21. November 2006

Gospel according to JJ

Von Rockmusikern fürs Leben, gar fürs geistliche Leben lernen - klar geht das. Zwei ganz Große erteilen z.B. in der SZ in einem wirklich genialen Interview mit Alexander Gorkow einige Lektionen.

Ruhm?
- SZ: Mr.Cale, ist der Ruhm zwischen Ihnen beiden ungerecht verteilt?
- Clapton: Yeah. Richtige Frage.
- Cale: Ich bin dran. Also, die Antwort ist: Nein. Ich meine, was ist Ruhm?
Geld?
- Clapton: "Kennen Sie die Geschichte mit dem Geld? Keiner kennt die!"
- Cale: Oh, Eric, lass gut sein.
- Clapton: Doch, sie ist großartig!
- SZ: Bitte!
- Cale: Ach nein . . .
- Clapton: Doch, sie sagt viel über Ruhm aus. Jeder hat sein Bild von Ruhm. Das Bild, das J.J. abgab, es war sensationell.
- SZ: Also?
- Clapton: Erzähl’ unserm Mann aus Deutschland, wo das Geld war!
- Cale: Ich hab’s zwischen die Wände im Wohnwagen gestopft, Mann.
- SZ: Wie bitte?
- Cale: Es musste ja irgendwo hin.
Glück?
- SZ: Sie sollen mal gesagt haben, dass es, solange das Geld ’reinkommt - und das kam es ja bei Ihnen - bessere Dinge zu tun gibt als ausgerechnet: zu arbeiten.
- Cale: Habe ich das gesagt?
- SZ: Angeblich. Ganz sympathisch.
- Clapton: Ich würd’ sagen, dass du es gesagt hast, J.J., es passt zu dir.
- Cale: Finde ich auch. Also, wenn ich das gesagt haben sollte, so gehört es zu den besseren von den Sachen, die ich schon gesagt habe. Ich hab’ nie nach Ruhm gesucht. Ich hab’ nach Glück gesucht. Ich hab’ mein Glück gefunden. Und mein Glück besteht auch darin, in die Landschaft zu starren. Oder ein bisschen auf der Gitarre zu schrammeln.
Weisheit?
- SZ: Wird man im Alter weise?
- Clapton: Okay! J.J., was sagst du?
- Cale: Nein, man wird nicht weise. Kommt einem nur so vor. Wieso kommt es einem so vor? Weil man senil wird! Hehehe!

19. November 2006

Liturgisches Setting
"Denn ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hingetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind,

zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden;

denn sie ertrugen nicht den Befehl: Sogar ein Tier, das den Berg berührt, soll gesteinigt werden.

Ja, so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose rief: Ich bin voll Angst und Schrecken.

Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung

und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten,

zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.

Darum wollen wir dankbar sein, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, und wollen Gott so dienen, wie es ihm gefällt, in ehrfürchtiger Scheu;

denn unser Gott ist verzehrendes Feuer." (Hebr 12, 18-24. 28f)
Keinen Deut weniger, und keinen Deut mehr (weil mehr einfach nicht geht).
Mit GOtt lachen

Hannes Stein beschließt seine Besprechung von George Steiners neuem Buch über die Traurigkeit des Denkens mit der Bemerkung:
"George Steiner erweist sich in diesem Essay als Gnostiker - das heißt, er sieht die Schöpfung als dermaßen tief gefallen an, dass ein Kontakt mit dem Göttlichen nun nicht mehr möglich sei. Ein Monotheist kann diese Sicht der Dinge - bei aller begründeten Traurigkeit - unmöglich teilen. Er glaubt, dass das Denken ein Widerhall von Gottes Gelächter bei der Erschaffung der Welt ist."
Spirituelle Kompetenz-Kompetentes

Johannes Flaig über den Modebegriff der "spirituellen Kompetenz". Seine Bemerkungen beziehen sich zwar auf den evangelischen Raum, aber nachdem auch diesseits des konfessionellen Zauns heftig am Thema gearbeitet wird, können wir sie auch mit Nutzen lesen.

An gleicher Stelle auch ein Link zum Vortrag von Fulbert Steffensky auf dem Kirchentag 2005 in Hannover: Die große Sehnsucht.
Ferien von der Aufklärung und Urlaub für den Teufel

Ein Artikel von Heinz Schlaffer in der Welt über die modische Feuilletonreligion. (Erscheinungsdatum: 18. 2. 2006)

Interessant, auch wenn er Mosebach z.B. nicht gerecht wird: Der meint es ernst, und zwar nicht erst seit gestern.
Der überfremdete Eugen

"Liebe Leute von heute, was machten wir eigentlich ohne die konsequenten Querdenkeranstöße von unserem lieben Eugen Drewermann?"

Die Antwort des Satirikers Peter Schneider beim Schweizer DRS. (Via Michael Miersch auf der Achse des Guten)

18. November 2006

Was Christentum ist
"... Es bedeutet, daß es ein Christentum ohne Christus nicht gibt. Und nicht bloß deshalb, weil Verkündung nur sein kann, wenn ein Verkünder sie spricht, sondern weil Er selbst in seine Verkündung hineingehört. Es gibt keine christliche Wahrheit, die von Ihm abgelöst werden könnte; keine christliche Lebensweisheit, die abgesehen von ihm bestünde, weil sie im Wesen des Daseins angelegt wäre, sondern das Christentum ist Jesus Christus und die Gemeinschaft mit Ihm. In Ihm ist Gott zu uns gekommen; in Seinem Tun und Tod ist die Schuld der Welt gesühnt und die Sinnrichtung des Daseins gewendet; in Ihm geht der Weg zu Gott zurück." (Romano Guardini: Liturgie und liturgische Bildung.- Mainz: Grünewald, 1992, S. 159)
Ad Limina - Teil 3: Reformrhythmus

Aus der Ansprache des Papstes an die zweite Gruppe deutscher Bischöfe:

"Es geht darum – und dies ist sicher auch eine tägliche Aufgabe für jeden Christen –, vom eigenen Ich abzusehen und sich selbst dem liebenden und fragenden Blick Jesu auszusetzen. In der Mitte unseres Dienstes steht immer die Begegnung mit dem lebendigen Christus, die unserem Leben die entscheidende Richtung gibt. (...)

Kirchliche Institutionen, Pastoralpläne und andere rechtliche Strukturierungen sind bis zu einem gewissen Grad schlichtweg notwendig. Aber gelegentlich werden sie als das Wesentliche ausgegeben und verstellen so den Blick auf das wirklich Wesentliche. Sie werden jedoch nur dann ihrer eigentlichen Bedeutung gerecht, wenn sie am Maßstab der Glaubenswahrheit gemessen und danach ausgerichtet werden. Letztlich muß und wird es der Glaube selbst sein, der in seiner ganzen Größe, Klarheit und Schönheit den Rhythmus der Reform vorgibt, die wesentlich ist und die wir brauchen. Dabei darf freilich niemals vergessen werden, daß es immer Menschen sind, von deren Fähigkeiten und gutem Willen die Verwirklichung von Reformmaßnahmen abhängt. So schwer es auch im Einzelfall sein mag, so müssen in dieser Hinsicht doch immer wieder klare Personalentscheidungen getroffen werden.

Liebe Brüder im bischöflichen Amt! Ich weiß, daß viele von Euch die ganz berechtigte Sorge um die situationsgerechte Weiterentwicklung der pastoralen Strukturen beschäftigt. Angesichts der augenblicklich abnehmenden Zahl der Priester, wie leider auch der (sonntäglichen) Gottesdienstbesucher, kommen in verschiedenen deutschsprachigen Diözesen Modelle der Um- und Neustrukturierung der Seelsorge zur Anwendung, bei denen das Bild des Pfarrers, das heißt des Priesters, der als Mann Gottes und der Kirche eine Pfarrgemeinde leitet, zu verschwimmen droht. Ich bin ganz sicher, daß Ihr, verehrte Mitbrüder, die Erstellung dieser Konzepte nicht kühlen Planern überlaßt, sondern nur solchen Priestern und Mitarbeitern anvertraut, die nicht nur über die notwendige vom Glauben erleuchtete Einsicht und über eine entsprechende theologische, kanonistische, kirchenhistorische und praktische Bildung sowie über pastorale Erfahrung verfügen, sondern denen die Rettung des Menschen wahrhaft am Herzen liegt, die sich also, wie wir früher gesagt hätten, durch 'Seeleneifer' auszeichnen und für deren Denken und Handeln das ganzheitliche und damit das ewige Heil des Menschen die suprema lex ist. Vor allem werdet Ihr nur solchen strukturellen Reformen Eure Zustimmung geben, die voll und ganz mit der Lehre der Kirche über das Priestertum und den rechtlichen Normen im Einklang stehen und bei deren Umsetzung die Anziehungskraft des Priesterberufs nicht gemindert wird."

17. November 2006

Mögen Dich die Kreuze ...

... an alles erinnern, bloß nicht an Jesus von Nazareth in seiner Todesstunde!







Unsere heutigen Beispiele sind genommen aus dem Vivat!-Katalog Dezember 2006. Vivat! ist ein Service des St. Benno-Verlags in Leipzig für "Christliche Bücher & Geschenke".

Um vollständig zu sein: Im Katalog gibt es noch drei weitere Wandkreuze: eines mit einer Rose und der Aufschrift "Zeichen der Liebe Gottes" - offensichtlich zum Elisabeth-Jahr 2007, eines mit der Aufschrift "Gott schütze dich" und ein drittes, ein Segenskreuz mit dem Aaronsegen aus dem 6. Kapitel des Buches Numeri.
Bewußt essen



Den ganzen Hintergrund bei "Ironic Catholic".
Last Exit Rome

Und dann war da noch das Häretiker-, Schismatiker- und Sedisvakantistenfenster (via Shrine of the Holy Whapping):

Sitz-und-Schluck

Endlich mal eine sinnvolle Erfindung fürs Stadion, für Gartenfeste oder spontane Familienkreispicknicks: das Bierkissen "Sitnsip".



Lässt sich bestimmt auch von weniger gepimpten Individuen benutzen.
Was ist sie denn nun?

Heilig, vorbildlich, befremdlich, radikal? Elisabeth von Thüringen, die Heilige mit dem befremdlichem Lebenslauf. (Welt)

16. November 2006

Sufjan Stevens und das Problem mit der christlichen Musik

Hidden Under a Bushel in Books & Culture
Natürliche Forderung

"The nature of man demands the sacramental. If he’s denied the deep and the real, he’ll fall for the trivial, even for the ersatz." (David Jones, zit nach dem New Criterion)

["Die Natur des Menschen fordert das Sakramentale. Wenn ihm das Tiefe und das Wirkliche verweigert wird, verfällt er dem Trivialen, ja sogar dem Ersatz."]

