Walker Percy: Über die Schüchternheit
"Frage: Wenn Sie schüchtern sind, ist es dann besser, Sie akzeptieren Ihre Schüchternheit, oder ist es besser, Sie suchen Hilfe bei einem Psychotherapeuten, damit Sie ein selbstbewußter, unverklemmter Mensch werden, oder vielleicht, Sie lesen ein Buch darüber, wie man seine Schüchternheit überwindet?
(a) Es ist besser, Sie suchen Hilfe bei einem Psychotherapeuten, weil es besser ist, nicht zu leiden, als zu leiden. Psychiater und Psychologen behandeln Störungen. Schüchternheit ist ein Symptom einer solchen Störung. Daher ist es vernünftig, entsprechende Hilfe zu suchen.
(b) Es ist besser, Sie lesen ein Buch, wie man darüber hinwegkommt, schüchtern, ängstlich, unsicher usw. zu sein, als Sie lesen ein solches Buch nicht, denn Sie könnten den einen oder anderen hilfreichen Hinweis bekommen, selbst aus einem Buch.
(c) Es ist besser, Sie lesen ein solches Buch nicht, weil die Wirkung solcher Bücher nur während der Lektüre und vielleicht noch fünfzehn Minuten danach anhält und daher Ihre Verzweiflung nur noch gesteigert würde.
(d) Es ist besser, Sie hören Leo Buscaglia zu, weil er über solche Sachen spricht wie Liebe, Zärtlichkeit und Offenheit für seine Mitmenschen.
(e) Es ist besser, Sie hören Leo Buscaglia nicht zu, weil Leo zwar durchaus unterhaltsam ist, aber sowohl Sie als auch Leo sich danach schlechter fühlen würden.
(f) Es ist besser, Sie lesen das Buch, das sie im Augenblick lesen, denn es ist zwar auch nicht viel besser, aber immerhin erzählt es Ihnen nichts darüber, wie Sie über Ihre Schüchternheit, Angst usw. hinwegkommen, sondern wirft diese Dinge nur als Fragen zwischen Schriftsteller und Leser auf und macht das Undarstellbare darstellbar, für eine Weile vielleicht sogar erträglich.
(g) Es ist besser, Sie suchen nicht bei einem Psychotherapeuten Hilfe, sondern azeptieren Ihre Schüchternheit, wenn sie auch noch so schmerzhaft ist, weil es besser für Sie ist, Ihr schüchternes Selbst zu sein als die Person, die der Psychotherapeut aus Ihnen machen will, nämlich eine wie er selbst.
(h) Es ist besser, Sie suchen Hilfe bei einem Psychotherapeuten, sofern der Psychotherapeut weiß, was nicht viele Psychotherapeuten wissen, nämlich daß der Schüchterne etwas wissen könnte, was der Nichtschüchterne nicht weiß: daß Ihr Selbst für Sie in der Tat undarstellbar ist, daß Sie ein Recht auf Ihre Schüchternheit haben, daß es Schwachsinn höheren Grades erfordert, nicht schüchtern zu sein, daß gerade die Undarstellbarkeit Ihres Selbst der einzige Anhaltspunkt ist, den Sie für Ihre Einmaligkeit haben, daß man ansonsten nur ein weiterer Ralph unter tausend Ralphen wird oder, schlimmer noch, eine Kopie des Psychotherapeuten." (Das furchtsame Selbst III, aus: Walker Percy: Loch im Kosmos.- Basel: Sphinx, 1991, S. 42f.)
7. September 2003
Ungerechte Gnade
Erstaunlich, wie unterschiedlich der liebe Gott seine Gaben verteilt: Wo ein Augustinus mit 42 Jahren noch inständig flehte: "Ich beschwöre Dich, mein Gott, enthülle mir auch mich selbst." (Confessiones, 10, 37), sind heutzutage schon jede Menge Teenies mit jeder Menge Selbsterkenntnis gesegnet.
Oder was sonst soll es sein, was einem in der "Starsearch" entgegenschallt: "Ich weiß, daß ich die Power habe", "Ich bin voller Energy", "Ich habe das Zeug zum Superstar", usw. usf. ?
Erstaunlich, wie unterschiedlich der liebe Gott seine Gaben verteilt: Wo ein Augustinus mit 42 Jahren noch inständig flehte: "Ich beschwöre Dich, mein Gott, enthülle mir auch mich selbst." (Confessiones, 10, 37), sind heutzutage schon jede Menge Teenies mit jeder Menge Selbsterkenntnis gesegnet.
Oder was sonst soll es sein, was einem in der "Starsearch" entgegenschallt: "Ich weiß, daß ich die Power habe", "Ich bin voller Energy", "Ich habe das Zeug zum Superstar", usw. usf. ?
4. September 2003
Mammons-Altar
Da kommt die digitale Ersatzkollekte auf uns zu! (via Saintly Salmagundi)
Jochen Hörisch fühlt sich sicher bestätigt: "Abendmahl, Geld und elektronische Medien sind die aufeinander folgenden und einander überformenden, mittlerweile vergleichsweise friedlich koexistierenden Leitmedien unserer (und im Hinblick auf Geld und elektronische Medien offenbar auch der Welt-) Kultur."
Da kommt die digitale Ersatzkollekte auf uns zu! (via Saintly Salmagundi)
Jochen Hörisch fühlt sich sicher bestätigt: "Abendmahl, Geld und elektronische Medien sind die aufeinander folgenden und einander überformenden, mittlerweile vergleichsweise friedlich koexistierenden Leitmedien unserer (und im Hinblick auf Geld und elektronische Medien offenbar auch der Welt-) Kultur."
Reaktion auf Böckenförde
Konrad Adam kommentiert in der Welt Böckenfördes Kritik (s.u.) und nennt sie überzogen. Optimistischer ist er auch nicht:
"Nachdem es die Menschen gewagt haben, an den Grenzen des Lebens herumzuspielen, werden sie sich den Konsequenzen stellen und sagen müssen, wo diese Grenzen liegen sollen. Verlangt ist eine Entscheidung, die man nicht dadurch vermeidet, dass man von einem Naturrecht raunt, das es in dieser Form nicht mehr gibt; leider nicht.
Böckenfördes Versuch, den 'naturrechtlichen Anker', als welchen er die Unantastbarkeit der Menschenwürde ansieht, mit allen Mitteln zu retten, wird man mit Sympathie begleiten, mit Melancholie aber auch. Denn das 'Naturrecht' wird heute eben anders definiert und anders verstanden als vor 50 Jahren. Wer das nicht wahrhaben will, läuft Gefahr, ein Naturrecht ohne Natur zu verteidigen. Und das kann, um Böckenförde zu zitieren, schwerlich aufgehen."
Konrad Adam kommentiert in der Welt Böckenfördes Kritik (s.u.) und nennt sie überzogen. Optimistischer ist er auch nicht:
"Nachdem es die Menschen gewagt haben, an den Grenzen des Lebens herumzuspielen, werden sie sich den Konsequenzen stellen und sagen müssen, wo diese Grenzen liegen sollen. Verlangt ist eine Entscheidung, die man nicht dadurch vermeidet, dass man von einem Naturrecht raunt, das es in dieser Form nicht mehr gibt; leider nicht.
Böckenfördes Versuch, den 'naturrechtlichen Anker', als welchen er die Unantastbarkeit der Menschenwürde ansieht, mit allen Mitteln zu retten, wird man mit Sympathie begleiten, mit Melancholie aber auch. Denn das 'Naturrecht' wird heute eben anders definiert und anders verstanden als vor 50 Jahren. Wer das nicht wahrhaben will, läuft Gefahr, ein Naturrecht ohne Natur zu verteidigen. Und das kann, um Böckenförde zu zitieren, schwerlich aufgehen."
Die kontextabhängig antastbare Menschenwürde
Kennt Ihr das? Ein Ereignis, eine Begegnung scheint einem klarzumachen, wie es ums Ganze bestellt ist? Eine Kleinigkeit wird zum Leitsymptom?
Mir ging es so vor dem letzten Klitschko-Kampf: Die alltägliche, 5-minütige Meldung über die Kampfvorbereitungen und Pressekonferenen in den 19.00 Uhr-Nachrichten enthüllte mir schlagartig den Zustand des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF. Mag noch so viel in der Welt passieren, so viel Zeit muß in "Heute" sein, daß das ZDF dort Product Placement in eigener Sache betreibt! Auch Du, Lerchenberg!
Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staatsrechtler und ehemaliger Verfassungsrichter, schilderte gestern in der FAZ (3.9.2003, 33 + 35) einen viel ernsteren Eye Opener: Im Maunz/Dürig, dem maßgeblichen Grundgesetz-Kommentar, erschien eine Neu-Bearbeitung der Kommentierung von Artikel 1 Absatz 1 GG. Wo die bisherige Kommentierung von Günter Dürig (aus dem Jahr 1958) in der Menschenwürdegarantie eine "Übernahme eines grundlegenden, in der europäischen Geistesgeschichte hervorgetretenen 'sittlichen Werts' in das positive Verfassungsrecht" sah, "das sich sich dadurch selbst auf ein vorpositives Fundament, eine Art naturrechtlicher Anker, wenn man so will bezieht", heißt für Böckenförde der "Schlüsselsatz" des neuen Kommentars von Matthias Herdegen:
"Trotz des kategorialen Würdeanspruchs aller Menschen sind Art und Maß des Würdeschutzes für Differenzierungen durchaus offen, die den konkreten Umständen Rechnung tragen." Wo das Maß des Würdeschutzes differenziert werden kann (und weil ein Kommentar auch normativ wirkt:) und werden soll, stellt Herdegen auch gleich fest: "Wenn sich der Würdeanspruch seinem Umfang nach überhaupt nach den konkreten Umstanden richten darf, muß dies in besonderer Weise für die Entwicklungsstufen menschlichen Lebens gelten."
Für Böckenförde heißt das: "Letztlich geht es um den Freiraum für die Gewährung und den Abbau von Würdeschutz nach Angemessenheit des Interpreten ... Auch bei den Ausprägungen der Menschenwürdegarantie, die näher behandelt werden zeigt sich eine gleitende Skala und die fehlende Erkennbarkeit eines festen Bodens."
Auch Böckenförde steht ratlos vor der Frage, wie die geschichtlich hervorgerufene tiefere Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde "Generationen binden" kann, "die diese Erfahrung [des massiven Unrechts und der kaum übersteigbaren Verachtung der Menschenwürde im 3. Reich; Scipio] nicht mehr haben, für die das 'Dritte Reich' schon und nur Geschichte ist, für die die Notwendigkeit eines bleibenden, unabdingbaren Halte- und Orientierungspunktes für die Ordnung des Zusammenlebens der Menschen keine Evidenz mehr hat?" Schlechte Aussichten für weniger Menschenwürdige.
Kennt Ihr das? Ein Ereignis, eine Begegnung scheint einem klarzumachen, wie es ums Ganze bestellt ist? Eine Kleinigkeit wird zum Leitsymptom?
Mir ging es so vor dem letzten Klitschko-Kampf: Die alltägliche, 5-minütige Meldung über die Kampfvorbereitungen und Pressekonferenen in den 19.00 Uhr-Nachrichten enthüllte mir schlagartig den Zustand des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF. Mag noch so viel in der Welt passieren, so viel Zeit muß in "Heute" sein, daß das ZDF dort Product Placement in eigener Sache betreibt! Auch Du, Lerchenberg!
Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staatsrechtler und ehemaliger Verfassungsrichter, schilderte gestern in der FAZ (3.9.2003, 33 + 35) einen viel ernsteren Eye Opener: Im Maunz/Dürig, dem maßgeblichen Grundgesetz-Kommentar, erschien eine Neu-Bearbeitung der Kommentierung von Artikel 1 Absatz 1 GG. Wo die bisherige Kommentierung von Günter Dürig (aus dem Jahr 1958) in der Menschenwürdegarantie eine "Übernahme eines grundlegenden, in der europäischen Geistesgeschichte hervorgetretenen 'sittlichen Werts' in das positive Verfassungsrecht" sah, "das sich sich dadurch selbst auf ein vorpositives Fundament, eine Art naturrechtlicher Anker, wenn man so will bezieht", heißt für Böckenförde der "Schlüsselsatz" des neuen Kommentars von Matthias Herdegen:
"Trotz des kategorialen Würdeanspruchs aller Menschen sind Art und Maß des Würdeschutzes für Differenzierungen durchaus offen, die den konkreten Umständen Rechnung tragen." Wo das Maß des Würdeschutzes differenziert werden kann (und weil ein Kommentar auch normativ wirkt:) und werden soll, stellt Herdegen auch gleich fest: "Wenn sich der Würdeanspruch seinem Umfang nach überhaupt nach den konkreten Umstanden richten darf, muß dies in besonderer Weise für die Entwicklungsstufen menschlichen Lebens gelten."
Für Böckenförde heißt das: "Letztlich geht es um den Freiraum für die Gewährung und den Abbau von Würdeschutz nach Angemessenheit des Interpreten ... Auch bei den Ausprägungen der Menschenwürdegarantie, die näher behandelt werden zeigt sich eine gleitende Skala und die fehlende Erkennbarkeit eines festen Bodens."
Auch Böckenförde steht ratlos vor der Frage, wie die geschichtlich hervorgerufene tiefere Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde "Generationen binden" kann, "die diese Erfahrung [des massiven Unrechts und der kaum übersteigbaren Verachtung der Menschenwürde im 3. Reich; Scipio] nicht mehr haben, für die das 'Dritte Reich' schon und nur Geschichte ist, für die die Notwendigkeit eines bleibenden, unabdingbaren Halte- und Orientierungspunktes für die Ordnung des Zusammenlebens der Menschen keine Evidenz mehr hat?" Schlechte Aussichten für weniger Menschenwürdige.
Felix Bavaria, wähle!
Parteipolitischer Kommentare enthalte ich mich an dieser Stelle üblicherweise. Wenn aber ein Wahlkampf so abläuft wie der zur Landtagswahl in Bayern, durchbreche ich mein Prinzip:
Als Hauptargument der Bayern-Opposion, ihr die Stimme zu geben, hört der Normalbayer momentan: "Damit die Regierungspartei nicht zu viele bekommt." Wenn das alles ist, hat sie's nicht anders verdient ...
Parteipolitischer Kommentare enthalte ich mich an dieser Stelle üblicherweise. Wenn aber ein Wahlkampf so abläuft wie der zur Landtagswahl in Bayern, durchbreche ich mein Prinzip:
Als Hauptargument der Bayern-Opposion, ihr die Stimme zu geben, hört der Normalbayer momentan: "Damit die Regierungspartei nicht zu viele bekommt." Wenn das alles ist, hat sie's nicht anders verdient ...
2. September 2003
Die besseren Systemverwalter
Neal Stephenson hat in seinem Roman Cryptonomicon eine ganz überraschende Würdigung der Christen und speziell ihres Umgangs mit "Sündern" untergebracht:
"Randy und Amy hatten letzte Nacht eine geschlagene Stunde im Gespräch mit Scott und Laura verbracht; sie waren die Einzigen, die sich bemühten, Amy den Eindruck zu vermitteln, dass sie willkommen war. Randy hatte nicht die leiseste Ahnung, was diese Leute über ihn und das, was er getan hatte, dachten, aber er spürte sofort, dass das letztlich gar nicht der Punkt war, denn selbst wenn sie dachten, er hätte etwas Schlimmes getan, verfügten sie wenigstens über einen Rahmen, eine Art Verfahrenshandbuch, um mit Missetaten umzugehen.
Um es in die Begriffe der UNIX-Systemverwaltung (Randys grundlegende Metapher für fast alles) zu übersetzen: Die postmodernen, politisch korrekten Atheisten glichen Leuten, die ohne jegliche Dokumentation oder Anweisung plötzlich für ein großes, wahnsinnig komplexes Computersystem (nämlich die Gesellschaft) verantwortlich waren und deren einzige Möglichkeit, das Ding am Laufen zu halten, darin bestand, mit einer Art neo-puritanischer Strenge gewisse Regeln zu erfinden und durchzusetzen, denn mit jeglicher Abweichung von dem, was sie als Norm betrachteten, hatten sie große Schwierigkeiten.
Dagegen glichen Leute, die in eine Kirche eingebunden waren, UNIX-Systemverwaltern, die zwar vielleicht nicht alles verstanden, aber doch über eine Dokumentation, ein paar FAQs und Hilfe-Programme und README-Dateien verfügten, die ihnen, wenn die Dinge aus dem Ruder liefen, eine gewisse Anleitung boten. Mit anderen Worten, sie waren in der Lage, Flexibilität zu zeigen." (S. 761)
Neal Stephenson hat in seinem Roman Cryptonomicon eine ganz überraschende Würdigung der Christen und speziell ihres Umgangs mit "Sündern" untergebracht:
"Randy und Amy hatten letzte Nacht eine geschlagene Stunde im Gespräch mit Scott und Laura verbracht; sie waren die Einzigen, die sich bemühten, Amy den Eindruck zu vermitteln, dass sie willkommen war. Randy hatte nicht die leiseste Ahnung, was diese Leute über ihn und das, was er getan hatte, dachten, aber er spürte sofort, dass das letztlich gar nicht der Punkt war, denn selbst wenn sie dachten, er hätte etwas Schlimmes getan, verfügten sie wenigstens über einen Rahmen, eine Art Verfahrenshandbuch, um mit Missetaten umzugehen.
Um es in die Begriffe der UNIX-Systemverwaltung (Randys grundlegende Metapher für fast alles) zu übersetzen: Die postmodernen, politisch korrekten Atheisten glichen Leuten, die ohne jegliche Dokumentation oder Anweisung plötzlich für ein großes, wahnsinnig komplexes Computersystem (nämlich die Gesellschaft) verantwortlich waren und deren einzige Möglichkeit, das Ding am Laufen zu halten, darin bestand, mit einer Art neo-puritanischer Strenge gewisse Regeln zu erfinden und durchzusetzen, denn mit jeglicher Abweichung von dem, was sie als Norm betrachteten, hatten sie große Schwierigkeiten.
Dagegen glichen Leute, die in eine Kirche eingebunden waren, UNIX-Systemverwaltern, die zwar vielleicht nicht alles verstanden, aber doch über eine Dokumentation, ein paar FAQs und Hilfe-Programme und README-Dateien verfügten, die ihnen, wenn die Dinge aus dem Ruder liefen, eine gewisse Anleitung boten. Mit anderen Worten, sie waren in der Lage, Flexibilität zu zeigen." (S. 761)
Kommentare jetzt mit BlogSpeak
Enetation funktioniert wieder einmal nicht, so daß ich kurzfristig auf die Kommentarfunktion von BlogSpeak umgestiegen bin.
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1. September 2003
Schluß mit hyggelig
Zwei Wochen in Blavand waren eine Zeit richtiger, gründlicher Erholung. Morgen geht es wieder ans Brötchenverdienen.
Das hyggelige Dänemark ist für einen Urlaub immer wieder ideal. Aber so ganz wundert es mich - mit Verlaub - doch nicht, daß es der große und existentiell ernste Sören Kierkegaard inmitten seiner dänischen Mitbürger nicht aushielt.
