Hasenhüttlsche Motive und das Schweigen der Kollegen
Raymund Schwager, Jesuit und Dogmatiker in Innsbruck, äußert sich im Innsbrucker Theologischen Leseraum eindeutig zum "Fall Hasenhüttl":
"Die bischöfliche Reaktion auf Gotthold Hasenhüttl, der beim ökumenischen Kirchentag in Berlin bei einer Eucharistiefeier die kirchlichen Weisungen eindeutig übertreten hat, wecken entsprechende Kritik in der Presse, und selbst der deutsche Bundespräsident glaubte bei einem Fernsehinterview (21. Juli 2003) sein eindeutiges Missfallen äußern zu müssen. All diesen Reaktionen ist gemeinsam, dass sie nicht auf die zahlreichen Publikationen des suspendierten Priesters und Theologieprofessors eingehen. Dieser vertritt nämlich seit Jahren, dass den christlichen Glaubensaussagen keine objektive Bedeutung zukommt, sondern dass Gott "eine gewisse Weise der Mitmenschlichkeit" sei (Hasenhüttl, Glaube ohne Mythos 1, 491). Eine solche Überzeugung, die heute auch von manchen anderen auf ähnliche Weise vorgetragen wird, verlässt nicht nur den Boden der katholischen Kirche, sondern auch den eines bekenntnismäßigen Christentums.
Das Naheliegendste und Entprechendste wäre deshalb seit langem gewesen, dass Hasenhüttl, wenn er bei seiner Überzeugung bleiben will, die katholische Kirche verlässt oder mindestens seine Funktionen als Priester und als Professor für katholische Theologie freiwillig aufgibt. Da dies nicht geschehen ist, wäre es zunächst Sache seiner Kollegen gewesen, sich von ihm öffentlich zu distanzieren. Aber auch dies ist nicht geschehen, und Arbeitsgemeinschaften von katholischen Theologen und Theologinnen, die sehr sensibel reagieren und öffentlich protestieren, wenn sie glauben, bei römischen Instanzen ein vermeintliches Abweichen von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils festzustellen, schweigen auf seltsame Weise, wenn Kollegen und Kolleginnen den Boden eines bekenntnismäßigen Christentums verlassen.
So bleibt es Aufgabe der zuständigen Bischöfe zu handeln. Diese hätten schon seit langem genug Gründe gehabt, den verantwortlichen Priester und Professor zur Rechenschaft zu ziehen. Sie haben es nicht getan und werden wohl gedacht haben, die Bücher von Hasenhüttl würden kaum gelesen und man solle einen öffentlichen 'Fall' vermeiden. Die letztere Annahme hat sich nun als irrig erwiesen, da Hasenhüttl selber dafür gesorgt hat, dass er zu einem öffentlichen 'Fall' wurde. Die Folge ist nun, dass die Entscheidung des zuständigen Bischofs - wegen der Unkenntnis des weiteren Hintergrundes - kaum verstanden wird.
Und die Lehre daraus? Anstehende Entscheidungen, die notwendig sind, zu verschieben, ist kaum ein guter Weg und führt leicht dazu, dass die Situation nur schwieriger wird. Wenn Hasenhüttl angekündigt hat, er werde in Rom Beschwerde einlegen, dann weiss er natürlich, dass er bei seiner 'Theologie' dort keine Zustimmung finden wird. Auf diese Weise versucht er aber, seinen Fall in den Medien am Kochen zu halten. War dies vielleicht der Grund für seine Aktion beim ökumenischen Kirchentag? Schon andere haben vor ihm die Erfahrung gemacht, dass man durch einen Streit mit den Bischöfen oder gar mit dem Papst die Verkaufszahlen der eigenen Bücher erhöhen kann." ( (c) Raymund Schwager)
Danke für den Mut, aus der Phalanx des Schweigens auszubrechen!
Berlin 2003 war wohl nur eine weitere Station auf dem Weg nach einem längst vollzogenen Abschied.
31. Juli 2003
Kein Grund zur Schadenfreude
Oswald Sobrino vom Catholic Analysis-Weblog kommentiert den Fall von Canterbury und den Aufstieg von Lagos. Aktuell hier und vor einem Monat dort.
Oswald Sobrino vom Catholic Analysis-Weblog kommentiert den Fall von Canterbury und den Aufstieg von Lagos. Aktuell hier und vor einem Monat dort.