15. November 2006

Mehr als ein Trostpreis für heimkehrende Lefebvrianer

Der aktuelle Gerüchtestand datiert das Motu Proprio auf Weihnachten 2006: Dann werde Papst Benedikt XVI. die "alte Messe" in der Kirche wieder zulassen und nicht mehr nur um eine weite und großzügige Anwendung der "Richtlinien zum Gebrauch des Römischen Meßbuchs in der Editio typica vom Jahr 1962" bitten.

Daß es nicht nur um die Wiedereinführung einer altehrwürdigen Liturgieform geht, zeigt sich an der Diskussion in Frankreich deutlicher als hierzulande: Für die echten Traditionalisten um den Erzbischof Lefebvre ging es ja stets um mehr als um die Abschaffung oder Zulassung eines Ritus. Es ging um die Gültigkeit des Konzils, die Gültigkeit der "neuen Messe" Pauls VI., um die Stellung der Kirche zur Gesellschaft, zur Religionsfreiheit, zur Demokratie. Bei all dem wird der Papst, wird die katholische Kirche keine Zugeständnisse an die Schismatiker machen. Das Konzil ist nicht verhandelbar, manches an seiner Umsetzung wohl schon.

Werden wir dann einen Biritualismus bekommen, wie es manche Bischöfe befürchten und öffentlich als Argument einsetzen? Kardinal Ratzinger in seinem "Geist der Liturgie" spricht von "Variationen in den Ritenfamilien", von "variierende(n) Formen auf dem Boden einer das Ganze umspannenden rituellen Grundform"(146). In diesem Sinn wollte das Konzil dann nicht den damaligen römischen Ritus abschaffen und durch einen neuen ersetzen, sondern ihn doch wohl so variieren ("erneuern" - SC 21), daß "das christliche Volk in der heiligen Liturgie die Fülle der Gnaden mit größerer Sicherheit erlange". Um eine Wiederzulassung der früheren Variante geht es, nicht um einen Parallelritus.

Wozu aber das Ganze, wenn es sich laut Kardinal Lehmann so gar nicht um ein echtes Bedürfnis "des Volkes Gottes" handelt? Sicherlich würde die breitere Zulassung der "alten Messe" erst einmal eine Brücke für diejenigen Traditionalisten bauen wollen, die aus dem Schisma in die Einheit zurückkehren wollen. Auflösung oder wenigstens Aufweichung durch Umarmung - das ist es ja auch, was schismatische Traditionalisten hinter dem pästlichen Vorhaben wittern.

Ad intra, nach innen jedoch geht es dem Papst, der als Kardinal eine "Reform der Reform" anregte, imho um eine heilsame Rückwirkung auf die oft defiziente Art, wie Liturgie in der katholischen Kirche gefeiert wird. Gerade weil ihm bewußt ist, daß Liturgie nachkonziliar als machbar verstanden wurde und verstanden wird, und zwar von den Machern wie vom Kirchenvolk und seinen Priestern, weiß er, daß auch die "Reform der Reform" allzu leicht in die "Machbarkeitsfalle" tappen kann: Erst machen wir alles ein bißchen lockerer, vierzig Jahre später machen wir wieder auf Rollback, auf Latein, auf versus orientem, auf Pius V....

Würde dann Liturgie nicht noch beliebiger erscheinen, wo doch "die Größe der Liturgie ... gerade auf ihrer Unbeliebigkeit" (Geist der Liturgie, 143) beruht, wo eben auch der Papst selber nicht der ultimative Liturgiemacher ist, sondern "Garant des Gehorsams gegenüber dem ergangenen Wort", "demütiger Diener ihrer [der Liturgie] rechten Entwicklung und ihrer bleibenden Integrität und Identität" (ebd.)?

Vielleicht ist das die erste Hoffnung des Papstes: daß durch die häufigere Verwendung des altrömischen Messbuchs die derzeitige katholische Liturgie bereichert wird. Das wird nur gelingen, wenn die Zulassung des "alten Messe" "entpolitisiert", aus dem Niemandsland zwischen den Schützengräben der letzten dreißig Jahre herausgeholt wird. Um "liturgische Erneuerung" geht es, um Wiedergewinnung von nachkonziliar Verlorenem, nicht um den Sieg der einen und die Niederlage der andern.

Was heißt "volle, bewußte und tätige Teilnahme" (SC 14)? Was sind "unnötige Wiederholungen" (SC 34)? Soll und kann Liturgie tatsächlich "durchschaubar" (SC 34) sein? Wie sieht "Belehrung" (SC 33) durch Liturgie aus? - Bestimmte Antworten sind hier in den letzten vierzig Jahren popularisiert worden, uns in Fleisch und Blut übergegangen. Es wird immer klarer, daß diese Antworten mindestens genauso zeitbedingt waren wie das, was sie an Wandelbarem abschaffen oder verbessern wollten.

Wenn die Wiedereinführung der alten Variante des römischen Ritus gelingt, dann könnte in seinem Licht auch die neue Variante ihre Stärken entfalten und ihre Schwächen überwinden. Denke ich jedenfalls.

Versprechen will ich nichts, aber vielleicht gelingt es mir, das eine oder andere dazu aufs Blogpapier zu bringen.

14. November 2006

Nicht-so-latente Talente

Ziemlich schmeichelhaft, aber getroffen ist sie schon, die Art von Begabung, die ich habe:

Your Dominant Intelligence is Linguistic Intelligence

You are excellent with words and language. You explain yourself well.
An elegant speaker, you can converse well with anyone on the fly.
You are also good at remembering information and convicing someone of your point of view.
A master of creative phrasing and unique words, you enjoy expanding your vocabulary.

You would make a fantastic poet, journalist, writer, teacher, lawyer, politician, or translator.


(Bei Felix Pfefferkorn mitgenommen)
Dramatisches Dogma

"In Himmels Namen, lasst uns das göttliche Drama herauszerren aus dem schrecklichen Wust schlampigen Denkens und billiger Sentimentalität und es offen ins Rampenlicht stellen, um die Welt zu einer Art mächtiger Reaktion aufzuschrecken. [...] Wir tun Ihm ausgesprochen wenig Ehre, indem wir Seine Persönlichkeit verwässern, bis sie keiner Fliege mehr etwas zuleide tun kann. Die Aufgabe der Kirche ist es sicherlich nicht, Christus den Menschen anzugleichen, sondern die Menschen an Christus.

Im Dogma ist es, wo das Drama sitzt – nicht in wunderschönen Sätzen, noch in tröstenden Gefühlen, noch in verschwommenem Streben nach liebender Zuwendung und Erbauung; noch ist es das Versprechen von etwas Schönem nach dem Tode – sondern die erschreckende Einsicht, dass derselbe Gott, der die Welt erschaffen hat, in der Welt lebte und durch das Grab und die Pforten des Todes gegangen ist. Dies zeige man den Heiden, und sie mögen es vielleicht nicht glauben; aber zumindest vermögen sie vielleicht zu erfassen, dass es hier etwas gibt, was ein Mensch sich glücklich schätzen könnte zu glauben." (Dorothy L. Sayers, zitiert nach A.M. Reijnen: Ekklesiologie und die Grammatik der Validierung)
Außenperspektive

"... as the waves of the sea, without stay, do one rise and overtake another, so the Pope and his ... ministers be never at rest, but as fast as one enterprise faileth they take another in hand ... hoping at last to prevail." - Sir Walter Mildmay MP, Oktober 1586

["... wie die Wogen des Meeres, ohne auszusetzen, sich erheben und einander einholen, so ruhen der Papst und seine ... Diener nie, sondern sobald ein Vorhaben scheitert, nehmen sie ein anderes in die Hand ... in der Hoffnung, sich am Ende durchzusetzen."]

13. November 2006

Simplify your Jesus

Wetten, daß Kirchenrätin Petra Harring (München) an einem Buch für die berühmte Simplify-Reihe schreibt?

Es wird "Simplify your Jesus" heißen und uns zeigen, wie man die Botschaft Jesu so versteht, daß sie einem passt, besonders wenn man zur Hörerschaft des Deutschlandfunks gehört: gebildet, männlich, gehobenes Einkommen, Bürgertum oder obere Mittelschicht. Kostproben gibt es diese Woche zwischen 6.35 und 6.40 im DLF.

Schaut auf den Sämann, sagte sie zum Beispiel heute morgen, und hört die Lektionen, die Jesus euch durch mich gibt:
"Wer nicht bei sich ist, wer zu sehr auf andere schielt, der wird sich verlieren, heisst der erste Ratschlag von Jesus."

"Wer sich und seinen Gefühlen nicht vertraut, wer kein Vertrauen ins Leben hat, bei dem wird das Leben welk, warnt Jesus."

"Mit all deinen Ängsten und Sorgen machst du dich selber mundtot, verbietest dir kreativ zu sein und Neues auszuprobieren, so würde es Jesus sagen."

"Der schönste Rat von Jesus heisst also: Gib dir selber Zeit und Raum und vertraue, dass trotz deiner Sorgen, trotz so mancher Oberflächlichkeit und Hartherzigkeit auch Schönes emporwachsen kann..."
He, wer singt hier dazwischen? "Das Wort sie sollen lassen stahn"? Bist Du das wieder, Doktor Martinus? Mach dich locker, der 31. Oktober ist um, bist erst nächstes Jahr wieder dran.
Ad Limina - Teil 2b: Die Vorabimmunisierung

Karl Kardinal Lehmann muß erst noch, aber weiß bei Radio Vatikan trotzdem schon was kommt (bzw. was er anschließend sagt):

Es wird "ein ruhiger und entspannter Besuch"; natürlich gibt es "auch immer wieder Anfragen", die aber nicht genuin päpstlich sind, sondern entweder aus den Zeitungen stammen, die in Rom gelesen werden, oder von "Protesten" (?) da und dort; "Ratschläge" zu Strukturfragen gab es bisher keine, auch wenn "Rom" die deutsche Kirche versteht; Donum Vitae hat man mit der Erklärung vom 20. Juli abgedeckt - außerdem handelt es sich dort um "Leute ..., die wir sehr schätzen und mit denen wir Jahrzehnte positiv zusammengearbeitet haben"; die Frage nach dem "Alten Ritus" ist eine rein hypothetische; die Frage nach der Ästhetik der Liturgie spielt "nur bei ganz wenigen Leuten eine Rolle" (Wie wahr, wie wahr! Unsere Rede!!!); Spannungen unter den Bischöfen: "Die gibt's nicht!"

