch kein Nonnen-Blog gebe und daß die anderen in der Regel konservativ-katholisch seien, hat der Curt Jester Abhilfe geschaffen: Sr. Mary Biko von der Gemeinschaft der Schwestern von der göttlichen Fortschrittlichkeit beglückt uns als Thoroughly Modern Mary mit ihren Reflexionen zu den üblichen heißen Themen.
Kleider machen Leute

- und nach Nancy Sherman, einer Professorin von der Georgetown-Universität, in einer durchaus anderen Art und Weise, als wir heute üblicherweise annehmen. John Allen berichtet in seinem neuesten Word From Rome über einen Vortrag, den sie in Rom hielt:

"Sherman's point (drawing on Seneca) was that manners matter. The way we speak in polite conversation, our smiles, even the way we dress, over time can help shape our deeper moral selves. Sherman noted that such externals can mask hypocrisy, but they also can help nudge us in virtuous directions. She calls this 'the aesthetic of character'.

Sherman opened with a reference to her experience at the U.S. Naval Academy, where she taught the institution’s first course on ethics. Among other things, she commented on the attention paid in the military to decorum, including the way that a trim and neat uniform is believed to correlate with good conduct.

I was struck by the fact that Sherman made this observation before, in effect, a room full of men in uniform. There were 22 people at the seminar, 15 of whom were priests, and in typical Opus Dei fashion, all were in Roman collar. (Contrast this with her experience at Georgetown, where the Jesuits typically exhibit much greater sartorial flexibility). Her paper made me wonder if wearing priestly dress can help promote priestly virtue."

Christian Geyer hat in seinem Rahner-Jubiläumsartikel vom letzten Samstag Woche den Wandel der Rahnerschen Autorenfotos auf dem Hintergrund der rebellischen 70er analysiert. Vom properen Jesuiten, wie er uns z.B. auf der Rückseite der Erstauflagen des Kleinen Konzilskompendiums entgegenstrahlt, zum zerknitterten und unrasierten Startheologen, der seine Krawatte sichtbar ungern trägt, war in der Tat ein weiter Weg. Im Sinne von Nancy Sherman müsste man sich jetzt fragen, ob er in römischem Kragen und Soutane seinen wuscheligen Briefwechsel mit L. Rinser genauso geführt hätte wie mit offenem Hemdkragen. (Aber gut, vielleicht trug er ja anfangs noch die herkömmliche Priestertracht...)

- Zur Buße für diese Bemerkung werde ich heute ein Extra-Gebet für seine und meine Seele einschieben, dem guten GOtt für das theologische Charisma Rahners danken und seinen lebenden Mitbrüdern im Priesteramt ein tugendhaftes Leben erbitten.

14. März 2004

Zwischenbericht zum Erfolg "zeitgemäßer" religiöser Erziehung in der Familie

"Je mehr Kinder von ihren Eltern dazu angeregt werden, zu beten, gute Christen zu werden, gottesfürchtig zu leben, sich zu bekehren und bibelfest zu werden, desto eher erfahren sie Gott als liebevolles, mächtiges und helfendes Wesen." Das sagt nicht etwa der Maria-Goretti-Kreis oder ein evangelikal-fundamentalistischer Familienpastor, sondern die holländische Kinderpsychologin Simone A. de Roos nach einem interdiszplinären Forschungsprojekt zum Thema "Religiosität und Familie".

Mehr in der Tagespost

13. März 2004

Willkommen im Klub!

Wieder ein Neuer: Hieronymus mit Laudate Nomen Domini

12. März 2004

Wertewandel

"Wahre Werte erleben eine Renaissance" titelte das Handelsblatt gestern. Aber dann ging es doch wieder nur um "Rohstoffe, Strom, Immobilien und agrarische Nutzflächen".
Ahnenreihe der TAZ?



"Alexamenos bete(t) Gott an". (Mehr bei Rodney J. Decker: The Alexamenos Graffito)

Wenn Ihr nicht werdet ...

Endlich mal wieder ein Quiz, und noch dazu ein richtig spirituell korrektes:

My inner child is six years old today

My inner child is six years old!


