10. März 2006

Redeemed by which love?

Sogar die New York Times, die ganz und gar kein christliches Blatt ist, hat es bemerkt: In "Walk the Line" wird Johnny Cash von June Carter erlöst - schließlich sind wir in Hollywood und nicht im Bible Belt. Das wirkliche Leben sah anders, komplexer, zerrissener aus - und sakramentaler.

Regisseur James Mangold war sich dessen zwar bewußt:
Mr. Black and others have suggested that the role of religion in Mr. Cash's life was minimized because Hollywood generally shies away from such subject matter. But the issue could have just as much to do with the practical limits on making a satisfying film. "I wanted to make a movie about Johnny Cash and June Carter and the birth of rock 'n' roll," said James Mangold, who directed "Walk the Line" and wrote it with Gill Dennis. So, he explained, he tried to use Mr. Cash's love for Ms. Carter as a symbol for various forms of redemption.

"June was a figure of redemption," Mr. Mangold said, "beautiful in the way that God's light is beautiful."
Für die reale June Carter Cash mag das stimmen, aber im Film wird dieses Licht doch erst einmal durch den üblichen Hollywood-Filter geschickt - und der nimmt einiges an Tiefe weg.

9. März 2006

Der Ekel des Auslandskorrespondenten

In meiner Heimatzeitung hat der "syndicated reporter" Peter W. Schroeder seinem Dauer-Ekel vor den Vereinigten Staaten von America wieder einmal Luft gemacht: ein zu erbauendes katholisches Dorf in Florida, wo es in den Apotheken keine Verhütungsmittel geben soll; konservative Richter im Supreme Court, die gar noch den cornerstone der US-Verfassung, das Roe versus Wade-Urteil korrigierend zurücknehmen; ein neues und strenges Abtreibungsgesetz in South Dakota. Das passt einem europäischen Liberalen ganz und gar nicht - um so schlimmer, wenn es auch noch die Mehrheit der Einwohner will. Dann sind sie eben "bekloppt" (wie er zustimmend die ACLU zitiert).

Was Herr Schroeder nicht schreibt - z.B. über die Praxis der partial-birth-abortion- , lässt sich bei Stefan Rehder in der Tagespost nachlesen.
Neue Lieder für den HErrn und uns

Thomas Stein ortete kürzlich ein großes Marktpotential für professional gemachten und vermarkteten christlichen Pop und Rock. Auch die säkularen Medien merken auf: So sortierte letzthin Jochen Temsch in der SZ schon die Guten in den iPod und die Schlechten in den Papierkorb:

"Laut Financial Times gehen dort [in den USA´; scipio] jährlich weit mehr als 50 Millionen Gotteslob-CDs über den Ladentisch, mit dabei etwa die Nu-Metal-Band P. O. D.. Einer ihrer Songs heißt 'Abortion is Murder' - Hetze statt Friede, Freude, Flötensolo."
Gewünscht wird politische Korrektheit oder noch besser: musique chrétienne désengagée. Hat jemand etwas Anderes erwartet?

Wie die Debatta um "katholische", "christliche" oder "religiöse Literatur" an kein Ende kommt - Martin Mosebach hat erst jüngst in "Schöne Literatur" seinen Beitrag geliefert -, so auch in der Musik: Ist christliche Popmusik nur oder vor allem liturgisch verwendbare? Oder Musik mit einer Botschaft, diesmal mit einer christlichen? Ist sie geschrieben und gespielt für Christen oder für Noch-nicht-Christen - oder für Wahrscheinlich-nie-Christen? Machen Christen automatisch christliche Musik - whatever the message? Ist die Botschaft wichtiger oder die musikalische Qualität?

Die Künstler werden sich darum nicht scheren - genau wie die Schriftsteller und Schreiber. Zum Glück.

Mein Hörtipp zum Thema: Sufjan Stevens. Die Zeit war gleich zwei Mal in Folge (Nr. 1 und Nr. 2) von dem "aufgehenden Star am Neo-Folk-Himmel" hemmungslos begeistert und ist damit nicht allein. Ich höre mich momentan und mit wachsender Fasziniation in die explizit christlichen Seven Swans und das opus magnum "Come on feel the Illinoise" ein. Beides geniale Alben.

8. März 2006

Bevor ich's vergesse:

Happy International Women's Day!

"International Women's Day is the universal day that connects all women around the world and inspires them to achieve their full potential. IWD 2006 launches another year of working progressively for women's equality worldwide. It is an important day around the world because the collective power of women is witnessed by milions, and the brave achievements of women past, present and future are respectfully honoured."
Connects all women around the world - also immerhin ein paar Milliarden! Wow! Fast so was wie eine globale Communio sanctarum. Natürlich ein bißchen exklusiver als die Communio sanctorum sanctarumque, als da ist - na, wer wohl?
Miss Chesterbelloc Rowling

Über Harry Potters geistige Mutter wurde schon viel geschrieben und gemutmaßt; für manche Mitchristen ist sie ja durchaus eine persona non grata (und damit meine ich nicht B16).

Interessant ist da die folgende Information aus einem Posting von Chesterton and Friends:

J. K. Rowling "is a member of the Church of Scotland (the Scottish Anglican Church-- not the Presbyterian church). She refuses to reveal more of her Christian faith than that because, she says, it would give away too much of book 7 (to me that is very intriguing). Her favorite poem is "The Boy Who Ran Away From His Nurse and got Eaten by a Lion," by Hilaire Belloc. She also is a member of the English Chesterton Society. She is educated in both Latin and Greek and is well versed in the canon of classic Western literature. Besides Chesterton and Belloc, some of her favorite authors are Dickens and Jane Austen."
Möge jeder selber sehen, was er draus macht.

7. März 2006

Auch nicht schlecht...

... sind die Thoughts of a Midget (auf deutsch: die Gedanken eines Winzlings), z.B. jener wunderschöne "Schlabberlatz", wie man jene Vorrichtung zum Auffangen von fallenden Kinderspeisen bei uns nennt, oder dieses Ratespiel zum Thema "Innerkirchliche Raumausstattung".

Keep on bloggin', Jenny!
Mir selbst gepostet

Emmylou Harris: Here I am

I am standing by the river
I will be standing here forever
Tho you're on the other side
My face you still can see
Why won't you look at me
Here l am

I am searching thru the canyon
It is your name that I am calling
Tho you're so far away
I know you hear my plea
Why won't you answer me
Here I am

I am in the blood of your heart
The breath of your lung
Why do you run for cover
You are from the dirt of the earth
And the kiss of my mouth
I have always been your lover
Here I am

I am the promise never broken
And my arms are ever open
In this harbor calm and still
I will wait until
Until you come to me
Here I am

6. März 2006

Beliebter Einsiedler

Wie Georg Alois Oblinger in der Tagespost bemerkte: "Nicolás Gómez Dávila erfreut sich zunehmender Beliebtheit."

Martin und seine Mitdiskutanten wird es freuen, daß es das Vorwort von Martin Mosebach zu den Gómez-Dávilaschen "Notas" beim Verlag als pdf-Datei zu lesen gibt.
Laienpredigt und ewig unbeantwortete Fragen

Warum es nach den klaren Worten meines Bischofs vor der "Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg" im März 2005 noch einer eigenen "Arbeitsgruppe Laienpredigt" bedurfte, wird ein ewig ungelöstes Rätsel bleiben. Ein Fall von Selbstbeschäftigung des Verwaltungsapparats? Konsequenz des deutschkatholischen Merksatzes "Roma locuta, causa indefinita"? Ein Übungsfeld von "kritischem Gehorsam"?

Nun hat die Arbeitsgruppe festgestellt, was von vornherein feststand; Bischof Friedhelm schließt sich erwartungsgemäß diesem Votum an - und vermutlich bleibt alles beim alten: Meistens der Priester, gelegentlich ein hauptamtlicher, bezahlter Laie - und der Bischof ist ein guter Mann, der uns bloß beim Christsein in Ruhe lassen soll.

Wenigstens offiziell bleiben uns ein paar Fragen erspart, die sonst ein echt schönes Quizilla-Quiz abgegeben hätten:

Wenn zwei Pastoralreferenten für eine Predigt zur Verfügung stünden, wer sollte predigen?

a) der mit dem besseren Theologie-Diplom
b) der mit dem besseren Homiletik-Abschluß
c) der dienstältere von beiden
d) die weibliche "Pastine" - wenn der zweite Pasti ein Mann ist
e) der beliebtere der beiden, da er den "Menschen näher" ist

Was aber, wenn nicht nur ein Pastoralreferent oder eine -in gerne predigen würde, sondern auch ein/e Gemeindeassistent/in? Denn es muß ja nicht unbedingt ein theologisches Volldiplom sein? Natürlich nicht, Laie ist Laie, und je weniger Diplom, desto weniger Fast-Priester und desto mehr Laie. Hätte in diesem Fall nicht der geringer qualifizierte Seelsorger predigen müssen? Im Sinne des Magnificat gar ("erhöht die Niedrigen")?

All das reine Spekulation - wir werden es nie erfahren. Stattdessen üben wir uns weiterhin in der Kunst, auch der schlechtesten Predigt noch geistliche Nahrung zu entnehmen - das soll laut Georges Bernanos immer möglich sein. Und der muß es als wahrer Vollblutlaie ja wissen...
Gottes Haus



Manche Denominationen a.k.a. kirchliche Gemeinschaften haben ja schon was Verführerisches an sich: Neben einer einzigartigen Kirchenmusiktradition, der Sacred Steel Guitar (Laut Charlotte Observer: "Jimi Hendrix plays Mahalia Jackson, Hank Williams meets Prince"), hat diese hier auch ganz eindeutig den imposantesten Eigennamen:

"The House of God Which Is the Church of the Living God the Pillar and Ground of the Truth Without Controversy".

3. März 2006

Dialektik der Demokratie in der Kirche

"Wie Oscar Wilde es vom Sozialismus sagte: Das Problem mit der Teilhabe an der Macht in der Kirche ist, daß man keinen Abend mehr frei hat." (Richard John Neuhaus, zitiert nach dem American Spectator)
Ein Leider-Einzelfall und ein Hoffentlich-Einzelfall

Neu in der Linkleiste: The American Papist. Certainly "not your average catholic" - aber so wünschen wir ihn uns natürlich.

Mit sensationellen Links, z.B. zu einer wirklich üblen Evangelienprozession. Vorsicht: Akute Ansteckungsgefahr mit dem Mosebach-Virus!
Gemeinschaft der Heiligen 9: Frommes Gewimmel



Mehr zu diesem wunderschönen Steinrelief der Schutzmantelmadonna in der Wallfahrtkirche von Ptujska Gora (Maria Neustift), Slovenien im 2004er Marienkalender von Helmut Loder.