Franz, singend, auf englisch
Es "gilt zu verstehen, daß ein solcher Gesang, wie etwa der Sonnengesang des heiligen Franz, nicht eine Entgleisung des Glaubens in das Poetische darstellt, daß er nicht seine Wurzel in irgendeiner mystischen Naturreligion hat, sondern daß der heilige Franz zu singen - fast möchte man sagen -, zu tönen beginnt, weil er so tief von der Gnade Christi berührt ist.
Das gilt es zu sehen, daß der Heilige darum mit Sonne und Sternen, Wasser und Tod so brüderlich zu tönen beginnt, weil die Gnade des Gekreuzigten die letzte Tiefe seiner Kreatürlichkeit geweckt hat, so daß er nicht nur als jener Sünder dasteht, dem Erbarmung widerfahren ist, sondern auch als diese armselige - dem Esel zugewandte - Kreatur, die keine andere Möglichkeit mehr hat, als im Lobpreise Gottes zu verströmen." (Erik Peterson: Von den Engeln, enthalten in Theologische Traktate, S. 229)
Der Poverello nackt und sterbenskrank auf dem Boden seiner Zelle - und simultan mit den Engeln und ihnen gleich im Ganz-Lobgesang-sein.
Es "gilt zu verstehen, daß ein solcher Gesang, wie etwa der Sonnengesang des heiligen Franz, nicht eine Entgleisung des Glaubens in das Poetische darstellt, daß er nicht seine Wurzel in irgendeiner mystischen Naturreligion hat, sondern daß der heilige Franz zu singen - fast möchte man sagen -, zu tönen beginnt, weil er so tief von der Gnade Christi berührt ist.
Das gilt es zu sehen, daß der Heilige darum mit Sonne und Sternen, Wasser und Tod so brüderlich zu tönen beginnt, weil die Gnade des Gekreuzigten die letzte Tiefe seiner Kreatürlichkeit geweckt hat, so daß er nicht nur als jener Sünder dasteht, dem Erbarmung widerfahren ist, sondern auch als diese armselige - dem Esel zugewandte - Kreatur, die keine andere Möglichkeit mehr hat, als im Lobpreise Gottes zu verströmen." (Erik Peterson: Von den Engeln, enthalten in Theologische Traktate, S. 229)
Der Poverello nackt und sterbenskrank auf dem Boden seiner Zelle - und simultan mit den Engeln und ihnen gleich im Ganz-Lobgesang-sein.
There ain't nothing like a library
Daß Bücher und Bibliotheken nicht verbesserbar sind - oder daß es für die Zwecke, für die wir sie brauchen, nicht auch bessere Lösungen geben
könnte, das glaube ich wieder nicht. Aber Nikolaus Wegmann in der Süddeutschen beschreibt ihr Erfolgsgeheimnis sehr schön: Das Regal als vorbereiteter Ort der Serendipity, die Kalkulation mit dem unvorhergesehenen Fund, die Balance zwischen unscharfer und fokussierter Informationssuche, die Körperlichkeit, ja Sinnlichkeit der Rücken und ihre Verortbarkeit im je-meinigen Raum-Zeit-Kontinuum - "that makes all the difference".
Die Bibliothek als ein Ort, an dem ich etwas finde, von dem ich nicht wusste, daß es das gibt - und daß ich es suchte.
Daß Bücher und Bibliotheken nicht verbesserbar sind - oder daß es für die Zwecke, für die wir sie brauchen, nicht auch bessere Lösungen geben
könnte, das glaube ich wieder nicht. Aber Nikolaus Wegmann in der Süddeutschen beschreibt ihr Erfolgsgeheimnis sehr schön: Das Regal als vorbereiteter Ort der Serendipity, die Kalkulation mit dem unvorhergesehenen Fund, die Balance zwischen unscharfer und fokussierter Informationssuche, die Körperlichkeit, ja Sinnlichkeit der Rücken und ihre Verortbarkeit im je-meinigen Raum-Zeit-Kontinuum - "that makes all the difference".
Die Bibliothek als ein Ort, an dem ich etwas finde, von dem ich nicht wusste, daß es das gibt - und daß ich es suchte.
30. Juli 2003
Wo bleibt das Positive?