Look what I can do! I can walk, I can run, I can
read! I like to do stuff, and there's a whole
big world out there to do it in. Just so long
as I can take my blankie and my Mommy and my
three best friends with me, of course.


How Old is Your Inner Child?
brought to you by Quizilla

11. März 2004

Die Plage zu Ein-Dollar-Fünfzig



Die Ägyptischen Plagen in der praktischen Sammelpackung aus dem Jewish.com-Store - "if only Moses knew..."
Aramäisch

Im Gegensatz zu Latein ist das Aramäische keine tote Sprache. Siehe Aramaic Is Alive & Well in the United States bei Catholic Analysis.
Bonbons aus einer vergangenen Welt

"Irgendwer muß Frau Wilhelmine Lübke auch sagen, daß sie auf Staatsbesuchen, ihren Mann nicht mit dem Ruf 'Heini, wir gehen zu Bett' ins Quartier beordern kann."

Diese und noch viele weitere Peinlichkeiten rund um Heini und Minken finden sich auf der finalen Heinrich-Lübke-Gedächtnisseite, die Markus Denkler zum Gedächtnis an den Urahn von Johannes Rau errichtet hat. (via Richard Herzingers Ideen und Irrtümer)

10. März 2004

Kirche von unten

Gerard Serafin verlinkt zu "St. Blog's Church - America’s most vibrant parish?", einer Übersicht über das katholische Blogwesen in Commonweal.

"Catholic blogdom is a predominantly lay phenomenon, and many, if not most, bloggers are married people and parents."
Chronik

Eine Chronik der laufenden Meinungen und Ereignisse rund um Mel Gibsons "Passion" schreibt für uns Josef Christoph Haefely.

9. März 2004

Frauen im Vatikan

Das hat Neuigkeitswert: Mit Barbara Hallensleben und Sara Butler sind erstmals zwei Frauen in die Internationale Theologenkommission des Vatikan berufen worden.

(Reuters und L'Osservatore Romano)
"Der Kerl war gesund!"

Aus dem Stats-Anzeiger vom 31. März 1785:


"Leben und WunderWerke des treuen Dieners Gottes Benedict Josef Labre, der zu Rom im Rufe der Heiligkeit den 16 Apr. gestorben. Aus dem Französischen ins Deutsche übersezt, und kürzlich verfasset von Iacob Schaffer, der ArzneiKunst Doctor in Strasburg. Strasburg, beim Buchdr. der bischöfl. Universität. Mit Gutheissen und Erlaubnis der Obern. 1784, 3, 40 Seiten.

Ein höchstmerkwürdiges ActenStück zur Geschichte der stupidesten Schwärmerei, noch gegen das Ende des 18ten Säculi, in Italien, Frankreich, und Deutschland ... Labre, geb. 1748 in Frankreich, kein Betrüger, aber von Natur ein Schwärmer, und dabei stinkend faul, mag nichts lernen, will nicht arbeiten, verträgt sich in keinem Kloster, wird also ein Bettler von Profession, läuft nun Jar aus und ein von Loreto nach Rom, und von Rom nach Loreto (Reisende finden auf diesem Wege dergleichen TagDiebe noch jetzo in allen JaresZeiten), lebt in Rom wie der elendeste Bettler, wont daselbst im Colosseo, wird voll Ungeziefers, trinkt Wasser mit Essig, frißt lieber die vor die Häuser geworfene CitronenSchalen, als daß er sich, wie einem Menschen und Christen geziemte, durch Arbeiten (der Kerl war gesund, und erst 30 J. alt) ein reinlicheres Brod hätte verdienen sollen: und stirbt im Schmutz, und - wird ein Heiliger, und tut Wunder!...."
Die Tanten bloggen

Nachdem die Tante Zeit das Bloggen schon vor einiger Zeit begonnen hat, sitzt die andere Großtante nun auch am Keyboard: SPD Newslog: // (via netbib weblog)
Das Auge Gottes



(HubbleSite - NewsCenter - 2003 - 11 - Iridescent Glory of Nearby Planetary Nebula Showcased on Astronomy Day via Westprovinz der U.S.-Dominikaner)

8. März 2004

Salz statt Balsam auf moderne Seelen?