2. März 2006

Abmotzen

Irgendwelche Pimp-my-Ride-Fans unter uns, die in den nächsten Wochen auf ihre Lieblingssendung verzichten?

Hier kommt der Ersatz: Un-Pimp Your Ride, wieder via PR Blogger.
Wehe!

Ohne sittlichen Nährwert und daher nicht in die Zeit passend: Der Do-not-press-Button. Oder doch?

Vielleicht heißt die geistliche Lektion daraus: So ging's Adam und Eva mit ihrem wunderbaren Apfelbaum im Paradies und GOttes Verbot("Alle Äpfel darfst du essen, nur nicht die von diesem Baum"). (via PR Blogger)
40 Tipps für eine bessere Fastenzeit

Die 40 Ways to Improve One's Lent aus Karen Marie Knapps "Anchor Hold" (im Original aus dem Catholic Herald (Milwaukee, WI)) müssten ja besser "40 Ways to Meet Your Own True Lover" heißen. Es ist garantiert für jeden etwas dabei.

Hier sind sie auf Deutsch - mit Anpassungen und Kommentaren:

1. Lernen Sie Ihren Namenspatron kennen.

2. Beten Sie - namentlich - für Menschen, gegen die Sie eine Abneigung haben und die Ihnen abgeneigt sind.

3. Nehmen Sie an einem Segnungsgottesdienst (oder gibt es einen treffenderen deutschen Begriff für "healing service") teil.

4. Lesen Sie jedes Mal, wenn Sie in die Bibliothek gehen, eine katholische Zeitschrift. (Oder fragen Sie am Auskunftsschalter danach.)

5. Nehmen Sie sich am 19. März, dem Tag des hl. Joseph, des Patrons der Väter und Zimmerleute, Zeit, die Beziehung zu einem Ihrer Kinder zu beleben oder zu vertiefen.

6. Kaufen Sie alles, was auf Ihrer Einkaufsliste steht, doppelt und geben Sie jeweils ein Exemplar an die örtliche Obdachlosenküche.

7. Finden Sie heraus, warum Sie am Sonntag "Laetare" lustig sein sollen, und verhalten Sie sich entsprechend.

8. Beginnen Sie mit einer "Schimpfwortbüchse": Jedesmal, wenn ihnen ein böses Wort über die Lippen kommt, werfen Sie einen Euro hinein, während der Karwoche jeweils zwei Euro. Geben Sie das Geld nach Ostern als Spende für "Deutschkurse für Ausländer "an die lokale Volkshochschule.

9. Nehmen Sie das Katechismus-Kompendium zu einem Treffen mit katholischen Freunden mit und fragen Sie einander ab. (Hm, der amerikanische Baltimore Catechism (hier als Word-Datei) mit seinen 100 Fragen und Antworten ist natürlich viel kürzer...)

10. Verschenken Sie einen Gegenstand, der Ihnen wirklich viel bedeutet.

11. Beten Sie für Menschen in ihrer Familie, die die Kirche verlassen haben: für Kinder, Eltern, Ehegatten, Geschwister.

12. Sprechen Sie mit einem Nachbarn, den Sie sonst nie oder selten ansprechen.

13. Stellen Sie einen Teller mit Asche an eine gut sichtbare Stelle in Ihrer Wohnung - als Erinnerung an die Fastenzeit.

14. Gehen Sie zur Beichte oder - wenn Ihnen das lieber ist: Empfangen Sie das Sakrament der Versöhnung.

15. Überprüfen Sie Ihr Wissen über die Bibel.

16. Lesen Sie eine Biographie von Erzbischof Romero und/oder sehen Sie sich den Film "Romero" an.

17. Eröffnen Sie einen Ratensparvertrag mit Einzugsermächtigung mit dem Ziel, das Geld der Caritas zu spenden.

18. Gehen bei einer Gelegenheit in die Kirche, wenn Sie es nicht müssen.

19. Belegen Sie eine Programmtaste Ihres Autoradios mit Radio Vatikan, Radio Horeb oder einer anderen christlichen Radiostation.

20. Beten Sie die Nachrichten - für die Menschen, deren Unglück oder schweres Leben Schlagzeilen macht.

21. Lesen Sie einen Artikel aus einem religiösen Nachschlagewerk.

22. Besuchen Sie die Messe in einer anderen als Ihrer eigenen Pfarrei. (Wenn Sie das sowieso schon tun, gehen Sie in die eigene Pfarrkirche.)

23. Spenden Sie einen Zehnten von Ihrer Steuererstattung.

24. [Entfällt, da es in Deutschland kaum katholische Schulen und Unis gibt - und darüberhinaus keinen im ganzen Land bekannten Hochschulsport. Dafür ist die deutsche Variante von Tipp 9 um einiges anspruchsvoller.]

25. Halten Sie täglich fünf Minuten Stille.

26. Statt sich die Oscar-Verleihung (5. März) oder den deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest (9. März) im Fernsehen anzuschauen, legen Sie die DVD oder Videokassette mit der "Passion Christi" ein.

27. Dekorieren Sie einen Teil Ihrer Wohnung mit Motiven, die zur Fastenzeit passen.

28. Lernen Sie ein Sprichwort auswendig.

29. Nehmen Sie an einem Glaubenskurs für Erwachsene teil.

30. Erzählen Sie jemandem Ihre Glaubensgeschichte und davon, was GOtt für Sie bedeutet.

31. Ziehen Sie den Stecker Ihres Fernsehers oder PCs aus der Dose - nach dem Ausschalten natürlich.

32. Werden Sie sich Ihrer von Gott geschenkten Talente bewusst und bedenken Sie, was Sie damit anfangen - und anfangen könnten.

33. Kein Klatsch!

34. Holen Sie den Rosenkranz aus der Schublade und beten Sie ihn.

35. Ziehen Sie Ihre Uhr aus, bevor Sie am Palmsonntag in die Kirche gehen.

36. Stellen Sie eine Gebetssammlung für sich zusammen.

37. Lesen Sie ein Buch zur Geschichte des Papsttums.

38. Finden Sie heraus, wer Ragma, Putiel und Usa sind.

39. Opfern Sie Zeit, um anderen zu helfen.

40. Um es mit Franz von Assisi zu sagen: "Predigen Sie das Evangelium allezeit, und wenn nötig, auch mit Worten."

1. März 2006

Schwarze Stirn für jeden

Father Neuhaus über die Attraktivität des Aschermittwoch in New York
Aus der Botschaft Benedikts XVI. für die Fastenzeit 2006

"Die Österliche Bußzeit ist besonders geeignet, sich innerlich zu dem aufzumachen, der die Quelle des Erbarmens ist. Es ist ein Pilgern, bei dem Er selbst uns durch die Wüste unserer Armut begleitet, und uns Kraft gibt auf dem Weg zur tiefen Osterfreude. Gott behütet und stärkt uns auch in der 'finsteren Schlucht', von welcher der Psalmist (Ps 23,4) spricht, während der Versucher uns einflüstert, zu verzagen oder irrig auf das Werk unserer Hände zu hoffen."
"Angesichts der schrecklichen Herausforderungen der Armut vieler Menschen stehen die Gleichgültigkeit und die Verschlossenheit im eigenen Egoismus in unerträglichem Gegensatz zum „Blick“ Christi. Fasten und Almosen, welche die Kirche zusammen mit dem Gebet in besonderer Weise in der Fastenzeit empfiehlt, sind eine günstige Gelegenheit, eins zu werden mit dem 'Blick' Christi. Die Beispiele der Heiligen und die vielen Erfahrungen der Mission, welche die Geschichte der Kirche kennzeichnen, sind kostbare Verweise darauf, wie Entwicklung zu fördern ist. Auch in der heutigen Zeit globaler gegenseitiger Abhängigkeit kann man feststellen, dass die Hingabe seiner selbst an den anderen, in der sich die Liebe ausdrückt, durch kein ökonomisches, soziales oder politisches Projekt ersetzt werden kann. Wer nach dieser Logik des Evangeliums tätig ist, lebt den Glauben als Freundschaft mit dem menschgewordenen Gott und nimmt sich – wie ER – der materiellen und geistlichen Nöte des Nächsten an. Er erschaut ihn als unmessbares Geheimnis, das unbegrenzter Sorge und Aufmerksamkeit würdig ist. Er weiß, wer nicht Gott gibt, gibt zu wenig – wie die selige Theresa von Kalkutta sagte: 'Die erste Armut der Völker ist es, dass sie Christus nicht kennen'. Darum gilt es, Gott im barmherzigen Antlitz Christi zu finden; ohne diese Perspektive baut eine Völkergemeinschaft nicht auf festen Grund."

28. Februar 2006

"Frömmigkeitspraktische Konkretion" päpstlicher Theologie

Jan-Heiner Tück in der NZZ über Joseph Ratzingers Meditationen über den Leidensweg:
"'Vor der Gestalt des leidenden Herrn endet die Banalisierung des Bösen.' Und mit ihr der verbreitete Unschuldswahn. Die fragwürdige Kunst, es nicht gewesen zu sein, die immer darauf hinausläuft, es andere gewesen sein zu lassen, kommt an ein Ende. Die eigene Schuld aber lässt sich ohne Ausflucht wahrnehmen wohl nur im Licht der Erlösung. Am Kreuz ... hat Gott selbst die Gottlosigkeit des gefallenen Menschen aufgesucht, um dessen Lasten zu tragen und ihn aufzurichten. An die Adresse säkularer Heilslehren formuliert: Wer sich erlösen lässt, ist befreit von dem Zwang, sich selbst erlösen zu müssen."
Realismus

"I have no faith in human perfectability. I think that human exertion will have no appreciable effect upon humanity. Man is now only more active - not more happy - nor more wise, than he was 6000 years ago." (Edgar Allan Poe)
Fasnachtsrätsel

Aus welchem Blog stammt folgendes Zitat?

"In den 46 Tagen der Fastenzeit ... ruhen alle Aktivitäten in diesem Blog. Fast alle ... sind während dieser Zeit in besonderer Weise geistlich beschäftigt, sind auf Exerzitien oder in Klausur«, erläutert der geistliche Leiter P. X.

Zu einem Aufruf an andere katholische Blogger, diesem Beispiel zu folgen, mag sich der Pater nicht durchringen: 'Das wäre ein sinnloses Unterfangen. Die Fastenzeit zu einer Zeit besonderer Reflektion werden zu lassen, versteht sich für Christen von selbst. So vielfältig die Kirche ist, gibt es dazu auch die vielfältigsten Möglichkeiten. Alle werden wissen, wie sie diese Zeit verantwortlich gestalten.'"
"... good for you"



"November 30, 1929 issue of the London Illustrated News. Has a full page article by G.K. Chesterton, a full page Guinness Beer ad, a full page of illustrations (3 pictures) of the Mammoth of Moravia, a full page of illustrations and text on using paraffin in taxidermy etc etc." (From there via Chesterton and Friends)
Heute



Christian Morgenstern: St. Expeditus

Einem Kloster, voll von Nonnen,
waren Menschen wohlgesonnen.