Da kann nichts schief gehen. Ich wünsche eine gute Fahrt, schöne Tage und viele Grüße an den netten Herrn Papst! (Und falls der wider Erwarten öffentlich deutlich wird: Er meint's doch gar nicht so...)

Ergänzung am 14. 11.: Ich habe nicht genau genug recherchiert: Kardinal Lehmann war ja schon mit der ersten Gruppe Bischöfe in Rom. Aber ehrlich: Dem Interview merkt man es nicht an. Nett war's - und der Papst hat's gar nicht so gemeint.
Ad Limina - Teil 2a: Die Entschärfung

Einer der ersten Romheimkehrer nimmt Stellung: Bischof Kamphaus (Limburg) freut sich, daß der Papst "sehr freundlich, offen und bestens informiert" und seine Ansprache eine "Ermutigung für die katholische Kirche in Deutschland" (zu ergänzen am besten: auf ihrem bereits eingeschlagenen Weg) gewesen sei. Es gehe ihm um die "getreue Vermittlung des Glaubens in der Schule" und anderswo. So ein netter Mensch, unser Herr Papst.

Kein Wort, daß der Heilige Vater deutschkatholische, zum Teil doch wohl auch bischöflich verursachte, Defizite ansprach.

Na, dann ist ja alles bestens.
Der Mann, der nicht neben Donnerstag steht

LibraryThing hat die Amazonmasche einfach umgedreht und nutzt die kollektiven Bibliotheksbestände von ca.7 Millionen Büchern, um Bücher vorzuschlagen, die nicht mit einem gegebenen Buch in einer Bibliothek auftauchen.

Beispiel gefällig: Die geringste Wahrscheinlichkeit, sich mit Chestertons "Der Mann, der Donnerstag war" ein Regal zu teilen, hat des Dalai Lama "Die Regeln des Glücks". Das würde GKC gefallen!
Heidegger und die Kartäuser
"Einige Jahre davor begleitete ... mich [Rüdiger Safranski] auf einer Reise, die ich für Radio France Culture entlang dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela unternahm, wobei wir auch das Kartäuserkloster Aula Dei in der Nähe von Zaragoza besuchten. Einer der Mönche zeigte uns die Bibliothek, die etwas vernachlässigt aussah, als stammte die letzte philosophische Schrift, die hier Eingang gefunden hatte, aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Um dem Mönch klarzumachen, wem oder was unser Interesse galt, erzählte ich ihm, der Mann neben mir habe gerade eine Heidegger-Biographie geschrieben. Ob ich erwartet hatte, das würde den in eine weiße Kutte gehüllten Bibliothekar beeindrucken, weiß ich nicht, doch die Antwort kam aus dem Mittelalter wie ein Pfeil auf uns zugeschossen: Heidegger ist die Angst, wir sind die Hoffnung."(WELT-Literaturpreis an Rüdiger Safranski: Laudatio von Cees Nooteboom)
In der Mitte der reißende Fluß
"Einer der zahlreichen Mythen, die der religiöse Liberalismus über die Jahrhunderte hinweg gepflegt hat, ist die Behauptung, dass Dialog und gegenseitiger Respekt zwischen den Glaubensgemeinschaften stets möglich seien. Das mag für liberale Gruppierungen zutreffen, aber es ist nachweislich falsch im Blick auf orthodoxe Traditionen, die dem spirituellen Schicksal des Menschen mehr Bedeutung beimessen als seinem irdischen Dasein. Im heutigen Konflikt zwischen religiöser Orthodoxie und modernem Liberalismus geht es letztlich nicht um Werte wie Frieden oder Toleranz; es geht um die Frage, ob die Religion die Dienerin einer guten Politik sein soll oder ob die Politik lediglich ein Werkzeug im Dienst der wahren Religion sei. Diejenigen, die an den Primat der Offenbarung glauben, stehen am einen Ufer und fragen sich, wie sie ihre Politik mit dem göttlichen Willen in Einklang bringen können. Die anderen, die jenen Glauben nicht teilen, befassen sich mit der Frage, ob die Religion zum Frieden und zur Bereicherung des modernen Lebens beitragen könnte. Dazwischen gibt es keine Brücke, nur einen reissenden Fluss." (Mark Lilla: Meisterin der Politik - Magd der Politik (NZZ))
Beim ersten Mahl tut's noch weh

In der Sprechstunde des "Evangelischen Sonntagsblatts für Bayern" fragt Herr R.:
"Vor einiger Zeit besuchte ich als evangelischer Christ und Mitglied unserer evangelischen Kirchengemeinde interessehalber den Gottesdienst in der hiesigen katholischen Kirche. Es war ein Gottesdienst mit Kommunion, der mich sehr angesprochen hat. Auch ich habe an der Kommunion teilgenommen und von dem Geistlichen, der mich persönlich kennt, die Hostie empfangen. Meine Frage an Sie: War das aus der Sicht unserer Kirche zulässig und im Sinne der Ökumene? Wie sollte ich mich als evangelischer Christ in ähnlicher Situation verhalten? Ich ging jedenfalls in meinem Glauben gestärkt aus diesem Gottesdienst."
Eine Antwort gibt Briefkastenpfarrerin Barbara Hauck nicht - höchstens zwischen den Zeilen die, daß die Frage eigentlich überflüssig ist: Die Katholiken sollen sich nicht so anstellen - immerhin ist das Abendmahl "Versicherung der Zusammengehörigkeit aller Getauften, so unterschiedlich sie in ihren Glaubensüberzeugungen und Lebenseinstellungen auch sein mögen".

Unterschiede, die keine Rolle spielen - sind das noch welche? Oder werden sie damit nicht zu Fragen des "persönlichen Geschmacks"?

Entscheidend, lieber Leser, ist der aktuelle Seelenzustand: Solange Du Dich gestärkt fühlst im Glauben, solange Dein Interesse gestillt wird, musst Du das katholische "Non possumus"(Apg 4, 20), ihr "Ich kann nicht anders" (M. Luther) nicht ernst nehmen. Sie sollen sagen, was sie wollen, über Eucharistie und Transsubstantiation, über Priesterweihe, über ihr Kirchenverständnis und ihre Sakramente, sie sollen mitsamt ihrem Lehramt auf dem Katechismus einen Kopfstand machen: Es ist egal. Es kümmert nicht. It just doesn't matter. We do not care.

Und garantiert: Jeder Schmerz, auch der "der Schmerz des »noch lange nicht Selbstverständlichen«" ist Gewöhnungssache. Beim ersten Mahl tut's noch weh, aber ich, Barbara Hauck, garantiere Dir, lieber Leser, Herr R.: Das legt sich!

10. November 2006

Heuchelei

"Normen zu verletzen, die wir aufrichtig anerkennen, macht uns nicht zu Heuchlern. Täte es das, dann wäre Heuchelei keine besondere Art von Fehlverhalten, sondern eine Begleiterscheinung allen Fehlverhaltens."
Robert T. Miller denkt bei First Things darüber nach, was Heuchler zu Heuchlern macht. Die Heuchelkeule wird ja gern geschwungen: Bill Clinton soll mit Monica L. einer gewesen sein, Mel Gibson in voll alkoholisiertem Zustand, neuerdings Evangelikalen-Anführer Ted Haggard - und ich bin dann auch in Gefahr.

Als der eine erscheinen und als anderer leben wollen, das macht uns zu Heuchlern. Da braucht es glücklicherweise schon mehr als einen Ausrutscher. Und auch mehr als Niederlagen in einem permanenten Kampf. Wissen und Wollen ("consciously and intentionally") sind es, die Außenbild und eigentliche Lebensrichtung auseinanderreißen.
Ad Limina - Teil 1

kath.net veröffentlicht die Ansprache des Papstes an die erste Ad limina-Gruppe der deutschen Bischöfe - mit recht klaren Bemerkungen zur "Konfrontation" mit der säkularisierten deutschen Gesellschaft, zum "demütigen und festen Zeugnis für Jesus Christus" auch den hier lebenden Muslimen gegenüber, zu Religionsunterricht, Katechese, Erwachsenenbildung, zu universitärer Theologen- und Priesterausbildung ("Da nun kann nicht genug betont werden, daß die Treue zum Depositum fidei, wie es vom Lehramt der Kirche vorgelegt wird, die Voraussetzung für seriöse theologische Forschung und Lehre schlechthin darstellt."), zur Katholischen Universität Eichstätt und - mit besonderer Betonung - zum Verhältnis von Priester und Laien. Wer Ohren hat, der höre, was der Papst den Gemeinden sagt...

Und weil das Positive nicht fehlt, sei es hier zitiert:
"Um der eingangs angesprochenen großen Herausforderung durch den anhaltenden Säkularisierungsprozeß adäquat begegnen zu können, muß die Kirche in Deutschland vor allem die Kraft und Schönheit des katholischen Glaubens neu sichtbar machen: um dies zu können, muß sie in der Gemeinschaft mit Christus wachsen."
MP-X Player



Eine Studie von Manworks Design, die immerhin fragen:
"This player immediately brings many questions - whether it is possible to listen to any kind of music on it? Whether it can keep on playing a role of the religious symbol? Does everybody have a moral right to wear this thing?"
Die Frage wäre natürlich schon mal: Does _anybody_ has a moral right to wear this thing? Aber statt einer Antwort werden wir es wahrscheinlich nächstes Jahr haben... (Via Annonuem und Gizmodo)
To Whom It May Concern

Mach' doch deinen eigenen Blog auf.
Kontrastlektüre

Erst einen Review von Mark Steyns Buch "America Alone: The End of the World As We Know It" gelesen, und direkt danach und wie zur Bestätigung "Kinder selbst zu produzieren, ist keine schöne Sache", das Interview mit Woody Allen in der Welt.

9. November 2006

Die Zeugen
"Keine andere Religionsgruppe hat so stark unter Diskriminierung und Verfolgung zu leiden wie die Christen. Sie sind von mindestens drei Vierteln aller Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit betroffen. (...) Von den knapp 2,2 Milliarden Christen wird etwa jeder Zehnte wegen seines Glaubens verfolgt oder benachteiligt. Nach Schätzungen bezahlen jährlich mindestens 90.000 ihr Bekenntnis zum christlichen Glauben mit dem Leben." (idea)

8. November 2006

Marktlücke

Jetzt endlich, nach einigem Hängen und Würgen ist der neue PC incl. WLAN einigermaßen einsatzbereit.

