16. Juni 2004

Der Himmel als ewiges Gespräch

Ein interessantes Posting bei Father Bryce Sibley aus St. Salmagundi, LA:

Ronald Reagan folgte 1989 Hans Urs von Balthasar als Mitglied der französischen Academie des Sciences Morales et Politiques nach und durfte bei dieser Gelegenheit seinen Vorgänger, von dem er vermutlich noch nie gehört hatte würdigen. Fr. Bryce gibt Fundstellen für diese Rede an und zitiert die ersten beiden Absätze daraus - mit dem folgenden Ice Breaker:

"Someone once remarked that if German theologians saw two doors, one marked 'Heaven' and the other marked 'Discussion on Heaven', they would go in the second."

[Genau den Eindruck hatte ich vor einiger Zeit bei der Lektüre eines Lexikonartikels des bekannten Eschato-Theologen Bernhard Lang: Gelehrt, umfassend, witzig. Aber immer schön brav in der Metaebene verbleibend. Gehört sich auch so in Nachschlagewerken.]
Bischofsgerüchte

Als am Wochenende mehrere Zugriffe auf mein Blog über eine Google-Suche nach "neuer bischof würzburg" erfolgten, befürchtete ich schon, ich hätte etwas versäumt...

Insider-Wissen steht mir nicht offen; die Mainpost hatte anscheinend von einem Nachfolgekandidaten aus Freiburg gehört (der Artikel ist nicht frei zugänglich - keine Ahnung, ob Namen genannt wurden), meine Lokalzeitung in der heutigen Ausgabe von Friedhelm Hofmann, einem der Kölner Weihbischöfe, und von Abt Gregor Hanke aus der Benediktiner-Abtei Plankstetten. Über Hofmann würde sich die Würzburger Kunstfraktion sicher freuen, über Hanke möglicherweise eher die "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung"-Leute. Dann gibt es auch noch Generalvikar Karl Hillenbrand, der inzwischen als Dauerkandidat für Bischöfsstühle gehandelt wird.

Aber vielleicht wird es ja jemand ganz anderer. Kiliani ist nicht mehr weit, und das wäre ein passender Termin zur Verkündung.

15. Juni 2004

Bedenkenlose Lust

"Die relativ konstante Zahl der Schwangerschaftsabbrüche deutet Norma Skroch, Leiterin der Beratungsstelle 'pro familia' in Darmstadt, als ein Zeichen für gelebte Sexualität. 'Die deutschen Frauen gehen sehr rational mit Verhütung um, aber manchmal ist die Lust eben größer als die Bedenken.'" (Handelsblatt)

14. Juni 2004

Nahgerichtserwartung

"Theologenstreit: Irrlehrer Lüdemann hofft aufs höchste Gericht (spiegel.de). Die Hierarchie der Gerichte endet für ihm mit dem Bundesverwaltungsgericht. Ich meinerseits sehe darüber und danach noch ein anderes.

Lüdemann ist 57; in ein paar und dreißig Jahren weiß er vermutlich endgültig, wer sich mit seiner Gerichtserwartung geirrt hat - der Nicht-Gottessohn Jesus oder er selber. Um Fürbitte wird jetzt schon gebeten.
Person, Gegenwart, Gesicht

Reto dokumentiert die Ansprache des Papstes an die Schweizer Jugend vom 8. Juni:

"Das Christentum ist nicht einfach eine Art Kultur oder eine Ideologie, selbst nicht ein System von noch so erhabenen Grundsätzen und Werten. Das Christentum ist eine Person, eine Gegenwart, ein Gesicht: Jesus Christus, der dem Leben der Menschen Sinn und Inhalt gibt."

13. Juni 2004

"Hold the line"

Ein Interview mit Mr. President über seinen Glauben, seinen Krieg, compassionate conservatism und anderes.
Wieder daheim

Nach einer Woche Urlaub muß ich erst mal landen.

Nach der türkischen Sonne, dem smaragdenen Mittelmeer und der mediterranen Diät gibt es ab heute wieder den mehr weiß- als blauen Himmel Nordbayerns, deutsches Brot, deutsche Wurst und deutsches Bier - und ab morgen wird wieder das alltägliche Brot erarbeitet.