Und sie schickten, gute Christen,
ihm nach Rom die schönsten Kisten:

Äpfel, Birnen, Kuchen, Socken,
eine Spieluhr, kleine Glocken,

Gartenwerkzeug, Schuhe, Schürzen...
Außen aber stand: Nicht stürzen!

Oder: Vorsicht! oder welche
wiesen schwarzgemalte Kelche.

Und auf jeder Kiste stand
»Espedito«, kurzerhand.

Unsre Nonnen, die nicht wußten,
wem sie dafür danken mußten,

denn das Gut kam anonym,
dankten vorderhand nur IHM,

rieten aber doch ohn Ende
nach dem Sender solcher Spende.

Plötzlich rief die Schwester Pia
eines Morgens: Santa mia!

Nicht von Juden, nicht von Christen
stammen diese Wunderkisten -

Expeditus, o Geschwister,
heißt er, und ein Heiliger ist er!

Und sie fielen auf die Kniee.
Und der Heilige sprach: Siehe!

Endlich habt ihr mich erkannt.
Und nun malt mich an die Wand!

Und sie ließen einen kommen,
einen Maler, einen frommen.

Und es malte der Artiste
Expeditum mit der Kiste.

Und der Kult gewann an Breite.
Jeder, der beschenkt ward, weihte

kleine Tafeln ihm und Kerzen.
Kurz, er war in aller Herzen.


II

Da auf einmal, neunzehnhundert-
fünf, vernimmt die Welt verwundert,

daß die Kirche diesen Mann
fürder nicht mehr dulden kann.

Grausam schallt von Rom es her:
Expeditus ist nicht mehr!

Und da seine lieben Nonnen
längst dem Erdental entronnen,

steht er da und sieht sich um -
und die ganze Welt bleibt stumm.

Ich allein hier hoch im Norden
fühle mich von seinem Orden,

und mein Ketzergriffel schreibt:
Sanctus Expeditus - bleibt.

Und weil jenes nichts mehr gilt,
male ich hier neu sein Bild; -

Expeditum, den Gesandten,
grüß ich hier, des Unbekannten.

Expeditum, ihn, den Heiligen,
mit den Füßen, den viel eiligen,

mit den milden, weißen Haaren
und dem fröhlichen Gebaren,

mit den Augen braun, voll Güte,
und mit einer großen Düte,

die den überraschten Kindern
strebt ihr spärlich Los zu lindem.

Einen güldnen Heiligenschein
geb ich ihm noch obendrein,

den sein Lächeln um ihn breitet,
wenn er durch die Lande schreitet.

Und um ihn in Engelswonnen
stell ich seine treuen Nonnen:

Mägdlein aus Italiens Auen,
himmlisch lieblich anzuschauen.

Eine aber macht, fürwahr,
eine lange Nase gar.

Just ins »Bronzne Tor« hinein
spannt sie ihr klein Fingerlein.

Oben aber aus dem Himmel
quillt der Heiligen Gewimmel,

und holdselig singt Maria:
Santo Espedito - sia!
Illusionen und nachillusionärer Realismus

Während die einen - so schwer dürfte ihnen das nicht fallen - sich "endlich zu der Wahrhaftigkeit durchringen, dass es im Neuen Testament und damit in der frühen Kirche das Amtspriestertum nicht gibt"*) und uns sozusagen nach der "Winterstarre der Kirche" einen ewigen Frühling verheißen, kommen von dort, wo eben diese Starre schon lange vergangen sein müsste, ganz andere Töne:

Alice Linsley, seit 1988 Priesterin der Episcopal Church, erklärt ihren Amtsverzicht:

"I renounce my priestly vows because I no longer believe that women should be ordained to the priesthood and because I intend to affiliate with a Christian community that upholds Catholic Orders."
Mehr bei Al Kimels Pontifications.

*) Mindestens Frühlingsverheißer Roland Breitenbach muß sich fragen lassen, was anderes als der Amtsbonus des Weihesakraments ihm letztlich die Position ermöglicht hat, von der aus er jetzt gegen seine Kirche zu Felde zieht.
Innerdeutsche Datumsgrenze

Ohne Martin zu nahe treten zu wollen: Am Rosenmontag die Kirchenrechtsparagraphen für die Bußtage incl. Aschermittwoch zu posten, ist nach einer Partikularnorm der deutschen Bischofskonferenz nur in den (Erz-)Bistümern Hildesheim, Hannover und Berlin erlaubt. Alle andern dürfen das erst in genau 19 Stunden 10 Minuten (von jetzt ab gesehen).

Für mich freilich wird es Zeit, daß der Aschermittwoch und die vierzig Tage des Fastens kommen. "Alles wird besser."

26. Februar 2006

Gesellschaft für Reto

Helvetia Catholica blogens
Alicianisch inspiriert

Bei Martin ein Kommentar von N.E.W.S zur weniger göttlich als alicianisch inspirierten "Bibel in gerechter Sprache".

Sie wird bald vergehen, diese "antidiskriminierende" Übersetzung, die es allen recht machen will - außer dem Wort der Heiligen Schrift, die das "Wort des lebendigen Gottes" ist. Aber bis dahin wird sie jede Menge Unheil anrichten, in Frauenkreisen, alternativen Liturgien, in Meditationskursen und wohl auch in katholischen Messen. Und in einigen unsterblichen Seelen.

Mit Sascha Vetterle kann man da nur mit Offb 22,18f schließen:

"Ich bezeuge jedem, der die prophetischen Worte dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und der heiligen Stadt wegnehmen."

25. Februar 2006

Keine Messe, bitte!

Priester, die täglich die heilige Messe feiern wollen, aber nicht dürfen? - Mitten in Deutschland. Und weil es nicht die "verheirateten Priester" mit ihren Frauen sind, sondern ganz normale Priester, gibt es darum auch kein großes Aufhebens.

Eduard Nagel in seiner "zwei Minuten"-Glosse:

"Ein pensionierter Pfarrer erzählt von seinem Kummer. Wo er jetzt im Ruhestand wohnt, würde er gerne in einer nahe gelegenen Kirche öfters die Eucharistie feiern. Er bräuchte dafür weder Mesner noch Ministranten, sondern würde alles selbst herrichten und wieder verräumen. Es sollte keine offizielle 'Gemeindemesse' sein mit allen damit verbundenen Umständen und Verpflichtungen. Man könnte es so organisieren, dass Gläubige, die mit ihm feiern wollen, dazu Gelegenheit haben, also z. B. an bestimmten Tagen zu festen Zeiten oder bekannt gemacht durch Mundpropaganda. Er spricht auch davon, wie wichtig es in seinen Augen ist, dass Menschen Gelegenheit haben, einen Priester persönlich anzusprechen. Er klagt nicht und beschwert sich nicht, aber es ist nicht zu überhören: Er fühlt sich abgeschoben.
(...)

Da sind Priester, die in ganz bescheidener Form Eucharistie feiern möchten, da sind Gläubige, die daran gerne teilnehmen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten; da stehen Kirchen die Woche über geistlich kalt und ungenutzt; da gibt es Menschen, die gern einmal in einem Anliegen einen Priester ansprächen; ... Priester-Pensionäre haben ihren Ruhestand verdient und man soll sie nicht ausnützen und überfordern. Aber die Gelegenheit zur Eucharistiefeier und zum Gebet mit anderen Gläubigen ohne großen Aufwand gebührt ihnen. Und der Dienst, den sie damit 'leisten' können, ist keineswegs das Geringste von dem, was Kirche in der Welt von heute zu tun hat, meint
Ihr Eduard Nagel"
Aus einer anderen Perspektive geht das Phänomen eine kirchenrechtliche Dissertation von Peter Fabritz an, die die Tagespost bespricht. Daraus die Situationsanalyse:

"Dass der Priester täglich die heilige Messe feiert, 'zelebriert', ist heute kein fraglos anerkannter Grundsatz. Wer als Priester auf Reisen ist, hat oft nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten, in einer Kirche unterwegs eine Zelebrationsmöglichkeit zu bekommen, Kapläne klagten - vor einigen Jahren zumindest noch - über Probleme, wenn sie den Wunsch nach einer täglichen Messfeier einem 'progressiv' eingestellten Pfarrer gegenüber äußerten. Diese jungen Priester stießen geradezu auf Unverständnis, und mancher Prinzipal warf ihnen dann wohl eine 'privatistische' Frömmigkeit vor. Ähnlichen Nöten sind, wenn die Berichte stimmen, pensionierte Priester ausgesetzt. Auch wenn sich glücklicherweise Bischöfe wie der Kölner Kardinal Meisner fast leidenschaftlich dafür einsetzen, ihren Priestern die tägliche Messfeier zu ermöglichen, so bleibt doch erschreckend, dass die Überzeugung vom Wert des täglichen heiligen Messopfers eines Priesters - nicht nur für diesen, sondern für die ganze Kirche! - in weiten Kreisen nicht mehr vorhanden ist. Als der tapfere vietnamesische Kardinal Tuan vor Jahren davon Zeugnis gab, dass ihm in der Gefangenschaft die in biblischer Einfachheit privat gefeierte heilige Messe die größte Hilfe war, wurde er in einem Leserbrief an eine deutsche Kirchenzeitung dahingehend gerügt, dass doch wohl die Eucharistie ohne Gemeinde ein schlimmer Missbrauch sei!"
Neues Kapitel

Tilman Krause in der Welt:

"Keine Frage: Es war richtig, die dänischen Mohamed-Karikaturen auch in deutschen Zeitungen zu drucken. Es war nicht nur richtig und wichtig, es entsprach einem Grundgebot allen journalistischen Tuns - der Chronistenpflicht. Man mußte dem Leser zeigen, worüber geredet und gestritten wird. Da haben Rücksichten auf religiöse Empfindlichkeiten nichts zu suchen. Ebenso richtig ist, daß nach dem nunmehr ausgebrochenen und sehr leidenschaftlich ausgetragenen Streit ein neues Kapitel aufgeschlagen werden muß. Überschrift: Dialog.

Die Frage ist nur: Wer soll, von westlicher, nicht-moslemischer Seite, diesen Dialog führen? Und auch hier kann es eigentlich nur eine Antwort geben: Christen; Menschen, die im christlichen Glauben verwurzelt sind. Nur wer selber religiös fühlt und denkt, kann Menschen verstehen, die religiös gebunden sind - auch wenn es sich da um andere religiöse Bindungen handelt. (...)