Eine der lesenswerten Besprechungen von "The Passion" stammt von Uwe-Siemon-Netto, einem deutschen lutherischen Theologen und UPI-Korrespondenten:

"Must a work of art be so drastic? Could it no be a little less troubling, you know, more of a politically correct balsam to the soul?

Must we really know what it looked like when the Romans scourged people about to be crucified? When they beat them with whips whose leather strips bore metal balls that dug deep into the victim's muscle tearing out chunks of flesh and exposing the bone beneath, as biologist Cathleen Shrier of Azusa Pacific University describes this procedure?

'It is as it was,' Pope John Paul II is reported to have said after previewing the film. But is this reason enough to show this to a society that, in the sarcastic words of Boston University's church historian Carter Lindberg, 'doesn't want to have crucified people hanging around'?

Is this the proper form of edification, for example, for feminist theologians constantly attempting to re-imagine Christ to the point of trying to do away with 'bleeding men dangling from a tree,' as one of their leaders opined a few years ago at an event where they 'consecrated' a Eucharist with milk and honey to celebrate female body juices?"

Es geht nicht um Erbaulichkeit, meint er, sondern um die alte christliche Wahrheit, daß vor Ostern der Karfreitag steht. "Ungekreuzigt steht keiner auf." (via Catholic Analysis)
Keine Zählkandidatin

"bild: Wir haben gehört, Sie sind eine engagierte Katholikin ...

Gesine Schwan: Ja. Der Glaube ist für mich sehr wichtig. Als mich jemand einmal gefragt hat, was für mich das größte Unglück wäre, habe ich geantwortet: Wenn ich meinen Glauben verlieren würde. Ich gehe regelmäßig zur Messe, obwohl ich nicht in einem typisch katholischen Haushalt groß geworden bin." (Aus der B-Zeitung)

Und diese klare Antwort wäre nicht der einzige Grund, warum Gesine Schwan eine gute Bundespräsidentin abgeben würde...
Das Aggiornamento muß weitergehen!

Nach der Lektüre des DBK-Textes zum Gibson-Film bin ich entschlossen, die dort implizierten Kriterien auch auf andere christliche Gedächtnisübungen wie den Kreuzweg anzuwenden.
Flannery O'Connor und christliche Schocktherapie

"The universe of the Catholic fiction writer is one that is founded on the theological truths of the Faith, but particularly on three of them which are basic - the Fall, the Redemption, and the Judgment. These are doctrines that the modern secualr world does not believe in. It does not believe in sin, or in the value that suffering can have, or in eternal responsibility, and since we live in a world that since the sixteenth century has been increasingly domnated by secular thought, the Catholic writer often finds himself writing in and for a world that is unprepared and unwilling to see the meaning of life as he sees it.

This means frequently that he may resort to violent literary means to get his vision across to a hostile audience, and the images and actions he creates may seem distorted and exaggerated to the Catholic mind."

(Catholic Novelists and Their Readers. In: Mystery and Manners, p. 185)

Und noch deutlicher:

"When you can assume that your audience holds the same beliefs you do, you can relax a little and use more normal means of talking to it; when you have to assume that it does not, then you have to make your vision apparent by shock - to the hard of hearing you shout, and for the almost-blind you draw large and startling figures."

(The Fiction Writer & His Country. In: Mystery and Manners, p. 34)

6. März 2004

Sieh da: Es geht auch mal schnell und deutlich

Manchmal, wenn es ums Seelenheil geht, können unsere deutschen Bischöfe ganz ganz schnell reagieren!

So auch jetzt, anläßlich einer Vorabaufführung der "Passion". Die Publizistische Kommission, bestehend aus dem neuen Erzbischof von Paderborn und fünf Weihbischöfen, äußert sich zurückhaltend und sehr sehr vorsichtig.