4. Juni 2004

I believe I'll dust my broom

8 Tage Blog-Pause. Am 13. geht es weiter.
Messrs. Heep, Gradgrind, Pip & Co

Nicht alle 989 Geschöpfe des Charles Dickens'schen Universums, aber doch ein repräsentativer Querschnitt bevölkert die Dickens' Characters Page.
Der ewige Leopold



Der hundertste Blooms-Day wirft seine Schatten voraus, hier bei Commonweal .
Amerikanisches Wahlverhalten

John Kerry mag der europäische Lieblingsamerikaner 2004 sein - aber in den U.S.A. steht er jenseits des "Religion Gap". (Churchgoing closely tied to voting patterns - USA Today)

3. Juni 2004

Key to the highway

Die hippen Alternativ-Feuilletonisten von telepolis mokieren sich über das Mainstream-Feuilleton, das den Blues und die Blueser fallen ließ wie eine ausgelutschte Zitrone, um jetzt an Johnny Cash und Konsorten Wiedergutmachung zu betreiben - und brauchen doch auch erst den Anlaß von Scorseses Blues-Projekt, um heldenmütig den Blues aus einer "fusselbärtigen" Ecke zu holen.

"I got the key to the highway, and I'm billed out and bound to go
I'm gonna leave here runnin', cause walkin' is most too slow"
"... führte die notwendigen Schritte aus"

Ein Lehrstück für Neuhaus' Law ("Where orthodoxy becomes optional, it will sooner or later be proscribed"):

Die schwierige Kircheneinheit bei den Alternativ-, oops: Alt-Katholiken der Utrechter Union: Laurence J. Orzell berichtet in Touchstone, wie seine Kirche, die Polish National Catholic Church, ins Abseits gedrängt wird, weil sie, naja: alt-katholisch bleiben will. (Offizielles Protokoll der entsprechenden Sitzung der IBK hier)

(Kein Wunder, wenn die Web-Seite "Glaube" bei der Utrechter Union "under construction" ist.)
Helden, Krieger, Tote, Opfer

Passend zum BWFuhrpark: Über den rhetorischen Umgang mit "Kriegerdenkmälern" in der deutschen Republik äußert sich Lorenz Jäger in der aktuellen FAZ.

Und was macht das Land mit den Gefallenen und Toten aus den diversen Friedens- und Antiterror-Einsätzen? Die Fortsetzung von Jägers Kommentar ist in Arbeit..
Echter Schafspelz?

"Unter keinem seiner Vorgänger sei der seit über 30 Jahren bestehende AKR vergleichbar angegriffen worden, ebenso wenig in einer anderen der elf Diözesen, in denen es ähnliche Gruppierungen gebe." (Oberpfalznetz)

So wehren sich jetzt die Pfarrers Trimpl und Schlagenhaufer gegen das Vorgehen von Bischof Müller (Regensburg). Unkraut und Weizen gemeinsam wachsen zu lassen ist riskant; sie sind ja - vor allem anfänglich - nicht so ganz leicht auseinander zu halten. Aber ein Gewohnheitsrecht auf einen gemütlichen und sicheren Platz auf dem gleichen Acker ergibt sich daraus leider nicht - nicht mal in der Kirche. Manchmal muß man sich entscheiden: "Which side are you on?"

Wenn die Bischöfe nicht am Schafspelz zupfen - wer dann?
Zivilfahrzeug

Wie eine flinke Forelle im munteren Bach bewegt sich der silberne Skoda Fabia über die Autobahn. Das Bundeswehremblem an den Türen, das Y-Kennzeichen und die Firmenbezeichnung BWFuhrparkService fallen kaum auf. Das perfekte Fahrzeug für den Bürger in Ausgehuniform.

Lässt völlig vergessen, daß wir die Bundeswehr mit der Wahrnehmung gefährlicher und lebens- wie gewissensgefährdender Aufgaben betrauen. Die Zivilgesellschaft blendet nun mal gerne aus, daß die Gewalt außen wie innen immer nur vorübergehend eingedämmt ist. A hundred years from now?