Freilich wird auch dem überzeugten Christen Glaubensstärke nicht geschenkt. Vom Evangelisten Markus ist das Wort überliefert: 'Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.' Schon er hatte erkannt, daß der Unglauben das Primäre ist. Der Sog dieser regressiven Kraft ist wahrscheinlich keinem Christenmenschen fremd. Glaubensgewißheit will immer neu erprobt und erworben sein. Aber hier und nicht in der nihilistischen Versuchung liegt die Arbeit dessen, der ein ganzer, der ein vollgültiger Mensch sein möchte. "
Blogcloud


Von Fingo inspiriert: die Blogwolke. Natürlich, wie Petra bei Fingo kommentiert, nur für englischsprachige Blogs so richtig witzig, aber immerhin besser als gar nichts zu bloggen.

Wenigstens kommen "benedikt" und sein "xvi" gut raus.

24. Februar 2006

Tuae circa nos pietatis viscera

Während es am aktuellen Tagesgebet zum heutigen Apostelfest nichts auszusetzen gibt, hält sein Vorgänger aus dem Römischen Meßbuch ein paar Überraschungen bereit:
Deus, qui beatum Matthiam Apostolorum tuorum collegio sociasti: tribue, quaesumus; ut, ejus interventione, tuae circa nos pietatis semper viscera sentiamus. Per Dominum nostrum.
Was der alte Schott mit "stets die Zärtlichkeit Deiner Vaterliebe gegen uns erfahren" übersetzt, ist im Lateinischen gleichzeitig handfester und philosophischer: Die viscera, die zu erfahren wir zusammen mit dem hl. Matthias bitten, sind vor aller übertragenen Bedeutung die inneren Organe, das fleischliche, pulsierende, geheimnisvoll wirkende Innere, das Herz (vor aller Verweichlichung und aller Verkitschung) - dort, wo das Innerste, der innerste Kern sich befindet. Aus diesem Allerinnersten möge uns nun, so das Tagesgebet, die "tua circa nos pietas" entgegenkommen und erfahrbar werden.

Bei pietas denken wir erst einmal an "Frömmigkeit" - noch so ein degenerierter Begriff, zerschmolzen im Zusammenwirken von Gefühlsreligion und alltäglicher Religionskritik an Betschwestern und ihren Glaubensgenossen. Tatsächlich gebraucht das Lateinische den Begriff erst einmal anders, nämlich als die uns zukommende, als Pflicht aufgegebene rechte Haltung zu den Göttern, den Eltern und Vorgesetzten - und zu GOtt: "Est enim pietas iustitia adversus deos - Es ist nämlich die Pietas Gerechtigkeit gegenüber den Göttern." Diese pietas gilt dann auch umgekehrt, als Fürsorge, als Liebe des Höhergestellten zu seinen Kindern, seinen Anvertrauten - in Anerkennung seiner Verpflichtung ihnen gegenüber

Die aus SEiner Mitte quellende, überfließende fürsorgliche Liebe, die sich uns verpflichtet weiß - die also möge uns heute, und nicht nur heute erfahrbar werden.

Beati Matthiae interventione, auf die Intervention des heiligen Matthias hin. Nun denn, zeig, was du kannst.
Server Servorum Christi

Ein weiteres cooles Meisterstück des Hofnarren von St. Blogs: Das Software-Konsistorium.

23. Februar 2006

Glückwunsch ...

... an Peter zur Wahl von Echo Romeo zur kath.net-Webseite des Monats.

Ehre, wem sie gebührt. (Und uns bitte einen Cartoon als Dein Dankeschön, Peter.)

22. Februar 2006

Attraktive Braut

"... one of the great untold stories of recent decades is the number of adults entering into full communion with the Catholic Church – about 200,000 per year in this country (USA) alone. Among them are distinguished theologians, mainly from Lutheranism and Anglicanism, such as Robert Louis Wilken of the University of Virginia, R.R. Reno of Creighton, Bruce Marshall of Southern Methodist, Douglas Farrow of McGill, Gary Anderson of Notre Dame, and Reinhard Hütter of Duke, to mention only a few.

It is possible that at no time in modern Catholic history since Newman and his friends entered the Church in the mid-19th century have so many distinguished thinkers from Protestant denominations become Catholic. You may be sure that none of them thought he was joining 'this denomination.' They understand themselves to have entered into communion with the Church of Jesus Christ most fully and rightly ordered through time. And they did so with eyes wide open to the problems that have prompted some cradle Catholics to try, fortunately in vain, to turn the Catholic Church into just another denomination." (Fr. Richard John Neuhaus - On the Square)
"Wäre Christus nicht beleidigt worden, gäbe es keine Erlösung."

Bei den ROFTERS, den "Readers of First Things" wirft man einen Blick auf den verspotteten HErrn - und die Lektion, die die Christen daraus lernen (sollten) und - ach so spät erst gelernt haben.

"The caricature and mockery of Christ has continued to this day. Martin Scorsese portrayed Jesus in The Last Temptation of Christ as wracked with doubt and beset with sexual lust. Andres Serrano was funded by the National Endowment for the Arts to portray Jesus on a cross sunk in a bottle of urine. The Da Vinci Code portrays Jesus as a mere mortal who married and fathered children.

How should his followers respond? On the one hand, we are grieved and angered. On the other hand, we identify with Christ, and embrace his suffering, and rejoice in our afflictions, and say with the apostle Paul that vengeance belongs to the Lord, let us love our enemies and win them with the gospel. If Christ did his work by being insulted, we must do ours likewise."
Superlässig im Hause des Herrn

"Wir fassen zusammen: Der Regenbogen wirkt fröhlich, weckt positive Gefühle, lässt sich trefflich auch zum Hosenträger, Hundehalsband, Tassenaufdruck verarbeiten und wird - vor allem in den kommerziellen Neunzigern - zum 'gay territorial marker'". (taz)



Ideal macht er sich auch als Stola, in der sich der Bund Gottes mit Noah mit postmoderner Schöpfungsromantik und Heile-Welt-Sehnsucht ideal verbindet.

Ganz hört es bei mir allerdings dann auf, wenn der promovierte Herr Diakon die Stola nicht schräg, sondern über die linke Schulter senkrecht und lappig nach unten fallen lässt. Gut, daß sie mit ein paar Stichen auf der Schulternaht der Albe festgenäht ist. Meine Sammlung war jedenfalls vor lauter Baumeln und Schaukeln völlig hin und weg.

"Mach dich locker, Alter", spricht da der liberale Kobold hinter meinem linken Ohr, "der Mann ist 10 Jahre älter als du, promoviert und geweiht. Ein bißchen Respekt bitte vor soviel Altersweisheit und Amtsgnade - besonders wenn sie so nett und lässig daherkommt!"

Ich werde es nie lernen - Verstocktheit ist halt eine konservative Hauptsünde.
bildimpuls

"Zeitgenössische Bild-Impulse zum christlichen Glauben" - jede Woche ein neues Kunst-Stück in christlicher Deutung, auch per Newsletter.

21. Februar 2006

HyperPOD

Die katholischste Krawatte der Welt haben die Shriner entdeckt:



Für die Alttestamentarier unter uns gibt es bei eBay vom gleichen Händler eine weitere, ziemlich spaßverderberische Variante:

Unwetterwarnung

Heinz Schütte mit einem Wetterbericht für Leuenberg und Umgebung in der Tagespost.

20. Februar 2006

Brodelnde Offenheit

In der Blogozese ist es nach den Aufregungen des Jahresanfangs momentan arg ruhig. Ob es den Kolleginnen und Kollegen geht wie mir: Nach bald vier Jahren hat man die wenigen originellen Gedanken, die einem/r durch den Kopf gehen, schon mehr als nur ein paar Mal gebloggt - wozu sich dauernd wiederholen?

Aber dann entdeckt man, daß sich die Welt doch nicht groß geändert hat seit 2002. Das geschieht nebenbei und zufällig, wenn man absichtslos auf die heimatdiözesanen Seiten surft und entdecken muß: "Es brodelt in den Haßbergen". Welches "Es"? Brodelt Haß, Rache, gar: Blutrache? Weit gefehlt - da simmert nämlich lediglich ein großer, fetter Topf voller politischer, oder vielleicht besser: jugendpastoraler Korrektheit auf dem regionalen Herd:

Aus "Sorge um Kinder und Jugendliche" werden dort "neue innovative Projekte" gewagt, "attraktive Angebote", "Räume (in realem und übertragenem Sinn)" - und zwar "nicht vordefiniert und vorstrukturiert". "Offenheit, Vielfalt, Gestaltbarkeit, Flexibilität und Kreativität" sind "Programm".

Das ganze nennt sich "Jugendkirche", und allen Zweiflern, Bedenkenträgern und Kritikastern sei gesagt: Das alles geschieht natürlich selbstredend "entsprechend der kirchlichen Lehre und grundlegender biblischer Aussagen über den Menschen".

Dann lasst mal brodeln!
Archäologie der Blasphemie

Aus der NZZ eine Besprechung des Buches von Gerd Schwerhoff: Zungen wie Schwerter: Blasphemie in alteuropäischen Gesellschaften 1200–1650.

"Markige Schwüre und Flüche gehörten zum Rollenset desjenigen, der 'being good at being a man' sein wollte."
It ain't me

Kunst und Kommerz: Wenn Blogger Kasse machen (SpOn)

19. Februar 2006

Eigennutz

Richtig, da gibt es doch noch das Zentralkomitee...

Guido Horst konstatiert den Anfang vom Ende:

"In der breiten Öffentlichkeit weiß niemand mehr, dass es dieses Zentralkomitee überhaupt gibt. Und der Geist der Würzburger Synode, den dieses Komitee so hochhält und verteidigt, ist aus diesem Land rückstandslos herausgeweht. Stattdessen wissen die Verantwortlichen in den Diözesen, dass das Zentralkomitee mit dem Aufbau und der Förderung des Vereins 'Donum vitae' bewiesen hat, dass es nicht versteht, was die Einheit und das authentische Zeugnis der Kirche ist. Damit hat das Komitee ein schlechtes 'standing'. Zumal jeder sieht, dass ein einziger Leiter des Katholischen Büros wie Prälat Karl Jüsten im politischen Berlin an mehr Schräubchen dreht als hundert Mitglieder des Zentralkomitees. Wer braucht dieses noch, wenn nicht die, die dort ihr Geld verdienen?" (Tagespost)

17. Februar 2006

Remix 1517?

Ist der Protestantismus "im Grunde nichts anderes als ein nicht lizenzierter Remix des Katholizismus", wie Peter Mühlbauer auf heise.de meint?

Nachkonziliar sieht die katholische Kirche die anderen christlichen und kirchlichen Gemeinschaften nicht einfach als auf dem Weg des "Rip, Mix & Burn" oder gar des "Beg, Borrow, or Steal" erzeugte "Raubkopien" ihrer selbst. Ginge es aber um einen einfachen Remix, fehlte nur die "Lizenz" - dann wäre die Trennung der Kirche, die Nicht-Wiederherstellung der Einheit nicht zu rechtfertigen, vor GOtt nicht und den Menschen nicht.

