14. Mai 2003

Monarchist

"Ich bin Monarchist und deshalb werde ich mich mit Berlin als Bundeshauptstadt niemals abfinden. Berlin ist viel zu stark durch die Aufklärung und durch Voltaire geprägt. Meine Welt, das sind Wien, Kaiser Franz Joseph I. und die k.u.k. Monarchie." (Harald Schmidt in der «Harald Schmidt Show» am 14.11.2002.)

Na, wie viel ist da denn bare Münze? Aber es gibt sie noch, die richtigen Monarchisten!

13. Mai 2003

Und wo ...

... ich gerade im digital-virtuellen Raum so heftig um mich schlage, mache ich doch gleich ungebremst weiter:

Der 1. Deutsche Seminaristentag steht unter dem Motto: „Priester für das 21. Jahrhundert – gottgeweiht und weltgewandt“. (Gut, daß ich nur den Donnerstag und Freitag tagsüber in Mainz verbringe und am Samstag schon längst wieder von dort verschwunden bin - wo ich doch weder gottgeweiht noch weltgewandt bin. Und nur eins davon sein möchte, wenn ich nachdenke.)

Gott sei Dank liegt Leon Bloy, der alte Deutschenhasser und Todfeind aller bourgeoisen Priester schon lange in Bourg-la-Reine unter der Erde - er würde sich in seinem Zorn über das kleine Wörtchen "weltgewandt" nur noch ein weiteres Mal gegen die Kardinaltugend von "Zucht und Maß" versündigen.

Nunc dimittis - Schluß für heute. Noch'n Weißbier und'n Abendgebet für die Seminaristen, und dann ab in die Heia.
Finanziell und machtpolitisch unabhängig

Noch einmal Publik-Forum: "Finanziell und machtpolitisch unabhängiges Magazin" steht in der (Selbst-)Beschreibung bei google.

Da kann ich nur noch Paulus folgen: "Womit aber einer prahlt - ich rede im Unverstand -, damit prahle ich ebenfalls." (2 Kor 11, 21) Falls es jemand wissen will: Auch dieser Blog ist finanziell und machtpolitisch unabhängig. Sogar noch mehr: Der Autor dieses Blogs schreibt nicht wie die Kollegen von Publik-Forum Seit' an Seite mit dem Zeitgeist, sondern gegen diesen an. (Denkt er jedenfalls.)
Aktion G

"Viel zu lange schon sind die christlichen Kirchen getrennt. Viel zu lange schon müssen die evangelischen und die katholischen Christen auf das gemeinsame Abendmahl, die gemeinsame Eucharistiefeier warten. Es gilt, beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin Ende Mai 2003 gemeinsam – und in großer Zahl! – ein gewaltfreies Zeichen zu setzen." - So Thomas Seiterich-Kreuzkamp und Publik-Forum.

Unsere durchmoralisierten Mitbrüder vom liberal-katholischen Flügel verzichten also - für diesmal? - auf Randale und setzen für ihre Forderung nach voller Abendmahlgemeinschaft auf orange Freundschaftsbänder. Die ergänzen nicht nur "sinnvoll und freundlich" die orangen Kirchentags-Schals, die wiederum "dem gemeinsamen, kirchlichen Nein zu dem Angriffskrieg gegen die irakische Diktatur" symbolischen Ausdruck verleihen, sondern dienen schlicht und einfach auch der Trennung der orangen von den schwarzen Schafen: Einer von uns, einer von denen, einer von uns, einer von denen... Im Völkerrechtsjargon: Es unterscheidet die Kombattanten. Quasi also Uniform.
Die Hochzeit zu Kana

Seht nur an die Hinterpforte,
wo die Hunde Bissen betteln,
wo sich drängen dunkle Schatten,
Krüppel, Hungerleider, Vetteln,

während wir im Vorderhause
glücklich sind im hellen Saale,
dunkelrot die Gläser funkeln
bei dem ewig reichen Mahle.

Helft mir, wenn ich mich beim Trinken
fühle jetzt wie neugeboren.
Schiene mir die ganze Welt fast
ohne diesen Wein verloren.

(Martin Mosebach: Das Kissenbuch, Fünftes Kissen)

12. Mai 2003

Zwei Tipps

Informasthenie

"Unbedingt informiert sein zu müssen - das ist eine außerordentliche Schwäche, es ist schlimmer als viele andere Arten von Abhängigkeiten, ja es ist eine besonders kräftezehrende Krankheit."

(John Irving: Owen Meany)
Das kennen wir doch!

"Mrs. May fand, das Wort Jesus gehöre ausschließlich in die Kirche, so wie andere Wörter ausschließlich ins Schlafzimmer gehörten. Sie war eine gute Christin und hatte große Achtung vor der Religion, obwohl sie natürlich nicht glaubte, daß irgendetwas daran wahr sei."