2. Juni 2004

Rofters' Blog

Die Rofters (von Readers Of First Things) haben jetzt ein eigenes Blog, aber da geht es nicht groß von der Stelle, wie es scheint.
Serienproduktion von Märtyrern aufgenommen

Bischof Müller droht Pfarrern (Münchner Merkur)

Die Jungs vom "AKR" sehen das bestimmt als self-fulfilling prophecy. Aber müsste die Katholische Kirche nicht so liberal sein, daß sie und ihre Vertreter keinen Anstoß daran nehmen, als Henker dargestellt zu werden? Sind wir nicht "ecclesia semper reformanda" - und die "oben" vor allem? Müssten sie sich nicht sogar zuerst unter die Guillotine legen, wenn Ihnen die Schuldbekenntnisse eine JPII was bedeuteten?



Sollte sich Bischof Müller von der Karikatur beleidigt fühlen, hat er wahrscheinlich ein mittelalterliches, unaufgeklärtes Ehrverständnis. So was muß ein Bischof abkönnen - Weihe hin oder her.

Schluß mit der Ironie.

Odo Marquard schrieb mal, daß es viel leichter sei, für andere das Gewissen zu sein als selber ein Gewissen zu haben. Wie wahr.

Hat auch schon mal jemand bemerkt, daß in diesem Fall nicht die alten Männer von der Kirchenspitze die jungen Rebellen zügeln, sondern daß hier ein jüngerer Bischof den Jungsenioren an den Karren fährt?

1. Juni 2004

Wem in die Augen schauen?

Die Blick-, Sprech- und Gebetsrichtung des katholischen Priesters während der Hl. Messe ist heutzutage in der Regel "versus populum", auf das "Volk" hin. Eingeführt wurde diese Neuerung nicht durch das Konzil, sondern im Zug der von ihm geforderten Liturgiereform.

Für mich persönlich wird das "Wider" (um nicht zu sagen: das "Widersinnige") dieser Zelebrationsrichtung mittlerweile fast stärker als das "Für". Sie fördert aus meiner Sicht nicht einmal sinnvoll den "Mahlgedanken", je nach Kirche sehen die Glaubigen auch da nicht, was auf dem Altar passiert (was eine der volkstümlichen Begründungen für diese nachkonziliare Änderung ist) weiter führt sie zu einem noch deutlicheren "Gegenüber" des Priesters zur Gemeinde, rückt ihn als Person stärker ins Rampenlicht als nötig und sinnvoll und entkoppelt die "innere", geistliche Ausrichtung des Priesters von der "äußeren", physischen: Das Hochgebet zu Gott hin sprechen und dabei gleichzeitig die Gemeinde anschauen, kann nicht gut gehen - ebenso wenig wie der Nach- und Mitvollzug eben jenes Gebetes durch die Gemeinde, die dabei die Blicke auf den Priester ausrichtet statt mit ihm in die gleiche Richtung: auf das Kreuz, in Richtung des durch die Apsis vorgestellten Ostens zu sehen. (Selber komme ich mir blöd vor, wenn ich als Lektor die Fürbitten vorlese - versus populum statt Aug in Aug mit IHm und gleichgerichtet mit denen, für die ich vorbete. Lektorenkollegen betonen das versus populum noch durch intensiven Blickkontakt mit dem Gemeindevolk.)

Mittlerweile ist im Zuge des nach-nachkonziliaren Nachdenkens eine Diskussion darüber im Gange, in die auch Joseph Ratzinger mit seinem "Geist der Liturgie" eingegriffen hat. Für das Buch des in London lebenden Oratorianers Uwe Michael Lang, "Conversi ad Dominum" hat er letztes Jahr ein Vorwort geschrieben. 30Tage´macht es jetzt webwise zugänglich.
PAX

Inzwischen sind Klöster exotisch genug für eine spannende Reportage von Gabriele Goettle:Beständigkeit am Ort - Besuch in einer "radikalen Landkommune" (taz vom 1.6.2004).