Um im Bild zu bleiben: Ja, es gibt die lizenzierten Remixes, und zwar zuhauf. Bekannt sind zum Beispiel diejenigen des Franziskus oder des Ignatius, die des Benedikt und des Vinzenz von Paul. Nachlesen kann ein jeder diejenigen des Augustinus und des Thomas, des Karl und des Hans Urs, obwohl es wegen ihrer Lizenzfähigheit gelegentlich Fragen gibt. Jüngere Remixes sind z.B. die des Joseph und der Chiara , des Luigi und des Josemaria. Es gibt die unauffälligen und unvermeidlichen, die weniger gelungenen und die vielleicht doch noch gelingenden - meinen, Deinen und Ihren zum Beispiel.

Nicht gelungene Remixes, solche, die nicht nur das Ganze neu gruppieren, sondern wichtige Leitmotive, Zentralpartien, Instrumentierungen aufs Minimum zurückfahren oder ganz verschwinden lassen - das wären dann jene, denen die Lizenz verweigert wurde und wird. Nicht willkürlich, sondern nach genauem Hinhören und Hinschauen und Beobachten der Früchte - hoffentlich zumindest: Sonst, lieber Papst, lieber Bischof, liebe Professoren der Sorbonne und Mitarbeiter der Glaubenskommissionen und -kongregationen, sonst gnade euch Gott!

Daß in solchen nicht-lizenzierten Remixes bestimmte Themen und Melodien stärker hervorklingen und faszinieren - ohne Frage: Der konsequente Pazifismus der Zeugen Jehovas, der apostolische Einsatz der Letzten-Tags-Heiligen, oder unverfänglicher: die Liebe zum Wort Gottes und zur Heiligen Liturgie bei den getrennten Schwestern und Brüdern des Westens und Ostens ist bewundernswert, und die Una Sancta et Catholica - und das heißt natürlich: auch wir, auch ich - wird sich immer fragen und auch eschatologisch, vom richtenden HErrn nämlich, fragen lassen müssen, warum sie selber diese Einsichten, diese Taten, diese Zeugnisse nicht oder nur schwach gelebt hat.

16. Februar 2006

Freiheit für "harte Religion"

Martin verlinkt in seinem Commentarium Catholicum zwei Texte zum Karikaturenstreit, einmal zu Assheuer in der Zeit, dann zu einem Interview mit F.W. Graf in der Welt.

Bei allem Unbehagen angesichts der Jyllands Posten-Karikaturen und allem - auch christlichen - Protest gegen eine "leere Freiheit" (Assheuer): Es ist natürlich genau die rechtliche Form dieser Freiheit, die sowohl den Muslimen wie auch uns Katholiken unsere "harte Religion" (Graf) ermöglicht und erlaubt.

Und daß es noch keine Todesdrohungen oder Brandsätze gegen Regisseur, Produzent, Schauspieler oder Kinobetreiber des Films "Tal der grauen Wölfe" von amerikanischer oder sonstiger Seite gibt: Ist das nicht eine zivilisatorische Errungenschaft, über die sich auch Muslime freuen sollten?
Nicht unser Job

Noch einmal P. Cantalamessa:

"Wenn Christus die Kirche trotz der Frevel, die sie begehen würde, geliebt hat und beinahe so tat, als sähe er sie nicht, wer sind dann wir, dass wir in den Schwächen und Unvollkommenheiten der Kirche einen Grund sehen, sie nicht zu lieben und sie sogar zu verurteilen? Ausgerechnet wir, die wir selbst derart mit Schuld beladen sind?" (S. 69)
Den Finger in die Wunde

Zum einem Gutteil ist es die Angst, daß einer ganz unsensibel den Finger in offene Wunden legen könnte, die Katholiken vom Beichten abhält.

Dabei ist es eigentlich genau umgekehrt, wie Raniero Cantalamessa in "Die Kirche lieben" schreibt:
"Wenn die Beichte jedoch entscheidend wirksam werden soll im Kampf gegen die Sünde, dann muss unser Umgang mit ihr 'im Geist' erneuert werden. Das bedeutet, sie nicht als bloßen Ritus, als eine Gewohnheit oder einen Zwang zu erleben, sondern als eine persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Christus, die uns ermöglicht, unsere Finger in seine Wunden zu legen und die heilende Kraft seines Blutes zu erfahren und die Freude, gerettet zu sein." (S. 102)

15. Februar 2006

Herr, befreie uns

Der Curt Jester exorziert den sogenannten "Konzilsgeist" und bietet ein entsprechendes Diagnosetool an. (Aus dem Commentarium)

From all evil, Deliver us, 0 Lord.
From the spirit which denies the text, Deliver us, 0 Lord.
From modernist interpretations, Deliver us, 0 Lord.
From inclusive language, Deliver us, 0 Lord.
From the pride of independence, Deliver us, 0 Lord.
From liturgical abuses, Deliver us, 0 Lord.
From disobedience to the magisterium, Deliver us, 0 Lord.
From an unformed conscience, Deliver us, 0 Lord.
From the spirit of the age, Deliver us, 0 Lord.

13. Februar 2006

Schnelle Antwort

Frank Schirrmacher in der FAZ (hier aber beim Spiegel) über den Strauß-Essay.

"Wir sollten, im steten Versuch, ein gutes Gewissen zu haben, nicht versuchen, uns in die Wut der anderen hineinzuversetzen."
Kultverstärker

Pirelli-Werbung: Teuflische Szenen mit dem Segen der Kirche (spiegel.de)
Abendlektüre

Letzthin war Enzensberger im Spiegel dran, jetzt kommt Botho Strauß mit einem Essay zum Zug: Der Konflikt. Sein Stichwort von der "Vorbereitungsgesellschaft" hat es heute bereits in den Perlentaucher gebracht:

"... die angebliche Parallelgesellschaft ist eigentlich eine Vorbereitungsgesellschaft. Sie lehrt uns andere, die wir von Staat, Gesellschaft, Öffentlichkeit abhängiger sind als von der eigenen Familie, den Nicht-Zerfall, die Nicht-Gleich-Gültigkeit, die Regulierung der Worte, die Hierarchien der sozialen Verantwortung, den Zusammenhalt in Not und Bedrängnis. Selbstverständlich ist es für den aufgeklärten Westeuropäer der Born der Finsternis, der dies Leben in der Gemeinschaft unterhält und gut organisiert.

Als Experte für passagere Krisen fällt es ihm schwer, mit einem auf Dauer nicht lösbaren Konflikt zu leben. Mit seinem Sinn für das Vorübergehende muss er an ebendieser Dauer scheitern. Da nützt es ihm wenig, wenn er - zwischenzeitlich und vorübergehend - neue Quellen der Religiosität in seiner Welt entdeckt. Sie hören meistens nach dem Kirchentag schon wieder auf zu sprudeln. Andererseits gibt es eine Chance der Inspiration und der indirekten Beeinflussung, die von der unmittelbaren Nähe einer fremden und gegnerischen sakralen Potenz herrührt.

Sie sollte uns allerdings zu etwas mehr als zu Spott und Satire provozieren. In dieser Konkurrenz gilt es, unser eigenes Bestes aufzubieten, es neu zu bestimmen oder wiederzubeleben: das Differenziervermögen an oberster Stelle, das Schönheitsverlangen, geprägt von großer europäischer Kunst, Reflexion und Sensibilität - lauter Sinnes- und Geistesgaben, die in der westlichen Gesellschaft der Gegenwart von geringer Bedeutung, geringem Ansehen sind."
Yonkardiniertes

Weil sie manchmal malen tut, hat Yon mit dem Zweitbloggen anfangen getan.
PL II

Via netbib weblog: Der 2. Band von Mignes Lateinischen Kirchenvätern mit des Rhabanus Maurus gesammelten Werken im PDF-Format.
Von den Kriegen

"Die Seiten des Neuen Testaments in der Nachttischschublade kleben druckfrisch aneinander, weil nie jemand versucht hat, das in falsches Leder gebundene Buch zu öffnen." - Was Carolin Emcke da in einem rumänischen Hotel beobachtet hat, ist noch eine der harmlosesten Erfahrungen auf ihren Exkursionen, gilt aber mutatis mutandis auch von den anderen Rändern der menschlichen Welt.

Lob für ihr Buch "Von den Kriegen" gab es beim Ersterscheinen reichlich (z.B. hier, hier und hier); die Taschenbuchausgabe habe ich in den letzten Tagen gelesen und kann es nur weiterempfehlen: Denn das Buch ist nicht nur höchst lesbar, sondern unbedingt lesenswert, da es die Kriegsgebiete der Welt aus der abstrakten Ferne in beunruhigende Nähe bringt, in die Nähe zwischen Mensch und Mensch. Emcke hat einen bescheidenen, fragenden, fast kammerartig-intimen Ton gefunden, mit dem sie über ihre Begegnungen und Erlebnisse berichtet.
Kindstaufe in der Landeshauptstadt

Was der Himmel macht, wenn ein Mädchen getauft wird, weiß ich nicht. Daß er sich aber zur Taufe meines neuen Lieblingsneffen in ein strahlendes Blau gehüllt hatte, nahm die Taufgemeinde persönlich, ebenso wie das leuchtende Weiß, das wie ein Taufkleid Dächer, Vorgärten, Straßen, Autos überzog.

Neben drei Kinderbibeln erhielt der Täufling ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Klein, aber getauft" - da er aber ein kleiner Lutheraner ist, haben Herr und Frau Scipio auf den Aufdruck "Straight out of Limbo" verzichtet.

Immer wieder verblüffend ist, wie konsequent die lutherischen Schwestern und Brüder die materiellen Sakramentalien durch Worte ersetzt haben: kein Salz auf der Zunge (o.k., , kein Chrisam auf der Stirn, keine Osterkerze, die der Taufkerze ihr Licht und ihre Wärme weiter gibt. Wenigstens das Taufkleid darf die Wirkung des Taufwassers noch darstellen.

10. Februar 2006

Gesegneter

Aufsteiger des Jahres
Grammys run one way



Mit drei weiteren Grammys baut Alison Krauss ihre Position als "winningest solo female act of any genre and the winningest country act" aus. Verdienermaßen.

7. Februar 2006

Silentium blogiosum

Da ich die nächsten Tage unterwegs sein werde, bleibt hier wohl alles ruhig und beim Alten (alten?).

Adieu!
Unterm Verdikt

Ich traue mich gar nicht recht, auf die Marginalie Trackback - Oder: Gegen das Rokoko von Andreas Mertin im Magazin für Theologie und Ästhetik zu verlinken.