Zwei Wochen in Blavand waren eine Zeit richtiger, gründlicher Erholung. Morgen geht es wieder ans Brötchenverdienen.
Das hyggelige Dänemark ist für einen Urlaub immer wieder ideal. Aber so ganz wundert es mich - mit Verlaub - doch nicht, daß es der große und existentiell ernste Sören Kierkegaard inmitten seiner dänischen Mitbürger nicht aushielt.
14. August 2003
13. August 2003
Entzücken
Bleibt das Herz
stehen oder
schlägt es nur
hoch und der Himmel
fährt hinein
so atemlos
weil wir schon
auf der nackten
Erde liegen
lebend
unter Augen
und einer ruft:
Komm!
Sterblichen verschlägt
große Freude den
Atem, wenn du spürst
wir sind mehr als
das was uns noch
heute morgen der
Spiegel vorhielt
oder das Wasser
An unseren Rändern
und als habe es uns
einer plötzlich ins
Fleisch geschnitten -
Komm! Den Andern,
das Andere erkennen.
Komm! Mehr
ist es nicht.
(Richard Exner: Die Zunge als Lohn - Gedichte 1991 - 1995)
Ich habe dieses Gedicht erst als Gedicht über den Tod gelesen - und dann erst gemerkt, daß es um das Entzücken, das Hinweggerissenwerden durch den/das Andere/n geht.
So finde ich es passend für den kommenden Marienfeiertag am Freitag: "Dein Sterben war Entrücktsein nur aus Sehnen." (Joseph Kentenich)
Bleibt das Herz
stehen oder
schlägt es nur
hoch und der Himmel
fährt hinein
so atemlos
weil wir schon
auf der nackten
Erde liegen
lebend
unter Augen
und einer ruft:
Komm!
Sterblichen verschlägt
große Freude den
Atem, wenn du spürst
wir sind mehr als
das was uns noch
heute morgen der
Spiegel vorhielt
oder das Wasser
An unseren Rändern
und als habe es uns
einer plötzlich ins
Fleisch geschnitten -
Komm! Den Andern,
das Andere erkennen.
Komm! Mehr
ist es nicht.
(Richard Exner: Die Zunge als Lohn - Gedichte 1991 - 1995)
Ich habe dieses Gedicht erst als Gedicht über den Tod gelesen - und dann erst gemerkt, daß es um das Entzücken, das Hinweggerissenwerden durch den/das Andere/n geht.
So finde ich es passend für den kommenden Marienfeiertag am Freitag: "Dein Sterben war Entrücktsein nur aus Sehnen." (Joseph Kentenich)
McDonald's - der Große Satan
"Und Gott ließ auf der Erde Broccoli wachsen, Blumenkohl und Spinat und gelbes und grünes Gemüse aller Art, auf daß der Mensch lange und gesund lebe.
Der Teufel aber erschuf McDonald's. Und McDonald's zeugte den Doppelten Cheeseburger. Und McDonald's sprach zum Menschen: 'Willst Du auch Pommes dazu?'"
Das hätte sich Rev. John Wright nicht träumen lassen, daß seine Satire im Pfarrblättchen so gut trifft, daß er sogar in der BBC (fast) alle ernsthaften Absichten dementieren müsste: "The nearest thing to a message in this article is related to how hard it is to resist things." (via Fr. Bryce Sibley und A Saintly Salmagundi)
"Und Gott ließ auf der Erde Broccoli wachsen, Blumenkohl und Spinat und gelbes und grünes Gemüse aller Art, auf daß der Mensch lange und gesund lebe.
Der Teufel aber erschuf McDonald's. Und McDonald's zeugte den Doppelten Cheeseburger. Und McDonald's sprach zum Menschen: 'Willst Du auch Pommes dazu?'"
Das hätte sich Rev. John Wright nicht träumen lassen, daß seine Satire im Pfarrblättchen so gut trifft, daß er sogar in der BBC (fast) alle ernsthaften Absichten dementieren müsste: "The nearest thing to a message in this article is related to how hard it is to resist things." (via Fr. Bryce Sibley und A Saintly Salmagundi)
11. August 2003
R. S. Thomas: The Gap
God woke, but the nightmare
did not recede. Word by word
the tower of speech grew.
He looked at it from the air
he reclined on. One word more and
it would be on a level
with him; vocabulary
would have triumphed. He
measured the thin gap
with his mind. No, no, no,
wider than that! But the nearness
persisted. How to live with
the fact, that was the feat
now. How to take his rest
on the edge of a chasm a
word could bridge.
He leaned
over and looked in the dictionary
they used. There was the blank still
by his name of the same
order as the territory
between them, the verbal hunger
for the thing in itself. And the darkness
that is a god's blood swelled
in him, and he let it
to make the sign in the space
on the page, that is in all languages
and none; that is the grammarian's
torment and the mystery
at the cell's core, and the equation
that will not come out, and is
the narrowness that we stare
over into the eternal
silence that is the repose of God.
Die Lücke
Gott erwachte, aber der Alp
wich nicht zurück. Wort für Wort
wuchs der Turm der Rede.
Er sah ihn an aus der Luft,
auf der er ruhte. Ein Wort mehr und
er wäre auf einer Höhe
mit ihm; Wortschatz
hätte triumphiert. Er
maß die schmale Lücke
mit seinem Geist. Nein, nein, nein,
weiter als jetzt! Aber die Nähe
hielt stand. Wie leben mit der
Tatsache, die jetzt die Leistung
war. Wie Ruhe finden
am Rand eines Abgrunds, den ein
Wort überbrücken konnte.
Er lehnte sich
hinaus und sah ins Wörterbuch,
das sie gebrauchten. Da war noch die leere Stelle
neben seinem Namen, von gleichem
Rang wie der Raum
zwischen ihnen, der Hunger des Worts
nach dem Ding an sich. Und die Dunkelheit,
das Blut eines Gottes, schwoll an
in ihm, und er ließ sie los,
zu machen das Zeichen im Raum
auf der Seite, das in jeder und keiner
Sprache ist; den Grammatikern eine
Qual und das Geheimnis
im Kern der Zelle, und die Gleichung,
die nicht aufgeht; das die
die Enge ist, über die
wir starren ins ewige
Schweigen, das Gottes Ruhe ist.
God woke, but the nightmare
did not recede. Word by word
the tower of speech grew.
He looked at it from the air
he reclined on. One word more and
it would be on a level
with him; vocabulary
would have triumphed. He
measured the thin gap
with his mind. No, no, no,
wider than that! But the nearness
persisted. How to live with
the fact, that was the feat
now. How to take his rest
on the edge of a chasm a
word could bridge.
He leaned
over and looked in the dictionary
they used. There was the blank still
by his name of the same
order as the territory
between them, the verbal hunger
for the thing in itself. And the darkness
that is a god's blood swelled
in him, and he let it
to make the sign in the space
on the page, that is in all languages
and none; that is the grammarian's
torment and the mystery
at the cell's core, and the equation
that will not come out, and is
the narrowness that we stare
over into the eternal
silence that is the repose of God.
Die Lücke
Gott erwachte, aber der Alp
wich nicht zurück. Wort für Wort
wuchs der Turm der Rede.
Er sah ihn an aus der Luft,
auf der er ruhte. Ein Wort mehr und
er wäre auf einer Höhe
mit ihm; Wortschatz
hätte triumphiert. Er
maß die schmale Lücke
mit seinem Geist. Nein, nein, nein,
weiter als jetzt! Aber die Nähe
hielt stand. Wie leben mit der
Tatsache, die jetzt die Leistung
war. Wie Ruhe finden
am Rand eines Abgrunds, den ein
Wort überbrücken konnte.
Er lehnte sich
hinaus und sah ins Wörterbuch,
das sie gebrauchten. Da war noch die leere Stelle
neben seinem Namen, von gleichem
Rang wie der Raum
zwischen ihnen, der Hunger des Worts
nach dem Ding an sich. Und die Dunkelheit,
das Blut eines Gottes, schwoll an
in ihm, und er ließ sie los,
zu machen das Zeichen im Raum
auf der Seite, das in jeder und keiner
Sprache ist; den Grammatikern eine
Qual und das Geheimnis
im Kern der Zelle, und die Gleichung,
die nicht aufgeht; das die
die Enge ist, über die
wir starren ins ewige
Schweigen, das Gottes Ruhe ist.
Humaner Umgang mit der Hitze
Ich bin ja einer der (anscheinend) wenigen Menschen, der seine Tage in einem wohlklimatisierten Büro verbringen darf. Meist schweige ich darüber, um Neid zu vermeiden. Doch die Zehn Gebote zum Umgang mit der Hitze, die die Frankfurter Rundschau weitergibt, finde ich doch sinnvoll - Trinkempfehlungen sind nicht alles:
"Zehn Gebote zum Umgang mit der Hitze hat der süditalienische Provinzobere des Passionisten-Ordens, Pater Antonio Rungi, zusammengestellt. Sie sind laut einem Bericht der Zeitung Il Tempo vor allem auf die mentale Bewältigung des Problems gerichtet. Erster Rat: 'Reg dich nicht mehr auf als sonst und lass dich nicht nervös machen. Denn angespannte Nerven verstärken die Hitze.' Es folgt eine Empfehlung für tropisch heiße Nächte: 'Wenn du nicht schlafen kannst, lies ein gutes Buch und bete in der Stille der Nacht.'
Das neunte Gebot: 'Begib dich in Kirchen, Konvente, Klöster und Gotteshäuser, die dafür geeignet sind, die Unannehmlichkeiten der Hitze auf ein Minimum zu verringern.' Für jene, die trotz aller guten Ratschläge die Hitze nicht ertragen können, empfiehlt der Pater: 'Bete zu Gott, dass er die Hitze zurückgehen lässt.'"
Ich bin ja einer der (anscheinend) wenigen Menschen, der seine Tage in einem wohlklimatisierten Büro verbringen darf. Meist schweige ich darüber, um Neid zu vermeiden. Doch die Zehn Gebote zum Umgang mit der Hitze, die die Frankfurter Rundschau weitergibt, finde ich doch sinnvoll - Trinkempfehlungen sind nicht alles:
"Zehn Gebote zum Umgang mit der Hitze hat der süditalienische Provinzobere des Passionisten-Ordens, Pater Antonio Rungi, zusammengestellt. Sie sind laut einem Bericht der Zeitung Il Tempo vor allem auf die mentale Bewältigung des Problems gerichtet. Erster Rat: 'Reg dich nicht mehr auf als sonst und lass dich nicht nervös machen. Denn angespannte Nerven verstärken die Hitze.' Es folgt eine Empfehlung für tropisch heiße Nächte: 'Wenn du nicht schlafen kannst, lies ein gutes Buch und bete in der Stille der Nacht.'
Das neunte Gebot: 'Begib dich in Kirchen, Konvente, Klöster und Gotteshäuser, die dafür geeignet sind, die Unannehmlichkeiten der Hitze auf ein Minimum zu verringern.' Für jene, die trotz aller guten Ratschläge die Hitze nicht ertragen können, empfiehlt der Pater: 'Bete zu Gott, dass er die Hitze zurückgehen lässt.'"
Mel Gibsons Version der Theodramatik
Auf den Punkt bringt Mel Gibson das Geschehen, durch das sich ein für alle Mal das Schicksal der Erde und der Menschheit entschieden hat:
"Gott wird Mensch, und Menschen töten Gott - wenn das keine Action ist, dann gar nichts." (via Spiegel Online.
Auf den Punkt bringt Mel Gibson das Geschehen, durch das sich ein für alle Mal das Schicksal der Erde und der Menschheit entschieden hat:
"Gott wird Mensch, und Menschen töten Gott - wenn das keine Action ist, dann gar nichts." (via Spiegel Online.
10. August 2003
Schweinfurter Glaubenslehrer
So ganz ohne Maria wird die Ansprache am 15. Augst in Schweinfurt, St. Michael (können wir das St. nicht weglassen, lieber Mikey??) auskommen. Dafür werden die Gottesdienstteilnehmer über mütterliche Prinzipien, das rechte Verständnis der Apokalypse und einen lebensgerechten Glauben belehrt werden:
"Wir haben heute zwei Texte gehört, die von einer neuen Zeit reden. Der erste erwähnt eine schwangere Frau, vom „Glanz der Sonne bekleidet, eine Krone mit 12 Sternen auf dem Haupt und auf einem Mond stehend“. Römische Glaubenslehrer sehen darin die 'Himmelfahrt' Mariens, der Mutter Jesus [sic] von Nazaret, biblisch belegt. Andere Theologen deuten die Frau als die christliche Kirche. Sie gebiert unter Qualen ein Kind, das wie ihre anderen Kinder, von dem roten Drachen, den politischen Gewalten, bedroht wird. Wie auch immer, Eines ist sicher: Das Bild der Himmelskönigin zeigt nur eine Szene in einem breiten mythologischen Text vom Untergang der Welt, an dessen Ende der Erzengel Michael den siebenköpfigen Drachen besiegt. Für den Schreiber gibt es nur eine gerechte Welt, wenn die alte und mit ihr das Unheil versunken ist. Für ihn ist die Welt schlecht, aber Gott wird sie am Ende ihrer Tage richten.
Nun mag an diese Vision glauben, wer mag. Mit christlichem Glauben, mit Vertrauen in Gott und darauf bauendem Leben, hat das wenig zu tun. Lebensorientierte Fragen lauten: Kann ich Gott trauen? Ist er gerecht? Bevorzugt er die Seinen? Ist er helfend? Ist er strafend? Ist er unveränderlich? Ist er tot? Ist er nur Einbildung? Wie kann ich ihn, wie können wir ihn erfahren? Was folgt daraus für mich, bzw. für jeden von uns? (...)
Das Mütterliche ist bei Gott, - ist in Gott - und das zu allen Zeiten. Gerade der evangelischen Theologie fehlt meist das Mütterliche, das Katholiken gefühlsmäßig über Maria vertraut ist. Also doch Maria, wenn vielleicht auch ohne Himmelfahrt?
Wir wissen über die Kindheit und Jugend von Jesus fast nichts. Aber wenn ein so relativ junger Mensch wie Jesu[sic] iebevoll und konsequent redet und handelt, kann sein Elternhaus nicht schlecht gewesen sein – und Maria eine gute Mutter. Das lehrt uns unsere Erfahrung. Aber brauchen wir Maria als Mittlerin?"
Man tritt dem Autor, Erich Ruppert, wohl nicht zu nahe, wenn man den letzten Satz für eine rhetorische Frage hält. Schweinfurter Glaubenslehrer werden den Teufel tun und sich mit ihren "römischen" Kollegen ins gleiche Boot setzen.
Daß durch solche Theorie und Praxis "das Mütterliche" Katholiken "gefühlsmäßig" eben nicht mehr "über Maria vertraut" gemacht wird - nun, das ist eine andere Sache.
(Scipio hofft, daß die wissenschaftliche Arbeit von Erich Ruppert als Soziologieprofessor fundierter ist als die vergleichsweise billige Aneinanderreihung liberalkatholischer Stereotype. Aber vielleicht sind das Rupperts "reduktionistische Theorien", die am kommenden Freitag einmal in Gegenrichtung zum sonstigen Vorgehen "hochkomplexe, räumlich-zeitliche Simulationsmodelle" zu "einfachen Hypothesen" "synthetisieren".)
So ganz ohne Maria wird die Ansprache am 15. Augst in Schweinfurt, St. Michael (können wir das St. nicht weglassen, lieber Mikey??) auskommen. Dafür werden die Gottesdienstteilnehmer über mütterliche Prinzipien, das rechte Verständnis der Apokalypse und einen lebensgerechten Glauben belehrt werden:
"Wir haben heute zwei Texte gehört, die von einer neuen Zeit reden. Der erste erwähnt eine schwangere Frau, vom „Glanz der Sonne bekleidet, eine Krone mit 12 Sternen auf dem Haupt und auf einem Mond stehend“. Römische Glaubenslehrer sehen darin die 'Himmelfahrt' Mariens, der Mutter Jesus [sic] von Nazaret, biblisch belegt. Andere Theologen deuten die Frau als die christliche Kirche. Sie gebiert unter Qualen ein Kind, das wie ihre anderen Kinder, von dem roten Drachen, den politischen Gewalten, bedroht wird. Wie auch immer, Eines ist sicher: Das Bild der Himmelskönigin zeigt nur eine Szene in einem breiten mythologischen Text vom Untergang der Welt, an dessen Ende der Erzengel Michael den siebenköpfigen Drachen besiegt. Für den Schreiber gibt es nur eine gerechte Welt, wenn die alte und mit ihr das Unheil versunken ist. Für ihn ist die Welt schlecht, aber Gott wird sie am Ende ihrer Tage richten.
Nun mag an diese Vision glauben, wer mag. Mit christlichem Glauben, mit Vertrauen in Gott und darauf bauendem Leben, hat das wenig zu tun. Lebensorientierte Fragen lauten: Kann ich Gott trauen? Ist er gerecht? Bevorzugt er die Seinen? Ist er helfend? Ist er strafend? Ist er unveränderlich? Ist er tot? Ist er nur Einbildung? Wie kann ich ihn, wie können wir ihn erfahren? Was folgt daraus für mich, bzw. für jeden von uns? (...)
Das Mütterliche ist bei Gott, - ist in Gott - und das zu allen Zeiten. Gerade der evangelischen Theologie fehlt meist das Mütterliche, das Katholiken gefühlsmäßig über Maria vertraut ist. Also doch Maria, wenn vielleicht auch ohne Himmelfahrt?
Wir wissen über die Kindheit und Jugend von Jesus fast nichts. Aber wenn ein so relativ junger Mensch wie Jesu[sic] iebevoll und konsequent redet und handelt, kann sein Elternhaus nicht schlecht gewesen sein – und Maria eine gute Mutter. Das lehrt uns unsere Erfahrung. Aber brauchen wir Maria als Mittlerin?"
Man tritt dem Autor, Erich Ruppert, wohl nicht zu nahe, wenn man den letzten Satz für eine rhetorische Frage hält. Schweinfurter Glaubenslehrer werden den Teufel tun und sich mit ihren "römischen" Kollegen ins gleiche Boot setzen.
Daß durch solche Theorie und Praxis "das Mütterliche" Katholiken "gefühlsmäßig" eben nicht mehr "über Maria vertraut" gemacht wird - nun, das ist eine andere Sache.
(Scipio hofft, daß die wissenschaftliche Arbeit von Erich Ruppert als Soziologieprofessor fundierter ist als die vergleichsweise billige Aneinanderreihung liberalkatholischer Stereotype. Aber vielleicht sind das Rupperts "reduktionistische Theorien", die am kommenden Freitag einmal in Gegenrichtung zum sonstigen Vorgehen "hochkomplexe, räumlich-zeitliche Simulationsmodelle" zu "einfachen Hypothesen" "synthetisieren".)
9. August 2003
Thomas Metzinger als Selbstmodell
Wieder ein Geisteswissenschaftler - diesmal ein Philosoph -, der das "Ich" als "Illusion" enttarnt, als "nützliches Selbstmodell, das als Folge der Informationsverarbeitung im Gehirn" entstehe.
Die Süddeutsche hat Thomas Metzinger interviewt und ihm folgendes Geständnis entlockt:
"SZ: Haben Sie Ihre Theorie in Ihr eigenes Selbstmodell eingebaut?
