31. Dezember 2005

Jahreshighlights
4. Folge: 2005


Musik:


Bücher:

30. Dezember 2005

Verbandskatholizismus 2006

Ein Streiflicht aus dem Reservat des deutschen Verbandskatholizismus: 100 Jahre publiziert die KAB Deutschlands nun schon ihre Zeitungen und Zeitschriften für die organisierte katholische Arbeiterschaft dieses Landes. Aktuell nennt sich das "kompetente", "kritische" und "kreative" Blatt KAB-Impuls. Unvermeidlich, daß dort auch sogenannte "spirituelle Impulse" (die einen eigenen Eintrag im Wörterbuch des Dummdeutsch verdienen) geboten werden.

In der aktuellen Ausgabe (Jan/Feb 2006) beglückt die Redaktion die Mitglieder an prominenter Stelle und ganzseitig mit einem Songtext von Lukas Hilbert (of Superstars fame):

"Niemand weiss,
was der Morgen bringt
und ob die Welt in ein paar Jahren
im Meer versinkt.
Und warum
es so viel Kälte gibt,
obwohl jeder Mensch
die Wärme liebt.
Doch wir halten an uns fest,
denn die Hoffnung stirbt zuletzt.
Was zählt ist hier und hier ist jetzt.

So lang ein Mensch weiter fühlen kann,
so lang er kämpft eine Ewigkeit lang
und auf die Liebe schwört,
ist kein Leben verkehrt.
So lang ist es lebenswert.

So lang ein Mensch an was glauben kann,
auch wenn er gehen muss irgendwann,
mit jedem Atemzug schwört,
ist kein Leben verkehrt.
So lang ist es lebenswert.

Jeder weiss,
dass es Kriege gibt.
Vielleicht bist du hierher berufen,
dass der Friede siegt.
Niemand kommt
umsonst auf diese Welt,
ganz egal wo er
aus den Wolken fällt.

Doch wir halten an uns fest,
denn die Hoffnung stirbt zuletzt.
Was zählt ist hier und hier ist jetzt."
Geht man so falsch in der Annahme, daß die KAB-Redaktion entweder die Message (incl. des "anything goes", und des "Den Himmel überlassen wir ...") selber glaubt oder am Ende eines Jahres, in dem die Religion und die Kirche neu entdeckt wurde, ihren Mitgliedern nicht mehr an Christlichkeit zumuten will und kann?

Seliger Marcel Callo, bitte für sie und uns!

28. Dezember 2005

Opus Dei

John L. Allen Jr. über das Opus Dei: auf Godspy in einem kurzen Text und in einem langen Interview.
Supervisorin

Rüdiger Safranski im Handelsblatt über die Kirche:

"Wenn es sie nicht gäbe, müsste man eine Institution wie die katholische Kirche erfinden." "Sie ist zweitausend Jahre alt und spielt eine Art Supervisionsrolle gegenüber dem Trubel auf unserem Globus - mit einem Elefantengedächtnis. Die katholische Kirche verkörpert etwas Störrisches, konservativ Langsames in einer beschleunigten Welt." (Quelle: Tagespost)
Gemeinschaft der Heiligen - 6
Solum in ecclesia


"Es verhält sich nicht nur so, daß es keine wahre Selbstbefreiung für den Menschen gibt außer in der Freiheit Gottes, sondern so, daß diese Befreiung nicht 'mysteriös-innerlich' geschieht, sondern durch andere Menschen, die Kirche. Dieser Sachverhalt hat auch darin seinen Grund: Nicht autarke Autonomie entspricht dem tiefsten Wunsch des Menschen, sondern die Erfahrung, daß er geliebt ist.

Der Mensch bedarf einer entgegengenommenen Liebe, er muß sich verdanken, um sich frei, 'gefreit' zu fühlen, wie es das alte deutsche Wort sagt. Der Mensch vermag im Vollzug seiner Freiheit nichts allein. Deshalb bedarf er für das ganze Werk seiner Freiheit des Ortes der Gemeinde." (Ludwig Weimer: Die Lust an Gott und seiner Sache.- Freiburg: Herder, 1982, S. 179)
"Wir wollen Jesus sehen!"