Dort wird eine ganze Batterie von Kanonen gegen den Spatzenschwarm der Weblogger aufgefahren, daß mir richtig schummrig wird: "Weblogs gehören zu den mehr als ambivalenten Erscheinungsformen des World Wide Web"; jeder Blogger könne "sein eigener Diktator der Meinungsbildung" sein; gar "kulturelle Katastrophen" in der Nachfolge postmoderner Oberflächenverteidigung werden berufen. Wie soll man nach einer solchen Bußpredigt noch guten Gewissens bloggen? Leute, packt die Tastatur weg!

(Anlaß des ganz großen Theaters war ein Posting auf Hradetzkys.de ( Link zu Antwort und Originalposting), das das Theomag zwar im Screenshot darstellt, aber nicht verlinkt - wo kämen wir denn da hin!)

6. Februar 2006

"Ich bin ich!"

The Onion setzt mal wieder einen drauf: Auch protestierende, herumballernde Demonstranten in Hebron haben was gegen Stereotypen!

"Yes, I sometimes do gun people down in the name of the One True God. But there is so much more to me...

There are so many different kinds of crazed Palestinian gunmen. Each of us has our own unique reasons and motivations for our bus bombings and suicide missions. No two fundamentalist agendas are alike."
Oops, ist ja schon aus dem März 1997. Merkt man gar nicht.
Alles O.K.

Naomi Wolf, Vorzeigefeministin jüdischer Abstammung begegnet Jesus:

"I was completely dumbfounded but I actually had this vision of … of Jesus, and I’m sure it was Jesus... But it wasn’t this crazy theological thing; it was just this figure who was the most perfected human being – full of light and full of love. And completely accessible. Any of us could be like that. There was light coming out of him holographically, simply because he was unclouded. But any of us could become that as human beings...

On a mystical level, it was complete joy and happiness and there were tears running down my face. On a conscious level, when I came out of it I was absolutely horrified because I’m Jewish. This was not the thing I’m supposed to have confront me...

There are a lot of people out there just waiting for some little Jewish feminist to cross over. I so much want to distance this from Christianity. It has nothing to do with any religion whatsoever...

I absolutely believe in divine providence now, absolutely believe God totally cares about every single one of us intimately, that we’re not alone, that we’re surrounded by love. That everything is OK." (Sunday Herald)

4. Februar 2006

In der Hauptstadt

Als süddeutsches Landei überläuft es mich immer, wenn ich in die Hauptstadt mit ihren Pracht- und Ausfallstraßen, ihren Palästen und Regierungsgebäuden komme. Verschärft wird dieses Erschaudern des Provinzlers durch einen alten Fehler: Vor 10 Jahren, bei einem längeren Aufenthalt, hatte ich Robert Harris' "Vaterland" zur Lektüre mit. Der spiritus loci, der Ungeist der Zentrale des Terrors, taucht seitdem bei jeder Rückkehr auf.

Aber keine Angst, lieber FingO: Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in Berlin und auf die nächste Pizza, deren Pepperoni ich Dir wieder liebend gerne zur Verfügung stellen werde! Plötzlich wurde an diesem Abend im "Scala" die virtuelle Blogozese real, saßen zwei Brothers in Arms saßen zusammen und teilten ihren Glauben, inmitten der hübschen Püppchen und ihrer coolen Freunde. DEo et Fingoni multas gratias!
D'accord

Christian Geyer in der FAZ:

"Nur in europaweiter Solidarität wird klar: Religiöse Fundamentalisten, die die Unterscheidung zwischen Satire und Gotteslästerung nicht respektieren, haben nicht nur mit Dänemark ein Problem, sondern mit der gesamten westlichen Welt.

Dabei steht überhaupt nicht zur Debatte, ob solche Darstellungen die Grenzen des guten Geschmacks verletzen. (...) Die Religion als Satiregegenstand hat ja immer auch etwas Billiges. Nicht umsonst gibt es die sensible sprachliche Wendung von den religiösen Gefühlen, die man besser nicht verletzt. Und es darf in der Tat als Zeichen des guten Geschmacks gelten, wenn solche Intuitionen funktionieren.

Es gibt ein religiöses Bilderverbot des Propheten, das zu befolgen das gute Recht der Gläubigen ist und als solches vom liberalen Rechtsstaat nicht nur eingeräumt, sondern verteidigt wird. Aber in einem säkularen Gemeinwesen können die Gläubigen nicht erwarten und noch weniger erzwingen, daß ihre religiösen Gebote von allen befolgt werden. (...)

Letztlich steht in dem aktuellen Konflikt eine kulturelle Errungenschaft auf dem Spiel, die sich der Westen im Interesse des Friedens von keiner politischen oder wirtschaftlichen Macht wieder abhandeln lassen kann: die mühsam erworbene, gegen dogmatische und totalitäre Ansprüche aller Art durchgesetzte Differenzierung von Innen- und Außenperspektive. Die Lektion, die das Christentum gelernt hat und der Islam in weiten Teilen noch vor sich hat, lautet: Zu jedem legitimen Selbstverständnis gibt es eine legitime Außenperspektive, die diesem Selbstverständnis zuwiderlaufen darf."

1. Februar 2006

Alte Freundin



Gestern beim Stöbern fiel eine Karte mit diesem Foto in die Hände, die ich vor einem Vierteljahrhundert in Lisieux gekauft hatte. Ich habe mich schon länger nicht mehr bei ihr gemeldet. So ab und an hätte ich ihren Rat brauchen können, keine Frage.

Demnächst hörst du von mir. Ganz bestimmt, meine Liebe.
Zweierlei Maß



Weniger harmlose Cartoons als die 12 inkriminierten dänischen sind in der arabischen Welt gang und gäbe. Lila verweist auf ein Interview mit Joel Kotek (Freie Universität Brüssel).
Sameprocedureaseveryyearjames

Voll erwischt

Nicht aus persönlicher Betroffenheit, sondern einfach, weil es ein schönes, gelungenes Gedicht ist:

Hellmuth Opitz
Liste kleiner Traurigkeiten

Der zu kurze Haarschnitt.
Das Schreiben des Anwalts.
Die Stimme von Lucinda Williams,
wenn sie um die Ecke eines
Abends biegt. Ach ja, der
Kaffeebecher mit dem Aufdruck
Autocentrum Rahlstedt, die
sommersprossenübersäte Schulter
und ihre Unerreichbarkeit am
anderen Ufer des Bettes.
Wunderbar kannst du das aufzählen,
zählst das auf, ohne mit der
Wimper, du weißt schon, aber
gerade jetzt, beim Aufschneiden
der Tütensuppe, erwischt es dich.
Du liest die Packung und es
ruckt in der Kehle, die Augen
brennen, du liest noch einmal
und es erwischt dich, erwischt
dich mit einem einzigen Satz:
Bitte heißes Wasser hinzufügen.
Wer trotzdem Interpretationen braucht, findet sie in der Literarischen Welt oder im kostenpflichtigen Archiv der FAZ.
Keine Befreiung außer durch Jesus Christus



Liegt es daran, daß vor Weihnachten die "Dalai Lama"-Spruchkalender einfach überall zu bekommen sind? Oder daß trotz aller Versuche, katholische Identität zu schärfen, an der Basis die Neigung zu synkretistischem "Pick and Choose" zu tief verwurzelt ist? Oder daß Tenzin Gyatso alias der 14. Dalai Lama mit seinem Lächeln, seiner asiatisch-demütig-entschlossenen Art und seiner Dauerpräsenz in TV, Zeitung, Weltbild-Katalog etc. als Gewährsmann für echte Lebensweisheit akzeptiert wird? Wie auch immer, seit wir sie von der Schwiegermutter zum Christfest geschenkt bekamen, strahlen uns vom Küchenregal die "Worte der Weisheit 2006" entgegen.

Manche Worte sind trivial, andere nett, wieder andere bedenkenswert. Manche aber auch schlicht und einfach: falsch und für unsereinen schlicht und einfach verwerflich. Unchristlich. Als Überzeugung des Dalai Lama und seiner Glaubensgefährten zu respektieren, ansonsten aber vom Teufel. Zum Beispiel der heutige Satz:
"Befreiung empfängt man nicht von außen; man erlangt sie selbst."
Da stellen wir ohne weiteren Kommentar die 2. These der Barmer Erklärung dagegen:
"Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. (1.Kor 1,30)

Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften."

30. Januar 2006

Date to Save

Das evangelikale Pendant zu den Zehn echt-katholischen Anmachsprüchen: Christian Dating Advice.
Ratzinger als der Mozart Meisners

"... ich beginne zu ahnen, was Kardinal Meisner (vorausgesetzt, er hat Karl Barth gelesen) mit seinem Vergleich, Ratzinger sei der 'Mozart der Theologie', gemeint haben könnte: 24 Jahre lang musste Kardinal Ratzinger als Präfekt der römischen Glaubenskongregation nicht seine, sondern die Theologie des Lehramtes zum Klingen bringen und ihren Klang reinhalten, indem er sie vor allen denkbaren Disharmonien an ihren Rändern säuberte. Und in dem Maße, wie in seinen theologischen Äußerungen der objektive Gehalt der lehramtlichen Theologie mit seinen eigenen subjektiven Sprachschöpfungen nicht einfach nur korrespondierte, sondern perfekt harmonierte, war es totale Theologie; diese wollte allenfalls im mozart’schen Sinne schön sein, und das bedeutet, dass sie vor allem konkret war, indem sie die theologiepolitischen Forderungen des Vatikan unterhaltsam und eloquent, auf der Höhe der inhaltlichen Debatten ihrer Zeit, zur Sprache brachte. Wie bei Mozart war es auch bei Ratzinger Ausdruck formvollendeter Virtuosität, sich so anzuhören, als bringe er nicht sein eigenes Anliegen zum Klingen, sondern stehe ganz im Dienst eines Höheren." (Pfarrer Dr. Martin Schuck im Newsletter des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim)

28. Januar 2006

Ortho-laxie

Aus einem Vorwort von Papst Alexander VI.:

"Die meisten von uns laufen verwundet herum, moralisch gesehen. Wie gehen wir mit dieser Tatsache um? Sollen wir vorgeben, das sei normal - und das Evangelium aufweichen, so daß wir ein gutes Gewissen behalten? Oder vorgeben, das stimme nicht - und die Fäuste ballen, bis die Knöchel weiß werden?

Idealerweise führt Ortho-doxie, der richtige Glaube, zu Ortho-praxie, richtigem Verhalten. Wozu ich nur sagen kann: 'Schön wär's.' Die Autoren dieses Buchs scheinen eine andere Lösung gefunden zu haben, die ich 'Ortho-laxie' nennen will. Glaube an alles; tu, was du kannst; gib zu, daß du im Grunde ein Arsch bist, und wende dich der Quelle des unendlichen Erbarmens so demütig und häufig zu, wie es geht.