Metzinger: Die philosophisch hochinteressante Frage ist, ob ich das überhaupt versuchen sollte. Die Theorie könnte ja auch falsch sein. Außerdem: Die Architektur, die dem Selbstmodell zu Grunde liegt, ist relativ robust, man kann sie nicht einfach nach Gusto verändern. Wahrscheinlich hat das gute evolutionäre Gründe, immerhin ist das Selbstmodell auch für eine Vielzahl von Stoffwechselfunktionen und für das Immunsystem von zentraler Bedeutung."
Was er meint, ist natürlich, ob sein Selbstmodell das versuchen sollte. Daß die Theorie auch falsch sein könnte, verhindert nicht, daß er (bzw. sein Selbstmodell) damit gutes Geld verdient und seine physische Fortdauer damit sichert.
Philosophie nach Metzingers derzeitigem Erkenntnisstand oder besser: Selbstmodellversion besteht darin, daß früher als Iche bezeichnete Selbstmodelle anderen Selbstmodellen erklären, wie sie funktionieren, das aber nicht zu laut sagen und aus Angst vor Dysfunktionalitäten ihr Wissen um sich selbst nicht verinnerlichen. Theorie ohne Praxis sozusagen.
Wieder ein Geisteswissenschaftler - diesmal ein Philosoph -, der das "Ich" als "Illusion" enttarnt, als "nützliches Selbstmodell, das als Folge der Informationsverarbeitung im Gehirn" entstehe.
Die Süddeutsche hat Thomas Metzinger interviewt und ihm folgendes Geständnis entlockt:
"SZ: Haben Sie Ihre Theorie in Ihr eigenes Selbstmodell eingebaut?
Metzinger: Die philosophisch hochinteressante Frage ist, ob ich das überhaupt versuchen sollte. Die Theorie könnte ja auch falsch sein. Außerdem: Die Architektur, die dem Selbstmodell zu Grunde liegt, ist relativ robust, man kann sie nicht einfach nach Gusto verändern. Wahrscheinlich hat das gute evolutionäre Gründe, immerhin ist das Selbstmodell auch für eine Vielzahl von Stoffwechselfunktionen und für das Immunsystem von zentraler Bedeutung."
Was er meint, ist natürlich, ob sein Selbstmodell das versuchen sollte. Daß die Theorie auch falsch sein könnte, verhindert nicht, daß er (bzw. sein Selbstmodell) damit gutes Geld verdient und seine physische Fortdauer damit sichert.
Philosophie nach Metzingers derzeitigem Erkenntnisstand oder besser: Selbstmodellversion besteht darin, daß früher als Iche bezeichnete Selbstmodelle anderen Selbstmodellen erklären, wie sie funktionieren, das aber nicht zu laut sagen und aus Angst vor Dysfunktionalitäten ihr Wissen um sich selbst nicht verinnerlichen. Theorie ohne Praxis sozusagen.
8. August 2003
Was da Chesterton wohl gesagt hätte?
Steven Levitt "is a prolific and diverse writer. But his paper linking a rise in abortion to a drop in crime has made more noise than the rest combined. Levitt and his co-author, John Donohue of Stanford Law School, argued that as much as 50 percent of the huge drop in crime since the early 1990's can be traced to Roe vs. Wade [Mit der Entscheidung im Fall Roe vs. Wade sprach der US Supreme Court 1973 einer Frau das Recht auf Abtreibung während der ganzen Schwangerschaft zu; Scipio]. Their thinking goes like this: the women most likely to seek an abortion -- poor, single, black or teenage mothers -- were the very women whose children, if born, have been shown most likely to become criminals. But since those children weren't born, crime began to decrease during the years they would have entered their criminal prime. In conversation, Levitt reduces the theory to a tidy syllogism: 'Unwantedness leads to high crime; abortion leads to less unwantedness; abortion leads to less crime.'" (NY Times am 3. August 2003; den Artikel von JJ Donohue und SD Levitt: The Impact of Legalized Abortion on Crime.- Quart J Econ 2001; 116(2): 379-420 gibt es zum kostenlosen Volltext-Download bei der MIT Press.)
Abtreibung als faktisch prophylaktische Ausmerzung zukünftiger Knackis. Angewandte Sozialhygiene. Denn wäre ein Leben erst als ungewolltes Kind und dann als Verbrecher und Gefängnisinsasse wirklich lebenswert?
Aber bei uns in Deutschland ist das nicht so. Nein.
Steven Levitt "is a prolific and diverse writer. But his paper linking a rise in abortion to a drop in crime has made more noise than the rest combined. Levitt and his co-author, John Donohue of Stanford Law School, argued that as much as 50 percent of the huge drop in crime since the early 1990's can be traced to Roe vs. Wade [Mit der Entscheidung im Fall Roe vs. Wade sprach der US Supreme Court 1973 einer Frau das Recht auf Abtreibung während der ganzen Schwangerschaft zu; Scipio]. Their thinking goes like this: the women most likely to seek an abortion -- poor, single, black or teenage mothers -- were the very women whose children, if born, have been shown most likely to become criminals. But since those children weren't born, crime began to decrease during the years they would have entered their criminal prime. In conversation, Levitt reduces the theory to a tidy syllogism: 'Unwantedness leads to high crime; abortion leads to less unwantedness; abortion leads to less crime.'" (NY Times am 3. August 2003; den Artikel von JJ Donohue und SD Levitt: The Impact of Legalized Abortion on Crime.- Quart J Econ 2001; 116(2): 379-420 gibt es zum kostenlosen Volltext-Download bei der MIT Press.)
Abtreibung als faktisch prophylaktische Ausmerzung zukünftiger Knackis. Angewandte Sozialhygiene. Denn wäre ein Leben erst als ungewolltes Kind und dann als Verbrecher und Gefängnisinsasse wirklich lebenswert?
Aber bei uns in Deutschland ist das nicht so. Nein.
"Teilweise regressiver Rudel-Charakter"
Wenn die NZZ schon über die Flash Mobs schreibt, dann ist dieses Phänomen endgültig Teil der bürgerlich-nachbürgerlichen Spaßkultur und nicht zu weit von Daniel K. anzusiedeln.
Daß dem "cleveren Rudel" laut Howard Rheingold die Zukunft gehören soll, finde ich nach meinen Erfahrungen mit diversen Rudeln eher beunruhigend. Das Niveau eines Rudels ist in der Regel geringer als das Durchschnittsniveau der "Einzeltiere". Und Cleverness ist von Klugheit so verschieden wie die Fata Morgana von der Oase.
Wenn die NZZ schon über die Flash Mobs schreibt, dann ist dieses Phänomen endgültig Teil der bürgerlich-nachbürgerlichen Spaßkultur und nicht zu weit von Daniel K. anzusiedeln.
Daß dem "cleveren Rudel" laut Howard Rheingold die Zukunft gehören soll, finde ich nach meinen Erfahrungen mit diversen Rudeln eher beunruhigend. Das Niveau eines Rudels ist in der Regel geringer als das Durchschnittsniveau der "Einzeltiere". Und Cleverness ist von Klugheit so verschieden wie die Fata Morgana von der Oase.
Jauchwissen
Da wusste ich doch 25 Jahre nach meiner einzigen Lektüre der Buddenbrooks immerhin noch, wie der Bruder von Thomas B. heißt. (ZEIT Bildungshappen - 8.8.03)
Da wusste ich doch 25 Jahre nach meiner einzigen Lektüre der Buddenbrooks immerhin noch, wie der Bruder von Thomas B. heißt. (ZEIT Bildungshappen - 8.8.03)
7. August 2003
Nouwen, täglich
Passend war der Tagestext von Henri Nouwen: Den Frieden im Herzen bewahren. (Schnell anklicken - morgen gibt es einen neuen!)
Auf deutsch gibt es die Tagestexte in einer sehr schönen Ausgabe bei Herder: Leben hier und jetzt.
Passend war der Tagestext von Henri Nouwen: Den Frieden im Herzen bewahren. (Schnell anklicken - morgen gibt es einen neuen!)
Auf deutsch gibt es die Tagestexte in einer sehr schönen Ausgabe bei Herder: Leben hier und jetzt.
Between a rock and a hard place: Anglikanische Optionen
Folgendes schreibt mir ein Freund aus den USA - als inzwischen pensionierter Episcopalian Priest dürfte er seine Kirche kennen:
"The views of Anglicans from other non-North American Provinces is below...
The Archbishop of Canterbury will, of course, do nothing re exhorting the Americans to stop their unilateralism, for he is among the English faction that supports such actions. Funny, isn't it - the Episcopal church condemns the US government for going it alone in foreign policy and war, but doesn't hesitate to take the road to heresy and sin and blow off the international Anglican communion. Ah well, as Jesus said, 'You swallow camels and choke on gnats...or...'take the beam out of your own eye before you take the sliver out of someone else's....
I should also point out that $$$$ will play a part in the pressure the Americans will put on the international communion...eg, as the richest province the others, including Canterbury and almost all international agencies of the communion depend on American bucks and the Americans will not hesitate to withhold the $$$$ from those who disagree with them. This puts Lambeth and the Africans and others between a rock and a hard place..."
Der Bericht, auf den er verweist, stammt von AP und findet sich bei der NY Times.
Folgendes schreibt mir ein Freund aus den USA - als inzwischen pensionierter Episcopalian Priest dürfte er seine Kirche kennen:
"The views of Anglicans from other non-North American Provinces is below...
The Archbishop of Canterbury will, of course, do nothing re exhorting the Americans to stop their unilateralism, for he is among the English faction that supports such actions. Funny, isn't it - the Episcopal church condemns the US government for going it alone in foreign policy and war, but doesn't hesitate to take the road to heresy and sin and blow off the international Anglican communion. Ah well, as Jesus said, 'You swallow camels and choke on gnats...or...'take the beam out of your own eye before you take the sliver out of someone else's....
I should also point out that $$$$ will play a part in the pressure the Americans will put on the international communion...eg, as the richest province the others, including Canterbury and almost all international agencies of the communion depend on American bucks and the Americans will not hesitate to withhold the $$$$ from those who disagree with them. This puts Lambeth and the Africans and others between a rock and a hard place..."
Der Bericht, auf den er verweist, stammt von AP und findet sich bei der NY Times.
6. August 2003
Wo ist der katholische Nabel?
Weil Elisabeth auf meinen Kommentar hin nachfragt, was ich mit Süden und Osten in Bezug auf das Christentum meine, linke ich mal wieder auf den Artikel The Next Christianity von Philip Jenkins im Atlantic Monthly vom Oktober 2002. Hier geht es nämlich schlicht und einfach um einen - ääääh - Paradigmenwechsel. Oder anders: darum, daß der katholische Nabel nicht in Deutschland sitzt.
"The changes that Catholic and other reformers today are trying to inspire in North America and Europe (and that seem essential if Christianity is to be preserved as a modern, relevant force on those continents) run utterly contrary to the dominant cultural movements in the rest of the Christian world, which look very much like the Counter-Reformation. But this century is unlike the sixteenth in that we are not facing a roughly equal division of Christendom between two competing groups. Rather, Christians are facing a shrinking population in the liberal West and a growing majority of the traditional Rest. During the past half century the critical centers of the Christian world have moved decisively to Africa, to Latin America, and to Asia. The balance will never shift back. (...)
It may be true that from the liberal Northern perspective, pressure for a Reformation-style solution to critical problems in the Church—the crisis in clerical celibacy, the shortage of priests, the sense that the laity's concerns are ignored—seems overwhelming. Poll after poll in the United States and Europe indicates significant distrust of clerical authority and support for greater lay participation and women's equality. The obvious question in the parishes of the developed world seems to be how long the aloof hierarchy can stave off the forces of history. (...)
From Rome, however, the picture looks different, as do the "natural" directions that history is going to take. The Roman church operates on a global scale and has done so for centuries. Long before the French and British governments had become aware of global politics—and well before their empires came into being—papal diplomats were thinking through their approaches to China, their policies in Peru, their views on African affairs, their stances on the issues facing Japan and Mexico. To adapt a popular activist slogan, the Catholic Church not only thinks globally, it acts globally. That approach is going to have weighty consequences. On present evidence, a Southern-dominated Catholic Church is likely to react traditionally to the issues that most concern American and European reformers: matters of theology and devotion, sexual ethics and gender roles, and, most fundamentally, issues of authority within the Church."
Weil Elisabeth auf meinen Kommentar hin nachfragt, was ich mit Süden und Osten in Bezug auf das Christentum meine, linke ich mal wieder auf den Artikel The Next Christianity von Philip Jenkins im Atlantic Monthly vom Oktober 2002. Hier geht es nämlich schlicht und einfach um einen - ääääh - Paradigmenwechsel. Oder anders: darum, daß der katholische Nabel nicht in Deutschland sitzt.
"The changes that Catholic and other reformers today are trying to inspire in North America and Europe (and that seem essential if Christianity is to be preserved as a modern, relevant force on those continents) run utterly contrary to the dominant cultural movements in the rest of the Christian world, which look very much like the Counter-Reformation. But this century is unlike the sixteenth in that we are not facing a roughly equal division of Christendom between two competing groups. Rather, Christians are facing a shrinking population in the liberal West and a growing majority of the traditional Rest. During the past half century the critical centers of the Christian world have moved decisively to Africa, to Latin America, and to Asia. The balance will never shift back. (...)
It may be true that from the liberal Northern perspective, pressure for a Reformation-style solution to critical problems in the Church—the crisis in clerical celibacy, the shortage of priests, the sense that the laity's concerns are ignored—seems overwhelming. Poll after poll in the United States and Europe indicates significant distrust of clerical authority and support for greater lay participation and women's equality. The obvious question in the parishes of the developed world seems to be how long the aloof hierarchy can stave off the forces of history. (...)
From Rome, however, the picture looks different, as do the "natural" directions that history is going to take. The Roman church operates on a global scale and has done so for centuries. Long before the French and British governments had become aware of global politics—and well before their empires came into being—papal diplomats were thinking through their approaches to China, their policies in Peru, their views on African affairs, their stances on the issues facing Japan and Mexico. To adapt a popular activist slogan, the Catholic Church not only thinks globally, it acts globally. That approach is going to have weighty consequences. On present evidence, a Southern-dominated Catholic Church is likely to react traditionally to the issues that most concern American and European reformers: matters of theology and devotion, sexual ethics and gender roles, and, most fundamentally, issues of authority within the Church."
Bücher- und Körperkiste
Ist das ein Bücherregal, das "danach" als Sarg verwendet werden kann - oder ein Sarg, der schon vorab nützlich ist? (via netbib weblog)
Jetzt fehlt noch die Urne für die Zweitbuchbesitzer.
Ist das ein Bücherregal, das "danach" als Sarg verwendet werden kann - oder ein Sarg, der schon vorab nützlich ist? (via netbib weblog)
Jetzt fehlt noch die Urne für die Zweitbuchbesitzer.
Augustwetter a la Robert Musil
"Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913." (aus: Der Mann ohne Eigenschaften, ganz vorne)
"Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913." (aus: Der Mann ohne Eigenschaften, ganz vorne)
Lageberichte zu Mel Gibsons Passion
Heinrich Wefing: Wozu dienet dieser Unrat?, FAZ vom 6. August
Lorenz Jäger: Passionen, FAZ vom 4. August
Heinrich Wefing: Wozu dienet dieser Unrat?, FAZ vom 6. August
Lorenz Jäger: Passionen, FAZ vom 4. August
Schrein der Heiligen Schläge
In der katholischen Weblog-Szene hat sich blitzschnell der Shrine of the Holy Whapping einen herausragenden Namen gemacht, den einige Studenten der Universität of Notre Dame in Notre Dame, IN pflegen.
Obskurste Dinge werden uns da präsentiert; Paradebeispiel ist ein Posting über obskurste und wohl meist ausgestorbene katholische Gemeinschaften wie die Agonizanten, die Träger des Sterns, die Brüder vom Sack, die Regularkanoniker der Priorei der Zwei Liebenden, die Bedlam-Bettler, die Ritter vom Grünen Schild und die Blinden Schwestern vom Hl. Paulus ("some of whom can see, and still exist today").
Nicht schlecht auch die Legende vom Hl. Flutius von Bologna, von dem sich der Weblog-Name herleitet. (Oder ist es umgekehrt?)
Ernsthaftes gibt es auch, und nicht zu wenig.
Katholische Vielfalt at its best.
In der katholischen Weblog-Szene hat sich blitzschnell der Shrine of the Holy Whapping einen herausragenden Namen gemacht, den einige Studenten der Universität of Notre Dame in Notre Dame, IN pflegen.
Obskurste Dinge werden uns da präsentiert; Paradebeispiel ist ein Posting über obskurste und wohl meist ausgestorbene katholische Gemeinschaften wie die Agonizanten, die Träger des Sterns, die Brüder vom Sack, die Regularkanoniker der Priorei der Zwei Liebenden, die Bedlam-Bettler, die Ritter vom Grünen Schild und die Blinden Schwestern vom Hl. Paulus ("some of whom can see, and still exist today").
Nicht schlecht auch die Legende vom Hl. Flutius von Bologna, von dem sich der Weblog-Name herleitet. (Oder ist es umgekehrt?)
Ernsthaftes gibt es auch, und nicht zu wenig.
Katholische Vielfalt at its best.
5. August 2003
Die ultimative Religion
Suchen wir nicht alle eine Religion, die unsere Anlagen zur vollen Entfaltung bringt, die in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen der Wissenschaft den persönlichen und gesellschaftlichen Fortschritt befördert, die den göttlichen Funken in allen lebenden Kreaturen erkennt und hegt, die die traditionellen Religionen ehrt und achtet - und doch gleichzeitig auf eine festes und vor allem gemeinsames Fundament stellt?
Es gibt sie. Es ist die Church of Spiritual Humanism. Und das schönste ist, daß sich dort jeder und jede jetzt und hier zum Priester weihen lassen kann.
Wie gewohnt, ist die Ordination lebenslang gültig. Das einzige Weihehindernis ist das Fehlen einer gültigen E-Mail-Adresse.
Cool.
Suchen wir nicht alle eine Religion, die unsere Anlagen zur vollen Entfaltung bringt, die in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen der Wissenschaft den persönlichen und gesellschaftlichen Fortschritt befördert, die den göttlichen Funken in allen lebenden Kreaturen erkennt und hegt, die die traditionellen Religionen ehrt und achtet - und doch gleichzeitig auf eine festes und vor allem gemeinsames Fundament stellt?
Es gibt sie. Es ist die Church of Spiritual Humanism. Und das schönste ist, daß sich dort jeder und jede jetzt und hier zum Priester weihen lassen kann.
Wie gewohnt, ist die Ordination lebenslang gültig. Das einzige Weihehindernis ist das Fehlen einer gültigen E-Mail-Adresse.
Cool.
Vatikanisches Sommerloch
L'Espresso und kath.net spekulieren über einen bevorstehenden Rücktritt der Kardinäle Sodano und Ratzinger und bringen Angelo Amato, den jetzigen Sekretär der Glaubenskongregation als Ratzinger-Nachfolger ins Gespräch.