Wer zu Weihnachten einen Buch-Gutschein geschenkt bekam und nicht weiß, wie er/sie ihn sinnvoll anlegen soll:

"Ansichten Christi" ist der gut gestaltete, theologisch fundierte, geistlich erbauende Katalog zur Ausstellung, die von Juli bis Oktober als Begleitprogramm des Weltjugendtages im Kölner Wallraf-Richartz-Museum stattfand. Mit 30 € fast geschenkt.
Katholische oder lutherische Autorschaft

18 Fragen zum großen-kleinen Unterschied zwischen katholisch und lutherisch, zusammengestellt von Vinzenz Pfnür.

24. Dezember 2005

Euch allen in urbe, orbe et in internet:

Frohe und gesegnete Weihnachten!
In Nativitate Domini
Oratio pro missa in nocte


Deus, qui hanc sacratissimam noctem veri luminis fecisti illustratione clarescere: da, quaesumus: ut, cujus lucis mysteria in terra cognovimus, ejus quoque gaudiis in caelo perfruamur: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti, Deus, per omnia saecula saeculorum.

GOtt, der Du diese allheiligste Nacht durch den Aufgang des wahren Lichtes taghell gemacht hast: Gib, wir bitten Dich, daß wir im Himmel die Freuden jenes Lichtes genießen, dessen Geheimnisse wir auf Erden erkannt haben: Ihn, der mit Dir in der Einheit des Heiligen Geistes als Gott lebt und herrscht durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Hey, get rhythm when you get the blues


(gibts hier via Matthew Lickona)

23. Dezember 2005

Gemeinschaft der Heiligen - 5
Es spricht: das 2. Vatikanische Konzil


"Aus der tiefen Anerkennung dieser Gemeinschaft des ganzen mystischen Leibes Jesu Christi hat die pilgernde Kirche seit den Anfängen der christlichen Religion das Gedächtnis der Verstorbenen mit großer Ehrfurcht gepflegt und hat auch Fürbitten für sie dargebracht, 'weil es ein heiliger und heilsamer Gedanke ist, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden' (2 Makk 12,46). Daß aber die Apostel und Märtyrer Christi, die mit ihrem Blut das höchste Zeugnis des Glaubens und der Liebe gegeben hatten, in Christus in besonderer Weise mit uns verbunden seien, hat die Kirche immer geglaubt, sie hat sie zugleich mit der seligen Jungfrau Maria und den heiligen Engeln mit besonderer Andacht verehrt und hat fromm ihre fürbittende Hilfe erbeten.

Bald wurden ihnen auch andere beigezählt, die Christi Jungfräulichkeit und Armut entschiedener nachgeahmt haben, und schließlich die übrigen, welche die hervorragende Übung der christlichen Tugenden und die göttlichen Charismen der frommen Andacht und Nachahmung der Gläubigen empfahlen. Wenn wir nämlich auf das Leben der treuen Nachfolger Christi schauen, erhalten wir neuen Antrieb, die künftige Stadt zu suchen (vgl. Hebr 13,14 und 11,10).

Zugleich werden wir einen ganz verläßlichen Weg gewiesen, wie wir, jeder nach seinem Stand und seinen eigenen Lebensverhältnissen, durch die irdischen Wechselfälle hindurch zur vollkommenen Vereinigung mit Christus, nämlich zur Heiligkeit, kommen können.

Im Leben derer, die, zwar Schicksalsgenossen unserer Menschlichkeit, dennoch vollkommener dem Bilde Christi gleichgestaltet werden (vgl. 2 Kor 3,18), zeigt Gott den Menschen in lebendiger Weise seine Gegenwart und sein Antlitz. In ihnen redet er selbst zu uns, gibt er uns ein Zeichen seines Reiches, zu dem wir, mit einer so großen Wolke von Zeugen umgeben und angesichts solcher Bezeugung der Wahrheit des Evangeliums, mächtig hingezogen werden. Aber nicht bloß um des Beispiels willen begehen wir das Gedächtnis der Heiligen, sondern mehr noch, damit die Einheit der ganzen Kirche durch die Übung der brüderlichen Liebe im Geiste gestärkt werde (vgl. Eph 4,1-6).