Und in einer Parallelaktion bekommen wir schon mal die Kritik von Peter Hasenberg zu lesen, die am 18.3. 2004 im Film-Dienst erscheinen wird. "Weil 'Die Passion Christi' keine Kompromisse zulässt, zwingt der Film dazu, Stellung zu beziehen und in Abgrenzung von Mel Gibson die Kernfragen des Glaubens neu zu thematisieren. Der Wert seines Films an sich darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, aber selbst wenn man ihn als gescheitert betrachtet, wirft er Fragen auf, denen sich Christen stellen müssen."

Aber immerhin stellt der Film die Fragen, die die beamteten Hirten und ihr Apparat salbungsvoll-harmonisch und immer kompromißbereit uns höchstens in kleinen Häppchen zu reichen pflegen.
Flugfreuden

"Ich bin Stewardeß. Ich bin diejenige, die zu Ihnen kommen muß, wenn Sie auf die kleine schwarze Frau auf dem gelben Schalter über ihrem Kopf drücken."

Und Ich darf demnächst wieder einmal mit ein paar hundert anderen homines sapientes den Atlantik überqueren und freue mich schon aufs Fliegen. Und natürlich auch auf die freundlichen Stewardessen, die einem im Idealfall das Gefühl vermitteln, daß sie schon immer darauf gewartet haben, einen 8 Stunden lang zu verwöhnen. Geschäftsmäßige Freundlichkeit, die uns das Eingepferchtsein in einer Flugmaschine erleichtert; ein Theaterstück namens höflicher Zuvorkommenheit, die für Augenblicke den Passagier auf Platz 20D als Individuum behandelt.

Je weiter vorne man sitzen darf, desto echter wirkt die Freundlichkeit. Und je weniger einer den "Senator" raushängen läßt, desto echter ist sie - vielleicht. (Ich werde nur "normaler" Business-Passagier sein.)

Lektüre zur Flugvorbereitung: Flucht vor Fluggästen und Flucht vor Stewardessen

5. März 2004

"It's time I reclaim My image!"

Kein Wunder, daß die "Passion" auch schon die Spaßvögel auf den Plan ruft. Auch für meinereinen ganz nett ist der Artikel in der "Onion": "Jesus Demands Creative Control Over Next Movie".

4. März 2004

"Selbst Atheisten erschrecken vor der sich ausbreitenden Leere"

Die Zeit 11 / 2004 - Rauterberg: Von allen guten Geistern verlassen

Mein Kommentar nach außen: Nicht rumpienzen jetzt - jede Gesellschaft bekommt die Kirche, die sie verdient. Mit ein bißchen Zeitverzögerung, weil die Kirche nicht so schnell reagiert. Wenn es dann aber so weit ist, ist der Effekt gewaltig.

Mein Kommentar nach innen: Kirche ist immer mehr als was man sieht. Kirche ist die organisierte und sich selbst organisierende Gegenwart des Drei-Einen Gottes in der Menschheit. Kirche ist lebendiger als wir denken und als wir im Westen normalerweise erfahren. Nicht Niedergang, sondern "Gestaltwandel" ist das, was vor sich geht.

3. März 2004

Marias Fiat

Frei nach Lukas - das musste einfach auch hier rein. Ein Dank an den Curt Jester!

Tabubrecher

Was sind das für Zeiten, wo konservative Katholiken als die letzten Tabubrecher übrigbleiben?

Jens Jessen stellt in der Zeit Nicolas Gomez Davila vor, der als "authentischer Reaktionär" in Tat und Wort seiner und unserer Zeit widersprach, so oft und so sehr er nur konnte.

"Es ist an der Zeit, die Kultur in Verruf zu bringen, damit es sich nicht mehr lohnt, sie im Dienste der Politik oder der Industrie zu erniedrigen."

"Der größte moderne Irrtum besteht nicht in der These vom toten Gott, sondern im Glauben, dass der Teufel tot sei."

"Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht."

2. März 2004

Mit Mel Gibson in der Kirchenbank

Nein, mein Leben dreht sich nicht um "The Passion", auch wenn es für Euch Blog-Leser so aussieht.