Amato ist seit Januar im Amt und zum Bischof geweiht - und dürfte damit doch ein bißchen zu "jung" für diese Aufgabe sein. Er gilt übrigens als Ko-Autor von Dominus Iesus, was ihn umgekehrt wieder passend werden lässt: für die, die vatikanische Prügelknaben brauchen...
L'Espresso und kath.net spekulieren über einen bevorstehenden Rücktritt der Kardinäle Sodano und Ratzinger und bringen Angelo Amato, den jetzigen Sekretär der Glaubenskongregation als Ratzinger-Nachfolger ins Gespräch.
Amato ist seit Januar im Amt und zum Bischof geweiht - und dürfte damit doch ein bißchen zu "jung" für diese Aufgabe sein. Er gilt übrigens als Ko-Autor von Dominus Iesus, was ihn umgekehrt wieder passend werden lässt: für die, die vatikanische Prügelknaben brauchen...
Flashy statt smart
Statt Smart Mobs beglücken uns im Jahrtausendsommer 2003 weniger smarte Flash Mobs. Die Leute haben Langeweile, scheint's.
Der nächste Winter kommt bestimmt.
Statt Smart Mobs beglücken uns im Jahrtausendsommer 2003 weniger smarte Flash Mobs. Die Leute haben Langeweile, scheint's.
Der nächste Winter kommt bestimmt.
4. August 2003
Wodehouse, reincarnated
Pelham Grenville Wodehouse´scheint der Hauptinspirator von Hinglish zu sein, eines Englisch, wie es in Indien gesprochen und vor allem wohl: geschrieben wird, ein Englisch, "a trifle too bizarre, sir, in my opinion” (Jeeves).
Pelham Grenville Wodehouse´scheint der Hauptinspirator von Hinglish zu sein, eines Englisch, wie es in Indien gesprochen und vor allem wohl: geschrieben wird, ein Englisch, "a trifle too bizarre, sir, in my opinion” (Jeeves).
Der Homer aus Illinois
"Kaum wohl möchte dir helfen der Stab, und der Lorbeer des Gottes!" schleudert Agamemnon dem Apollo-Priester Chryses gleich am Anfang der Ilias (1, 28) entgegen. Nachschlagen auf Griechisch, Englisch und Deutsch läßt es sich bei Chicago Homer, unterfüttert mit schönen Grammatik- und Analysefunktionen.
Skeptron, der Stab, kommt immerhin 27mal in der Ilias und 9mal in der Odyssee vor, in Hesiods Werken und Tagen dagegen nur einmal. Homer ist mir sympathischer. :-) (via BibLog)
"Kaum wohl möchte dir helfen der Stab, und der Lorbeer des Gottes!" schleudert Agamemnon dem Apollo-Priester Chryses gleich am Anfang der Ilias (1, 28) entgegen. Nachschlagen auf Griechisch, Englisch und Deutsch läßt es sich bei Chicago Homer, unterfüttert mit schönen Grammatik- und Analysefunktionen.
Skeptron, der Stab, kommt immerhin 27mal in der Ilias und 9mal in der Odyssee vor, in Hesiods Werken und Tagen dagegen nur einmal. Homer ist mir sympathischer. :-) (via BibLog)
Der größte Dogmatiker
"P. Wilhelm Klein SJ, der ehemalige Spiritual im Collegium Germanicum zu Rom, fragte einmal, wer der größte Dogmatiker sei. Die Antwort musste lauten: 'Der Teufel!', so wenigstens die Sentenz der theologischen Tradition seit Augustinus. Luzifer ist nach Gott am meisten mit Vernunft begabt und vermag auf einzigartige Weise die Wirklichkeit Gottes zu erfassen, zu studieren und zu erklären. Eines aber kann der Teufel nicht, nämlich all das, was er denkt, mit dem Leben des Glaubens zu erfüllen; er kann nicht beten und anbeten."
Über das Verhältnis von Theologie und Glaube, von Wissen und Gebet denkt P. Michael Schneider SJ anläßlich der abgeschlossenen Guardini-Werkausgabe nach.
"P. Wilhelm Klein SJ, der ehemalige Spiritual im Collegium Germanicum zu Rom, fragte einmal, wer der größte Dogmatiker sei. Die Antwort musste lauten: 'Der Teufel!', so wenigstens die Sentenz der theologischen Tradition seit Augustinus. Luzifer ist nach Gott am meisten mit Vernunft begabt und vermag auf einzigartige Weise die Wirklichkeit Gottes zu erfassen, zu studieren und zu erklären. Eines aber kann der Teufel nicht, nämlich all das, was er denkt, mit dem Leben des Glaubens zu erfüllen; er kann nicht beten und anbeten."
Über das Verhältnis von Theologie und Glaube, von Wissen und Gebet denkt P. Michael Schneider SJ anläßlich der abgeschlossenen Guardini-Werkausgabe nach.
Weblogs: unkontrolliert, autonom, anarchisch
Weblogs fördern die Medienkompetenz, verwirklichen die Utopie des many(single ones)-to-many-Publizierens, machen durch Kommentare auch Leser zu Sendern, greifen andere Strömungen auf als der Medien-Mainstream, beschränken sich auf Inhalte - das alles und mehr schreibt ein de:bug-Artikel den Weblogs zu.
"Weblogs sind ein Ausdrucksmittel der Souveränität und der Selbstbestimmung, die gelebte Akzeptanz der eigenen Subjektivität, das angewandte Wissen über die faktische Unmöglichkeit der Objektivität und somit - so absurd es auf den ersten Blick auch klingen mag - ein Schritt weg von der Ichbezogenheit." (via generation next)
Weblogs fördern die Medienkompetenz, verwirklichen die Utopie des many(single ones)-to-many-Publizierens, machen durch Kommentare auch Leser zu Sendern, greifen andere Strömungen auf als der Medien-Mainstream, beschränken sich auf Inhalte - das alles und mehr schreibt ein de:bug-Artikel den Weblogs zu.
"Weblogs sind ein Ausdrucksmittel der Souveränität und der Selbstbestimmung, die gelebte Akzeptanz der eigenen Subjektivität, das angewandte Wissen über die faktische Unmöglichkeit der Objektivität und somit - so absurd es auf den ersten Blick auch klingen mag - ein Schritt weg von der Ichbezogenheit." (via generation next)
Kardinäle bei der Arbeit
Gernot Facius in der Welt über den Krach zwischen deutschen Kardinälen.
"Wenn plötzlich und öffentlich ein solch handfester Konflikt aufbricht, dann ist er alt und geht sehr tief. Die Kardinäle sind also gebeten, alle Karten auf den Tisch zu legen", zitiert er einen ungenannten Kommentator.
Dabei verläuft die Haupt-Sollbruchlinie nicht zwischen den Kardinälen...
Gernot Facius in der Welt über den Krach zwischen deutschen Kardinälen.
"Wenn plötzlich und öffentlich ein solch handfester Konflikt aufbricht, dann ist er alt und geht sehr tief. Die Kardinäle sind also gebeten, alle Karten auf den Tisch zu legen", zitiert er einen ungenannten Kommentator.
Dabei verläuft die Haupt-Sollbruchlinie nicht zwischen den Kardinälen...
Wir können alles, außer schwäbisch
Daß Brit- und Chinesinnen schon Basler-Fashion tragen, vor allem wohl die der Generation 45+ mit Größen von 38+, ist erfreulich, aber der Firmensitz von Basler liegt trotzdem nicht im schwäbischen Städtchen Goldbach, sondern im unterfränkischen Marktflecken gleichen Namens, liebe Welt am Sonntag.
Ganz sicher. (Mußte aus persönlicher Betroffenheit einfach gesagt werden.)
Daß Brit- und Chinesinnen schon Basler-Fashion tragen, vor allem wohl die der Generation 45+ mit Größen von 38+, ist erfreulich, aber der Firmensitz von Basler liegt trotzdem nicht im schwäbischen Städtchen Goldbach, sondern im unterfränkischen Marktflecken gleichen Namens, liebe Welt am Sonntag.
Ganz sicher. (Mußte aus persönlicher Betroffenheit einfach gesagt werden.)
3. August 2003
Flannery O'Connor (+ 3.8.1964)
Gerard Serafin erinnert an Mary Flannery O'Connor, läßt alle, die ihre gesammelten Briefe als "A Habit of Being" nicht im Regal stehen haben, einen Brief lesen und zitiert Thomas Merton:
"When I read Flannery O'Connor, I do not think of Hemingway, or Katharine Anne Porter, or Sartre, but rather of someone like Sophocles. What more can you say for a writer? I write her name with honor, for all the truth and all the craft with which she shows man's fall and his dishonor."
Gerard Serafin erinnert an Mary Flannery O'Connor, läßt alle, die ihre gesammelten Briefe als "A Habit of Being" nicht im Regal stehen haben, einen Brief lesen und zitiert Thomas Merton:
"When I read Flannery O'Connor, I do not think of Hemingway, or Katharine Anne Porter, or Sartre, but rather of someone like Sophocles. What more can you say for a writer? I write her name with honor, for all the truth and all the craft with which she shows man's fall and his dishonor."
2. August 2003
Sie machen nicht satt.
Wir suchen dich,
Christus,
weil wir deine Gaben
gegessen und getrunken haben.
Je mehr wir sie essen,
um so mehr hungern wir,
Christus,
nach dir.
Gib uns nicht Zeichen
an deiner Statt.
Sie machen nicht satt.
Gib Feuer, Herr,
nicht nur Licht in der Nacht.
Wir dürsten so lange,
bis dein Wein,
deine Liebe uns trunken macht.
Amen.
(Silja Walter OSB: Das Wort ist Brot geworden, S. 96f.)
Wir suchen dich,
Christus,
weil wir deine Gaben
gegessen und getrunken haben.
Je mehr wir sie essen,
um so mehr hungern wir,
Christus,
nach dir.
Gib uns nicht Zeichen
an deiner Statt.
Sie machen nicht satt.
Gib Feuer, Herr,
nicht nur Licht in der Nacht.
Wir dürsten so lange,
bis dein Wein,
deine Liebe uns trunken macht.
Amen.
(Silja Walter OSB: Das Wort ist Brot geworden, S. 96f.)
1. August 2003
Pop-Ups machen Spaß
The Shifted Librarian recommends: The Pop-Up Brady Bunch!
Requirements: Speakers, disabled Pop-Up Blocker.
The Shifted Librarian recommends: The Pop-Up Brady Bunch!
Requirements: Speakers, disabled Pop-Up Blocker.
Ungesenktes Haupt
Johann Baptist Metz wird 75 und deshalb öffentlich geehrt. Sein Interview mit Aldo Parmeggiani von Radio Vatican ist ausschnittsweise im Rheinischen Merkur zu lesen und gibt einen schönen Überblick über den aktuellen Stand seiner theologischen Erkenntnis.
"Welche Botschaft haben Sie für Rom?
Selbst wenn es auf den ersten Blick nicht sehr fröhlich und nicht sehr praktisch klingen mag: Wir brauchen mehr Karsamstags-Atmosphäre in unserer Rede von Gott und seinem Christus. Auch in unserer Liturgie und in unserer Pastoral. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für die schwelende Glut dieser schon angesprochenen Theodizee-Frage, und zwar inmitten auch unserer säkularisierten Welt. Ich weiß das aus Gesprächen und Begegnungen mit Menschen, die aus ganz anderen Hintergründen kommen als ich. Wenn die Sprache unserer Gebete mehr hörbar gemacht würde als elementare Krisen- und Leidenssprache der Menschen – wofür es ja biblische Beispiele zuhauf gibt –, würde man entdecken können, dass weit mehr Menschenkinder beten, als die Statistiken das verraten.
Gibt es eine Botschaft aus Rom, die Sie besonders schätzen?
Am wichtigsten scheint mir allemal die Unterstützung aus Rom im Kampf um Gott. Es geht schließlich um diese Frage, heute ganz elementar in meinen Augen jedenfalls. Und zwar als eine Frage, mit der der Kampf um den Menschen und seine Humanität durchaus zusammenhängt. Die viel besprochene Kirchenkrise, das habe ich in den letzten Jahren häufig betont, ist jedenfalls in meinen Augen im Kern eine Gotteskrise. Sie betrifft nicht nur uns Katholiken, nicht nur die Christenheit, einzelne Religionen, sondern alle Menschen. Denn Gott ist entweder ein Menschheitsthema oder überhaupt kein Thema. Ich wünschte mir – das mag vielleicht merkwürdig klingen –, dass von oben aus deutlicher wird, dass man die westliche Aufklärung in ihren Widersprüchen nicht überwinden kann, ohne durch sie, ungesenkten Hauptes freilich, hindurchgegangen zu sein."
Johann Baptist Metz wird 75 und deshalb öffentlich geehrt. Sein Interview mit Aldo Parmeggiani von Radio Vatican ist ausschnittsweise im Rheinischen Merkur zu lesen und gibt einen schönen Überblick über den aktuellen Stand seiner theologischen Erkenntnis.
"Welche Botschaft haben Sie für Rom?
Selbst wenn es auf den ersten Blick nicht sehr fröhlich und nicht sehr praktisch klingen mag: Wir brauchen mehr Karsamstags-Atmosphäre in unserer Rede von Gott und seinem Christus. Auch in unserer Liturgie und in unserer Pastoral. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für die schwelende Glut dieser schon angesprochenen Theodizee-Frage, und zwar inmitten auch unserer säkularisierten Welt. Ich weiß das aus Gesprächen und Begegnungen mit Menschen, die aus ganz anderen Hintergründen kommen als ich. Wenn die Sprache unserer Gebete mehr hörbar gemacht würde als elementare Krisen- und Leidenssprache der Menschen – wofür es ja biblische Beispiele zuhauf gibt –, würde man entdecken können, dass weit mehr Menschenkinder beten, als die Statistiken das verraten.
Gibt es eine Botschaft aus Rom, die Sie besonders schätzen?
Am wichtigsten scheint mir allemal die Unterstützung aus Rom im Kampf um Gott. Es geht schließlich um diese Frage, heute ganz elementar in meinen Augen jedenfalls. Und zwar als eine Frage, mit der der Kampf um den Menschen und seine Humanität durchaus zusammenhängt. Die viel besprochene Kirchenkrise, das habe ich in den letzten Jahren häufig betont, ist jedenfalls in meinen Augen im Kern eine Gotteskrise. Sie betrifft nicht nur uns Katholiken, nicht nur die Christenheit, einzelne Religionen, sondern alle Menschen. Denn Gott ist entweder ein Menschheitsthema oder überhaupt kein Thema. Ich wünschte mir – das mag vielleicht merkwürdig klingen –, dass von oben aus deutlicher wird, dass man die westliche Aufklärung in ihren Widersprüchen nicht überwinden kann, ohne durch sie, ungesenkten Hauptes freilich, hindurchgegangen zu sein."
Guido W.s guter Rat
Unser aller Guido gibt guten Rat: "Wenn die katholische Kirche mehr auf ihre Gläubigen hören würde und auf das, was sich in der Gesellschaft entwickelt, bin ich sicher, ginge es ihr auch besser." (Er muß es ja wissen, denn auch er hat das Ohr am Puls der Zeit, wie man an seinen Wahlergebnissen sieht.)
Naja, sie wäre nicht mehr die katholische Kirche, aber darauf kommt's dann auch nicht mehr an.
Unser aller Guido gibt guten Rat: "Wenn die katholische Kirche mehr auf ihre Gläubigen hören würde und auf das, was sich in der Gesellschaft entwickelt, bin ich sicher, ginge es ihr auch besser." (Er muß es ja wissen, denn auch er hat das Ohr am Puls der Zeit, wie man an seinen Wahlergebnissen sieht.)
Naja, sie wäre nicht mehr die katholische Kirche, aber darauf kommt's dann auch nicht mehr an.
31. Juli 2003
Hasenhüttlsche Motive und das Schweigen der Kollegen
Raymund Schwager, Jesuit und Dogmatiker in Innsbruck, äußert sich im Innsbrucker Theologischen Leseraum eindeutig zum "Fall Hasenhüttl":
"Die bischöfliche Reaktion auf Gotthold Hasenhüttl, der beim ökumenischen Kirchentag in Berlin bei einer Eucharistiefeier die kirchlichen Weisungen eindeutig übertreten hat, wecken entsprechende Kritik in der Presse, und selbst der deutsche Bundespräsident glaubte bei einem Fernsehinterview (21. Juli 2003) sein eindeutiges Missfallen äußern zu müssen. All diesen Reaktionen ist gemeinsam, dass sie nicht auf die zahlreichen Publikationen des suspendierten Priesters und Theologieprofessors eingehen. Dieser vertritt nämlich seit Jahren, dass den christlichen Glaubensaussagen keine objektive Bedeutung zukommt, sondern dass Gott "eine gewisse Weise der Mitmenschlichkeit" sei (Hasenhüttl, Glaube ohne Mythos 1, 491). Eine solche Überzeugung, die heute auch von manchen anderen auf ähnliche Weise vorgetragen wird, verlässt nicht nur den Boden der katholischen Kirche, sondern auch den eines bekenntnismäßigen Christentums.
Das Naheliegendste und Entprechendste wäre deshalb seit langem gewesen, dass Hasenhüttl, wenn er bei seiner Überzeugung bleiben will, die katholische Kirche verlässt oder mindestens seine Funktionen als Priester und als Professor für katholische Theologie freiwillig aufgibt. Da dies nicht geschehen ist, wäre es zunächst Sache seiner Kollegen gewesen, sich von ihm öffentlich zu distanzieren. Aber auch dies ist nicht geschehen, und Arbeitsgemeinschaften von katholischen Theologen und Theologinnen, die sehr sensibel reagieren und öffentlich protestieren, wenn sie glauben, bei römischen Instanzen ein vermeintliches Abweichen von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils festzustellen, schweigen auf seltsame Weise, wenn Kollegen und Kolleginnen den Boden eines bekenntnismäßigen Christentums verlassen.
So bleibt es Aufgabe der zuständigen Bischöfe zu handeln. Diese hätten schon seit langem genug Gründe gehabt, den verantwortlichen Priester und Professor zur Rechenschaft zu ziehen. Sie haben es nicht getan und werden wohl gedacht haben, die Bücher von Hasenhüttl würden kaum gelesen und man solle einen öffentlichen 'Fall' vermeiden. Die letztere Annahme hat sich nun als irrig erwiesen, da Hasenhüttl selber dafür gesorgt hat, dass er zu einem öffentlichen 'Fall' wurde. Die Folge ist nun, dass die Entscheidung des zuständigen Bischofs - wegen der Unkenntnis des weiteren Hintergrundes - kaum verstanden wird.
Und die Lehre daraus? Anstehende Entscheidungen, die notwendig sind, zu verschieben, ist kaum ein guter Weg und führt leicht dazu, dass die Situation nur schwieriger wird. Wenn Hasenhüttl angekündigt hat, er werde in Rom Beschwerde einlegen, dann weiss er natürlich, dass er bei seiner 'Theologie' dort keine Zustimmung finden wird. Auf diese Weise versucht er aber, seinen Fall in den Medien am Kochen zu halten. War dies vielleicht der Grund für seine Aktion beim ökumenischen Kirchentag? Schon andere haben vor ihm die Erfahrung gemacht, dass man durch einen Streit mit den Bischöfen oder gar mit dem Papst die Verkaufszahlen der eigenen Bücher erhöhen kann." ( (c) Raymund Schwager)
Danke für den Mut, aus der Phalanx des Schweigens auszubrechen!