Hier zum Beispiel: Ein erfrischendes Weblog von Johannes Kleske zum Thema "urban lifestyle vs. holiness in the 21st century". (Ich muß ja nicht mit allem übereinstimmen, was er schreibt...)
Hier zum Beispiel: Ein erfrischendes Weblog von Johannes Kleske zum Thema "urban lifestyle vs. holiness in the 21st century". (Ich muß ja nicht mit allem übereinstimmen, was er schreibt...)
TriTop a la Elaine Pagels
Erinnert sich noch jemand an TriTop? Zuckersüß, künstlich, hochkonzentriert und pur nur für die ganz Harten genießbar. Verdünnt hat es den Geschmackssinn einer ganzen Generation geprägt. (Naja, teilweise.)
Eine Tritop-Version des liberal-christilichen Credo präsentiert in Edge
die Religionswissenschaftlerin Elaine Pagels. So dicht aufeinander und so offen ausgesprochen finden sich die Glaubenssätze vieler Irgendwie-aber-Hauptsache-modern-Christen selten.
Alles dabei, was das Herz begehrt: Autoritäre Tradition, die von Anfang an liberale, mystische, ja buddhistisch beeinflußte Versionen des Christentums unterdrückt; Jesus als mein Herzenszwilling und Glaube als Suche nach dem Gott in meinem Innern; die Unterscheidung zwischen gerettet und verdammt, zwischen gut und böse als die Ursünde abendländischer Geschichte; die lineare Fortsetzung dieser Sündengeschichte im US-Angriff auf den Irak; die Entstehung der Satansidee als Beginn des christlichen Antisemitismus; Religion als Fortsetzung unserer Träume, als soziobiologisch erklärbare Funktion des Gehirns, das assoziierend Bilder zu einer story-line zusammenreiht, als äußerst wichtiger Teil menschlicher Kultur.
Erinnert sich noch jemand an TriTop? Zuckersüß, künstlich, hochkonzentriert und pur nur für die ganz Harten genießbar. Verdünnt hat es den Geschmackssinn einer ganzen Generation geprägt. (Naja, teilweise.)
Eine Tritop-Version des liberal-christilichen Credo präsentiert in Edge
die Religionswissenschaftlerin Elaine Pagels. So dicht aufeinander und so offen ausgesprochen finden sich die Glaubenssätze vieler Irgendwie-aber-Hauptsache-modern-Christen selten.
Alles dabei, was das Herz begehrt: Autoritäre Tradition, die von Anfang an liberale, mystische, ja buddhistisch beeinflußte Versionen des Christentums unterdrückt; Jesus als mein Herzenszwilling und Glaube als Suche nach dem Gott in meinem Innern; die Unterscheidung zwischen gerettet und verdammt, zwischen gut und böse als die Ursünde abendländischer Geschichte; die lineare Fortsetzung dieser Sündengeschichte im US-Angriff auf den Irak; die Entstehung der Satansidee als Beginn des christlichen Antisemitismus; Religion als Fortsetzung unserer Träume, als soziobiologisch erklärbare Funktion des Gehirns, das assoziierend Bilder zu einer story-line zusammenreiht, als äußerst wichtiger Teil menschlicher Kultur.
"Aussage vom Menschen und zwar im Bereich relationaler Kommunikation"
Hasenhüttl ist mehr als Berlin 2003. Hasenhüttl steht für ein theologisches Programm, das P. Engelbert Recktenwald in einem kath.net-Text kurz kritisch darstellt.
"Hasenhüttls positives Anliegen ist, den christlichen Glauben als aktuelles Bezogensein zu verstehen; das Fatale seines Entwurfs ist aber, daß er diesem berechtigten Anliegen nicht nur die formelle Transzendenz Gottes und seine Personalität sowie den auferstandenen Christus als personalen Bezugspunkt des Glaubens, sondern auch die Einmaligkeit und Unvertauschbarkeit des Menschen opfert. Hasenhüttl ist mit dem Anspruch angetreten, 'die christliche Wahrheit des Glaubens' in neuer Form zur Sprache zu bringen. Dieses Vorhaben wurde dann aber so verwirklicht, daß eine völlig neue, andere Lehre vorliegt, deren inhaltliche Identität mit dem überlieferten Glauben nicht zu sehen ist. Fazit: Der von Hasenhüttl eingeschlagene Weg ist nicht eine veränderte Weise, Dogmatik zu betreiben, sondern vollzogene Selbstauflösung." - So zitiert P. Engelbert Recktenwald den Theologen Franz Courth SAC.