Immer noch nach fast 20 Jahren PC-Erfahrung, stelle ich, wenn ich mir (und der Familie) einen neuen "Rechner" anschaffe, mit Erschrecken fest, daß das ganze Computerunwesen immer noch eine Sache für Nerds und Geeks mit ganz viel Zeit ist. Wieso ist es nicht möglich, das Gerät mit allem Zubehör so einsatzbereit zu machen wie - sagen wir: ein Auto? Schlüssel rein - und los? Wieso muß der "Sonntags-Computerfahrer" immer noch zum Kfz-Mechaniker oder wenigstens zum Autobastler werden?

Ausnahmsweise weiß ich mich da mit meiner Schwiegermutter einig.
Ein "Irrealis" und ein "Wenn"

"Denn die religiöse Unwissenheit ist heute erschreckend groß geworden. Und dabei haben in Deutschland die Kinder alle mindestens zehn Jahre Katechese, müßten also doch eigentlich unheimlich viel wissen."

"Wenn dann ein gescheiter Pastoralassistent da ist, der das Wort Gottes sehr gut und überzeugend auslegen kann,..."

Die Zitate im Kontext bei kath.net.
First we take Manhattan ...

Die NY Times berichtet von einer Nebenfront des amerikanischen Culture War:
Separating anatomy from what it means to be a man or a woman, New York City is moving forward with a plan to let people alter the sex on their birth certificate even if they have not had sex-change surgery.

Under the rule being considered by the city’s Board of Health, which is likely to be adopted soon, people born in the city would be able to change the documented sex on their birth certificates by providing affidavits from a doctor and a mental health professional laying out why their patients should be considered members of the opposite sex, and asserting that their proposed change would be permanent.

Applicants would have to have changed their name and shown that they had lived in their adopted gender for at least two years, but there would be no explicit medical requirements.
Das kann nur ein kleiner Schritt auf einem langen Weg sein, denn 1. benachteiligt er alle, die noch nicht zwei Jahre "transgendered" sind, und 2. alle, deren Gender nicht permanent festlegt, sondern sich sonst wie gelegentlich wandelt.

Und die leidige Toilettenfrage stellt sich auch schon:
"“I’ve already heard of a ‘transgendered’ man who claimed at work to be ‘a woman in a man’s body but a lesbian’ and who had to be expelled from the ladies’ restroom because he was propositioning women there,” Dr. Paul McHugh, a member of the President’s Council of Bioethics and chairman of the psychiatry department at Johns Hopkins University, wrote in an e-mail message on the subject. “He saw this as a great injustice in that his behavior was justified in his mind by the idea that the categories he claimed for himself were all ‘official’ and had legal rights attached to them.”"

7. November 2006

Der Ethikrat ist tot - es lebe der Ethikrat!

Abgeordnetenfreie Zone (Tagespost)
Voticons

Der Curt Jester macht ein paar Vorschläge, die Katholiken (aber nicht nur denen...) ein differenzierteres Ausüben ihres bürgerlichen Wahlrechts ermöglichen könnten...
Links zum "Totenmonat"

Edward "Son" House: Death Letter - vielleicht gibt es ein mp3-File von den CBS-Sessions irgendwo im Web - der über 60jährige Son House hetzt gerade zu durch diesen überlangen Blues, kommt außer Atem, ringt nach Luft, quält sich und seine Gitarre. Einer der großen alten Männer...

Johanna Keck: Dem Tod ins Gesicht sehen - die Medizinstudentin schildert den ersten Besuch, die erste Kursstunde im Präpariersaal der Anatomie in Tübingen.

Michael Schmitt: Abendröte mit Blut gemalt - "Sinngemäss hat McCarthy einmal erklärt: Wer vom Tod nicht sprechen will, sei kein seriöser Schriftsteller. Und vom Leben, könnte man vielleicht hinzufügen, sollte so einer dann wohl auch besser schweigen."

Find A Grave - check it out!

Dilbert: Tod im Büro - Teil 1 und Teil 2.
Oder doch Schluß mit geruhsam?

Daniel Deckers im heutigen FAZ-Leitartikel über die ad-limina-Fahrt:
"Wer heute an die Spitze einer Diözese tritt, dem stellt sich angesichts des dramatisch gestiegenen Priestermangels die Frage, wie die Sakramente künftig noch so gespendet werden können, daß sie als Höhepunkt und Quelle des kirchlichen Lebens erfahrbar bleiben. Das mittlerweile stagnierende Kirchensteueraufkommen engt die finanziellen Spielräume der Bischöfe immer mehr ein. Schon jetzt aber zeigt sich, daß das Geld viele Strukturen zusammengehalten hat, die ohne eine im weltweiten Vergleich exorbitante Finanzausstattung längst zusammengebrochen wären.

Der Essener Bischofs Felix Genn hat die Lage mit dem drastischen Wort beschrieben, die Volkskirche gehe nicht zu Ende, sie sei zu Ende. (...)

Im Rückblick läßt sich freilich feststellen, daß sich die Bischofskonferenz der Verdunstung des Glaubens und der Erosion der Kirchlichkeit längst nicht mit derselben Verve angenommen hat wie etwa der wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, der Muslime oder des Klimawandels. Zum Umdenken ist es höchste Zeit. Die Begegnung mit einem Papst aus Deutschland, der es versteht, den Glauben in einfachen, aber eindringlichen Worten als 'positive Option' zu buchstabieren, könnte ein Ansporn sein, es ihm in seiner deutschen Heimat nachzumachen. Mag die 'Volkskirche' zu Ende sein, 'Kirche im Volk' sollte die katholische Kirche schon bleiben wollen."
Fast eine Lustreise

"Bode erwartet Ermutigung durch Papst und keine Diskussionen über Probleme bei Ad-Limina-Besuch" (radio vatikan)

"Abgesehen davon, dass über dreißig deutsche Bischöfe zum 'Volto Santo' nach Manoppello fahren, hat man in Rom von besonderen Vorbereitungen dieses 'ad limina'-Besuchs nichts gehört." (Guido Horst in Tagespost und kath.net)

6. November 2006

Der Engel am Kreuz



"Wandkreuz Engel" nennt sich diese Devotionalie im aktuellen Katalog des Borromäusvereins. Da war wohl eine nette, engelbegeisterte Mitarbeiterin übereifrig und ein Kataloglektor übermüdet... Sonst hätten sie sich bestimmt an Paulus erinnert: "Wurde etwa ein Engel, pardon: Paulus für euch gekreuzigt?" (1 Kor 1, 13)

Im Online-Katalog ist der peinliche Eintrag bereits korrigiert, auf dem Papier war es dafür wohl zu spät...
Apokalyptisches Abendrot

Cormac McCarthys Romane im Blick der NZZ.

3. November 2006

Ein Ende der Langeweile!

Rüdiger Safranski writes again, diesmal über die Romantik und ihren Kampf gegen das große Gähnen:
"Über lange Zeit hin brauchte das Geheimnis keine besondere Verteidigung. Man war, solange die empirische Erforschung der äußeren Wirklichkeit noch nicht so weit entwickelt war, vom Unerklärlichen, Dunklen, Numinosen geradezu eingehüllt. Solange die Versicherungssysteme durch Wissen, Technik und Organisation noch rudimentär waren, kam es vor allem darauf an, soviel vom Geheimnis zu lüften wie möglich, im übrigen aber sich das Geheimnisvoll-Göttliche irgendwie gewogen zu machen. Wenn in der modernen Gesellschaft für die Sicherheit besser gesorgt ist, wird naturgemäß die religiöse Bindung schwächer. Dann erst kann das Bedürfnis aufkommen, das Geheimnis verteidigen zu wollen, aus dem einfachen Grunde, weil es nicht mehr so bedrohlich ist. In dieser Situation wird etwas anderes bedrohlich, nämlich die Sinnlosigkeitsgefühle und die Langeweile angesichts eines vermeintlich taghell ausgeleuchteten, versicherten und reglementierten Lebens. Dann ist nicht mehr der Gott für die Sicherheit, sondern ein Gott gegen die Langeweile gefragt.

Dieser Gott gegen die Langeweile ist der romantische. Die Romantiker brauchen einen ästhetischen Gott. Nicht so sehr einen Gott, der hilft und schützt und die Moral begründet, sondern einen Gott, der die Welt wieder ins Geheimnis hüllt. Nur so lässt sich das große Gähnen angesichts der bis zum Nihilismus entzauberten Welt vermeiden. (...)

Das Romantisieren ist eine Liebeserklärung an den Irrealis, eine Epiphanie des Als-Ob, wie in dem wunderbaren Mondnacht-Gedicht Eichendorffs: 'Es war als hätte der Himmel/ Die Erde still geküsst / Dass sie im Blütenschimmer / Von ihr nun träumen müsst.'
Christlicher Glaube ist dann konsequenterweise die Liebeserklärung an den "Realis", die einzig richtige Antwort auf die Epiphanie des "Tatsächlich", des Factum, des Verbum-Caro-Factum.
Bob Dylan im Dienst des 6. Gebots



Viel Spaß beim Werbevideo für das Buch von Dawn Eden: "The Thrill of the Chaste: Finding Fulfillment While Keeping Your Clothes On". Dawn ist Jüdin, seit einiger Zeit katholisch, bloggt und arbeitet als Journalistin.
Sicher nicht schaden ...

... wird es, wenn wir unsere Bischöfe bei ihrem ad-limina-Besuch in der nächsten Woche mit unserem Gebet begleiten. Auf daß sie sich nicht so verrenken müssen wie ihre österreichischen Kollegen im letzten Jahr.
Aphorismen

"Manche leben so vorsichtig, daß sie wie neu sterben."
Michael Richter

"Sie glauben den Rebellen gebändigt; nun ist der Glaube ihre Fessel."
Eva Annabelle Blume

Meinen die uns? Ich hoffe nicht. (aus der FAZ)
Beer Witness

Wo wir gerade bei den geistlichen Getränken sind:

"That's the warmest welcome I've ever received in a pub. That's the first welcome I've ever received in a pub."
Sagte Erzbischof Donald Wuerl (Washington, DC) bei seiner ersten Theology on Tap-Veranstaltung. (Theology on Tap gibt es in den U.S. of A. seit 25 Jahren: Glaube, Religion und Theologie in der Kneipe, zum Anfassen, im informellen Rahmen - und offensichtlich auch so unverwässert möglich wie ein gutes Bier.)