Berlin 2003 war wohl nur eine weitere Station auf dem Weg nach einem längst vollzogenen Abschied.
Raymund Schwager, Jesuit und Dogmatiker in Innsbruck, äußert sich im Innsbrucker Theologischen Leseraum eindeutig zum "Fall Hasenhüttl":
"Die bischöfliche Reaktion auf Gotthold Hasenhüttl, der beim ökumenischen Kirchentag in Berlin bei einer Eucharistiefeier die kirchlichen Weisungen eindeutig übertreten hat, wecken entsprechende Kritik in der Presse, und selbst der deutsche Bundespräsident glaubte bei einem Fernsehinterview (21. Juli 2003) sein eindeutiges Missfallen äußern zu müssen. All diesen Reaktionen ist gemeinsam, dass sie nicht auf die zahlreichen Publikationen des suspendierten Priesters und Theologieprofessors eingehen. Dieser vertritt nämlich seit Jahren, dass den christlichen Glaubensaussagen keine objektive Bedeutung zukommt, sondern dass Gott "eine gewisse Weise der Mitmenschlichkeit" sei (Hasenhüttl, Glaube ohne Mythos 1, 491). Eine solche Überzeugung, die heute auch von manchen anderen auf ähnliche Weise vorgetragen wird, verlässt nicht nur den Boden der katholischen Kirche, sondern auch den eines bekenntnismäßigen Christentums.
Das Naheliegendste und Entprechendste wäre deshalb seit langem gewesen, dass Hasenhüttl, wenn er bei seiner Überzeugung bleiben will, die katholische Kirche verlässt oder mindestens seine Funktionen als Priester und als Professor für katholische Theologie freiwillig aufgibt. Da dies nicht geschehen ist, wäre es zunächst Sache seiner Kollegen gewesen, sich von ihm öffentlich zu distanzieren. Aber auch dies ist nicht geschehen, und Arbeitsgemeinschaften von katholischen Theologen und Theologinnen, die sehr sensibel reagieren und öffentlich protestieren, wenn sie glauben, bei römischen Instanzen ein vermeintliches Abweichen von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils festzustellen, schweigen auf seltsame Weise, wenn Kollegen und Kolleginnen den Boden eines bekenntnismäßigen Christentums verlassen.
So bleibt es Aufgabe der zuständigen Bischöfe zu handeln. Diese hätten schon seit langem genug Gründe gehabt, den verantwortlichen Priester und Professor zur Rechenschaft zu ziehen. Sie haben es nicht getan und werden wohl gedacht haben, die Bücher von Hasenhüttl würden kaum gelesen und man solle einen öffentlichen 'Fall' vermeiden. Die letztere Annahme hat sich nun als irrig erwiesen, da Hasenhüttl selber dafür gesorgt hat, dass er zu einem öffentlichen 'Fall' wurde. Die Folge ist nun, dass die Entscheidung des zuständigen Bischofs - wegen der Unkenntnis des weiteren Hintergrundes - kaum verstanden wird.
Und die Lehre daraus? Anstehende Entscheidungen, die notwendig sind, zu verschieben, ist kaum ein guter Weg und führt leicht dazu, dass die Situation nur schwieriger wird. Wenn Hasenhüttl angekündigt hat, er werde in Rom Beschwerde einlegen, dann weiss er natürlich, dass er bei seiner 'Theologie' dort keine Zustimmung finden wird. Auf diese Weise versucht er aber, seinen Fall in den Medien am Kochen zu halten. War dies vielleicht der Grund für seine Aktion beim ökumenischen Kirchentag? Schon andere haben vor ihm die Erfahrung gemacht, dass man durch einen Streit mit den Bischöfen oder gar mit dem Papst die Verkaufszahlen der eigenen Bücher erhöhen kann." ( (c) Raymund Schwager)
Danke für den Mut, aus der Phalanx des Schweigens auszubrechen!
Berlin 2003 war wohl nur eine weitere Station auf dem Weg nach einem längst vollzogenen Abschied.
Kein Grund zur Schadenfreude
Oswald Sobrino vom Catholic Analysis-Weblog kommentiert den Fall von Canterbury und den Aufstieg von Lagos. Aktuell hier und vor einem Monat dort.
Oswald Sobrino vom Catholic Analysis-Weblog kommentiert den Fall von Canterbury und den Aufstieg von Lagos. Aktuell hier und vor einem Monat dort.
Franz, singend, auf englisch
Es "gilt zu verstehen, daß ein solcher Gesang, wie etwa der Sonnengesang des heiligen Franz, nicht eine Entgleisung des Glaubens in das Poetische darstellt, daß er nicht seine Wurzel in irgendeiner mystischen Naturreligion hat, sondern daß der heilige Franz zu singen - fast möchte man sagen -, zu tönen beginnt, weil er so tief von der Gnade Christi berührt ist.
Das gilt es zu sehen, daß der Heilige darum mit Sonne und Sternen, Wasser und Tod so brüderlich zu tönen beginnt, weil die Gnade des Gekreuzigten die letzte Tiefe seiner Kreatürlichkeit geweckt hat, so daß er nicht nur als jener Sünder dasteht, dem Erbarmung widerfahren ist, sondern auch als diese armselige - dem Esel zugewandte - Kreatur, die keine andere Möglichkeit mehr hat, als im Lobpreise Gottes zu verströmen." (Erik Peterson: Von den Engeln, enthalten in Theologische Traktate, S. 229)
Der Poverello nackt und sterbenskrank auf dem Boden seiner Zelle - und simultan mit den Engeln und ihnen gleich im Ganz-Lobgesang-sein.
Es "gilt zu verstehen, daß ein solcher Gesang, wie etwa der Sonnengesang des heiligen Franz, nicht eine Entgleisung des Glaubens in das Poetische darstellt, daß er nicht seine Wurzel in irgendeiner mystischen Naturreligion hat, sondern daß der heilige Franz zu singen - fast möchte man sagen -, zu tönen beginnt, weil er so tief von der Gnade Christi berührt ist.
Das gilt es zu sehen, daß der Heilige darum mit Sonne und Sternen, Wasser und Tod so brüderlich zu tönen beginnt, weil die Gnade des Gekreuzigten die letzte Tiefe seiner Kreatürlichkeit geweckt hat, so daß er nicht nur als jener Sünder dasteht, dem Erbarmung widerfahren ist, sondern auch als diese armselige - dem Esel zugewandte - Kreatur, die keine andere Möglichkeit mehr hat, als im Lobpreise Gottes zu verströmen." (Erik Peterson: Von den Engeln, enthalten in Theologische Traktate, S. 229)
Der Poverello nackt und sterbenskrank auf dem Boden seiner Zelle - und simultan mit den Engeln und ihnen gleich im Ganz-Lobgesang-sein.
There ain't nothing like a library
Daß Bücher und Bibliotheken nicht verbesserbar sind - oder daß es für die Zwecke, für die wir sie brauchen, nicht auch bessere Lösungen geben
könnte, das glaube ich wieder nicht. Aber Nikolaus Wegmann in der Süddeutschen beschreibt ihr Erfolgsgeheimnis sehr schön: Das Regal als vorbereiteter Ort der Serendipity, die Kalkulation mit dem unvorhergesehenen Fund, die Balance zwischen unscharfer und fokussierter Informationssuche, die Körperlichkeit, ja Sinnlichkeit der Rücken und ihre Verortbarkeit im je-meinigen Raum-Zeit-Kontinuum - "that makes all the difference".
Die Bibliothek als ein Ort, an dem ich etwas finde, von dem ich nicht wusste, daß es das gibt - und daß ich es suchte.
Daß Bücher und Bibliotheken nicht verbesserbar sind - oder daß es für die Zwecke, für die wir sie brauchen, nicht auch bessere Lösungen geben
könnte, das glaube ich wieder nicht. Aber Nikolaus Wegmann in der Süddeutschen beschreibt ihr Erfolgsgeheimnis sehr schön: Das Regal als vorbereiteter Ort der Serendipity, die Kalkulation mit dem unvorhergesehenen Fund, die Balance zwischen unscharfer und fokussierter Informationssuche, die Körperlichkeit, ja Sinnlichkeit der Rücken und ihre Verortbarkeit im je-meinigen Raum-Zeit-Kontinuum - "that makes all the difference".
Die Bibliothek als ein Ort, an dem ich etwas finde, von dem ich nicht wusste, daß es das gibt - und daß ich es suchte.
30. Juli 2003
Wo bleibt das Positive?
Hier zum Beispiel: Ein erfrischendes Weblog von Johannes Kleske zum Thema "urban lifestyle vs. holiness in the 21st century". (Ich muß ja nicht mit allem übereinstimmen, was er schreibt...)
Hier zum Beispiel: Ein erfrischendes Weblog von Johannes Kleske zum Thema "urban lifestyle vs. holiness in the 21st century". (Ich muß ja nicht mit allem übereinstimmen, was er schreibt...)
TriTop a la Elaine Pagels
Erinnert sich noch jemand an TriTop? Zuckersüß, künstlich, hochkonzentriert und pur nur für die ganz Harten genießbar. Verdünnt hat es den Geschmackssinn einer ganzen Generation geprägt. (Naja, teilweise.)
Eine Tritop-Version des liberal-christilichen Credo präsentiert in Edge
die Religionswissenschaftlerin Elaine Pagels. So dicht aufeinander und so offen ausgesprochen finden sich die Glaubenssätze vieler Irgendwie-aber-Hauptsache-modern-Christen selten.
Alles dabei, was das Herz begehrt: Autoritäre Tradition, die von Anfang an liberale, mystische, ja buddhistisch beeinflußte Versionen des Christentums unterdrückt; Jesus als mein Herzenszwilling und Glaube als Suche nach dem Gott in meinem Innern; die Unterscheidung zwischen gerettet und verdammt, zwischen gut und böse als die Ursünde abendländischer Geschichte; die lineare Fortsetzung dieser Sündengeschichte im US-Angriff auf den Irak; die Entstehung der Satansidee als Beginn des christlichen Antisemitismus; Religion als Fortsetzung unserer Träume, als soziobiologisch erklärbare Funktion des Gehirns, das assoziierend Bilder zu einer story-line zusammenreiht, als äußerst wichtiger Teil menschlicher Kultur.
Erinnert sich noch jemand an TriTop? Zuckersüß, künstlich, hochkonzentriert und pur nur für die ganz Harten genießbar. Verdünnt hat es den Geschmackssinn einer ganzen Generation geprägt. (Naja, teilweise.)
Eine Tritop-Version des liberal-christilichen Credo präsentiert in Edge
die Religionswissenschaftlerin Elaine Pagels. So dicht aufeinander und so offen ausgesprochen finden sich die Glaubenssätze vieler Irgendwie-aber-Hauptsache-modern-Christen selten.
Alles dabei, was das Herz begehrt: Autoritäre Tradition, die von Anfang an liberale, mystische, ja buddhistisch beeinflußte Versionen des Christentums unterdrückt; Jesus als mein Herzenszwilling und Glaube als Suche nach dem Gott in meinem Innern; die Unterscheidung zwischen gerettet und verdammt, zwischen gut und böse als die Ursünde abendländischer Geschichte; die lineare Fortsetzung dieser Sündengeschichte im US-Angriff auf den Irak; die Entstehung der Satansidee als Beginn des christlichen Antisemitismus; Religion als Fortsetzung unserer Träume, als soziobiologisch erklärbare Funktion des Gehirns, das assoziierend Bilder zu einer story-line zusammenreiht, als äußerst wichtiger Teil menschlicher Kultur.
"Aussage vom Menschen und zwar im Bereich relationaler Kommunikation"
Hasenhüttl ist mehr als Berlin 2003. Hasenhüttl steht für ein theologisches Programm, das P. Engelbert Recktenwald in einem kath.net-Text kurz kritisch darstellt.
"Hasenhüttls positives Anliegen ist, den christlichen Glauben als aktuelles Bezogensein zu verstehen; das Fatale seines Entwurfs ist aber, daß er diesem berechtigten Anliegen nicht nur die formelle Transzendenz Gottes und seine Personalität sowie den auferstandenen Christus als personalen Bezugspunkt des Glaubens, sondern auch die Einmaligkeit und Unvertauschbarkeit des Menschen opfert. Hasenhüttl ist mit dem Anspruch angetreten, 'die christliche Wahrheit des Glaubens' in neuer Form zur Sprache zu bringen. Dieses Vorhaben wurde dann aber so verwirklicht, daß eine völlig neue, andere Lehre vorliegt, deren inhaltliche Identität mit dem überlieferten Glauben nicht zu sehen ist. Fazit: Der von Hasenhüttl eingeschlagene Weg ist nicht eine veränderte Weise, Dogmatik zu betreiben, sondern vollzogene Selbstauflösung." - So zitiert P. Engelbert Recktenwald den Theologen Franz Courth SAC.
Und der "Eichmann-Gehorsam" stammt wohl auch schon aus dem Jahr 1979. Nur sollte man ihn damals GOtt gegenüber nicht leisten.
Hasenhüttl ist mehr als Berlin 2003. Hasenhüttl steht für ein theologisches Programm, das P. Engelbert Recktenwald in einem kath.net-Text kurz kritisch darstellt.
"Hasenhüttls positives Anliegen ist, den christlichen Glauben als aktuelles Bezogensein zu verstehen; das Fatale seines Entwurfs ist aber, daß er diesem berechtigten Anliegen nicht nur die formelle Transzendenz Gottes und seine Personalität sowie den auferstandenen Christus als personalen Bezugspunkt des Glaubens, sondern auch die Einmaligkeit und Unvertauschbarkeit des Menschen opfert. Hasenhüttl ist mit dem Anspruch angetreten, 'die christliche Wahrheit des Glaubens' in neuer Form zur Sprache zu bringen. Dieses Vorhaben wurde dann aber so verwirklicht, daß eine völlig neue, andere Lehre vorliegt, deren inhaltliche Identität mit dem überlieferten Glauben nicht zu sehen ist. Fazit: Der von Hasenhüttl eingeschlagene Weg ist nicht eine veränderte Weise, Dogmatik zu betreiben, sondern vollzogene Selbstauflösung." - So zitiert P. Engelbert Recktenwald den Theologen Franz Courth SAC.
Und der "Eichmann-Gehorsam" stammt wohl auch schon aus dem Jahr 1979. Nur sollte man ihn damals GOtt gegenüber nicht leisten.
29. Juli 2003
Der Gottprotz
Zur Gewissenserforschung:
"Der Gottprotz muß sich nie fragen, was richtig ist, er schlägt es nach im Buch der Bücher. Da findet er alles, was er braucht. Da hat er eine Rückenstütze. Da lehnt er sich beflissen und kräftig an." Alles weitere im Aufsatz von Stefan Hartmann in der Neuen Ordnung
Zur Gewissenserforschung:
"Der Gottprotz muß sich nie fragen, was richtig ist, er schlägt es nach im Buch der Bücher. Da findet er alles, was er braucht. Da hat er eine Rückenstütze. Da lehnt er sich beflissen und kräftig an." Alles weitere im Aufsatz von Stefan Hartmann in der Neuen Ordnung
Zwei Runden Mitleid
- die schenkt die Süddeutsche Franz Maget, dem SPD-Mitbewerber um den bayrischen Thron. Er ist einer der Männer, die alle sympathisch finden und die trotzdem keiner wählt.
Passt nicht
Junge, komm bald wieder
(Der erste Wahlprospekt seiner lokalen Parteigenossin war gestern in unserem Briefkasten; das Parteikürzel ging zaghaft im Fließtext unter.)
- die schenkt die Süddeutsche Franz Maget, dem SPD-Mitbewerber um den bayrischen Thron. Er ist einer der Männer, die alle sympathisch finden und die trotzdem keiner wählt.
Passt nicht
Junge, komm bald wieder
(Der erste Wahlprospekt seiner lokalen Parteigenossin war gestern in unserem Briefkasten; das Parteikürzel ging zaghaft im Fließtext unter.)
28. Juli 2003
Konvertiten zum dritten
Die Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg hatte im Februar eine Tagung "Wendepunkte im Glauben: Von Konversionen und Konvertiten" geplant - die aber offensichtlich entfallen ist.
"Wie stellen sich die institutionell verfassten Glaubensgemeinschaften der gegebenen Herausforderung?" ist nur eine der Fragen, die dort nicht beantwortet wurden. Wichtiger und offener scheint mir die Frage: "Wie stellen sich die geborenen Katholiken/Protestanten/... zu dem/r Übergetretenen und seiner /ihrer Herausforderung an ihre Praxis und ihre Theorie?"
Die Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg hatte im Februar eine Tagung "Wendepunkte im Glauben: Von Konversionen und Konvertiten" geplant - die aber offensichtlich entfallen ist.
"Wie stellen sich die institutionell verfassten Glaubensgemeinschaften der gegebenen Herausforderung?" ist nur eine der Fragen, die dort nicht beantwortet wurden. Wichtiger und offener scheint mir die Frage: "Wie stellen sich die geborenen Katholiken/Protestanten/... zu dem/r Übergetretenen und seiner /ihrer Herausforderung an ihre Praxis und ihre Theorie?"
Konvertiten zum zweiten
Wie in Benedikts Kommentar-Abteilung bemerkt wurde, sind nicht alle der unten aufgeführten Konvertiten auch im strengen Sinne solche. Entsprechend lege ich meinem Posting Benedikts weitere Definition "nicht technische Konversionen, sondern ... echte Bekehrungen" zugrunde und erweitere meine Liste um die bei ihm genannten Namen.
Wie in Benedikts Kommentar-Abteilung bemerkt wurde, sind nicht alle der unten aufgeführten Konvertiten auch im strengen Sinne solche. Entsprechend lege ich meinem Posting Benedikts weitere Definition "nicht technische Konversionen, sondern ... echte Bekehrungen" zugrunde und erweitere meine Liste um die bei ihm genannten Namen.
Sage mir, was du liest ...
Damals, als Eugen Drewermanns "Kleriker" gerade neu erschienen waren, präsentierte mir einer meiner neo-katholischen Freunde stolz sein für 90 DM frisch erstandenes Exemplar. Ich sah neben dem 900 Seiten-Wälzer Drewermanns tiefenpsychologische Deutung des Kleinen Prinzen stehen und fragte ihn, wie er das denn fände.
"Das haben wir geschenkt bekommen, aber ich habe es noch nicht gelesen. Den Kleinen Prinzen lasse ich mir nicht kaputt machen."
Wenn sie mir doch objektiver wären, die Zertrümmerer...
Damals, als Eugen Drewermanns "Kleriker" gerade neu erschienen waren, präsentierte mir einer meiner neo-katholischen Freunde stolz sein für 90 DM frisch erstandenes Exemplar. Ich sah neben dem 900 Seiten-Wälzer Drewermanns tiefenpsychologische Deutung des Kleinen Prinzen stehen und fragte ihn, wie er das denn fände.