Und der "Eichmann-Gehorsam" stammt wohl auch schon aus dem Jahr 1979. Nur sollte man ihn damals GOtt gegenüber nicht leisten.
Hasenhüttl ist mehr als Berlin 2003. Hasenhüttl steht für ein theologisches Programm, das P. Engelbert Recktenwald in einem kath.net-Text kurz kritisch darstellt.
"Hasenhüttls positives Anliegen ist, den christlichen Glauben als aktuelles Bezogensein zu verstehen; das Fatale seines Entwurfs ist aber, daß er diesem berechtigten Anliegen nicht nur die formelle Transzendenz Gottes und seine Personalität sowie den auferstandenen Christus als personalen Bezugspunkt des Glaubens, sondern auch die Einmaligkeit und Unvertauschbarkeit des Menschen opfert. Hasenhüttl ist mit dem Anspruch angetreten, 'die christliche Wahrheit des Glaubens' in neuer Form zur Sprache zu bringen. Dieses Vorhaben wurde dann aber so verwirklicht, daß eine völlig neue, andere Lehre vorliegt, deren inhaltliche Identität mit dem überlieferten Glauben nicht zu sehen ist. Fazit: Der von Hasenhüttl eingeschlagene Weg ist nicht eine veränderte Weise, Dogmatik zu betreiben, sondern vollzogene Selbstauflösung." - So zitiert P. Engelbert Recktenwald den Theologen Franz Courth SAC.
Und der "Eichmann-Gehorsam" stammt wohl auch schon aus dem Jahr 1979. Nur sollte man ihn damals GOtt gegenüber nicht leisten.
29. Juli 2003
Der Gottprotz
Zur Gewissenserforschung:
"Der Gottprotz muß sich nie fragen, was richtig ist, er schlägt es nach im Buch der Bücher. Da findet er alles, was er braucht. Da hat er eine Rückenstütze. Da lehnt er sich beflissen und kräftig an." Alles weitere im Aufsatz von Stefan Hartmann in der Neuen Ordnung
Zur Gewissenserforschung:
"Der Gottprotz muß sich nie fragen, was richtig ist, er schlägt es nach im Buch der Bücher. Da findet er alles, was er braucht. Da hat er eine Rückenstütze. Da lehnt er sich beflissen und kräftig an." Alles weitere im Aufsatz von Stefan Hartmann in der Neuen Ordnung
Zwei Runden Mitleid
- die schenkt die Süddeutsche Franz Maget, dem SPD-Mitbewerber um den bayrischen Thron. Er ist einer der Männer, die alle sympathisch finden und die trotzdem keiner wählt.
Passt nicht
Junge, komm bald wieder
(Der erste Wahlprospekt seiner lokalen Parteigenossin war gestern in unserem Briefkasten; das Parteikürzel ging zaghaft im Fließtext unter.)
- die schenkt die Süddeutsche Franz Maget, dem SPD-Mitbewerber um den bayrischen Thron. Er ist einer der Männer, die alle sympathisch finden und die trotzdem keiner wählt.
Passt nicht
Junge, komm bald wieder
(Der erste Wahlprospekt seiner lokalen Parteigenossin war gestern in unserem Briefkasten; das Parteikürzel ging zaghaft im Fließtext unter.)
28. Juli 2003
Konvertiten zum dritten
Die Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg hatte im Februar eine Tagung "Wendepunkte im Glauben: Von Konversionen und Konvertiten" geplant - die aber offensichtlich entfallen ist.
"Wie stellen sich die institutionell verfassten Glaubensgemeinschaften der gegebenen Herausforderung?" ist nur eine der Fragen, die dort nicht beantwortet wurden. Wichtiger und offener scheint mir die Frage: "Wie stellen sich die geborenen Katholiken/Protestanten/... zu dem/r Übergetretenen und seiner /ihrer Herausforderung an ihre Praxis und ihre Theorie?"
Die Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg hatte im Februar eine Tagung "Wendepunkte im Glauben: Von Konversionen und Konvertiten" geplant - die aber offensichtlich entfallen ist.