Wenn es etwas gibt, das ganz und gar nicht zum Christsein passt, dann ist es Stolz, oder wie wir heute sagen würden: ein 'gesundes Selbstwertgefühl' und ein 'gutes Gewissen'." (Bad Catholic's Guide to Good Living, S. XVI - eigene Übersetzung)
Caritas-Spezial

Wenig beeindruckt zeigt sich Herr Paul im Freitags-Strizz der FAZ von einem Aufruf zur Nächstenliebe.

Was zu erwarten war.

26. Januar 2006

Unbescheiden



Auch wenn das Spiegel-Latinum das Führen eines lateinischen Blogtitels nicht explizit gestattet, sehe ich nach diesem Ergebnis im Spiegel-Latein-Quiz weniger denn je einen Grund, ihn zu ändern.
Tell me the truth about love

Christian Geyer(FAZ) sieht die päpstliche Enzyklika im Kern als "Reflexion über den christlichen Vernunftbegriff:

"Der Dogmatiker Ratzinger ist freilich Dialektiker genug, um in einem Vernunftbegriff, der seine Geltungsansprüche allzu extensiv in moralisches Terrain vorschiebt, zumindest ein sprachliches Problem auszumachen. Bei aller Liebe zu dem apologetischen Bemühen, Jerusalem mit Athen zu versöhnen und die christliche Religion als eine dem Logos, der Vernunft verschriebene Religion kenntlich zu machen, weiß Ratzinger doch aus der Geschichte seiner eigenen Kirche nur zu genau, wie rasch eine überdehnte Vernunft, in Unvernunft und pure Ideologie umschlägt. Als Papst scheint seine Frage immer wieder zu sein: Wie läßt sich eine Sprache der Verkündigung sprechen, die das Dogma bewahrt, aber gleichzeitig den fragmentarischen Charakter von Sprache hinreichend in Rechnung stellt?"

25. Januar 2006

Enzyklisches

"Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt." (Deus Caritas Est, Nr. 1)
Die deutschsprachige Öffentlichkeit und ihre Schreiberlinge sind vom deutschen Papst beeindruckt - sogar der taz bleibt nichts übrig, als vor "einem klugen, alten Mann" den Hut zu ziehen. (Eine Zusammenstellung von Stimmen findet sich bei fono)

Am kürzesten dürfte heute Oberlaie Hans Joachim Meyer gesprungen sein, dem zum Thema "Liebe" nur eingefallen ist, daß sich "im Dienst der Liebe ... die Kirche unmittelbar der Not der Menschen" zuwendet. Darüberhinaus Gemeinplätze in eigener Sache zum Streben nach Gerechtigkeit als Ermöglichung einer menschlichen Gesellschaft und zur "unmittelbare(n) Aufgabe der christlichen Laien, am öffentlichen Leben teilzunehmen und sich für eine gerechte Ordnung der Gesellschaft einzusetzen".

Spricht nicht der Papst in Nr. 37 von "Aktivismus und ... drohende(m) Säkularismus vieler in der karitativen Arbeit beschäftigen Christen"? Diese Gefahr verschont auch andere "beschäftigte Christen" nicht...
Benedictus locutus

Enzyklika "Deus Caritas Est"
Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär ...

Der gedankenlesende Spiegel zu einer möglichen oder gar wahrscheinlichen Kurienreform:

"Wenn Kurs und Lehre stimmen, so die Grundüberzeugung des Oberhirten, könne den in den letzten Jahrzehnten zunehmend geschwächten Diözesen auch wieder mehr Autonomie eingeräumt werden."

Dann bräuchten wir nicht einmal einen Papst. Und keinen Bischof mit seinen Hilfstruppen.

24. Januar 2006

§ 5 Abs. 1 UrhG

Der netbib-Blog über die neueste Veränderung der vatikanischen Einstellung zu den eigenen Urheberrechten. (Wobei der "Pfaffe" im letzten Satz nicht nur unnötig, sondern eines Blogs wie netbib unwürdig ist...)
Vorgeschmack auf die nächsten Tage

Wenigstens die FDP-Bundestagsfraktion hat schon die Enzyklika gelesen und ihre Meinung gebildet:

"Während in der Vergangenheit die rigide Sexualmoral der katholischen Kirche häufig so verstanden wurde, dass die sexuelle Liebe grundsätzlich abglehnt wird, stellt Papst Benedikt XVI. nun klar, dass auch darin Ausdruck der von Gott gegebenen Fähigkeit zur Liebe liegt. Damit überwindet der Papst ein Menschenbild, das einen Teil des Menschen ablehnte, und legt hoffentlich den Grundstein für eine breite Diskussion auch innerhalb der Kirche.

Die Einschränkung, dass die sexuelle Liebe nur dann positiv zu bewerten sei, wenn sie sich im Rahmen der Ehe zu Sorge und Opferbereitschaft verwandele, geht jedoch an der Realität vorbei. Der sexuelle Aspekt der Liebe gehört untrennbar zum Menschsein und hat auch und gerade in der Partnerschaft ihren Platz. Eheliche Liebe kann nicht in ihre einzelnen Bestandteile zertrennt werden, von denen einige dann besser oder schlechter sein sollen." (Pressemitteilung der FDP-Fraktion)
Mit Kanonen auf Spatzen, die seit Jahrzehnten nicht mehr dort sitzen. Katechismus für Goldmann (der übrigens neuerdings auch Mitglied im Zentralkomitee ist - wozu ein Taufschein und ein politisches Amt nicht alles qualifiziert!).
Dies penitentiae blogocesanus

Ich bin offensichtlich den vom mir ins Spiel gebrachten Schwarzen Peter eines "blogozesenweiten Tag des Gebetes und der Umkehr" nicht losgeworden. Da Affären wie die kürzlich stattgehabte aber würdig zu Grabe getragen werden und vor IHm ihren Abschluß finden sollten, schlage ich für den nächsten Freitag, 27. Januar 2006 vor:

Wir widmen diesen Tag dem Nachdenken über die Blogozesengeschehnisse der ersten Januarwochen und vertrauen allen Ärger, alles Versagen, alle Verfehlungen und - ja, auch die: - Sünden der Barmherzigkeit GOttes an - auf daß sich in Zukunft in unseren irdischen Gefäßen wieder etwas mehr göttlicher Glanz zeigen möge.

Als praktische Übungen empfehle ich:
  • aktives und passives Blogfasten - no posting, no reading
  • das "normale" Freitagsfasten unserer Kirche
  • das Beten des Confiteor bzw. des Schuldbekenntnisses
  • das Beten von Psalm 51
  • eine Betrachtung des Gleichnisses vom barmherzigen Vater und seinen zwei Söhnen (Lk 15, 11 - 32)
  • andere Gebets- und Bußübungen, je nach Spiritualität, Lebensstand, Gemeinschaftszugehörigkeit ("Jemand beim Opus Dei hier?") ad libitum.
Wer will, kann mitmachen. "Sehe jeder, wo er bleibe."
Warum denn in die Ferne schweifen?

Der französische Philosoph Bernard-Henri Levy war auf den Spuren von Alexis de Tocqueville unterwegs und äußert sich jetzt in einem Interview zu seinem Besuch in den U.S. of A.:

"In diesen großen baptistischen Kirchen entsteht meiner Meinung nach gerade etwas Neues, eine neue Religion. Dort predigt man von einem nahen, alltäglichen Gott, der reine Präsenz und Sympathie ist, ein Nachbarschaftsgott. Das scheint mir doch ein unausgesprochener Bruch mit der jüdisch-christlichen Tradition, ja sogar mit den traditionellen protestantischen Kirchen, die ja immer noch einen Begriff von Transzendenz, Distanz, von Geheimnis und Offenbarung hatten. Es ist nicht ganz klar, wohin das führt. Das ist eine echte Frage, und sie ist stellvertretend für das, was im ganzen Land vor sich geht."
So weit hätte BHL gar nicht reisen brauchen, um einem "unausgesprochenen Bruch mit der jüdisch-christlichen Tradition" zu begegnen. Ginge ein "atheistischer französischer jüdischer Intellektueller" öfter mal in den deutschen Sonntagsgottesdienst, dann hätte er schon lange einen ähnlichen Paradigmenwechsel wahrnehmen können - allerdings ohne die begleitende Serviceorientierung amerikanischer Freikirchen ("Kein Starbucks in der Kirche!")

Habe ich schon erwähnt, daß wir laut der Präfation des vergangenen Sonntags - eine von den neuen, mundgerechten - das "Heilig" nicht mehr mit allen Chören der Engel, sondern nur noch "mit der ganzen Kirche" anstimmten? "Distanz, Geheimnis, Offenbarung" verflüchtigen sich leise, ganz leise als Attribute GOttes - und zurück bleibt "reine Präsenz und Sympathie", ein leiser, unaufdringlicher, netter Banknachbar, ein Kinderfreund, inkarniertes Sozialkapital.

23. Januar 2006

Hauptsache, plausibel?

"Wenn es stimmt, was über den Inhalt der mit Spannung erwarteten Enzyklika bisher geschrieben wurde, ist Joseph Ratzinger sich treu geblieben. Anders als Karol Wojtyla in seiner ersten Enzyklika "Redemptor Hominis" zeichnet Joseph Ratzinger kein düsteres Bild von einer in Umweltverschmutzung, Kriegen und Konflikten erstarrten Welt, sondern konzentriert sich auf den Kern der christlichen Heilslehre." (ZDF -heute.de)

Vergessen, daß die letzten Jahre hindurch für einen Großteil der veröffentlichenden Meinung Karol Wojtyla der hoffnungsvolle Optimist und Menschenfreund war, der von dem augustinischen Pessimisten auf dem Cheftheologensessel immer wieder ausgebremst wurde...

"Man höre und staune: Selbst der ehemalige Theologie-Professor und Glaubenshüter Ratzinger lässt seine, nunmehr mit dem päpstlichen Siegel geadelten Zeilen von den Haustheologen der wichtigsten Kurienbehörde gegenlesen."

Wo, liebes ZDF, lebt eigentlich Dein Vatikankorrespondent? Was macht Andreas Klinner den lieben langen Tag? Macht sich der Guteste nicht klar, daß mit einer Enzyklika nicht mehr Joseph Alois Ratzinger zu seinen Brüdern im Bischofsamt, den katholisch und andersweitig Christgläubigen sowie allen Menschen guten Willens spricht, sondern der derzeitige Nachfolger des Apostels Petrus - und zwar in Kontinuität mit seinen Vorgängern und in Übereinstimmung mit dem, was die Kirche glaubt, lehrt und selber tut?