"Das haben wir geschenkt bekommen, aber ich habe es noch nicht gelesen. Den Kleinen Prinzen lasse ich mir nicht kaputt machen."
Wenn sie mir doch objektiver wären, die Zertrümmerer...
Eine Frage der Zeit
Der anglikanische Priester Paul Oestreicher schreibt in Publik-Forum einen (im Vergleich zur Generallinie des Rebellenblättchens) unpolemischen Bericht über die aktuelle Krise der anglikanischen Kirche. Die Fälle Jeffrey John und Gene Robinson machen die dort schon lange schwelenden Konflikte "nur" akut; die Episkopalianer jedenfalls standen seit Jahren vor einer offenen Spaltung - bei der übrigens die Sollbruchstellen nicht nur zwischen progressiv - konservativ, sondern gleichzeitig auch zwischen Norden und Süden verlaufen!
Oestreichers Schlußsatz: "Eigentlich geht dieser Riss durch alle Konfessionen und Religionen, der Konflikt zwischen Liberalität und Fundamentalismus, oder auch zwischen Evangelium und Gesetz. Der liberale Katholik von Wir sind Kirche ist Dorothee Sölle oft näher als dem Papst. In der Theorie ist die Koexistenz möglich, aber eben nur in der Theorie, nicht wenn entschieden werden muss: Wird Jeffrey John Bischof oder nicht. Der Erzbischof hat es offen ausgesprochen: Es gibt schon jetzt mehr als eine anglikanische Kirche. Sind sie überhaupt noch im Gespräch?"
Die Gleichsetzung von Liberalität mit dem Evangelium ist imho Unsinn, die von Fundamentalismus und Gesetzesreligion gleichermaßen. Aber ansonsten stimmt's. (Man vergleiche doch nur mal den Kommentar des Publik-Forum-Chefredakteurs Peter Rosien zur Hasenhüttl-Sache: Da ist Bischof Marx ein "knallharter Duce", einer der "Lukaschenkos mit Krummstab". Friedliche Koexistenz mit solchen Faschisten und Diktatoren kommt für solche Diffamierer doch wohl nicht mehr in Frage.)
Der anglikanische Priester Paul Oestreicher schreibt in Publik-Forum einen (im Vergleich zur Generallinie des Rebellenblättchens) unpolemischen Bericht über die aktuelle Krise der anglikanischen Kirche. Die Fälle Jeffrey John und Gene Robinson machen die dort schon lange schwelenden Konflikte "nur" akut; die Episkopalianer jedenfalls standen seit Jahren vor einer offenen Spaltung - bei der übrigens die Sollbruchstellen nicht nur zwischen progressiv - konservativ, sondern gleichzeitig auch zwischen Norden und Süden verlaufen!
Oestreichers Schlußsatz: "Eigentlich geht dieser Riss durch alle Konfessionen und Religionen, der Konflikt zwischen Liberalität und Fundamentalismus, oder auch zwischen Evangelium und Gesetz. Der liberale Katholik von Wir sind Kirche ist Dorothee Sölle oft näher als dem Papst. In der Theorie ist die Koexistenz möglich, aber eben nur in der Theorie, nicht wenn entschieden werden muss: Wird Jeffrey John Bischof oder nicht. Der Erzbischof hat es offen ausgesprochen: Es gibt schon jetzt mehr als eine anglikanische Kirche. Sind sie überhaupt noch im Gespräch?"
Die Gleichsetzung von Liberalität mit dem Evangelium ist imho Unsinn, die von Fundamentalismus und Gesetzesreligion gleichermaßen. Aber ansonsten stimmt's. (Man vergleiche doch nur mal den Kommentar des Publik-Forum-Chefredakteurs Peter Rosien zur Hasenhüttl-Sache: Da ist Bischof Marx ein "knallharter Duce", einer der "Lukaschenkos mit Krummstab". Friedliche Koexistenz mit solchen Faschisten und Diktatoren kommt für solche Diffamierer doch wohl nicht mehr in Frage.)
Stauffenberg-Film
Jo Baier äußert sich zu seinem neuen Film über Claus Schenk Graf von Stauffenberg - ebenfalls in der Welt:
"Für mich beginnt der sittliche Wert eines Menschen erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben einzusetzen." (Henning von Tresckow)
Jo Baier äußert sich zu seinem neuen Film über Claus Schenk Graf von Stauffenberg - ebenfalls in der Welt:
"Für mich beginnt der sittliche Wert eines Menschen erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben einzusetzen." (Henning von Tresckow)
Tanzt noch einen heiteren Abendländler
Berlin-Lyrik von Günter Kunert in der
Welt:
"Ihr Wahrzeichen
das zwiefache Gebrüst, dem Himmel
verkuppelt und auf zu ihm gestreckt aus dem Leib einer
kahlen Kirche, bar Gottes,
der auf jedermanns Zunge liegt
in Zeitungen, Pässen und Büchereien:
Farblos und freundlich gepresst: Eine Ansichts-
sache."
Berlin-Lyrik von Günter Kunert in der
Welt:
"Ihr Wahrzeichen
das zwiefache Gebrüst, dem Himmel
verkuppelt und auf zu ihm gestreckt aus dem Leib einer
kahlen Kirche, bar Gottes,
der auf jedermanns Zunge liegt
in Zeitungen, Pässen und Büchereien:
Farblos und freundlich gepresst: Eine Ansichts-
sache."
26. Juli 2003
US-Gewalt
Leider kann ich zu Dirks Kommentar im letzten Posting nichts mehr hinzufügen - das Enetation-Fenster ist "unten zu groß".
Zu "Bowling for Columbine" kann ich mich nicht äußern, da ich den Film nicht gesehen habe. Moore ist natürlich nicht der erste, bestimmt nicht der letzte (und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch nicht der geignetste), der sich zum Thema der Gewaltkultur der U.S. of A. geäußert hat.
Mich selbst hat die Analyse des Historikers David Hackett Fischer überzeugt, der in seinem Buch "Albion's Seed: Four British Folkways in America" neben vielem anderen auch diesen Aspekt der amerikanischen Kultur auf die Eigenarten der vier regionalen "Gründungskulturen" zurückführt, die durch die Einwanderungswellen im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind: die puritanische Kultur Neu-Englands, die auf Einwanderer aus East Anglia zurückgeht; die Kultur Virginias mit ihren Kavalieren aus dem Süden Englands; die Quäker-Kultur am Delaware, die ihre Ursprünge in den nördlichen Midlands hat; die Kultur des amerikanischen Hinterlands, die von Einwanderern aus dem englisch-schottischen Grenzland geprägt wurde.
Gewalt (violence) öffentlich und gesetzlich zu sanktionieren und dem einzelnen auch (mit Einschränkungen) zuzugestehen ist nach Fischer für die "Backcountry"-Kultur typisch, die ihrerseits den "Wilden Westen" des 19. Jahrhunderts beeinflußt und zentral geprägt hat. Nach Fischer wirken diese Kulturen - nicht nur auf dem Gebiet der violence - bis heute nach. Seine Analyse zeigt, daß es in den USA einen regional ganz unterschiedlichen Umgang mit Gewalt gibt.
(Ob Fischer sagen würde, daß mit George W. Bush ein typischer Texas Man an der Spitze der USA steht? Ich vermute nicht. Denn immerhin stammt GWB ja aus einem alten neu-englischen Geschlecht und außerdem mußten nach Fischer alle jüngeren US-Präsidenten für mehr als eine der vier Kulturen wählbar sein.)
Leider kann ich zu Dirks Kommentar im letzten Posting nichts mehr hinzufügen - das Enetation-Fenster ist "unten zu groß".
Zu "Bowling for Columbine" kann ich mich nicht äußern, da ich den Film nicht gesehen habe. Moore ist natürlich nicht der erste, bestimmt nicht der letzte (und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch nicht der geignetste), der sich zum Thema der Gewaltkultur der U.S. of A. geäußert hat.
Mich selbst hat die Analyse des Historikers David Hackett Fischer überzeugt, der in seinem Buch "Albion's Seed: Four British Folkways in America" neben vielem anderen auch diesen Aspekt der amerikanischen Kultur auf die Eigenarten der vier regionalen "Gründungskulturen" zurückführt, die durch die Einwanderungswellen im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind: die puritanische Kultur Neu-Englands, die auf Einwanderer aus East Anglia zurückgeht; die Kultur Virginias mit ihren Kavalieren aus dem Süden Englands; die Quäker-Kultur am Delaware, die ihre Ursprünge in den nördlichen Midlands hat; die Kultur des amerikanischen Hinterlands, die von Einwanderern aus dem englisch-schottischen Grenzland geprägt wurde.
Gewalt (violence) öffentlich und gesetzlich zu sanktionieren und dem einzelnen auch (mit Einschränkungen) zuzugestehen ist nach Fischer für die "Backcountry"-Kultur typisch, die ihrerseits den "Wilden Westen" des 19. Jahrhunderts beeinflußt und zentral geprägt hat. Nach Fischer wirken diese Kulturen - nicht nur auf dem Gebiet der violence - bis heute nach. Seine Analyse zeigt, daß es in den USA einen regional ganz unterschiedlichen Umgang mit Gewalt gibt.
(Ob Fischer sagen würde, daß mit George W. Bush ein typischer Texas Man an der Spitze der USA steht? Ich vermute nicht. Denn immerhin stammt GWB ja aus einem alten neu-englischen Geschlecht und außerdem mußten nach Fischer alle jüngeren US-Präsidenten für mehr als eine der vier Kulturen wählbar sein.)
25. Juli 2003
UNO setzt Reportern Grenzen
Den Schockwellenreiter linke ich sonst nie, jetzt muß es einfach sein:
Die große Weltfriedensorganisation UNO schließt »Reporter ohne Grenzen« aus allen Sitzungen aus - weil sie im März protestiert hatte, als Libyen den Vorsitz der Menschenrechtskommission übernahm. Die europäischen Vertreter enthielten sich damals übrigens der Stimme. The dialogue must go on ... (Siehe Posting vom 20.1.03)
Den Schockwellenreiter linke ich sonst nie, jetzt muß es einfach sein:
Die große Weltfriedensorganisation UNO schließt »Reporter ohne Grenzen« aus allen Sitzungen aus - weil sie im März protestiert hatte, als Libyen den Vorsitz der Menschenrechtskommission übernahm. Die europäischen Vertreter enthielten sich damals übrigens der Stimme. The dialogue must go on ... (Siehe Posting vom 20.1.03)
Smart Mobs
Internet-Pionier Howard Rheingold kündigt die nächste Revolution an:
"Smart Mobs mobs emerge when communication and computing technologies amplify human talents for cooperation. The impacts of smart mob technology already appear to be both beneficial and destructive, used by some of its earliest adopters to support democracy and by others to coordinate terrorist attacks. The technologies that are beginning to make smart mobs possible are mobile communication devices and pervasive computing - inexpensive microprocessors embedded in everyday objects and environments. Already, governments have fallen, youth subcultures have blossomed from Asia to Scandinavia, new industries have been born and older industries have launched furious counterattacks."
For better or worse. Und die evolutionsgeschichtliche Einordnung ist auch schon da..
Internet-Pionier Howard Rheingold kündigt die nächste Revolution an:
"Smart Mobs mobs emerge when communication and computing technologies amplify human talents for cooperation. The impacts of smart mob technology already appear to be both beneficial and destructive, used by some of its earliest adopters to support democracy and by others to coordinate terrorist attacks. The technologies that are beginning to make smart mobs possible are mobile communication devices and pervasive computing - inexpensive microprocessors embedded in everyday objects and environments. Already, governments have fallen, youth subcultures have blossomed from Asia to Scandinavia, new industries have been born and older industries have launched furious counterattacks."
For better or worse. Und die evolutionsgeschichtliche Einordnung ist auch schon da..
24. Juli 2003
Die Hierarchie
Catholic-Hierarchy hat jede Menge Informationen über katholische Bischöfe und Diözesen. Viel mehr Fakten gibt es über die Nachfolger der Apostel nicht zusammenzutragen!
Catholic-Hierarchy hat jede Menge Informationen über katholische Bischöfe und Diözesen. Viel mehr Fakten gibt es über die Nachfolger der Apostel nicht zusammenzutragen!
Anti-Heise
"Je komplizierter die Weltlage, desto fester glauben die Deutschen an Verschwörungstheorien." (Die Zeit)
"Je komplizierter die Weltlage, desto fester glauben die Deutschen an Verschwörungstheorien." (Die Zeit)
Gutenberg-Bibel digital
In Philos Arbeitsbuch: Das Harry Ransom Center an der University of Texas hat seine Gutenberg-Bibel - eine der 48 überlebenden - voll digital im Netz!
In Philos Arbeitsbuch: Das Harry Ransom Center an der University of Texas hat seine Gutenberg-Bibel - eine der 48 überlebenden - voll digital im Netz!
Ganz klar: Verbieten
"Pfui Teufel, so ein Weihwasser!" schreibt die Süddeutsche Zeitung.
"In der Gnadenkapelle zu Altötting war der Befund am ekligsten. 100 Millionen Keime in nur einem Milliliter Weihwasser! So das Ergebnis einer Untersuchung beim Institut für Hygiene der LMU München. Außerdem schwammen im Altöttinger Weihwasser Fäden, Sporen, Kügelchen und koagulase positive Staphylokokken (Verursacher von Abszessen, Furunkeln und kurzen Durchfällen). Wie unappetitlich. 'Was sich die Pilger dort ins Gesicht schmieren, kann man mit Abwasser vergleichen', sagt Lebensmittelchemiker Udo Pollmer. 'Hier werden hygienische Mindestanforderungen nicht beachtet.' Er fordert für die Zukunft des Reinigungsrituals: tägliche Weihwasserwechsel oder Beimengung von Salz (tötet Keime) oder regelmäßige Kontrollen durch staatliche Stellen."
Oder - die quasi ökumenische Lösung: Abschaffen. Ist doch eh nur ein Symbol. Oder?
"Pfui Teufel, so ein Weihwasser!" schreibt die Süddeutsche Zeitung.
"In der Gnadenkapelle zu Altötting war der Befund am ekligsten. 100 Millionen Keime in nur einem Milliliter Weihwasser! So das Ergebnis einer Untersuchung beim Institut für Hygiene der LMU München. Außerdem schwammen im Altöttinger Weihwasser Fäden, Sporen, Kügelchen und koagulase positive Staphylokokken (Verursacher von Abszessen, Furunkeln und kurzen Durchfällen). Wie unappetitlich. 'Was sich die Pilger dort ins Gesicht schmieren, kann man mit Abwasser vergleichen', sagt Lebensmittelchemiker Udo Pollmer. 'Hier werden hygienische Mindestanforderungen nicht beachtet.' Er fordert für die Zukunft des Reinigungsrituals: tägliche Weihwasserwechsel oder Beimengung von Salz (tötet Keime) oder regelmäßige Kontrollen durch staatliche Stellen."
Oder - die quasi ökumenische Lösung: Abschaffen. Ist doch eh nur ein Symbol. Oder?
R.S. Thomas: Which?
And in the book I read:
God is love. But lifting
my head, I do no find it
so. Shall I return
to my book and, between
print, wander an air
heavy with the scent
of this one word? Or not trust
language, only the blows that
life gives me, wearing them
like those red tokens with which
an agreement is sealed?
Welche?
Und ich lese in dem Buch:
Gott ist Liebe. Hebend aber
den Kopf, finde ich es anders.
Soll ich mich wieder zuwenden
meinem Buch und, zwischen den
Zeilen, wandern in einer Luft,
die schwer ist vom Duft dieses
einen Worts? Oder nicht trauen
der Sprache, nur den Schlägen, die
das Leben verteilt, und sie tragen
wie jene roten Zeichen, die
einen Vertrag besiegeln?
And in the book I read:
God is love. But lifting
my head, I do no find it
so. Shall I return
to my book and, between
print, wander an air
heavy with the scent
of this one word? Or not trust
language, only the blows that
life gives me, wearing them
like those red tokens with which
an agreement is sealed?
Welche?
Und ich lese in dem Buch:
Gott ist Liebe. Hebend aber
den Kopf, finde ich es anders.
Soll ich mich wieder zuwenden
meinem Buch und, zwischen den
Zeilen, wandern in einer Luft,
die schwer ist vom Duft dieses
einen Worts? Oder nicht trauen
der Sprache, nur den Schlägen, die
das Leben verteilt, und sie tragen
wie jene roten Zeichen, die
einen Vertrag besiegeln?
Ein ganz normaler Mensch wie Mami und Pappi.
Ich gestehe sogar im realen Leben, selten einen Kalauer ungenutzt vorüberziehen zu lassen. Unmöglich also, diese Sätze eines meiner Lieblingsprediger unkommentiert zu lassen:
"Für viele Christen geht die hohe Theologie – die jetzt im Abendmahlsstreit wieder sehr nachdrücklich bemüht wird – an den Köpfen, vor allen Dingen aber an den Herzen vorbei. Am vergangenen Sonntag konnte ich unterhalb des Aggensteins an der Bad Kissinger Hütte einen Berggottesdienst feiern. Natürlich für alle mit Brot und Wein. Für die Kinder hatten wir an diesem heißen Tag Limo auf den Altar gestellt; sie gehörten ja zu unserer Hüttengemeinschaft ganz dazu. Hinterher sagte ein Junge zu seiner Mutter: 'Der Pfarrer ist ein ganz normaler Mensch!'"
O-Ton von der Kissinger Hütte: "Du, Mami, ich will aber keine Limo. Ich will lieber Cola." - "Du, Sebastian, der Roland hat extra keine Cola auf den Altar gestellt." - "Warum? Ich will aber doch Cola!" - "Weil die aus Amerika kommt, Du weißt doch, von denen, die wo den Saddam wegen dem Öl überfallen haben. Und weil da so viele gestorben sind, deswegen trinken wir jetzt keine Cola mehr. Und außerdem ist Cola ungesund." - "Aber Limo ist auch nicht gut für die Zähne, sagt die Frau Hagelstein in der Schule." - "Ja, aber ihr kriegt doch jeder nur eine kleine Flasche." -"Ich will aber Cola, und die Limo langt sowieso nicht. Der Kasten auf dem Altar ist viel zu wenig für die ganzen Kinder! Der Roland ist genauso wie ihr. Ihr kauft auch immer zu wenig Limo. Und Cola auch nicht."
Ich gestehe sogar im realen Leben, selten einen Kalauer ungenutzt vorüberziehen zu lassen. Unmöglich also, diese Sätze eines meiner Lieblingsprediger unkommentiert zu lassen:
"Für viele Christen geht die hohe Theologie – die jetzt im Abendmahlsstreit wieder sehr nachdrücklich bemüht wird – an den Köpfen, vor allen Dingen aber an den Herzen vorbei. Am vergangenen Sonntag konnte ich unterhalb des Aggensteins an der Bad Kissinger Hütte einen Berggottesdienst feiern. Natürlich für alle mit Brot und Wein. Für die Kinder hatten wir an diesem heißen Tag Limo auf den Altar gestellt; sie gehörten ja zu unserer Hüttengemeinschaft ganz dazu. Hinterher sagte ein Junge zu seiner Mutter: 'Der Pfarrer ist ein ganz normaler Mensch!'"