"Wie stellen sich die institutionell verfassten Glaubensgemeinschaften der gegebenen Herausforderung?" ist nur eine der Fragen, die dort nicht beantwortet wurden. Wichtiger und offener scheint mir die Frage: "Wie stellen sich die geborenen Katholiken/Protestanten/... zu dem/r Übergetretenen und seiner /ihrer Herausforderung an ihre Praxis und ihre Theorie?"
Konvertiten zum zweiten
Wie in Benedikts Kommentar-Abteilung bemerkt wurde, sind nicht alle der unten aufgeführten Konvertiten auch im strengen Sinne solche. Entsprechend lege ich meinem Posting Benedikts weitere Definition "nicht technische Konversionen, sondern ... echte Bekehrungen" zugrunde und erweitere meine Liste um die bei ihm genannten Namen.
Wie in Benedikts Kommentar-Abteilung bemerkt wurde, sind nicht alle der unten aufgeführten Konvertiten auch im strengen Sinne solche. Entsprechend lege ich meinem Posting Benedikts weitere Definition "nicht technische Konversionen, sondern ... echte Bekehrungen" zugrunde und erweitere meine Liste um die bei ihm genannten Namen.
Sage mir, was du liest ...
Damals, als Eugen Drewermanns "Kleriker" gerade neu erschienen waren, präsentierte mir einer meiner neo-katholischen Freunde stolz sein für 90 DM frisch erstandenes Exemplar. Ich sah neben dem 900 Seiten-Wälzer Drewermanns tiefenpsychologische Deutung des Kleinen Prinzen stehen und fragte ihn, wie er das denn fände.
"Das haben wir geschenkt bekommen, aber ich habe es noch nicht gelesen. Den Kleinen Prinzen lasse ich mir nicht kaputt machen."
Wenn sie mir doch objektiver wären, die Zertrümmerer...
Damals, als Eugen Drewermanns "Kleriker" gerade neu erschienen waren, präsentierte mir einer meiner neo-katholischen Freunde stolz sein für 90 DM frisch erstandenes Exemplar. Ich sah neben dem 900 Seiten-Wälzer Drewermanns tiefenpsychologische Deutung des Kleinen Prinzen stehen und fragte ihn, wie er das denn fände.
"Das haben wir geschenkt bekommen, aber ich habe es noch nicht gelesen. Den Kleinen Prinzen lasse ich mir nicht kaputt machen."
Wenn sie mir doch objektiver wären, die Zertrümmerer...
Eine Frage der Zeit
Der anglikanische Priester Paul Oestreicher schreibt in Publik-Forum einen (im Vergleich zur Generallinie des Rebellenblättchens) unpolemischen Bericht über die aktuelle Krise der anglikanischen Kirche. Die Fälle Jeffrey John und Gene Robinson machen die dort schon lange schwelenden Konflikte "nur" akut; die Episkopalianer jedenfalls standen seit Jahren vor einer offenen Spaltung - bei der übrigens die Sollbruchstellen nicht nur zwischen progressiv - konservativ, sondern gleichzeitig auch zwischen Norden und Süden verlaufen!
Oestreichers Schlußsatz: "Eigentlich geht dieser Riss durch alle Konfessionen und Religionen, der Konflikt zwischen Liberalität und Fundamentalismus, oder auch zwischen Evangelium und Gesetz. Der liberale Katholik von Wir sind Kirche ist Dorothee Sölle oft näher als dem Papst. In der Theorie ist die Koexistenz möglich, aber eben nur in der Theorie, nicht wenn entschieden werden muss: Wird Jeffrey John Bischof oder nicht. Der Erzbischof hat es offen ausgesprochen: Es gibt schon jetzt mehr als eine anglikanische Kirche. Sind sie überhaupt noch im Gespräch?"
Die Gleichsetzung von Liberalität mit dem Evangelium ist imho Unsinn, die von Fundamentalismus und Gesetzesreligion gleichermaßen. Aber ansonsten stimmt's. (Man vergleiche doch nur mal den Kommentar des Publik-Forum-Chefredakteurs Peter Rosien zur Hasenhüttl-Sache: Da ist Bischof Marx ein "knallharter Duce", einer der "Lukaschenkos mit Krummstab". Friedliche Koexistenz mit solchen Faschisten und Diktatoren kommt für solche Diffamierer doch wohl nicht mehr in Frage.)