Die ganze Geschichte: Archbishop brings faith to a pub in Theology on Tap - Catholic Online. (via Whispers in the Loggia)
L'Chaim

Das Bier für Alttestamentler und andere Sympathisanten des auserwählten Volkes:



Die Shmaltz Brewing Company braut es in einigen Varianten, u.a. als Genesis Ale ("Our first creation"), Messiah Bold ("The beer you've been waiting for"), Genesis 10:10 (mit Granatapfelsaft) und als Kabbalabier Monumental Jewbelation. (via Ironic Catholic)

2. November 2006

Famous, famos, infam

Jetzt sehe ich mein "Kleines Konzilskompendium" endgültig mit anderen Augen... Nach dem Rinser-Wuschel Karl Rahner, der ja imho trotz allem ein großer (wenn auch korrekturbedürftiger) Theologe war, erscheint mit seiner Autobiographie auch der andere Konzilskommentator, Herbert Vorgrimler, in einem recht trüben Zwielicht.

Mehr Klatsch und Tratsch - oder besser: die Rezension von Vorgrimlers eigenem Klatsch und Tratsch - findet sich in David Bergers Besprechung auf kath.net. Vorgrimler dürfte sie so infam finden wie manches andere:
"Besonders infam war das unkontrollierte Geschwätz von Dyba über Theologieprofessoren im 'Konkubinat'"
Die Hodie-Christus-natus-est-Alternativen

Es muß ja nicht immer Gregorianischer Choral sein: Christianity Today bringt die Schnellübersicht über 14 neue Weihnachtsalben:
"It's remarkable how holiday traditions and creative artistry over the years have yielded so many different musical expressions for the Christmas season, and 2006 is no exception. There's acoustic pop from Third Day, R&B gospel from Mary Mary, varied pop from NewSong, Irish hymns from Moya Brennan, alternative folk from Sufjan Stevens, a cappella from Go Fish, soulful eclecticism from Israel & New Breed … and that's only half of the 14 projects represented in this year's Christmas Music Wrap-Up. Check out the diversity with which we can celebrate the birth of Jesus Christ."
Kleiner Nachtrag: Bei Glitterhouse gibt es die Weihnachtsliedersammlung (44 Songs auf 5 CDs) von Sufjan Stevens für sage und schreibe 18,75 €. Daß Ihr mir bitte noch zwei Exemplare übrig lasst!

1. November 2006

Die Rache der Entsakralisierung

Wer seine Schwierigkeiten mit Kirchen als "sakralen Räumen" hat oder "Sakralität" vor allem über die Schaffung einer bestimmten Gefühlsqualität definiert, muß sich nicht wundern, wenn der Romantikpianist Richard Clayderman, eine clevere Konzertagentur und einige Kirchenvorstände die Gefühligkeit auf die Spitze treiben, vor dem Altar Zuckerwatte wickeln und sie vor allem wohl an die Frau bringen. Nachzulesen und zu -schauen auf der Zeit-Homepage.

Die Kirchentournee geht weiter - zur Beruhigung meiner katholischen Leserinnen und Leser vor allem in reformierten und lutherischen Nicht-Sakralräumen sowie einigen öffentlichen Hallen.
Versagen

Dann wird es kritisch, wenn ein Priester den Hunger seiner Gläubigen nach GOtt nicht nur nicht stillt oder stillen kann, sondern wenn er diesen Hunger selbst lächerlich macht, ihn abtut und denunziert. Und sei es auch nur in kleinen, alltäglichen Gesten und Randbemerkungen.

31. Oktober 2006

Jesus Veritas est

"In seiner evangelischen Gestalt konzentriert sich der christliche Glaube darauf, daß Jesus Christus die Wahrheit des Evangeliums in Person ist." (Wolfgang Huber in der FAZ)
Das katholische Pendant dazu in Ratzingerscher Gestalt:
"Ich muss immer mehr lernen, unserem Herrn zu überlassen, ob ich noch Zeit bekommen werde oder nicht, denn so viele Jahre schauen da ja nicht mehr heraus. Aber irgendwo versuche ich doch in freien Stunden, die es selten, aber manchmal gibt, ein bisschen etwas weiterzubringen. Ich habe im August angefangen, ein Buch über Jesus zu schreiben. Da werde ich sicher drei, vier Jahre brauchen, so wie die Dinge aussehen. Da möchte ich zeigen, wie aus der Bibel eine lebendige und in sich stimmige Gestalt auf uns zutritt und wie der Jesus der Bibel auch ein ganz gegenwärtiger Jesus ist." (2003)
Die Tagespost sagt uns, daß das Buch inzwischen geschrieben ist. Demnächst gilt es also wieder Platz im Bücherregal schaffen. Die deutsche Ausgabe sollte nicht lange auf sich warten lassen.
Huber credens, intelligens et reformans

Zum Reformationstag bekommt Bischof Wolfgang Huber von der FAZ richtig viel Platz, um über das Verhältnis von Glaube und Vernunft im Protestantismus nachzudenken und dabei Papst Benedikt zu würdigen und zu korrigieren. (Ich finde Hubers Stil immer etwas dröge und werde mir die 7 Seiten daher nicht antun - aber wer's schafft, bekommt wahrscheinlich einen guten Einblick in die aktuelle Theologie des Mainstream-Protestantismus.

30. Oktober 2006

Lektürevorschläge

- Wolfgang Picken (vgl. auch Kirchenschwinden): Priestermangel: Bedingungsfaktoren aus sozialwissenschaftlicher Sicht (Neue Ordnung)
- Frederica Mathewes-Green: Twelve things I wish I'd known (Witzige, tiefsinnige und praktische Einführung in Orthodoxe Eigentümlichkeiten, nicht uninteressant für Liturgie-Interessierte...)
Last Exit Orthodoxy

Rod Dreher, wertkonservativer Kolumnist und CrunchyCon-Blogger, vor einigen Jahren zum katholischen Glauben konvertiert, sah keinen anderen Ausweg und wurde orthodox. Orthodox mit großem O.

Seine Gründe, die er in einem sehr lesenswerten Posting darlegt: der "long lent", die lange Fastenzeit des großen Mißbrauchsskandal in der AmChurch; das Versagen der katholischen Bischöfe bei seiner Aufarbeitung; die Schwierigkeit, eine Pfarrheimat zu finden, in der unverdünnt und orthodox, richtig geglaubt wurde; die Arroganz der katholischen Konservativen ... Jetzt geht es ihm so:
Basically, though -- and this is as blunt as I can be -- I'm in a church where I can trust the spiritual headship of the clergy, and where most people want to know more about the faith, and how we can conform our lives to it, rather than wanting to run away from it or hide it so nobody has to be offended.
Den orthodoxen Ausweg haben wir in Deutschland de facto nicht. Und ich kann mir auch persönlich auch gar nicht vorstellen, aus dem Schifflein Petri auszusteigen - das Gras ist anderswo auch nicht grüner (um die Bilder einmal wild durcheinander zu mischen), und die Gnade lässt die Christen anderswo auch nicht üppiger gedeihen als in der Una Sancta.
Nützliche Idioten und bezahlte Knechte

"Kritik wird innerhalb der Kirche als gegnerisch eingestuft. Das binnenkirchliche Bewusstsein exkommuniziert Kritiker immer noch, wenn auch nur informell. Ich glaube, das geschieht auf einem Hintergrund latenter Angst. Angst, dieses oder jenes könnte zu weit gehen, dem eigenen Zugriff entgleiten, die beanspruchte Autorität in Frage stellen und Veränderungen auslösen, die man immer fürchtet."
So spricht Hubertus Halbfas, seit einigen Jahrzehnten durch Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis quasi auch so etwas wie exkommuniziert, in der "Zeitschrift für kritische Christen" und legt in puncto Christologie und Soteriologie gleich kräftig nach. So ganz orthodox und dogmatisch klingt das dann nicht mehr und soll es auch nicht: "Die binnenkirchliche Mentalität mumifiziert die überlieferten Inhalte" und ein Halbfas hat mit diesem Leichengeruch kirchlicher Sprachspiele nichts zu schaffen.

Erstaunlich ist, daß er so viele "nützliche Idioten" (Wladimir Iljitsch Lenin) findet, die ihn bei seinen Umbau- und Abbrucharbeiten kräftig unterstützen: Sie sitzen an den theologischen Fakultäten, beim Deutschen Katechetenverein, in den Schulreferaten der bischöflichen Ordinariate, in Priesterseminaren und wohl auch auf den deutschen, schweizerischen und österreichischen Bischofsthronen (vgl. Vigilate).

Rom ist weit, bis zum Adlimina-Besuch ist alles vergessen - und sind wir nicht für jeden dankbar, der uns freundlich und nett beim Schafehüten hilft? Natürlich fällt ab und zu mal ein Schäfchen vom Glauben ab, aber das wäre doch noch viel schlimmer, wenn wir ihn nicht hätten, unsern Halbfas... Gewiss, am Anfang war alles ein wenig ungewohnt, wie es Jesus selber im Johannesevangelium ankündigt ("Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen", Jo 10, 5), aber wir lassen den Professor Halbfas unser Rasierwasser benutzen und geben ihm ein Einführungsschreiben mit, dann klappt das schon. Und nach einer Weile kennen sie es gar nicht mehr anders...
Weil Blogger gestern morgen Probleme hatte, gibt es das Sonntagmorgen-Posting erst jetzt:

Katholisches Kabarett

Schnell, bevor ich mich ans Kochen für die Kinder mache, noch zwei kleine Beobachtungen aus dem "NonStopKabarett", wie ein unbekannter, aber dafür einen Höllenlärm verbreitender "Sediwas?" die römisch-katholische Kirche nicht ganz zu Unrecht bezeichnete:

Unbeabsichtigt, aber nicht desto weniger ein liturgisches Selbstdementi: Der Priester stellt das zuvor geküsste und feierlich in die Höhe gehobene Evangelienbuch aus Mangel an einer geeigneten Ablage kurzerhand auf den Boden, damit auf dem Ambo für die Predigtzettel Platz ist. Der Brotkorb vom Tisch des Wortes gehört nach dem Essen eben nicht auf den - wenn auch sauberen - Kirchenboden...