O-Ton von der Kissinger Hütte: "Du, Mami, ich will aber keine Limo. Ich will lieber Cola." - "Du, Sebastian, der Roland hat extra keine Cola auf den Altar gestellt." - "Warum? Ich will aber doch Cola!" - "Weil die aus Amerika kommt, Du weißt doch, von denen, die wo den Saddam wegen dem Öl überfallen haben. Und weil da so viele gestorben sind, deswegen trinken wir jetzt keine Cola mehr. Und außerdem ist Cola ungesund." - "Aber Limo ist auch nicht gut für die Zähne, sagt die Frau Hagelstein in der Schule." - "Ja, aber ihr kriegt doch jeder nur eine kleine Flasche." -"Ich will aber Cola, und die Limo langt sowieso nicht. Der Kasten auf dem Altar ist viel zu wenig für die ganzen Kinder! Der Roland ist genauso wie ihr. Ihr kauft auch immer zu wenig Limo. Und Cola auch nicht."
23. Juli 2003
Die Zukunft hat schon begonnen
Passend zum vorigen Posting der Hinweis auf einen Artikel in Touchstone, dem Journal of Mere Christianity (und einem Musterbeispiel praktizierter Ökumene!). Richard J. Mammana, Jr. rezensiert zwei Bücher über den Aufbruch junger Erwachsener (wie es so schön heißt) zu einem in seiner Fülle gelebten katholischen bzw. evangelikal-protestantischen Glauben.
"Here, as elsewhere in The New Faithful, there is a nuanced and cautious reading of the signs of the times. The signs do point to a decline in vitality for 'polyester-pantsuit-clad nuns spinning John Lennon records in high school religion classes' and 'agnostic confirmation instructors puffing on cigarettes while extolling existentialism to their teenage charges.' The new alternative to this tomfoolery is far more traditional, far more wholesome, and far more lively.
Yet if Carroll and Webber are right in their major theses—and let us hope they are—there will be laborers for the harvest when the 'suicide of liberal Christianity,' as historian Thomas Reeves called it, runs the last stages of its course. And when orthodox believers have weathered the current storms of social secularism, governmental restriction, and doctrinal disorder within church bodies, then new faces can begin afresh the work of restoring the unity of Christ’s own Bride."
Passend zum vorigen Posting der Hinweis auf einen Artikel in Touchstone, dem Journal of Mere Christianity (und einem Musterbeispiel praktizierter Ökumene!). Richard J. Mammana, Jr. rezensiert zwei Bücher über den Aufbruch junger Erwachsener (wie es so schön heißt) zu einem in seiner Fülle gelebten katholischen bzw. evangelikal-protestantischen Glauben.
"Here, as elsewhere in The New Faithful, there is a nuanced and cautious reading of the signs of the times. The signs do point to a decline in vitality for 'polyester-pantsuit-clad nuns spinning John Lennon records in high school religion classes' and 'agnostic confirmation instructors puffing on cigarettes while extolling existentialism to their teenage charges.' The new alternative to this tomfoolery is far more traditional, far more wholesome, and far more lively.
Yet if Carroll and Webber are right in their major theses—and let us hope they are—there will be laborers for the harvest when the 'suicide of liberal Christianity,' as historian Thomas Reeves called it, runs the last stages of its course. And when orthodox believers have weathered the current storms of social secularism, governmental restriction, and doctrinal disorder within church bodies, then new faces can begin afresh the work of restoring the unity of Christ’s own Bride."
Konvertiten, Revertiten und andere Neu-Gläubige
Gerard Serafin hat in seinem Blog eine ganze Menge von Konvertiten aufgelistet. Sowas könnten wir doch auch für den deutschsprachigen Raum beginnen? Nicht um anderskonfessionelle Schwestern und Brüder zu beschämen, sondern in erster Linie um uns klar zu machen, daß unsere alte, römisch-katholische Kirche "attraktiv, jung und lebendig" ist und daß GOtt ihr nicht die Schlechtesten zuführt. Für den Anfang fallen mir ein:
Fono, Isa Vermehren, Christa Meves, Gabriele Kuby, Adrienne von Speyr, Gertrud von le Fort, Heinrich Schlier, Erik Peterson, Peter Seewald, Horst Bürkle.
Update am 28.7.2003: Werner Bergengruen, Edith Stein, Karin Struck, Gustav Mahler, Theodor Haecker, Dietrich von Hildebrand, Ernst Jünger, Alfred Döblin, Reinhold Schneider, Heinrich Spaemann
Update am 30.7.2003: Siegfried Ernst, Erwin Hilbert, Elfriede Goldschmidt,
Gerard Serafin hat in seinem Blog eine ganze Menge von Konvertiten aufgelistet. Sowas könnten wir doch auch für den deutschsprachigen Raum beginnen? Nicht um anderskonfessionelle Schwestern und Brüder zu beschämen, sondern in erster Linie um uns klar zu machen, daß unsere alte, römisch-katholische Kirche "attraktiv, jung und lebendig" ist und daß GOtt ihr nicht die Schlechtesten zuführt. Für den Anfang fallen mir ein:
Fono, Isa Vermehren, Christa Meves, Gabriele Kuby, Adrienne von Speyr, Gertrud von le Fort, Heinrich Schlier, Erik Peterson, Peter Seewald, Horst Bürkle.
Update am 28.7.2003: Werner Bergengruen, Edith Stein, Karin Struck, Gustav Mahler, Theodor Haecker, Dietrich von Hildebrand, Ernst Jünger, Alfred Döblin, Reinhold Schneider, Heinrich Spaemann
Update am 30.7.2003: Siegfried Ernst, Erwin Hilbert, Elfriede Goldschmidt,
Das Evangelium nach Robert Zimmerman
Nach dem Hinweis auf das Evangelium according to Dr. Ralph Stanley sei nun auf ein Album mit Bob Dylan-Gospelsongs hingewiesen. Im Sojourners-Magazin findet sich eine schöne Rezension.
Könnte das Kaufen und Anhören lohnen.
Nach dem Hinweis auf das Evangelium according to Dr. Ralph Stanley sei nun auf ein Album mit Bob Dylan-Gospelsongs hingewiesen. Im Sojourners-Magazin findet sich eine schöne Rezension.
Könnte das Kaufen und Anhören lohnen.
Küblböcks Memoiren
"Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?" (Lk 12, 56f)
"Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?" (Lk 12, 56f)
22. Juli 2003
Jesus aber sprach zu seinen Mitarbeitern
"Über die Vergänglichkeit der Bibel" ist der Untertitel des Essays "Thron und Altar" von Hanno Helbling in der Neuen Zürcher Zeitung vom 19. 7. 2003. Aber nicht die Vergänglichkeit der Bibel, sondern ihrer Interpretationen und Zähmungen durch die Jahrhundert ist eigentlich sein Thema.
Beginnend beim Predigtvers für den Gedächtnisgottesdienst für Friedrich den Großen 1786 über den Alltagsgebrauch von Bibelworten und Büchmanns Zitatenschatz bis zum Aufbegehren gegen Milieu- und Bildungschristentum des 20. Jahrhunderts zeigt er an vielen Beispielen, wie wir alle die Bibel inkulturieren, indem wir sie für unsere Zwecke und für unsere Ideologien in Dienst nehmen.
Vielleicht ist das fast unvermeidlich; jedenfalls aber unterliegen auch all die einem Irrtum, die meinen, mit Verheutigung und Vereinfachung die Bibel dem "modernen Menschen" (wer auch immer das ist) näher bringen zu können. Denn das Heutige ist immer auch banal, und das Fremde der Bibel ist nie mühelos zu erkennen und zu akzeptieren.
Helbling: "Die Inhalte der Verkündigung werden von dem frommen Zungenschlag freigehalten, der nicht mehr als «zeitgemäss» gilt - was er schon früher nicht war, nur hatte man das von einer religiösen Ausdrucksweise auch nicht erwartet. An die Stelle der «Sprache Kanaans» tritt eine Alltagssprache, deren Echtheit oft zweifelhaft bleibt, die aber der Enttabuisierung dient, den Zugang zum Evangelium - zu der «guten Nachricht», wie es nun heissen kann - leicht macht, zugleich allerdings auch lenkt; denn die zeitgemässe Rede erfasst vorzugsweise diejenigen Aspekte der Lehre Jesu, die sich als «heutig», als aktuell im Sinn ideologischer Vorgaben deuten lassen.
Die sprachliche Aufbereitung bezieht den Text der Heiligen Schrift mit ein. Wenn das Wort «Evangelium» mit «gute Nachricht» übersetzt wird, soll das einer Leserschaft entgegenkommen, von der man - jetzt erst - feststellt, dass sie weder die griechische noch die latinisierte Vokabel gelernt hat und sie nur sozusagen empirisch versteht. Eine «Nachricht» und nicht etwa eine «Botschaft» muss es aber deshalb sein, weil «Botschaft» schon zu feierlich, zu wenig alltäglich klingt. Eine Nachricht, und dazu noch eine gute Nachricht erzeugt keine «Schwellenangst», nimmt niemandem den Atem - es sei denn, die erzählten Ereignisse hätten trotzdem etwas Beunruhigendes an sich. Und die Beunruhigung, oder die Betroffenheit, durch das Gelesene oder Gehörte lässt sich dadurch gewiss auch erhöhen, dass die Geschichte nicht altvertraut wirkt, sondern durch einen fürs Erste noch ungewohnten, verfremdeten Wortlaut die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Nun steckt in jeder Neufassung eine Polemik gegen den alten Text; das gilt für die katholische Liturgiereform so gut wie für die modernen Bibelübersetzungen. Und die Polemik richtet sich über den Text hinaus auch gegen (profan gesprochen) sein Stammpublikum. Wenn nun zum Beispiel steht: «Jesus aber sprach zu seinen Mitarbeitern», und diese Formulierung wird damit begründet, dass man heutigen Menschen nicht zumuten könne, zu wissen, was ein Jünger sei, so ist das zwar ausnehmend töricht, aber gerade deshalb aufschlussreich. Denn darauf, was ein Jünger ist, haben schon gestrige Menschen nur kommen können, indem sie ein Kapitel eines Evangeliums lasen; erst wenn das Wort in dem Text nicht mehr vorkommt, verliert sich die Kenntnis. Und eben das soll sie auch. Die «gute Nachricht» soll sich durch keine Sonderterminologie auf eine Vorverständigung beziehen, nicht an ein Bescheidwissen appellieren, das einem kirchlich-bildungsbürgerlichen Traditionsverband den Vortritt zum Altar gewährt."
"Über die Vergänglichkeit der Bibel" ist der Untertitel des Essays "Thron und Altar" von Hanno Helbling in der Neuen Zürcher Zeitung vom 19. 7. 2003. Aber nicht die Vergänglichkeit der Bibel, sondern ihrer Interpretationen und Zähmungen durch die Jahrhundert ist eigentlich sein Thema.
Beginnend beim Predigtvers für den Gedächtnisgottesdienst für Friedrich den Großen 1786 über den Alltagsgebrauch von Bibelworten und Büchmanns Zitatenschatz bis zum Aufbegehren gegen Milieu- und Bildungschristentum des 20. Jahrhunderts zeigt er an vielen Beispielen, wie wir alle die Bibel inkulturieren, indem wir sie für unsere Zwecke und für unsere Ideologien in Dienst nehmen.
Vielleicht ist das fast unvermeidlich; jedenfalls aber unterliegen auch all die einem Irrtum, die meinen, mit Verheutigung und Vereinfachung die Bibel dem "modernen Menschen" (wer auch immer das ist) näher bringen zu können. Denn das Heutige ist immer auch banal, und das Fremde der Bibel ist nie mühelos zu erkennen und zu akzeptieren.
Helbling: "Die Inhalte der Verkündigung werden von dem frommen Zungenschlag freigehalten, der nicht mehr als «zeitgemäss» gilt - was er schon früher nicht war, nur hatte man das von einer religiösen Ausdrucksweise auch nicht erwartet. An die Stelle der «Sprache Kanaans» tritt eine Alltagssprache, deren Echtheit oft zweifelhaft bleibt, die aber der Enttabuisierung dient, den Zugang zum Evangelium - zu der «guten Nachricht», wie es nun heissen kann - leicht macht, zugleich allerdings auch lenkt; denn die zeitgemässe Rede erfasst vorzugsweise diejenigen Aspekte der Lehre Jesu, die sich als «heutig», als aktuell im Sinn ideologischer Vorgaben deuten lassen.
Die sprachliche Aufbereitung bezieht den Text der Heiligen Schrift mit ein. Wenn das Wort «Evangelium» mit «gute Nachricht» übersetzt wird, soll das einer Leserschaft entgegenkommen, von der man - jetzt erst - feststellt, dass sie weder die griechische noch die latinisierte Vokabel gelernt hat und sie nur sozusagen empirisch versteht. Eine «Nachricht» und nicht etwa eine «Botschaft» muss es aber deshalb sein, weil «Botschaft» schon zu feierlich, zu wenig alltäglich klingt. Eine Nachricht, und dazu noch eine gute Nachricht erzeugt keine «Schwellenangst», nimmt niemandem den Atem - es sei denn, die erzählten Ereignisse hätten trotzdem etwas Beunruhigendes an sich. Und die Beunruhigung, oder die Betroffenheit, durch das Gelesene oder Gehörte lässt sich dadurch gewiss auch erhöhen, dass die Geschichte nicht altvertraut wirkt, sondern durch einen fürs Erste noch ungewohnten, verfremdeten Wortlaut die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Nun steckt in jeder Neufassung eine Polemik gegen den alten Text; das gilt für die katholische Liturgiereform so gut wie für die modernen Bibelübersetzungen. Und die Polemik richtet sich über den Text hinaus auch gegen (profan gesprochen) sein Stammpublikum. Wenn nun zum Beispiel steht: «Jesus aber sprach zu seinen Mitarbeitern», und diese Formulierung wird damit begründet, dass man heutigen Menschen nicht zumuten könne, zu wissen, was ein Jünger sei, so ist das zwar ausnehmend töricht, aber gerade deshalb aufschlussreich. Denn darauf, was ein Jünger ist, haben schon gestrige Menschen nur kommen können, indem sie ein Kapitel eines Evangeliums lasen; erst wenn das Wort in dem Text nicht mehr vorkommt, verliert sich die Kenntnis. Und eben das soll sie auch. Die «gute Nachricht» soll sich durch keine Sonderterminologie auf eine Vorverständigung beziehen, nicht an ein Bescheidwissen appellieren, das einem kirchlich-bildungsbürgerlichen Traditionsverband den Vortritt zum Altar gewährt."
Steak, Bier, Zigarre
Michael Novak zitiert G. K. Chesterton in seinem First Things-Artikel Women, Ordination, and Angels:
"Catholicism ... is a thick steak, a glass of stout, and a good cigar."
Michael Novak zitiert G. K. Chesterton in seinem First Things-Artikel Women, Ordination, and Angels:
"Catholicism ... is a thick steak, a glass of stout, and a good cigar."
Was sagen denn eigentlich die Orthodoxen?
Angesichts des momentanen ökumenischen Trubel vergessen wir leicht, daß es noch einen großen und wichtigen Partner in der Ökumene gibt - die Orthodoxie.
Huw verweist in seinem Doxos-Blog auf einen Vortrag des russisch-orthodoxen Bischofs von Wien und Österreich, Hilarion Alfejew, der kein Blatt vor den Mund nimmt:
"The main challenge from within Christianity is the liberalization of doctrine and morality which is occurring in many churches of the Reformation under the influence of processes taking place in secular society. This liberalization is constantly criticized by the Orthodox Churches, but their voice is not properly heard, and the gap between them and their ecumenical partners of the Reformist background is only widening. (...)
In my opinion, recent liberalization of teaching and practice in many Protestant churches has alienated them from the Orthodox much more than all prior Protestant history.
It has also undermined the common Christian witness to the secularized world. Here in Europe Christian voice is not united: we preach different moral standards, our doctrinal standpoints are dissimilar, and our social positions vary a great deal. One wonders whether we can still speak of ‘Christianity’ or whether it would be more accurate to refer to ‘Christianities’, that it, markedly diverse versions of the Christian faith.
Liberal tendencies, I contend, make Christianity ever more vulnerable in the face of militant secularism, which steals from us millions of people, notably youth. Many Christian communities, especially in Western Europe, experience a catastrophic shortage of vocations. But what is the reason for this? One of the reasons is precisely that doctrinal and moral liberalism which not only undermines credibility of Christian communities in the eyes of the secular world but also makes Christianity uninteresting and irrelevant, since it does not challenge secular society and does not have anything significantly different to offer to young people educated by secular culture." (Orthodoxy Today)
Angesichts des momentanen ökumenischen Trubel vergessen wir leicht, daß es noch einen großen und wichtigen Partner in der Ökumene gibt - die Orthodoxie.
Huw verweist in seinem Doxos-Blog auf einen Vortrag des russisch-orthodoxen Bischofs von Wien und Österreich, Hilarion Alfejew, der kein Blatt vor den Mund nimmt:
"The main challenge from within Christianity is the liberalization of doctrine and morality which is occurring in many churches of the Reformation under the influence of processes taking place in secular society. This liberalization is constantly criticized by the Orthodox Churches, but their voice is not properly heard, and the gap between them and their ecumenical partners of the Reformist background is only widening. (...)
In my opinion, recent liberalization of teaching and practice in many Protestant churches has alienated them from the Orthodox much more than all prior Protestant history.
It has also undermined the common Christian witness to the secularized world. Here in Europe Christian voice is not united: we preach different moral standards, our doctrinal standpoints are dissimilar, and our social positions vary a great deal. One wonders whether we can still speak of ‘Christianity’ or whether it would be more accurate to refer to ‘Christianities’, that it, markedly diverse versions of the Christian faith.
Liberal tendencies, I contend, make Christianity ever more vulnerable in the face of militant secularism, which steals from us millions of people, notably youth. Many Christian communities, especially in Western Europe, experience a catastrophic shortage of vocations. But what is the reason for this? One of the reasons is precisely that doctrinal and moral liberalism which not only undermines credibility of Christian communities in the eyes of the secular world but also makes Christianity uninteresting and irrelevant, since it does not challenge secular society and does not have anything significantly different to offer to young people educated by secular culture." (Orthodoxy Today)
21. Juli 2003
Richtig telefonieren
"There is no sweeter sound to another person than the sound of his own name. Be sure to use it whenever appropriate." Das ist nur einer der vielen nützlichen Tipps aus dem netten Ratgeber "How to make friends by Telephone".
Gefunden, Herr Scipio, im netbib weblog.
"There is no sweeter sound to another person than the sound of his own name. Be sure to use it whenever appropriate." Das ist nur einer der vielen nützlichen Tipps aus dem netten Ratgeber "How to make friends by Telephone".
Gefunden, Herr Scipio, im netbib weblog.
Was soll ich denn heute kochen?
Angehende Mütter können sich bei Mamas Klassiker die besten Sprüche für ein glückliches Leben mit ihren Kindern abholen. (via netbib weblog)
Angehende Mütter können sich bei Mamas Klassiker die besten Sprüche für ein glückliches Leben mit ihren Kindern abholen. (via netbib weblog)
What would Elvis sing?