Der anglikanische Priester Paul Oestreicher schreibt in Publik-Forum einen (im Vergleich zur Generallinie des Rebellenblättchens) unpolemischen Bericht über die aktuelle Krise der anglikanischen Kirche. Die Fälle Jeffrey John und Gene Robinson machen die dort schon lange schwelenden Konflikte "nur" akut; die Episkopalianer jedenfalls standen seit Jahren vor einer offenen Spaltung - bei der übrigens die Sollbruchstellen nicht nur zwischen progressiv - konservativ, sondern gleichzeitig auch zwischen Norden und Süden verlaufen!
Oestreichers Schlußsatz: "Eigentlich geht dieser Riss durch alle Konfessionen und Religionen, der Konflikt zwischen Liberalität und Fundamentalismus, oder auch zwischen Evangelium und Gesetz. Der liberale Katholik von Wir sind Kirche ist Dorothee Sölle oft näher als dem Papst. In der Theorie ist die Koexistenz möglich, aber eben nur in der Theorie, nicht wenn entschieden werden muss: Wird Jeffrey John Bischof oder nicht. Der Erzbischof hat es offen ausgesprochen: Es gibt schon jetzt mehr als eine anglikanische Kirche. Sind sie überhaupt noch im Gespräch?"
Die Gleichsetzung von Liberalität mit dem Evangelium ist imho Unsinn, die von Fundamentalismus und Gesetzesreligion gleichermaßen. Aber ansonsten stimmt's. (Man vergleiche doch nur mal den Kommentar des Publik-Forum-Chefredakteurs Peter Rosien zur Hasenhüttl-Sache: Da ist Bischof Marx ein "knallharter Duce", einer der "Lukaschenkos mit Krummstab". Friedliche Koexistenz mit solchen Faschisten und Diktatoren kommt für solche Diffamierer doch wohl nicht mehr in Frage.)
Stauffenberg-Film
Jo Baier äußert sich zu seinem neuen Film über Claus Schenk Graf von Stauffenberg - ebenfalls in der Welt:
"Für mich beginnt der sittliche Wert eines Menschen erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben einzusetzen." (Henning von Tresckow)
Jo Baier äußert sich zu seinem neuen Film über Claus Schenk Graf von Stauffenberg - ebenfalls in der Welt:
"Für mich beginnt der sittliche Wert eines Menschen erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben einzusetzen." (Henning von Tresckow)
Tanzt noch einen heiteren Abendländler
Berlin-Lyrik von Günter Kunert in der
Welt:
"Ihr Wahrzeichen
das zwiefache Gebrüst, dem Himmel
verkuppelt und auf zu ihm gestreckt aus dem Leib einer
kahlen Kirche, bar Gottes,
der auf jedermanns Zunge liegt
in Zeitungen, Pässen und Büchereien:
Farblos und freundlich gepresst: Eine Ansichts-
sache."
Berlin-Lyrik von Günter Kunert in der
Welt:
"Ihr Wahrzeichen
das zwiefache Gebrüst, dem Himmel
verkuppelt und auf zu ihm gestreckt aus dem Leib einer
kahlen Kirche, bar Gottes,
der auf jedermanns Zunge liegt
in Zeitungen, Pässen und Büchereien:
Farblos und freundlich gepresst: Eine Ansichts-
sache."
26. Juli 2003
US-Gewalt
Leider kann ich zu Dirks Kommentar im letzten Posting nichts mehr hinzufügen - das Enetation-Fenster ist "unten zu groß".
Zu "Bowling for Columbine" kann ich mich nicht äußern, da ich den Film nicht gesehen habe. Moore ist natürlich nicht der erste, bestimmt nicht der letzte (und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch nicht der geignetste), der sich zum Thema der Gewaltkultur der U.S. of A. geäußert hat.
Mich selbst hat die Analyse des Historikers David Hackett Fischer überzeugt, der in seinem Buch "Albion's Seed: Four British Folkways in America" neben vielem anderen auch diesen Aspekt der amerikanischen Kultur auf die Eigenarten der vier regionalen "Gründungskulturen" zurückführt, die durch die Einwanderungswellen im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind: die puritanische Kultur Neu-Englands, die auf Einwanderer aus East Anglia zurückgeht; die Kultur Virginias mit ihren Kavalieren aus dem Süden Englands; die Quäker-Kultur am Delaware, die ihre Ursprünge in den nördlichen Midlands hat; die Kultur des amerikanischen Hinterlands, die von Einwanderern aus dem englisch-schottischen Grenzland geprägt wurde.