Niedergang eines katholischen Verlages: Diesmal nicht Herder, sondern Kösel. Ehemals Hausverlag z.B. von Josef Pieper, Romano Guardini und des jungen Joseph Ratzinger, hat er sich zu einem der inzwischen branchentypischen Gemischtwarenläden entwickelt. Unter den Buchempfehlungen "Spiritualität/Religion - Herbst 2006" finden sich - in dieser Reihenfolge:
  • J. Ratzinger: Die christliche Brüderlichkeit (Neuausgabe des Werkes von 1960)
  • D. Hamer: Das Gottes-Gen (ein Verhaltensbiologe untersucht die genetischen Grundlagen der Neigung zu Religion und Spiritualität)
  • E. Lukas: Auf dass es dir wohl ergehe (Psychotherapeutische Lebenstipps)
  • Durch das Jahr - durch das Leben (Hausbuch für die ganze Familie)
  • M. Bader: Wohnen in guter Energie: Räuchern und Rituale für Haus und Wohnung (der Titel sagt alles)
  • B. Davis: Freude (Something psycho again)
  • W. Lenssen: Der Ruf der Mayas: von der Magie uralter Prophezeiungen - eine Schamanenreise
  • P. Gyger: Hört die Stimme des Herzens: werdet Priesterinnen und Priester der kosmischen Wandlung.
Im Verlagssprech von Kösel nennt sich das "eine klare Programmpolitik",die "dem Verlag beim Handel und beim Publikum hohes Ansehen" verschaffen. Nicht beim ganzen Publikum. Nicht bei mir. (Ja, ja, natürlich weiß ich, daß von tatsächlich-christlichen oder gar katholischen Büchern heutzutage kein Verlag mehr leben müssen. Daß es Cashcows geben muß, die den kaum-verkäuflichen Rest mitfinanzieren. Aber so'n Schrott muß doch jetzt wirklich nicht sein...)
Mörder, Ehebrecher und das Reich Gottes

Übermorgen ist es wieder so weit: Wir feiern die lebenden Beweise, daß wir es auch schaffen können.

Das Wall Street Journal gibt einen Überblick über die Gesellschaft, die uns drüben erwartet.

27. Oktober 2006

Ausgleich des Bösen durch klares Zeugnis

Allen, die Matthias heißen, sei diese Passage aus der "Apostelkatechese" des Papstes vom 18. Oktober zur Kenntnis gebracht (Quelle: Die Tagespost):
"Zum Abschluss wollen wir auch an denjenigen erinnern, der nach Ostern an die Stelle des Verräters gewählt wurde. In der Kirche von Jerusalem wurden zwei Männer von der Gemeinschaft vorgeschlagen und schließlich das Los gezogen: 'Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias' (Apg 1, 23). Letzterer wurde ausgewählt, so dass er den 'elf Aposteln zugerechnet' wurde (Apg 1, 26). Von ihm wissen wir nur, dass auch er Zeuge des gesamten irdischen Lebens Jesu gewesen ist (Apg 1, 21–22) und Ihm bis zum Schluss treu geblieben war. Der Größe dieser seiner Treue wurde die göttliche Berufung hinzugefügt, den Platz des Judas einzunehmen und dadurch gewissermaßen dessen Verrat auszugleichen. Daraus ziehen wir eine letzte Lehre: auch wenn es in der Kirche nicht an unwürdigen und verräterischen Christen mangelt, ist es Sache eines jeden von uns, das von ihnen begangene Böse mit unserem klaren Zeugnis für Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser, auszugleichen."
Dünner Kaffee

Anscheinend hat sich die Internationale Theologenkommission letzthin gar nicht über den "limbus puerorum" unterhalten, sondern den Katalog der Hauptsünden um eine achte erweitert.



Steve Colbert hat sie seinen Zuschauern schon mal visuell-pädagogisch näher gebracht; der Ironic Catholic weiß mehr.

Die Deutsche Bischofskonferenz kündigte inzwischen an, bei der für 2020 vorgesehenen Überarbeitung des zweiten Teils des deutschen "Erwachsenenkatechismus" einen entsprechenden Passus einzuarbeiten - vorausgesetzt, dem "korrespondiere dann noch eine grundlegende Offenheit des modernen Menschen." In mehreren katholischen Bildungshäusern liegen bereits Unterschriftenlisten aus, die sich gegen römischen Gewissenszentralismus und für die Beibehaltung der liberalen Kaffeekoch-Praxis aussprechen. Gegenwärtig darf in den Bildungshäusern Kaffee jeder Stärke ausgeschenkt werden, vorausgesetzt er wurde ökologisch angebaut und fair gehandelt.
Fast-fanatische Hingabe an den Papst und eine nette, rote Uniform

Nicht alle kennen die Life-Übertragung aus dem Wohnzimmer der Spanischen Inquisition. Andrew Sullivan verlinkt sie...

Goodness gracious...

Gegen Jerry Lee Lewis ist sogar Chuck Berry ein Waisenknabe. Die Welt porträtiert den 70jährigen "Killer" anläßlich seines neuen Albums. So einer wie er kann nur aus dem amerikanischen Süden kommen, dem Land des "Wrong-Eyed Jesus" , der Heimat St. Flannerys und ihrer Romanfiguren...

26. Oktober 2006

Deutschlands Lieblingsmedium

Eros und Thanatos auf einer Seite, alles zeigen, nichts sagen. Die Zeit kommentiert zur BxxD-Zeitung und ihrem Beweis, daß, wenn auch alles fließt, in ihrer Redaktion alles beim Alten und Schlimmen bleibt.
Pflichtlektüre ...

... für den Francis Kardinal Arinze-Fanclub: "Liturgical Roles In the Eucharistic Celebration".
The sacred liturgy is the public prayer of the whole Church. The chief person acting in every liturgical celebration is our Lord and Savior Jesus Christ himself, the one perfect Mediator between God and man.

25. Oktober 2006

Schluß mit lustig

Um den unmäßigen Einsatz von Ausrufezeichen und permanente Unhöflichkeit einzudämmen, will der Chef ab sofort alle Kommentare sehen und prüfen, bevor sie online gehen. Bis auf weiteres. Bis sich der Troll trollt.

Sorry, Jungs.
Der Pius-Putsch

"Na ja scittio ,mal ganz ehrlich, von deiner Antichristensekte ist seit dem 58erModernistenputsch sicherlich alles andere ausser geistiger Gesundheit gekommen, dafuer aber sicherlich NonStop Kabarett und Burleske von einer ganz hoellischen Art-du selbst z.B bist ja ein ganz spektakulaeres Beispiel dafuer"
So weit ein gewisser, unbekannter Blogozesen-Liebling in einem Kommentar zu Yours Truly.

Ja, ja, der Modernistenputsch von 58...

Gut, daß die Öffnung des Vatikanischen Archivs endlich aufdeckt, daß der Putsch nicht erst 1958 statt gefunden hat, sondern schon unter, durch und mit Papst Pius XII. Wie sonst sind Fotos wie die folgenden zu erklären wenn nicht mit satanistischer Machtübernahme? Ein crowd surfing Pope, ein vogelliebender Papst kann doch nur aus einer, der untersten, höllischen, diabolischen Ecke kommen? Burleske und Kabarett allüberall...

Fumare notiert: "The Society of Humorless Catholics had no comment."


24. Oktober 2006

"Nicht mal eine ernsthafte Frage"

Für den Fall, daß einer fragt, warum die Glaubenskongregation gelegentlich Dokumente wie die "Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben" verfasst, hier ein Prachtexempel:

Nancy Pelosi (D - CA), demnächst - je nach Wahlausgang - vielleicht Sprecherin des US Repräsentantenhauses, jetzt schon Katholikin und Mutter von fünf Kindern und mit einem laut Suicide of the West seit 1987 makellosen Abstimmungsverhalten - jedenfalls aus der Sicht von Planned Parenthood und NARAL Pro Choice America. Newsweek hat sie interviewt:
Newsweek: I think the issues that brought you into politics were the environment and also choice [abortion]. [You had] five children in six years, a Catholic background…Was embracing choice [abortion] an issue with your family?

Pelosi: To me it isn’t even a question. God has given us a free will. We’re all responsible for our actions. If you don’t want an abortion, you don’t believe in it, [then] don’t have one. But don’t tell somebody else what they can do in terms of honoring their responsibilities. My family is very pro-life. They’re not fanatics and they’re not activists. I think they’d like it if I were not so vocally pro-choice.
Quizstunde

Tough Catholic Quiz for those speaking English: Inquizition. (via Curt Jester)

Ich lege schon mal mit 11 von 20 vor.
Zornphilosoph, Princetonian und B16

"Peter Sloterdijk verteidigt den Papst" gegen Joschka Fischer; Einzelheiten nennt die Welt leider nicht.

23. Oktober 2006

Das Konzil und seine Messe

Immer noch, immer wieder die Liturgie:

Heute ein Essay (in Englisch - alas/leider!) von P. Joseph Fessio SJ, einem Ratzinger-Schüler über "Die Messe des II. Vatikanums" - manches Bekannte, einige schöne Beobachtungen (Wendete sich Patton auf seinem Panzer tatsächlich von seinen Soldaten ab?), klare Worte und vor allem die Option für die Schönheit.
Deo gratias

Was für eine Überraschung am Ende eines ansonsten eher dunkelgrauen Tages:

Dylan is back.

Nicht Bobby D., sondern "unser" Dylan. St. Blog's own Dylan. Der Dylan, der mich zum Bloggen brachte. Der Dylan, bei dem ich zum ersten Mal Zeilen des großen Edward Estlin Cummings las. Der Dylan, von dem z.B. das Motto von Catholicism Wow! stammt: "Eine größere Sünde als häretisch zu sein, ist es, langweilig zu sein."
Fallacis Bibliothek

"Die Mitte September verstorbene italienische Autorin Oriana Fallaci hat ihre Bibliothek der vatikanischen Lateran-Universität in Rom geschenkt." (Tages-Anzeiger)
Die A3 bei Aschaffenburg

Vor gut 60 Jahren sah die heute und morgen total gesperrte A3 von oben so aus:



Wenn es ein Blindgänger war, hatten wir Millionen so lange viel Glück, bis heute ein Bauarbeiter starb.

R.i.p.
Papst Gerhard I. im Rückblick auf seinen Deutschlandbesuch
"SPIEGEL: Was hat diese für Sie letzte von anderen Tourneen unterschieden?