Denn wie die christliche Gemeinschaft unter den Erdenpilgern uns näher zu Christus bringt, so verbindet auch die Gemeinschaft mit den Heiligen uns mit Christus, von dem als Quelle und Haupt jegliche Gnade und das Leben des Gottesvolkes selbst ausgehen. So ziemt es sich also durchaus, diese Freunde und Miterben Christi, unsere Brüder und besonderen Wohltäter, zu lieben, Gott für sie den schuldigen Dank abzustatten, 'sie hilfesuchend anzurufen und zu ihrem Gebet, zu ihrer mächtigen Hilfe Zuflucht zu nehmen, um Wohltaten zu erflehen von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, der allein unser Erlöser und Retter ist'. Jedes echte Zeugnis unserer Liebe zu den Heiligen zielt nämlich seiner Natur nach letztlich auf Christus, der 'die Krone aller Heiligen' ist, und durch ihn auf Gott, der wunderbar in seinen Heiligen ist und in ihnen verherrlicht wird." (Lumen Gentium, Nr. 50)
Gemeinschaft der Heiligen - 4
Crossing Jordan im Einerkajak


Anfang der Woche nahm ich an einer "evangelischen Beerdigung" teil, in der mir das katholische Verständnis der Gemeinschaft der Heiligen und Geheiligten in der Kirche richtig klar wurde - sozusagen exemplarisch. Nein, ich schließe von dieser einen Beerdigung nicht auf das Kirchenverständnis und die Kirchenerfahrung der evangelischen Kirche, sondern nutze die Erfahrung dieser einen Stunde nur, um mir das eigene klarer zu machen. Und nutze es, um klar zu machen, daß die Heiligen für Katholiken mehr sind als Vorbilder, als Musterexemplare.

In der Aussegnungshalle (die gut katholisch, drastisch-leiblich in meinem Heimatort "Leichenhalle" heißt) wartete gemeinsam mit dem Leichnam im Sarg die Trauergemeinde der entfernten Verwandten, Freunde und Bekannten schon zeitig auf den Beginn der Feier. Sie wartete still, besinnlich, schweigend. Die engere Familie kam pünktlich an, gefolgt vom Pastor im schwarzen Talar und Beffchen. Immer noch Schweigen und Stille. Der Pastor trat ans Mikro, betete einen Psalm, trug Paulus vor und hielt eine Ansprache mit sehr biblischem Inhalt. Nach einem Musikstück - der Verstorbene spielte in einer Jazzband - zog die Trauergemeinde hinter Sarg, Pastor und Familie zum Grab. Dort weitere besinnliche Worte und das Vater Unser, gebetet vom Pastor. Zum Schluß Einladung zum Tränenbrot, Beileidsbekundungen, getragenes Gespräch.

Dagegen sind katholische Beerdigungen wahre soziale Veranstaltungen - mindestens so wie ich sie kenne: Das fängt vor der Beerdigung an, bei der der Rosenkranz gebetet wird - nicht verlegene, manchmal peinliche, unnatürliche Stille, sondern durchaus energisches, gemurmeltes, halb bewußtes Anrufen der Muttergottes und Nachgehen der Heilandsleiden im schmerzhaften Rosenkranz, gemeinsame Einstimmung in eine gemeinsame Handlung. (Auch Schwätzen wird geduldet und praktiziert, aber holla: immer schön im Rahmen.) Zur festgesetzten Zeit findet sich der Pfarrer ein, idealerweise mit Ministranten - schon wieder ein Team, das hier auftritt -, Tragekruzifix und Weihrauch. Ein Lied, gemeinsame Gebete, das zugerufene Amen als Antwort auf die priesterlichen Gebete - sogar das sprach der Pastor am Dienstag ganz allein - und dann die Übergabe des Verstorbenen aus der Gemeinschaft des Dorfes und der Mitchristen an jene anderen Mitchristen und Bürger der ewigen civitas:

"Zum Paradiese mögen Engel dich geleiten,
bei deiner Ankunft die Martyrer dich begrüßen
und dich führen in die
heilige Stadt Jerusalem.
Chöre der Engel mögen dich empfangen,
und mit Lazarus, dem einst so armen,
soll ewige Ruhe dich erfreuen.