(Aus Flannery O'Connor's Kurzgeschichte: "Die Greenleafs")

10. Mai 2003

Interessantes aus Spanien

John Allen bringt in seinem aktuellen Word from Rome eine erstaunliche Nachricht aus Spanien: Von den 6,6 Millionen spanischen Kirchgängern gehören 40 Prozent zu einer der neuen geistlichen Bewegungen. Das bringt Einiges in Bewegung, wie sich beim Papstbesuch zeigte, und stellt auch ganz neue Fragen - z.B. nach der Rolle der geographisch verfassten Pfarrei und ihrer Pastoren und nach dem Profil der Bischöfe und ihres Amtes.
Matrix und Ron Block

Jedenfalls Ron Block, Bluegrass-Banjo- und Guitarpicker und Mitglied von Alison Krauss' Band Union Station hat sich von Matrix zu einem sehr schönen Song inspirieren lassen:

Searching

All the empty faces
Faith in what is seen
Endless days are wasted
Wandering in unreality

Just behind the curtain
A world beyond our view
Listen close and hear it
Eternity is calling to you

I have traveled far
Looking for the answers
Deep inside my heart
He leads me along

In a world of trouble
Hard to find some peace
The strain of seeing double
Hold the truth, don't trust what you see

Searching far and wide
For a deeper meaning
Never looked inside
Where Love calls to me

I have traveled far
Looking for the answers
Deep inside my heart
He leads me along

Auf der Illustration zu seiner CD Faraway Land steht die Matrix-DVD zwischen C.S. Lewis und George MacDonald.
Neos Evangelium - Teil 2

Mitte Mai kommt Matrix Reloaded ins Kino. Nachdem schon Matrix 1 tief aus dem Brunnen religiöser und speziell christlicher Symbolik schöpfte, können wir gespannt sein, wie Teil 2 die religiösen Themen fortführt. Der Christian Science Monitor bringt einen interessanten Artikel zum Thema.

Marianischer Haushalt

Frisch gefegt und himmlisch rein
ist mein Turm aus Elfenbein.
Lieblich dann ich mich beseh
im speculum iustitiae.
In dem Garten sitz ich nah
bei der rosa mystica.
Und als Lämpchen dient mir gern
zur Abendzeit der Meeresstern.

(Martin Mosebach, Das Kissenbuch, Fünftes Kissen)

9. Mai 2003

Zwei Fragen

Der Glaubende muß seinen Glauben an Gott angesichts des Leidens durchhalten.

Der Nichtglaubende muß sich fragen, wie das Gute gut und das Schöne schön bleiben kann ohne Gott.
Learning by Living

Ein Zitat von Kardinal Ratzinger:

"Dem von der modernen Wissenschaft gesetzten Maßstab für Gewißheit kann der Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens nicht entsprechen, weil die Form der Verifizierung nun einmal hier ganz anderer Art ist als im Bereich des Experimentierbaren: weil die Art des geforderten Experiments - das Einstehen mit dem Leben - ganz anderer Natur ist. Die Heiligen, die das Experiment bestanden haben, können als Garanten seiner Wahrheit dienen, aber die Möglichkeit, sich dieser Evidenz zu entziehen, bleibt. Und so wird man gewiß weiter nach anderen Lösungen Ausschau halten, sie in Formen mystischer Einung suchen, für die es Weisungen und Techniken gibt und geben wird."(Glaube - Wahrheit - Toleranz, S. 182 f.)

Dieses Zitat kann ich momentan bei einem Jungen "verifizieren", der diesen christlichen Anspruch bestreitet, weil er dem eben nicht genügen will oder kann, was die "Wissenschaft" als Maßstab zuläßt. Wahrscheinlich sind diverse Formen mystischer und weniger mystischer Ekstase und Vereinigung schon in Reichweite.
Scipio daheim

Durch Gebirgsbäche waten und im Chiemsee schwimmen, über den Schmugglerpfad zum Klobenstein wandern und im Schatten der leider schon geschlossenen Wallfahrtskirche einen langen, kerzenerleuchteten Abend verbringen - besinnlich und fröhlich zugleich -, vier Tage lang bayerischen Genüssen frönen: Eine sehr schöne Woche liegt hinter mir. Und das Lernziel der ganzen Veranstaltung haben die Kolleg/inn/en und ich auch erreicht.

Rein in den Alltag.

3. Mai 2003

Scipio unterwegs

Ich bin bis Donnerstag im schönen Chiemgau unterwegs und werde bestimmt nicht viel zum Schreiben kommen. Aber dann!
Praise be to God for Gerard Manley Hopkins

"dapple-apple-merry-cherry-Reime" und "doch recht hübsch" kommentiert Fono die erste Strophe von Hopkins May Magnificat. Das lässt sich längerfristig nur mit noch mehr Gerard Manley Hopkins beantworten!

1. Mai 2003

Maikäfer

Mitte April tauchten die ersten Käfer in unseren Breiten auf. Nach den Leichenteilen zu schließen, die schon auf Wegen und Straßen liegen, haben wir ein Käferjahr.

Pünktlich zum 1. Mai habe ich heute meinen ersten lebenden Käfer gefunden! Ich liebe sowas!
Ein Dankeschön an N.N.

"Because of the goodness of this Lady
And because of her loveliness, and because
She honours the Virgin in meditation,
We shine with brightness."
(T. S. Eliot: Ash Wednesday)
Mai-Magnificat

Von Gerard Manley Hopkins ist das May Magnificat

"May is Mary’s month, and I
Muse at that and wonder why:
Her feasts follow reason,
Dated due to season —

Mai ist Marien Mond, und ich
Sinne dem nach und möcht wissen warum:
Ihre Feste sind weislich geordnet,
Den Zeiten des Jahres geziemend —"
(Übs. Clemen/Kemp)