Für alle, die immer noch nicht genug zu Mel Gibson, seinem Film und seinem Glauben gelesen haben, gibt es hier einen hochinteressanten Artikel, der als biographischer Schlüssel zum Regisseur und seinem Werk dienen kann.

Sophie Masson, eine australische Schriftstellerin wurde in der gleichen traditionalistisch-katholischen Kirchengemeinde groß wie Mel Gibson und beschreibt den Glauben ihrer Familie, der sie trotz Revolte und Resignation nicht loslässt. Die Augen der Ikone Christi, vor die sie ihr Vater zu erzieherischen Zwecken hinstellte - sie folgen ihr immer noch. Und offensichtlich haben sie auch Mel Gibson nicht losgelassen.

"Today, the understanding of that passion burns deeply in me, the feeling of what religion actually is, for those who fight for it, and in its name. Though I do not share my parents' practices and many of their beliefs, my understanding of the Latin Mass movement is inevitably bound up with my love for and loyalty to them. People who see religion only as sociology, as politics, an intellectual thing, or an irrelevance, who have never been exposed to the vast, extraordinary, searing emotional and spiritual power born of human suffering and passion, may very well misunderstand or misinterpret such a passion."

An Mel Gibson erinnert sie sich: "But back home, I drew rebellious pictures of a bearded, long-haired, bright-eyed young man who bore marked resemblance to one of the Gibson boys, handsome, long-haired, quiet Mel. I would look at the dark, difficult Jesus of the icon, and think, 'I don't want to die early just for some cause. You don't have anything to say to me.'"
Quod licet bovi, non licet Jovi

Schon interessant: Katholiken zerbrechen sich den Kopf, ob der Passion-Film zu sehr die Schuldwelle reitet - und "People for the Ethical Treatment of Animals" hat keine Probleme, mit dem Slogan "He died for Your Sins" Mitleid mit Schweinen und anderen Verzehrtieren zu erzeugen.

(kath.net: Schweine-Reklame: 'Er starb für deine Sünden')

1. März 2004

Judenchrist

"Der unerschütterliche Monotheismus des Bob Dylan" ist Thema einer vierteiligen Artikelserie in Jewsweek, wobei der letzte Teil noch aussteht. (via Against the Grain)
Raymund Schwager SJ - requiesce in pace!




St. Josef berichtet, daß P. Raymund Schwager SJ am vergangenen Freitag plötzlich und unerwartet verstorben ist. Damit hat die Kirche nicht nur einen klugen und innovativen Theologen verloren, sondern auch einen mutigen Mann, der immer wieder für die ganze Wahrheit und gegen verbürgerlichtes Christentum - auch in den eigenen, Theologen-Reihen - eintrat.

Im Juli des letzten Jahres war ich kurz per E-Mail mit ihm in Kontakt, als der Übernahme seines Textes zum Fall "Hasenhüttl" unkompliziert und mit Segenswünschen zustimmte.

Sein Buch "Dem Netz des Jägers entronnen" hatte auch vorher schon einen Ehrenplatz im Bücherschrank.

Zum Paradies mögen ihn die Engel begleiten, dorthin, wo sein Herr ihn erwartet.

27. Februar 2004

Wer hat Jesus ausgeliefert?

Immerhin einen anerkannten Theologen läßt die Zeit in Sachen Gibsonschen Antisemitismus' zu Wort kommen. Walter Schmithals gibt Mel hinter den Evangelien Deckung und stellt stattdessen eine simplistische Bibellektüre ins Feuer. Lesenswert.
Wettermeldung

Auch nicht schlecht: ein weißer Aschermittwoch statt ein aschgrauer. Verheißungsvoll. "Wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee." (Ps 51, 9)
207.000 x Scipio!

Google-Hit-Zahlen als Indikatoren für Popularität von Personen und Themen- nein. Eher Anzeichen für journalistische Faulheit, meint Lionel Beehner.
Die Wahrheit - aber wie?