Wir verstehen ja das Bedürfnis der Medien und Mediennutzer nach Personalisierung, allerdings: Ein gewisses Aufgehen im Amt ist für (je)den Papst noch unausweichlicher und für die Kirche notwendiger als für jeden anderen Amtsträger auf dieser weiten Welt. Nicht um Sonderideen eines großen Theologen geht es in der Antrittsenzyklika, sondern um die Aktualisierung des "immer und überall" Geglaubten.

Was, nebenbei gesagt, wäre älter und was aktueller als der Satz des Apostels: "Gott ist Liebe"?

For the record


(via Whispers in the Loggia)
Die Große Stille

Auch in meiner kleinen Stadt ist es nun so weit, daß "Die große Stille" im Kino läuft. Nicht im Multiplex, sondern im kleinen Saal des kleineren Kinos von A., mit 60 Sitzplätzen, die für beide Sonntagsvorstellungen ausverkauft waren.

Gut vorbereitet durch den 5. Satz aus Olivier Messiaens "Quatuor pour la fin du temps" - den wunderschönen "Lobgesang auf die Ewigkeit unseres Herrn Jesus" - tauchten Frau Scipio und ich ein in den Ort am Ende der bewohnten Welt - zum Glück ohne Werbevorspann.

Nach zwei Minuten waren die Zuschauer - zum großen Teil wohl "aktive" bzw. "praktizierende" Katholiken und Christen - still und hielten - mit ein paar Hängern nach 2 Stunden - andächtig durch.

Christ sein und katholisch sein pur kam nun, ohne Anbiederung, ohne Anpassung, erratisch, selbstverständlich, ohne Erklärung. Als sei es das Natürlichste auf der Welt, alles zu verlassen und der Liebe zum HErrn nichts vorzuziehen. Als wüssten wir alle, was es heißt, daß der HErr uns verführt, und was geschieht, wenn wir uns verführen lassen.

Wo war GOtt in diesem Film? In SEinen Worten, weiß auf schwarz, französisch und deutsch, überlieferten Worten aus dem Evangelium, den Propheten, den Kirchenvätern, anwesend als der Unterbrechende. Dann aber vor allem als der Angebetete und schweigend Gegenwärtige, im Dunkel der nächtlichen Kapelle, im Sonnenlicht des Klostergärtchens, das zu hacken ist. Als der, der am Grund des Schweigens, im Tiefen der Seele wartet - über Erfolgsquoten des Findens, über die Häufigkeit ekstatischer Momente fiel allerdings kein Wort. Nur ein alter, blinder Karthäuser kam zu Wort und zog eine geistliche Bilanz seines Lebens - für ihn war das meiste schon vorbei, er wusste, daß er schon über die Schwelle tritt. Er hatte nichts mehr zu verlieren, da er schon alles verloren hatte an IHn. Keine vorwitzigen Feststellungen, wie schön es ist bei IHm. Kein Kokettieren, wie schwer ER sich finden und festhalten ließe. Nicht einmal Bekenntnis möchte ich nennen, was der alte Mann mit den geschlossenen Augen sagte. Eher eine Feststellung, von der alles Unwesentliche, alles Persönliche abgestreift ist, die im Raum zwischen ihm und uns fest-gestellt bleibt - aufgeladen mit Gegenwart.

Ich bin kein Kinogeher, aber einen so sinnlichen Film gesehen zu haben kann ich mich nicht erinnern. Gesichter, Augen, Bartstoppel und geschorene Köpfe, brummige, tastende, psalmierende Stimmen, dröhnende Schuhe in den leeren Gängen, knarzendes Holz, zupackende Hände. Still fallender Schnee, brausender Wind. Licht und Dunkel, Wiesenblumen, ein roter Fensterladen, blaßgrüne Fenchelstangen, braunes Brot.

Lassen wir es für jetzt dabei - später vielleicht mehr. Nur schon einmal die Empfehlung: Wer den Film noch nicht gesehen hat, der möge es tun.

22. Januar 2006

Was wir nicht vergessen dürfen

"Ich meine, es sollte auch in der Zukunft der Kirche, und zwar nicht nur in den seltensten Fällen, so sein:

Da kniet ein Christ allein und still in der Kirche vor dem heiligen Schrein, in dem das Brot des Lebens für seinen Empfang aufbewahrt wird. Dieser Christ weiß, daß Gott überall ist, mit seiner Macht und Liebe alles trägt, allem unsagbar nahe ist, die ganze Welt der Dom seiner ewigen Anbetung ist. Aber dieser Christ weiß auch, daß er selber noch lange nicht weiß, daß der in Allmacht und Liebe überall gegenwärtige Gott, weil wir ihm nicht immer nahe sind, sich selbst einzelne Orte und Wirklichkeiten geschaffen hat, die es uns, die in Raum und Zeit Gefangenen, leichter machen, seine Gegenwart zu ergreifen. -

Jesus aber ist das Ereignis, in dem Gott unüberbietbar und unwiderruflich für den endlichen Menschen seine heilschaffende Gegenwart gegeben hat. Und vor diesem leibhaftigen Jesus, wenn auch verhüllt unter sakramentalen Zeichen, kniet dieser Christ. (...) Er schaut auf den, den sie durchbohrt haben; er ist dem ganz leibhaftig nahe, in dem Gott die Welt als seine eigene Wirklichkeit angenommen hat.

Der betende Christ schweigt, er nimmt die stille Ruhe dieses Sakraments entgegen, er kann diesem sakramental gegenwärtigen Herrn seines Lebens dieses oder jenes Anliegen seines Lebens vortragen; aber letztlich will er durch diesen sakramental gegenwärtigen Jesus eben doch nur aufgenommen werden in die Wahrheit und die Liebe Gottes, die sich schweigend von diesem sakramentalen Zeichen her ausbreitet.

Ich meine, wir dürfen auch in Zukunft das, was unsere christlichen Vorfahren geübt haben, nicht vergessen." (Karl Rahner, 1981, zit. in: "ein neuer Weg, eine innere Pilgerschaft, die unser ganzes Leben ändert" (Arbeitshilfen Nr. 198, S. 4f (1,18 MB)
Ökumene

"Eine Ökumene im Sinne einer Wiederherstellung der Kircheneinheit wie vor der Reformation sei für die evangelische Kirche nicht vorstellbar, sagte Käßmann". (Neue Bildpost via Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers)

Da passt es ja wie die Faust aufs Auge, daß mir heute mal wieder eines meiner ersten Andachtsbildchen in die Hände fiel. Vorne der hl. Augustinus mit Mutter und Schriftrolle ("Inquietum est cor nostrum..."), hinten ein Gebet für die Einheit der Christen:

"O Gott, Du zeigst den Verirrten den rechten Weg. Du einigst die Getrennten und erhältst sie in der Einheit. Wir bitten Dich: Gieße in Deiner Güte über das christliche Volk die Gnade der Einigung aus, daß es der Spaltung ein Ende mache, dem wahren Hirten Deiner Kirche sich anschließe und Dir würdig diene. Durch Christus, unsern Herrn. (3 Jahre Ablaß)"
Möglichkeit zum Widerstand

Katharina Borchert hofft für alle Teenies auf strenge Eltern (und sogar Veronica Ferres hatte eine spannende Kindheit, wahrscheinlich nicht "trotzdem", sondern "deswegen"). (WAMS)

Da ist es ja richtig gut, daß die liberale Gesellschaft um uns herum immer noch einen strengen und liebevollen Papst hat.

19. Januar 2006

Kommentar von Linx

Da freut sich die taz. Aus der Distanz lässt sich gut über die Volxbibel lachen: Jesus' fettes Comeback.
Das Leben ist schwer

Ja, schon wieder was Selbstreflexives. Aber lesenswert. Circa 100 % von den Gedanken, die sich das Moving Target macht und die Ralf mit-teilt, hatte ich auch schon mal.
Googleo Ut Intelligam (via Schlaflos in München)
Kuschelzeit vorbei

Annik Rubens, Podcasterin von Schlaflos in München wurde für ein gestern gesendetes "Fiedscher" von BR2 über die Podcast-Szene interviewt.

2005 sei das Jahr gewesen, in dem die Szene geradezu explodiert sei, meinte sie, und da, wo man früher freundschaftlich miteinander umgegangen sei, gebe es jetzt sogar Feindschaften - Podcaster würden übereinander herziehen.

Kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Wir sind gar nicht soo anders. Die Natur, auf der die Gnade aufbauen will, ist überall die gleiche.

18. Januar 2006

50 Seiten pure Essenz

Die Spannung in Rom steigt, schreibt Armin Schwibach ein paar Tage vor der Veröffentlichung der ersten Enzyklika Papst Benedikts in der Tagespost.

Der Überraschungspapst greift in die Schatztruhe und holt wie ein guter Hausvater Uraltes hervor - und siehe da: Es glänzt wie neu. "Deus est caritas. GOtt ist die Liebe."
Nicht der Blog von Fonos Haustieren:

Der Fonozoo

17. Januar 2006

Jesus Christus, Communicator
(sowie Paulus mit seinem Brief an die Blogozese*)

"Die modernen Technologien erhöhen auf beeindruckende Weise die Schnelligkeit, die Menge und die Wichtigkeit der Kommunikation, aber sie begünstigen nicht in gleicher Weise den delikaten Austausch zwischen Geist und Geist, Herz und Herz, der jede Kommunikation auszeichnen muss, die der Solidarität und der Liebe dient.

In der Heilsgeschichte hat sich Christus uns als der 'Kommunikator' des Vaters vorgestellt: 'In dieser Endzeit hat Gott zu uns gesprochen durch den Sohn' (Hebr 1,2). Er, das fleischgewordene ewige Wort, zeigt in seinem Mitteilen immer Respekt für die Zuhörer, lehrt das Verständnis für ihre Situation und ihre Bedürfnisse, fordert zu Anteilnahme an ihrem Leid auf und dazu, ihnen mit entschiedener Bestimmtheit das zu sagen, was sie hören müssen, ohne Einschränkungen oder Kompromisse, Betrug oder Manipulation. Jesus lehrt, dass Kommunikation sittliches Handeln ist: 'Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er Gutes in sich hat, und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil er Böses in sich hat. Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden' (Mt 12, 35-37).

14. Der Apostel Paulus hat eine klare Botschaft für alle, die an der sozialen Kommunikation beteiligt sind – Politiker, Kommunikatoren, Mediennutzer: 'Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden. […] Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt' (Eph 4,25.29)." (Johannes Paul II. : Apostolisches Schreiben "Die schnelle Entwicklung", Nr. 13f.)

* im hergebrachten, nicht im neuen, vom Kompendium eingeführten Sinn
Nicht nur traurige Songs

Wo wir gerade bei der Music sind: Hier aus dem Redaktionsblog von jetzt, dem Jugendmagazin der Süddeutschen for the record ein Portrait von Dollys Gegenstück, dem wunderbaren Townes van Zandt.