Gewalt (violence) öffentlich und gesetzlich zu sanktionieren und dem einzelnen auch (mit Einschränkungen) zuzugestehen ist nach Fischer für die "Backcountry"-Kultur typisch, die ihrerseits den "Wilden Westen" des 19. Jahrhunderts beeinflußt und zentral geprägt hat. Nach Fischer wirken diese Kulturen - nicht nur auf dem Gebiet der violence - bis heute nach. Seine Analyse zeigt, daß es in den USA einen regional ganz unterschiedlichen Umgang mit Gewalt gibt.
(Ob Fischer sagen würde, daß mit George W. Bush ein typischer Texas Man an der Spitze der USA steht? Ich vermute nicht. Denn immerhin stammt GWB ja aus einem alten neu-englischen Geschlecht und außerdem mußten nach Fischer alle jüngeren US-Präsidenten für mehr als eine der vier Kulturen wählbar sein.)
Leider kann ich zu Dirks Kommentar im letzten Posting nichts mehr hinzufügen - das Enetation-Fenster ist "unten zu groß".
Zu "Bowling for Columbine" kann ich mich nicht äußern, da ich den Film nicht gesehen habe. Moore ist natürlich nicht der erste, bestimmt nicht der letzte (und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch nicht der geignetste), der sich zum Thema der Gewaltkultur der U.S. of A. geäußert hat.
Mich selbst hat die Analyse des Historikers David Hackett Fischer überzeugt, der in seinem Buch "Albion's Seed: Four British Folkways in America" neben vielem anderen auch diesen Aspekt der amerikanischen Kultur auf die Eigenarten der vier regionalen "Gründungskulturen" zurückführt, die durch die Einwanderungswellen im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind: die puritanische Kultur Neu-Englands, die auf Einwanderer aus East Anglia zurückgeht; die Kultur Virginias mit ihren Kavalieren aus dem Süden Englands; die Quäker-Kultur am Delaware, die ihre Ursprünge in den nördlichen Midlands hat; die Kultur des amerikanischen Hinterlands, die von Einwanderern aus dem englisch-schottischen Grenzland geprägt wurde.
Gewalt (violence) öffentlich und gesetzlich zu sanktionieren und dem einzelnen auch (mit Einschränkungen) zuzugestehen ist nach Fischer für die "Backcountry"-Kultur typisch, die ihrerseits den "Wilden Westen" des 19. Jahrhunderts beeinflußt und zentral geprägt hat. Nach Fischer wirken diese Kulturen - nicht nur auf dem Gebiet der violence - bis heute nach. Seine Analyse zeigt, daß es in den USA einen regional ganz unterschiedlichen Umgang mit Gewalt gibt.
(Ob Fischer sagen würde, daß mit George W. Bush ein typischer Texas Man an der Spitze der USA steht? Ich vermute nicht. Denn immerhin stammt GWB ja aus einem alten neu-englischen Geschlecht und außerdem mußten nach Fischer alle jüngeren US-Präsidenten für mehr als eine der vier Kulturen wählbar sein.)
25. Juli 2003
UNO setzt Reportern Grenzen
Den Schockwellenreiter linke ich sonst nie, jetzt muß es einfach sein:
Die große Weltfriedensorganisation UNO schließt »Reporter ohne Grenzen« aus allen Sitzungen aus - weil sie im März protestiert hatte, als Libyen den Vorsitz der Menschenrechtskommission übernahm. Die europäischen Vertreter enthielten sich damals übrigens der Stimme. The dialogue must go on ... (Siehe Posting vom 20.1.03)
Den Schockwellenreiter linke ich sonst nie, jetzt muß es einfach sein:
Die große Weltfriedensorganisation UNO schließt »Reporter ohne Grenzen« aus allen Sitzungen aus - weil sie im März protestiert hatte, als Libyen den Vorsitz der Menschenrechtskommission übernahm. Die europäischen Vertreter enthielten sich damals übrigens der Stimme. The dialogue must go on ... (Siehe Posting vom 20.1.03)
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