In paradisum deducant te Angeli
in tuo adventu suscipiant te Martyres,
et perducant te
in civitatem sanctam Jerusalem.
Chorus Angelorum te suscipiat
et cum Lazaro quondam paupere
aeternam habeas requiem."
Da, wo der verstorbene evangelische Christ allein im Einerkajak den Jordan überquert, sitzt sein katholischer Freund eher in der überfüllten Fähre bei Freunden, die die Reise schon einmal gemacht haben, und taucht am anderen Ufer in das Gewimmel der Heiligen Stadt ein. Macht sich auf den Weg zum Reinigungsort, in moderner theologischer Sprache ausgedrückt: zur Begegnung mit seinem Herrn, der in einem Richter und Erlöser ist, in dessen liebend-klarem Blick unser gebrochenes und zerbrochenes Leben seine Gestalt findet, nicht ohne verwandelnden Schmerz zwar, aber was ist der schon vor der HErrlichkeit des DReiEInen?

Den Abschiedsschmerz der Angehörigen lindert das alles nicht, aber er findet seinen Platz - im Idealfall jedenfalls - in jener sichtbar-unsichtbaren Gemeinschaft der Glaubenden, Getauften, Geheiligten. Mindestens in meiner Pfarrei gilt das letzte, gemeinsame Vaterunser am Grab den "demjenigen aus unserer Mitte, der als nächstes von Gott heimgerufen wird" ... Im Vorgriff wird die Gemeinde fürbittend aktiv für den nächsten, den sie verabschieden wird.

Um von hier aus zur Frage der rechten Beziehung zu den Heiligen - denn darum ging es ja in Matthias' Feststellung - zurückzukehren: Kann sich in dieser katholischen Vision des Kosmos jemand vorstellen, daß es an Bord der Fähre still, unkommunikativ zugeht? Das tut es vielleicht nur dann, wenn man die Mitfahrer - Engel, Propheten, Martyrer - schon vorher lediglich als unnahbare und sich uns nicht nahende Musterexemplare betrachtet hat und nicht auch als: fürsorgliche Freundinnen, Väter im Glauben, Wegbahner, Mütter des Trostes, mit ihnen wenigstens einschlußweise einen vertrauten Umgang gepflegt hat als Glieder am gleichen Leib. Wenn man eben nicht bereits einen gelegentlichen Blick in die Heilige Stadt und die sich dort ereignende Communio nicht nur mit GOtt, sondern auch der Erlösten untereinander werfen konnte.

22. Dezember 2005

Der Tag nach der/dem Camauro

Wenn ich beim Bloggen der päpstlichen Camauro-Kappe zu spät kam, dann will ich wenigstens bei der Background-Info zu derselben vorne dabei sein.

Der Schrein zitiert den Daily Telegraph mit:

"A Vatican insider said: 'The Pope was told it was cold outside and he said he had just the thing.

He came out holding the hat and said he would wear it. He even joked that it made him look like Father Christmas.'"
und fügt mit der Großen Spanierin hinzu:

"I really want to see the inside of whatever room he went into to get it.

That's fun. And really, religion should be fun. What would Teresa of Avila say?

'God and a camauro is better than God alone.'

OK, she said it about chocolate, but..."
(Die Wikipedia ist uptodate. Und die ernsthaften Tierschützer haben sich auch schon gemeldet.)
Augenzeuge der neuen Reformation

Für die Küng- und Balthasar-Leser, -Liebhaber und -Experten, zum ersten Mal im Web, mit einigen Schreibfehlern, aber immerhin im Volltext auf dem Ressourcement-Blog von Justin Nickelsen:

Hans Urs von Balthasar: On the Withdrawal of Hans Kung's Authorization to Teach, erschienen im Frühjahr 1980 in der englischen Ausgabe von Communio (vol. 7, no. 1, pages 90-93)

21. Dezember 2005

Gemeinschaft der Heiligen - 3
Bloy: Die Liebe nicht auseinanderreißen


Léon Bloy am 8. September 1889 an Jeanne Molbech:

"Sie haben mir geschrieben: 'Ich liebe Gott mehr als Sie.' Liebskind, was wissen Sie davon? Ich könnte Ihnen so etwas nicht schreiben, einfach deshalb nicht, weil ich so eine Teilung nicht vornehmen kann. Ich liebe Gott in Ihnen, durch Sie hindurch, wegen Ihnen, ich liebe Sie vollkommen in Gott, wie ein Christ seine Gattin lieben soll; die Idee, diese zweieinige Flamme der Liebe auseinanderzureißen, das ist für mich eine Klügelei, eine Grübelei, die mir überhaupt nicht in den Sinn kommt.