Schröder: Das waren zum Schluss eher gelesene Messen als gewöhnliche Wahlkampfauftritte. Es war eine schöne Erfahrung, dass da auf großen Plätzen 10 000, 15 000 häufig junge Leute standen, die einfach neugierig waren: Was sagt denn der jetzt eigentlich? Was will er uns vermitteln? Ich habe selten einen Wahlkampf erlebt, der so störungsfrei war wie die letzten Wochen im Wahlkampf 2005." ("Für mich gibt es keine Rückkehr" im SpOn)

22. Oktober 2006

Bayrisches Wochenende

Zwei Tage im oberbayerischen Kernland verbracht und einiges erlebt:

Z.B. habe ich beim mühsamen Aufstieg auf unseren Samstagsgipfel den hl. Paulus zum Patron aller bergwandernden Flachländer gekürt. Qualifiziert hat ihn Röm 8, 18: "Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zur Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll."

Nach der guten Heimkehr - danke, Paulus! - waren die Liebste und ich im lokalen Sonntag-Vorabendgottesdienst. In dem sollten aus Anlass des Weltmissionssonntags und um die Universalität der Kirche auszudrücken, Lieder in fünf Sprachen gesungen werden; am Ende waren es aber doch wieder nur die drei klassischen (Latein - "Laudate omnes gentes", Griechisch - "Kyrie eleison", Hebräisch - "Schalom chaverim") und zwei modernen Kirchensprachen (Englisch - "Kumbayah, my Lord", Deutsch - der Rest). Das ist 2007 oder andernorts durchaus steigerungsfähig: Etwas Französisches sollte auf jeden Fall drin sein ("Plaisir d'amour"?), und bei entsprechender Vorbereitung auch ein afrikanischer Kanon.

Auch farblich ging es bunt zu: Trugen die Ministranten das jahreskreisliche Grün, erschien der Pfarrer in Violett: Nicht wegen etwaiger Reue und Buße angesichts des von Missio in den Vordergrund gerückten Themas "Aids in Ostafrika", sondern weil das Meßgewand aus Ruanda stammte.

In der Folge verspürte ich wieder die üblichen Anflüge von Sehnsucht nach liturgischer Korrektheit, die aber zum Glück von der Gegenwart des HErrn gelindert wurden.

19. Oktober 2006

Es geht auch vernünftig

Die Tagespost würdigt den "Brief der 38", die wiederum "His Holiness" und seine Regensburger Rede ernst nehmen.
1oo ironische Gründe, katholisch zu sein, heute

Nr. 70-61.
Konzentration aufs Wesentliche
"A few years ago, I was out in Southern California, visiting a school in Orange County. I can’t remember the name of the parish to which the students took me for Mass, but what has stayed with me ever since is the conversation as they drove me back to the hotel. Talk about the homily’s content didn’t interest them; even talk about the homily’s lack of content didn’t interest them. 'I just kind of tune it out,' the driver said, and the others all agreed. 'I just go to church for confession, to pray, and to take Communion,' added the young woman in the back. 'At least the priests can do that.'" (Joseph Bottum: When the Swallows Come Back to Capistrano: Catholic Culture in America; in: First Things)
Bi- und Multirituelles

Frau Elsa fragt zurecht: "Du aber, Scipio, was meinst du?"

Weil ich keine kurze, knappe Antwort geben kann und für eine längere, differenzierte in den nächsten paar Tagen keine Zeit haben werde, verweise ich für heute nur ein Posting auf Rorate Caeli: Wenn in Frankreich manche Bischöfe einen verordneten "Biritualismus" kommen und die "Einheit der Katholischen Kirche" in Gefahr sehen, illustriert er den bischöflicherseits kaum angefochtenen de-facto-Multiritualismus, der - und das sage jetzt ich - mancherorts die Einheit der Katholischen Kirche vor Ort ganz anders und ganz gründlich unterhöhlt.

Wenn wir wenigstens aktuell nur einen Ritus hätten, der auch überall so gefeiert würde, wie ihn z.B. die Allgemeine Einführung ins Meßbuch oder Redemptionis Sacramentum hm, sagen wir: nahelegen, dann ginge es mir jetzt schon viel besser. Da bin ich mit FingO einig. Der Novus Ordo (mit seinen lokalkirchlichen Umsetzungen) hat allerdings bestimmte Schwächen und Anfälligkeiten, die auch prompt von Radikalreformern ausgenützt wurden und werden. Schließlich spielt die bisherige Geschichte des Novus Ordo nicht umsonst großenteils in den Jahren der Postkonziliaren Krise, die erst langsam zu Ende geht - mancherorts schneller, hierorts langsamer (me thinks).

Jetzt aber Schluß. Sonst dementiere ich mich noch selber.

18. Oktober 2006

92 Jahre "totus tuus"

Noch ein Geburtstag am 18. Oktober: Schönstatt.
Unsaubere Gefäße

Und noch einmal Chuck Berry, diesmal aus der göttlichen Perspektive:
"Verausgabt hat sich Berry stattdessen in diversen aus Größenwahn und Gier geborenen kleinkriminellen Aktivitäten. Mehrfach saß er im Gefängnis. Genau wie der große Soul-Mann James Brown ist auch Berry ein Beispiel dafür, dass Gott nicht immer die saubersten Gefäße aussucht, um sie mit Inspiration zu füllen." (Welt)

17. Oktober 2006

Hail, hail Rock'n'Roll - deliver me from the days of old!

Und morgen früh, auf dem Weg zur Arbeit, zur Feier seines 80. Geburtstages: die Musik von Charles Edward Anderson „Chuck“ Berry einlegen, an meine späte Kindheit zurückdenken und dem HErrn danken. Und für den guten alten Chuck beten.

Links:
Chuck Berrys MySpace
Send Chuck a Birthday Greeting
Edo Reents' Würdigung in der FAZ
Der Meister mit Keith Richards beim Spielen
Todeskandidaten

Als ich vom U-Bahn-Unglück in Rom hörte, erinnerte ich mich an den Moment in der vergangenen Woche:

Ich stand in der Pariser RER und schaute einem Mitreisenden über die Schulter. Der Artikel in seiner Gratiszeitung handelte von den zum Tode Verurteilten, die in den Etats-Unis auf den elektrischen Stuhl warten. Und es dachte in mir: "Todeskandidaten - das sind nicht nur die dort drüben in den Todeszellen, sondern genauso wir alle, die hier sitzen und stehen. Unsere Fahrt mag nur ein bißchen länger dauern. Aber notre destination, unser Ziel und unsere Bestimmung, ist die gleiche."
Einer der 50 Besten der Tagespost

Georg Alois Oblinger über Die letzte am Schafott von Gertrud le Fort und seinen theologischen Kontext:
"'Opfer', 'Stellvertretung', 'Sühne' – diese Worte werden von der zeitgenössischen Theologie weitgehend gemieden. Andererseits gibt es kirchliche Bewegungen, die in ihrer Spiritualität hierauf sehr stark den Akzent setzen und 'Sühnemessen' beziehungsweise 'Sühnenächte' abhalten. Welchen Sinn hat es, das Leid für einen anderen zu tragen? Kann man sein Leiden für andere 'aufopfern'? Solche Fragen haben zu allen Zeiten religiöse Menschen beschäftigt. Die Theologie hat eine Antwort entwickelt ausgehend von den Worten des heiligen Paulus: 'Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben, was an den Leiden Christi noch fehlt.' (Kol 1, 24)."
Der Kampf der Pappnasen gegen den "Rollback"

Nicht nur Paul Badde steht in den Startlöchern und berichtet vorab über den "einen einzigen Ritus in der römisch-katholischen Kirche ... - ab jetzt jedoch mit zwei gleichberechtigten Formen: dem gewöhnlichen Ritus in der Landessprache und dem außergewöhnlichen und universalen Ritus in Latein". (Welt)

Wetten, daß die Verfechter des Status quo schon in Stellung sind und vor Ort, in den Bildungshäusern und Pfarrheimen, auf dem "Dies" und in den Räten Aufklärungsarbeit über die römische Verschwörung betreiben werden?
Infallibilität und Affekte am Montag abend

Eigentlich sollte man sich das nicht antun: Direkt nach der Arbeit ohne Pause um 20.00 Uhr in die Lektorenschulung mit einem unserer Würzburger Berufslaien einschweben.

Da kann einem nämlich der antirömische Affekt des Herrn Referenten voll auf den leeren Magen schlagen: Rom macht dieses, Rom unterlässt jenes; nur Rom weigert sich noch da und dort; wir würden ja, wenn Rom nicht wieder; ...

Bewundernde Blicke wendeten sich stattdessen ins blühende Nord-Elbien, wo uns die protestantischen Schwestern und Brüder vormachen, wie man mit Sonntag-Abend-Mählern die Kirche mit Leuten füllt. Ein Erschauern überhauchte die anwesenden Lektor/inn/en: "Das wäre ja noch was: Da sind die Kirchen voll, und bei uns..."

Nur gut, daß es noch ein paar mutige Diplomtheologen aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern gibt, die den Konzilsgeist hochhalten und die Dekrete und Erklärung des Vaticanum II unfehlbar auslegen. Jedenfalls in einem untermainischen Pfarrheim an einem Montag abend um acht und vor Leuten, die es nicht besser wissen.
Kleideranordnung

Da hilft wohl nur ein Riesenkreuz, das unter keiner Uniform verstecken lässt:
"Einer Angestellten am Ticketschalter der British Airways (BA) wurde von der Fluglinie verboten, ihr am Hals getragenes, kleines Silberkreuz offen zu zeigen: Die Kleiderordnung für Beschäftigte der BA sehe vor, dass religiöse Symbole unter der Uniform versteckt werden müssten. (...) Da die Frau sich weigerte, dies zu tun, wurde sie ohne Abfindung von ihrem Dienst suspendiert; dagegen will sie vor einem Arbeitsgericht klagen. Sie argumentiert unter anderem, dass Sikhs ihre Turbane und angestellte muslimische Frauen den Hijab, das Kopftuch, durchaus tragen dürften, was die Airline damit begründet, 'dass diese Symbole sich schlecht unter der Uniform verbergen lassen'. Das Vorgehen der BA ist auf scharfe Kritik gestoßen. Unter der Prominenz des Landes wird inzwischen zum Boykott der Fluglinie aufgerufen." (Welt)

14. Oktober 2006

Schott zu verschenken

Heute aus der Papiertonne gezogen: ein recht gut erhaltenes Exemplar von P. Anselm Schotts "Das Meßbuch der heiligen Kirche" (Freiburg: Herder, ca. 1957), in rotem Leder und Goldschnitt, mit Kunstdruckillustrationen und ein bißchen Grünspan auf den inneren Umschlagseiten. Der Vorbesitzer ist mir persönlich bekannt; es handelt sich um einen frommen Kirchgänger und ein aktives Gemeindemitglied.