"Man soll die Wahrheit den Menschen nicht wie ein nasses Handtuch um die Ohren hauen" - ein wahrer Satz, der in der praktischen pastoralen Anwendung "vor Ort", "an der Basis" leider eher zur Eigen- und Fremdbestätigung mißbraucht wird. Bestimmte, "harte" Themen fallen aus der Verkündigung raus, und so manche Seelsorger eiern nicht einmal herum, sondern schweigen.

Es gibt eine Alternative dazu: Man kann die Wahrheit den Menschen auch wie ein trockenes Handtuch anbieten. Der Oberösterreichische Pfarrer Gerhard Wagner scheint genau das versucht zu haben. Seine gesammelten Briefe an verschiedene Sub-Populationen seiner Gemeinde finden sich in dem von der Tagespost besprochenen Buch "Berufen zum Dienst in Kirche und Welt: Briefe eines Pfarrers an seine Pfarrgemeinde".

23. Februar 2004

Karnevalsbeschäftigungen

Dieses Jahr zu Fasching beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit der Verkleidung von Wänden - mittels dieser langen, klammen, klebenden Papierstreifen.

Der denkwürdigste Rosenmontag war für mich der von 1987: der Geburtstag unseres Ältesten.
Laienpredigt praktisch

Warum eigentlich nicht? Warum sollen immer nur die Priester predigen? Warum nicht auch entsprechend ausgebildete Laien? Und ist es wirklich die Ausbildung, die einen guten Prediger macht? Muß er sich nicht berufen fühlen, "Charisma" haben? Oder sollte nicht einfach die Gemeinde ihre(n) Prediger berufen und beauftragen? Und müsste die nicht solche Personen beauftragen, die sie ganz tief, innerlichst aufwühlen, bewegen, berühren - natürlich auch drewermännlich heilsam berühren?

Wie das so ganz praktisch aussehen kann, sehen wir im "Powerhouse of Praise", Toledo, OH. Jacob Thomas Matthew Walters, ein gewöhnlicher 12-Jähriger, tritt dort als richtiges Kanzel-Kraftpaket auf. Er ist zwar familiär vorbelastet, aber das ist kein Argument gegen die Eichtheit seines Charismas. (via Saintly Salmagundi)
Kant zum 200.

Der kategorische Imperativ der Mediengesellschaft: "Handle so, als ob die Maximen deines Handelns unbedingt auch zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden müssten."
Das Umfeld der "Passion"

Lorenz Jäger in der Samstags-FAZ hat die "Passion" (leider) noch nicht gesehen, sondiert aber die Nachbarschaft schon einmal: Bibelschinken, Godard und Pasolini, Scorseses "Letzte Versuchung".

Sein vorsichtiger Schluß: "Manches in Gibsons Film läßt erwarten, daß er in seiner Kompromißlosigkeit ... eher zur Autoren-Tradition von Godard und Pasolini neigt. Und die Treue des traditionalistischen Katholiken Gibson zum biblischen Bericht steht außer Frage. Die Debatte der nächsten Wochen wird zeigen, ob der Film ästhetisch standhält - und ob er die Europäer zu überzeugen vermag, die mit den baptistischen, aber eigentlich amerikatypischen Bekenntnisritualen der öffentlichen Religion wenig anzufangen wissen."

Ich würde den Film weniger in den Rahmen baptistischen öffentlichen Zeugnisses stellen als in den sehr katholischen der Karfreitagsprozessionen und Passionsspiele, die in ihrem Realismus (man denke an die Kreuzigungen auf den Philippinen...) dem Durchschnittseuropäer allerdings nicht weniger fremd sind... Außer es gelingt, sie folkloristisch zu neutralisieren.

20. Februar 2004

Vater und Sohn

Was Mels Vater Hutton Gibson zum Holocaust von sich gibt, ist ausgemachter Schwachsinn, aber der Sohn ("Asked in media interviews whether he shares his father's views, Mel Gibson has said that he loves his father and will not speak against him.") wird leider dafür in Familienhaft genommen - da kann er sagen, was er will.

(Yahoo! News - Gibson Father: Holocaust Mostly 'Fiction')