Lieben wir uns, Kleines, mit einer unbedingten Einfachheit, ohne die eitle Kunst eitler Selbstzerfaserung, sondern so, wie Gott es will, haben wir doch keine Angst vor der Liebe, die der Name des Heiligen Geistes selber ist, gehen wir tapfer dem Willen Desjenigen entgegen, der uns aus dem Nichts geschaffen hat, nicht damit Er sich an unserer Qual weide, sondern damit wir Ihn durch unsere Liebe verherrlichen." (Léon Bloy: Briefe an seine Braut.- Heidelberg: Kerle, 1950, S. 56 - 57)
Gemeinschaft der Heiligen - 2
Erlösung als Aktivierung


Die durch den einen Mittler Jesus Christus gewirkte und geschenkte Erlösung/Rechtfertigung inaktiviert die Erlösten nicht, sondern nimmt ihre Freiheit und Aktivität in Dienst. Gnade, die die Natur voraussetzt, umgestaltet und zu ihrer Vollendung führt. In diesem Sinne noch einmal Benedikt XVI.:

"Je näher der Mensch Gott ist, desto näher ist er dem Menschen. Das sehen wir an Maria. Die Tatsache, dass sie vollkommen bei Gott ist, ist der Grund dafür, dass sie auch den Menschen so nahe ist. Daher kann sie die Mutter jeder Tröstung und jeder Hilfe sein, eine Mutter, an die sich jeder in seiner Schwäche und in seiner Sünde in jedweder Not zu wenden wagen darf, da sie für alles Verständnis hat und für alle die offene Pforte der schöpferischen Güte ist."
Gemeinschaft der Heiligen - 1
P. de Lubac über das Katholische an der Kirche


"Katholische Kirche: ursprünglich besagt dies nichts anderes als 'die allgemeine Versammlung'. Es ist die vollkommene Gemeinschaft, über Zeit und Raum hin, all derer, die Jesus Christus als ihrem Erlöser anhängen und die durch ihn mit Gott verbunden sind. (...)

Im Gefolge des hl. Thomas und vieler anderer könnte man auch das ungeheure Ganze, das außer den Menschen auch die Engel, ja den gesamten Kosmos umfaßt, mit dem Namen Kirche bezeichnen. Aber selbst wenn man nicht soweit geht und den Begriff präziser faßt, besitzt 'die Kirche Gottes' grundsätzlich keine Schranken 'weder in der Zeit noch im Raum'. Sie ist zu allen hin offen, sammelt sich von überallher, 'umfaßt die gesamte Menschheit'. (...) Sobald der Gedanke der oikumene ihr begegnet, macht sie sich ihn zu eigen. Sie ist nicht gewillt, sich in ihrer Ausbreitung durch irgendwelche geographische oder soziologische Grenzen einengen zu lassen. Auch die Schranke unserer sichtbaren Welt hemmt sie nicht, da sie nach einem lange Zeit traditionellen Wortgebrauch sich in drei Gruppen unterteilt, die immerfort miteinander in Austausch stehen: ist die Kirche auf Erden die streitende, so ist sie am Reinigungsort die leidende oder harrende und vorweg im Himmel die triumphierende - wenn auch ihr Triumph noch unabgeschlossen ist, da sie erst am Jüngsten Tag bei der glorreichen Wiederkunft des Herrn ihren vollen Sieg feiern wird.

Es ist grundlegend wichtig, daß jeder sich dieser Dimensionen der Kirche bewußt bleibt. Je lebendiger er sie fühlt, desto ausgeweiteter wird ihm auch sein eigenes Dasein erscheinen, und erst so wird er wirklich in sich und für sich den Namen realisieren, den auch er trägt: katholisch.

Ein wahrhaft Glaubender ist in seinem Glauben nie allein. Wenn ihm seine Abhängigkeit von andern oft beschwerlich sein mag, so ist diese Solidarität für ihn doch weit mehr eine Stärkung." (Henri de Lubac: Die Kirche: eine Betrachtung.- Einsiedeln: Johannes 1968, S. 43 - 45)
Kontaktverbot

Von wegen Streitkultur: Diesen von Matthias in mein Feld gespielten Ball lasse ich nicht unkommentiert liegen:

"Maria ist sicher eine Frau, die vor allen anderen Frauen in der Geschichte verehrt werden sollte. Aber wenn ich mich geistlich gesehen an jemanden wende, dann ist das nicht Maria, sondern Jesus Christus. Wir können und sollen uns sicher ein Beispiel an Maria und allen anderen Heiligen nehmen, aber sie sind nicht die Mittler zum Vater. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen."
Diese Sätze sind wahrscheinlich schnell dahingeschrieben und geben hoffentlich nicht alles wieder, was Matthias zum Thema zu sagen hat. Denn dem ist eine ganze Menge hinzuzufügen. Wir kommen von hier aus ganz direkt in die Mitte von Allem - auch bekannt als Nexus mysteriorum oder katholisches Prinzip. (Was jener in Trier begrabene Jude namens Matthias zu den Sätzen seines Patenkindes zu sagen hat - ganz sicher weiß ich es nicht, aber ich glaube, ich kann's mir denken.)

Ich habe vor, in den nächsten Tagen das Thema hier anzugehen bzw. zu vertiefen - und ich denke, daß wir am Ende bei: Weihnachten landen.

Für jetzt einmal ein erster Eindruck: Mich erinnern Matthias' Sätze eher - mit allem Verlaub, lieber M. - an jenen Streber, der seinen versetzungsgefährdeten Klasskameraden am liebsten den Kontakt zu den Spitzenschülern verbieten möchte - nicht nur im Unterricht, sondern sogar in der Pause. Und statt die Klassenkönigin, jene wunderhübsche, intelligente, allgemein angehimmelte und herrlich nett lächelnde Mitschülerin anzusprechen, sollten sie sich lieber um den Klassleiter scharen - denn er allein ist der Hort und die Quelle alles Wissens.

Der Klassleiter indes lächelt und denkt sich: "Wenn die Durchfaller beim Zusammensein mit den Musterschülern und ihrer Queen so ganz nebenbei auch das richtige Lernen und Leben lernen - dann soll's mir recht sein. Trockene Ehrgeizlinge und langweilige Paukbrüder machen ihnen, so wie ich sie kenne, garantiert keine Lust darauf. Außerdem bin ich Amerikaner genug, um zu wissen daß Lernen nicht alles ist: Let the good times roll - Laissez le bon temps rouler!"
Respekt

Null Streitkultur unter den christlichen Bloggern Deutschlands konstatiert das Bodenpersonal. Durchaus was Wahres dran.

Aus meiner Perspektive zur Ergänzung: Selber komme ich kaum dazu, meine Mit-Blogozesanen tagtäglich konsequent zu lesen - klar, daß ich in der restlichen Zeit nur gelegentliche Blicke über den Grenzzaun werfe. Das mag man "ignorieren" nennen, wenn man will. Allerdings "ignoriere" ich dann vieles um mich und im Netz.

Was ich bei meinen Blicken über den Konfessionszaun sehe, beeindruckt mich allerdings sehr: eine Menge Begeisterung und Entschiedenheit, Unbefangenheit und Kreativität.

Das mündet in einen tiefen Respekt, wie er mir für so manches in der eigenen Katholischen Kirche Deutschlands und in den evangelischen Landeskirchen abgeht.

Sagte nicht einmal jemand, daß die eigentlichen innerchristlichen Gräben nicht mehr zwischen den Konfessionen verlaufen, sondern zwischen progressiv und konservativ (wobei man sehen müsste, wer eigentlich was ist...), zwischen etabliert und bewegt, zwischen religiöser PC und unkorrekter Traditionsverwurzelung bei gleichzeitiger Zukunftsorientierung? Auch das würde den "Waffenstillstand" in der christlichen Blogoszene erklären...

20. Dezember 2005

Rätselhaft

Da stimmen wir Daniel Deckers von der FAZ doch ohne weiteres zu (und werden uns die kurze Glosse aus der FAZ-Datenbank holen):

"Die Frage ist, was in unseren Kirchen vorgeht, wenn sie nicht dem Wort, das ihnen anvertraut ist, zu Glanz verhelfen, sondern in Publikationen werben, die sich sonst herzlich wenig um die christliche Botschaft scheren. Oder gilt jetzt die Missionsparole 'Man muß die Sünder dort abholen, wo sie stehen'?"
Unverständlich bleiben ihm die Motive des Papstes, des Kardinals Lehmann und des Bischofs Huber für die lächelnde Zusammenarbeit und Begegnung mit den *** von BILD. Mir auch. (Hinweis von kath.net)