Wer Interesse hat und sich auf die Freigabe der Prä-Novus Ordo-Messe vorbereiten will ;-), kann sich bei mir melden. Die e-Mailadresse ist auf meiner Impressumseite angegeben. Zusendung frei Haus.
Sediwas?

"Endlich von den Sedisvakantisten entdeckt!" - Auf diesen Jubelruf brachte mein Jüngster die trockene Gegenfrage: "Sediwas?"

Ich hatte nach den jüngsten Spamattacken auf Fono und Kollegen schon das Gefühl, ich sei zu wenig katholisch. Warum spammte mich keiner zu? Muß ich mehr Papst bringen, um gemeinsam mit der Una Sancta Catholica übel angemacht zu werden?

O.k., lieber Anonymous, um dessen psychische Genesung ich nachher in der (Novus-Ordo-)Messe beten werde: Ich bin stolz und froh und dankbar, der Novus-Ordo-Sekte anzugehören, die ansonsten alle Welt die römisch-katholische Kirche nennt. Diesem irdenen Gefäß, in dem mir DER Schatz der Herrlichkeit GOttes geschenkt wird. Der Braut des Gekreuzigten, dem pilgernden GOttesvolk, dem mystischen Leib des HErrn.

As it was in my beginning, is now and ever shall be.

13. Oktober 2006

Liberalisierung

Ich bringe mich langsam wieder aufs laufende, z.B. mit John Allens Bericht über die erwartete Freigabe des Prä-Novus Ordo: Pope set to liberalize use of Pre-Vatican II Mass.

Gegen Liberalisierung kann doch keiner was haben?
USA 101

Ein höchst nützlicher Blog, besonders in Zeiten beschleunigter atlantischer Kontinentaldrift: USA Erklärt.

12. Oktober 2006

A Te ügyedrõl van szó!

Die Kerze in der Sakramentskapelle von Saint Sulpice dürfte noch brennen, die sich die Übersetzerin eines Horaz-Satzes (epistolae I, 18, 84) ins Ungarische incl. umgehender Zusendung via Handy mit dieser Spontanaktion verdient hat. Danke!

An der Messe in Saint Sulpice nahm ich (äußerlich) schweigend teil, bis beim Auszug des Priesters jemand das "Salve Retschina" anstimmte und mir und meinem deutschen Latein das Einstimmen ins Lob Mariens möglich machte.

9. Oktober 2006

Paulus und der Ernstfall

Man vernachlässigt Paulus nicht ungestraft.

Daß er allen alles wurde, den Juden ein Jude, den Griechen ein Griechen (vgl. 1 Kor 9, 19-22), gilt zuerst für seine religiöse Praxis. Aber kann man sich ernsthaft vorstellen, daß er bei südanatolischen oder maltesischen Spezialitäten die Nase hochzog und dankend ablehnte, statt, vielleicht widerwillig, vielleicht neugierig mit seinen Gastgebern zu essen, was auf den Tisch kam? Er, der immer die höchsten Ansprüche an sich stellte und sie in der "Narrenrede" (2 Kor 11,16 - 12,13) seinen geliebten Kindern in Korinth aufs Brot schmierte, war kein "Geschmäckler", kein "Feinschmecker" im normalen Umgang - und auch nicht auf seinem "spirituellen Weg" (wie man im frühen 21. Jahrhundert so sagt). Wie es kommt, ist es recht. "Wenn Truthahn, dann Truthahn. Wenn Fasten, dann Fasten", wie es in der Version der Teresa von Avila heißt.

Die Umsetzung in den Alltag ist anspruchsvoll: Daß mich die sechs Austern, die ich vorhin - Premiere! - schlürfte, nicht süchtig machen auf mehr davon, ist kein Grund, mir wer-weiß-was einzubilden. Vielleicht kommt morgen früh die Bewährungsprobe: Wenn der gute Käse alle ist, das Weißbrot wider Erwarten zäh und feucht, der Kaffee kalt und die Tasse schmutzig.

Dann muß ich mich entscheiden, ob Paulus tatsächlich recht hatte. Ob ich trotz Kopfschmerzen und schwieriger Gesellschaft immer noch glaube, daß nichts uns scheiden kann von der Liebe Christi (Röm 8, 35). Die "Mächte und Gewalten" sind weit weg, in einer nebulösen Über- oder Unterwelt. Die grünen Bananen, das überheizte Hotelzimmer, die versiffte Dusche - sie sind nicht wegzuwünschen und drängen sich ungefragt in mein ach so bescheidenes Leben.

In diesen Momenten nimmt ER unsere großen Worte beim Wort. Also aufpassen!
Kirchenschwinden macht's möglich

Gernot Facius: Allianz mit Fundamentalisten. Mit dem Leibhaftigen in einem Boot sozusagen...

8. Oktober 2006

Kardinal Ratzinger über Thérèse von Lisieux und eine ganze Menge mehr

Da ich derzeit öfters unterwegs als zuhause bin, kam ich nicht dazu, am 1. Oktober, dem Fest des hl. Fräulein Thérèse Martin, einen Text zu bloggen, der aus einem Interview stammt, das George Weigel 1997 mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger führte. Das hole ich jetzt nach:
"Wir kennen ganz unterschiedliche Kirchenlehrer, noch vor Antonius von Padua. Auf der einen Seite die großen scholastischen Lehrer, Bonaventura und Thomas von Aquin, die Professoren, Akademiker und große Lehrer im wissenschaftlichen Sinn waren, in der patristischen Phase große Prediger, die die Glaubenslehre nicht im theologischen Diskurs, sondern im Predigtwort entfalteten, daneben Ephräm, der seine Theologie wesentlich in Hymnen und Musik ausprägte. In diesen Zeiten nun gibt es neue Formen von Lehrern und es ist wichtig, den Reichtum unterschiedlicher Lehrweisen in der Kirche zu heben. Da haben wir nun Teresa von Avila mit ihren mystischen Erfahrungen und ihren Auslegungen der Präsenz Gottes in mystischer Erfahrung. Wir haben Katharina von Siena mit einer Erfahrungstheologie. Und nun haben wir Thérèse von Lisieux mit einer anderen Art von Erfahrungstheologie.

In unserer wissenschaftlichen Gesellschaft ist die Botschaft von einer einfachen und tiefen Gottesbeziehung ebenso wichtig wie die Lehre, wie einfach es ist, eine Heilige, ein Heiliger zu sein: In dieser Zeit, die so auf Wirkung aus ist, zu lehren, daß es nicht unbedingt von großen Taten abhängt, ein Heiliger zu sein, sondern daß es darin besteht, den Herrn in uns arbeiten zu lassen.

Das ist auch für den ökumenischen Dialog interessant. Anlaß zu Luthers Rechtfertigungslehre war seine Schwierigkeit, sich selbst so zu denken, als sei er gerechtfertigt und erlöst durch die komplexen Strukturen der mittelalterlichen Kirche. Gnade erreichte seine Seele nicht und wir müssen in diesem Zusammenhang den Aufbruch des sola fide verstehen; daß Luther schließlich selbst entdeckte, man müsse dem Herrn nur fiducia, Glauben, schenken, sich selbst in die Hände des Herrn geben - und ich bin erlöst. Ich denke, auf eine sehr katholische Weise kehrt das mit Thérèse von Lisieux wieder: Wir müssen nichts Großes tun. Ich bin arm, spirituell und materiell, und es ist genug, mich in die Hände Jesu zu begeben. Das ist eine wahre Auslegung davon, was es heißt, erlöst zu sein. Wir müssen nichts Großes tun, wir müssen zuversichtlich glauben. In der Freiheit solchen Glaubens können wir Jesus nachfolgen und ein christliches Leben führen. Das ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum ökumenischen Dialog, sondern zu unserer gemeinsamen Frage: Wie kann ich erlöst werden, wie bin ich gerecht? Der 'Kleine Weg' ist eine sehr tief reichende Wiederentdeckung der Mitte christlichen Glaubens.

Die andere Konzeption ist es, daß man vom Kloster aus, in Weltabgeschiedenheit, viel für die Welt tun kann. Gemeinschaft mit Christus ist Christen auf der ganzen Welt gegenwärtig. Jeder kann 'wirksam' für die allgemeine Kirche sein - das ist eine neue Definition der 'Wirksamkeit' in der Kirche. Es gibt so viel Aktion, und wir müssen entdecken, daß´'Wirksamkeit' bei der Gemeinschaft mit Christus beginnt. Die Vorstellung, daß das Herz der Kirche in allen ihren Gliedern gegenwärtig ist, ist eine wichtige Korrektur einer rein pragmatischen Kirche, einer 'wirksamen' Kirche im äußerlichen Sinn. Sie ist eine Wiederentdeckung der Wurzeln allen christlichen Humanismus." (Das Projekt Benedikt.- München: Pattloch, 2006, S. 318f)
Nichts für schwache Herzen

Durchaus "pious and overdevotional": Eine, hmm: Zentralreliquie des hl. Jean Marie Vianney on tour und im Bild bei Mr. Curt Jester.
Meisterschaften

Evangelical Catholicism veranstaltet Theologie-Weltmeisterschaften und lässt uns alle mitabstimmen.

7. Oktober 2006

Bevor Orthodoxie verboten wird...

... geht man zuerst einmal paternalistisch-herablassend mit ihr um und lädt sie zum Gespräch ein. Das Ziel steht dabei von vornherein fest, und wer anderer Meinung ist, steht unter dem Vorbehalt des "Noch" und unter dem Diktat "kulturelle(r) und soziologische(r) Bedingungen".

Pfarrer Thomas Wipf, der neue Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, im Interview mit dem Rheinischen Merkur:
"...Zum innerevangelischen Dialog: Spricht die GEKE auch kontroverse Fragen wie die Ordination von Frauen an? Und wenn ja: Mit welchem Ziel? Aus meiner Sicht besteht das Ziel in der Gleichstellung von Männern und Frauen bei der Ordination. Das lässt sich durchaus biblisch-theologisch begründen. Doch wir müssen das Gespräch darüber einladend führen. Dabei gilt es, die kulturellen und soziologischen Bedingungen ernst zu nehmen, unter denen die Entscheidung in manchen evangelischen Kirchen noch anders getroffen wird."
Hilde Domin: Ecce Homo

weniger als die Hoffnung auf ihn

das ist der Mensch
einarmig
immer

nur der gekruzigte
beide Arme
weit offen
der Hier-Bin-Ich