Tears in Heaven, Graceland oder gar Dieter B.s Pink Cadillac? Klar!
(via A Saintly Salmagundi)
Tears in Heaven, Graceland oder gar Dieter B.s Pink Cadillac? Klar!
(via A Saintly Salmagundi)
20. Juli 2003
Liturgische Blüten IV
Von Caroline Madsen stammt der Artikel "The Common Word: Recovering Liturgical Speech" in der Zeitschrift CrossCurrents, der einige sehr interessante Beobachtungen und Befunde zur Psychologie und Geschichte der liturgischen Sprache bringt.
Gerade gegenüber einem Trend (und zunehmend einer Praxis), der Liturgie als Ort sieht, an dem sich Gefühle ausdrücken (vgl. die dauernden Aufforderungen, Liturgie solle Freude ausstrahlen, die Menschen sollten dort auf einander zugehen und sich begegnen), stellt sie sehr realistisch fest:
"Liturgie beginnt bei einer der eher trostlosen Tatsachen menschlicher Erfahrung: Wir leben in Gruppen, aber sehr wenig von dem, was wir am meisten sagen müssen, kann in einer Gruppe gesagt werden. Zwischen den Leuten, die wir zu gut, und denen, die wir nicht gut genug kennen, können wir in einem öffentlichen liturgischen Rahmen nicht viel über oder unter die Oberfläche gehen - außer mit indirekten Methoden. Unsere Geheimnisse sind zu mächtig, oder zu zerbrechlich, für eine solche Enthüllung."
Liturgie löst dieses Problem durch ihre hoch formale Struktur, die "in Momenten der Verwundbarkeit die Teilnehmer gegen die Risiken einer Interaktion schützt. David Crystal, ein Linguist, der sich auf Intonation spezialisiert hat, bemerkt einmal, daß die Rezitation von geschriebener Liturgie in einem der Monotonie nahen Tonfall stattfindet. Mienenspiel, spontane Gesten, Heben und Senken der Stimme - sie alle verschwinden; Gebet, praktisch als die einzige unserer sprachlichen Ausdrucksweisen, ist emotiv, ohne expressiv zu sein. Die Trance-ähnliche Wiederholung emotional aufgeladener Sprache - gesprochen in der Gegenwart anderer, aber der wesentlichen Werkzeuge der Unterhaltung beraubt - erlaubt es einer intensiven Innerlichkeit, in einer äußerlichen Form aufzutauchen."
Madsen verfolgt die Geschichte der englischen Sprache in der (protestantischen bzw. anglikanischen) Liturgie, macht kurze Exkurse in die neurologischen Auswirkungen und Grundlagen liturgischen Sprechens und fordert eine Liturgie, die wie die traditionellen jüdischen und christlichen Liturgien, die erfahrenen Zerstörungen und Verluste erinnert. "Von allen Ironien des 20. Jahrhunderts ist nicht die geringste, daß im Jahrhundert Hitlers und Stalins, Freuds und Einsteins, im Jahrhundert der Schützengräben und der staatlichen finanzierten Gaskammern, der Atombombe, der chemischen Waffen und der globalen Erwärmung ausgerechnet die Liturgie optimistisch werden soll."
Optimistisch, das darf man ergänzen, nicht in der Erwartung von Gottes absoluter und eschatologischer Zukunft, sondern im Sinn einer oberflächlichen heilen Welt.
Ich denke, das gibt einen Vorgeschmack auf die knapp sieben Seiten, die sich für jeden lohnen, der sich für Liturgie interessiert (und wie unten: das Englische nicht scheut).
Von Caroline Madsen stammt der Artikel "The Common Word: Recovering Liturgical Speech" in der Zeitschrift CrossCurrents, der einige sehr interessante Beobachtungen und Befunde zur Psychologie und Geschichte der liturgischen Sprache bringt.
Gerade gegenüber einem Trend (und zunehmend einer Praxis), der Liturgie als Ort sieht, an dem sich Gefühle ausdrücken (vgl. die dauernden Aufforderungen, Liturgie solle Freude ausstrahlen, die Menschen sollten dort auf einander zugehen und sich begegnen), stellt sie sehr realistisch fest:
"Liturgie beginnt bei einer der eher trostlosen Tatsachen menschlicher Erfahrung: Wir leben in Gruppen, aber sehr wenig von dem, was wir am meisten sagen müssen, kann in einer Gruppe gesagt werden. Zwischen den Leuten, die wir zu gut, und denen, die wir nicht gut genug kennen, können wir in einem öffentlichen liturgischen Rahmen nicht viel über oder unter die Oberfläche gehen - außer mit indirekten Methoden. Unsere Geheimnisse sind zu mächtig, oder zu zerbrechlich, für eine solche Enthüllung."
Liturgie löst dieses Problem durch ihre hoch formale Struktur, die "in Momenten der Verwundbarkeit die Teilnehmer gegen die Risiken einer Interaktion schützt. David Crystal, ein Linguist, der sich auf Intonation spezialisiert hat, bemerkt einmal, daß die Rezitation von geschriebener Liturgie in einem der Monotonie nahen Tonfall stattfindet. Mienenspiel, spontane Gesten, Heben und Senken der Stimme - sie alle verschwinden; Gebet, praktisch als die einzige unserer sprachlichen Ausdrucksweisen, ist emotiv, ohne expressiv zu sein. Die Trance-ähnliche Wiederholung emotional aufgeladener Sprache - gesprochen in der Gegenwart anderer, aber der wesentlichen Werkzeuge der Unterhaltung beraubt - erlaubt es einer intensiven Innerlichkeit, in einer äußerlichen Form aufzutauchen."
Madsen verfolgt die Geschichte der englischen Sprache in der (protestantischen bzw. anglikanischen) Liturgie, macht kurze Exkurse in die neurologischen Auswirkungen und Grundlagen liturgischen Sprechens und fordert eine Liturgie, die wie die traditionellen jüdischen und christlichen Liturgien, die erfahrenen Zerstörungen und Verluste erinnert. "Von allen Ironien des 20. Jahrhunderts ist nicht die geringste, daß im Jahrhundert Hitlers und Stalins, Freuds und Einsteins, im Jahrhundert der Schützengräben und der staatlichen finanzierten Gaskammern, der Atombombe, der chemischen Waffen und der globalen Erwärmung ausgerechnet die Liturgie optimistisch werden soll."
Optimistisch, das darf man ergänzen, nicht in der Erwartung von Gottes absoluter und eschatologischer Zukunft, sondern im Sinn einer oberflächlichen heilen Welt.
Ich denke, das gibt einen Vorgeschmack auf die knapp sieben Seiten, die sich für jeden lohnen, der sich für Liturgie interessiert (und wie unten: das Englische nicht scheut).
Liturgische Blüten III
Schon ein bißchen älter, aber erst gestern von mir gelesen: Ein Eintrag von Victor Lams, in dem er ein US-Neues Geistliches Lied und den Werbe-Jingle von Mr. Clean (=Meister Propper) vergleicht. Clean schneidet inhaltlich und lyrisch bei weitem besser ab.
Wer das Englische nicht scheut, wird seinen Spaß haben.
Schon ein bißchen älter, aber erst gestern von mir gelesen: Ein Eintrag von Victor Lams, in dem er ein US-Neues Geistliches Lied und den Werbe-Jingle von Mr. Clean (=Meister Propper) vergleicht. Clean schneidet inhaltlich und lyrisch bei weitem besser ab.
Wer das Englische nicht scheut, wird seinen Spaß haben.
Liturgische Blüten II
Scheint auch ein Kennzeichen von Christen zu sein, daß sie das Normale tun wollen und tun - aber dafür eine hochtheologische Begründung beiziehen.
Die Essenz der heutigen Predigt: "Wenn der Streß uns packt und wir eine Pause brauchen, dann sorgt Gott weiter für die uns anvertraute Aufgabe. So dürfen uns dann sorglos entspannen."
Scheint auch ein Kennzeichen von Christen zu sein, daß sie das Normale tun wollen und tun - aber dafür eine hochtheologische Begründung beiziehen.
Die Essenz der heutigen Predigt: "Wenn der Streß uns packt und wir eine Pause brauchen, dann sorgt Gott weiter für die uns anvertraute Aufgabe. So dürfen uns dann sorglos entspannen."
Na, geht doch.
Da waren's schon sechs dkWs. Grund genug, die Freunde und Kollegen alphabetisch zu sortieren.
Da waren's schon sechs dkWs. Grund genug, die Freunde und Kollegen alphabetisch zu sortieren.
19. Juli 2003
Vorauseilender Ungehorsam
Walter Kasper 1970: "Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden. Deshalb können einzelne gemeinsame Eucharistiefeiern, wenn sie in christlicher Verantwortung begangen werden, ein Zeichen der Hoffnung sein, dass die trennenden Gräben aus der Vergangenheit durch gemeinsame Anstrengung überwunden werden können, indem sich alle im Glauben an den einen Herrn um den einen Tisch versammeln, um das eine Brot zu teilen und sich zu einem Leib verbinden zu lassen."
Christliche Verantwortung. Dehnbar wie nur irgendein Schlagwort. Und jeder hat sie, der sie für sich beansprucht.
Guido Horst in der Tagespost gibt die genaue Zitatstelle im Werk des jungen Kasper an und stellt fest, daß wie so oft im Leben andere die Suppe löffeln müssen als der Koch, der verliebt in seine revolutionären, progressiven Kochideen mit dem Salz nicht spart.
Walter Kasper 1970: "Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden. Deshalb können einzelne gemeinsame Eucharistiefeiern, wenn sie in christlicher Verantwortung begangen werden, ein Zeichen der Hoffnung sein, dass die trennenden Gräben aus der Vergangenheit durch gemeinsame Anstrengung überwunden werden können, indem sich alle im Glauben an den einen Herrn um den einen Tisch versammeln, um das eine Brot zu teilen und sich zu einem Leib verbinden zu lassen."
Christliche Verantwortung. Dehnbar wie nur irgendein Schlagwort. Und jeder hat sie, der sie für sich beansprucht.
Guido Horst in der Tagespost gibt die genaue Zitatstelle im Werk des jungen Kasper an und stellt fest, daß wie so oft im Leben andere die Suppe löffeln müssen als der Koch, der verliebt in seine revolutionären, progressiven Kochideen mit dem Salz nicht spart.
Pietistische Präsidentenlogik
Keiner wird wegen seiner logischen Fähigkeiten Bundespräsident. Illustriert hat das gestern Johannes Rau.
Wenn die Frankfurter Rundschau bzw. dpa richtig berichten, sagt er in einem ZDF-Interview: "Der ökumenische Kirchentag war gerade von den jungen Leuten her ein Zeichen dafür, dass sich Institutionen verändern. Um so schrecklicher ist für mich die Maßregelung eines Priesters, die ich als evangelischer Christ nicht verstehen kann, ohne da der katholischen Kirche ins Wort fallen zu wollen."
Sein Folgerung, daß die Suspendierung des Prof.em. GH schrecklich sei, trägt natürlich nur, wenn zur Feststellung sich ändernder Institutionen weitere Sätze dazukommen. Genau da wird es kritisch, und deshalb hat sie Rau wohl auch verschluckt.
a) Der ÖKT insgesamt und besonders die Art der Beteiligung junger Leute zeigt, daß sich Institutionen (hier: die Kirchen) verändern.
b) Diese Veränderung ist nicht nur ein historisches oder soziologisches Faktum, sondern eine Veränderung zu etwas Besserem, ein Fortschritt also im neuzeitlichen Sinn.
c) Daher darf diese Veränderung nicht nur festgestellt oder gar verlangsamt oder gestoppt, sondern muß gefördert und unterstützt werden.
d) Die Suspendierung eines Priesters aus kirchenrechtlichen Gründen oder wegen unerlaubter Abendmahlsgemeinschaft fördert diese Veränderung nicht.
e) Deshalb (und vielleicht wegen des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs mit dem ÖKT) ist sie schrecklich.
Ganz klar ist Satz b der Angelpunkt des Rauschen Arguments. Damit er gilt, muß aber entweder definiert sein, was einen Fortschritt, was eine Entwicklung zu etwas Gutem oder Besserem ausmacht. Das klingt bei J. Rau nicht einmal an und kann deshalb hier nicht einmal ansatzweise kritisiert werden.
Oder wir modifizieren Satz b: Eine Veränderung ist per se, unabhängig von ihrem Inhalt etwas Gutes, geht quasi automatisch in die richtige Richtung. (Voraussetzung mag je nachdem noch sein, daß sie von einer ausreichend großen Zahl von Menschen oder von der richtigen Gruppe wie z.B. der Jugend getragen wird.)
Dann erhebt sich natürlich das Problem der Prognose und des zeitlichen Horizonts: Wer gibt J. Rau die Sicherheit, daß die Prognose richtig ist und eben keine self-fulfilling prophecy, die propagandistisch wirken soll und wirkt? Wenn aber die Prognose richtig ist: Wie geht es nach Erreichen des nächsten Stadiums weiter? Gibt es evtl ein Rollback, ein Wiederaufgreifen früherer Zustände der veränderten Institutionen? Und wäre dieses Rollback nicht auch ein Fortschritt, da ja - s.o. - jede Veränderung per se gut ist? Wäre es dann nicht besser, wir würden gleich längerfristige Tendenzen stärken?
Bevor es zu kompliziert wird, höre ich auf - nicht ohne vorher noch zusammenfassend zustellen, daß für mich als katholischen Christ Johannes Raus Logik ziemlich schrecklich ist, ohne ihn allerdings kritisieren zu wollen. Wie das funktioniert, weiß er selbst am besten.
Keiner wird wegen seiner logischen Fähigkeiten Bundespräsident. Illustriert hat das gestern Johannes Rau.
Wenn die Frankfurter Rundschau bzw. dpa richtig berichten, sagt er in einem ZDF-Interview: "Der ökumenische Kirchentag war gerade von den jungen Leuten her ein Zeichen dafür, dass sich Institutionen verändern. Um so schrecklicher ist für mich die Maßregelung eines Priesters, die ich als evangelischer Christ nicht verstehen kann, ohne da der katholischen Kirche ins Wort fallen zu wollen."
Sein Folgerung, daß die Suspendierung des Prof.em. GH schrecklich sei, trägt natürlich nur, wenn zur Feststellung sich ändernder Institutionen weitere Sätze dazukommen. Genau da wird es kritisch, und deshalb hat sie Rau wohl auch verschluckt.
a) Der ÖKT insgesamt und besonders die Art der Beteiligung junger Leute zeigt, daß sich Institutionen (hier: die Kirchen) verändern.
b) Diese Veränderung ist nicht nur ein historisches oder soziologisches Faktum, sondern eine Veränderung zu etwas Besserem, ein Fortschritt also im neuzeitlichen Sinn.
c) Daher darf diese Veränderung nicht nur festgestellt oder gar verlangsamt oder gestoppt, sondern muß gefördert und unterstützt werden.
d) Die Suspendierung eines Priesters aus kirchenrechtlichen Gründen oder wegen unerlaubter Abendmahlsgemeinschaft fördert diese Veränderung nicht.
e) Deshalb (und vielleicht wegen des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs mit dem ÖKT) ist sie schrecklich.
Ganz klar ist Satz b der Angelpunkt des Rauschen Arguments. Damit er gilt, muß aber entweder definiert sein, was einen Fortschritt, was eine Entwicklung zu etwas Gutem oder Besserem ausmacht. Das klingt bei J. Rau nicht einmal an und kann deshalb hier nicht einmal ansatzweise kritisiert werden.
Oder wir modifizieren Satz b: Eine Veränderung ist per se, unabhängig von ihrem Inhalt etwas Gutes, geht quasi automatisch in die richtige Richtung. (Voraussetzung mag je nachdem noch sein, daß sie von einer ausreichend großen Zahl von Menschen oder von der richtigen Gruppe wie z.B. der Jugend getragen wird.)
Dann erhebt sich natürlich das Problem der Prognose und des zeitlichen Horizonts: Wer gibt J. Rau die Sicherheit, daß die Prognose richtig ist und eben keine self-fulfilling prophecy, die propagandistisch wirken soll und wirkt? Wenn aber die Prognose richtig ist: Wie geht es nach Erreichen des nächsten Stadiums weiter? Gibt es evtl ein Rollback, ein Wiederaufgreifen früherer Zustände der veränderten Institutionen? Und wäre dieses Rollback nicht auch ein Fortschritt, da ja - s.o. - jede Veränderung per se gut ist? Wäre es dann nicht besser, wir würden gleich längerfristige Tendenzen stärken?
Bevor es zu kompliziert wird, höre ich auf - nicht ohne vorher noch zusammenfassend zustellen, daß für mich als katholischen Christ Johannes Raus Logik ziemlich schrecklich ist, ohne ihn allerdings kritisieren zu wollen. Wie das funktioniert, weiß er selbst am besten.
18. Juli 2003
Hilaire Belloc: Lines to a Don
Remote and ineffectual Don
That dared attack my Chesterton,
With that poor weapon, half-impelled,
Unlearnt, onsteady, hardly held,
Unworthy for a tilt with men –
Your quavering and corroded pen;
Don poor at Bed and worse at Table,
Don pinched, Don starved, Don miserable
Don stuttering, Don with roving eyes,
Don nervous, Don of crudities;
Don clerical, Don ordinary,
Don self-absorbed and solitary;
Don here-and-there, Don epileptic;
Don puffed and empty, Don dyspeptic,
Don dull, Don brutish, Don pedantic;
Don hypocritical, Don bad,
Don furtive, Don three-quarters mad;
Don (since a man must make an end),
Don that shall never be my friend.
Don different from those regal Dons!
With hearts of gold and lungs of bronze,
Who shout and bang and roar and bawl
The Absolute across the hall,
Or sail in amply bellying-gown
Enormous through the Sacred Town,
Bearing from College to their homes
Deep cargoes of gigantic tomes;
Dons admirable! Dons of Might!
Uprising on my inward sight
Compact of ancient tales, and port
And sleep – and learning of a sort.
Dons English, worthy of the land;
Dons rooted; Dons that understand.
Good Dons perpetual that remain
A landmark, walling in the plain –
The horizon of my memories –
Like large and comfortable trees.
Don very much apart from these,
Thou scapegoat Don, thou Don devoted,
Don to thine own damnation quoted,
Perplexed to find thy trivial name
Reared in my verse to lasting shame.
Don dreadful, rasping Don and wearing,
Repulsive Don – Don past all bearing.
Don of the cold and doubtful breath,
Don despicable, Don of death;
Don nasty, skimpy, silent, level;
Don evil; Don that serves the devil.
Don ugly – that makes fifty lines.
There is a Canon which confines
A Rhymed Octosyllabic Curse
If written in Iambic Verse
To fifty lines. I never cut;
I far pretend to end it – but
Believe me I shall soon return.
My fires are banked, but still they burn
To write some more about the Don
That dared attack my Chesterton.
Remote and ineffectual Don
That dared attack my Chesterton,
With that poor weapon, half-impelled,
Unlearnt, onsteady, hardly held,
Unworthy for a tilt with men –
Your quavering and corroded pen;
Don poor at Bed and worse at Table,
Don pinched, Don starved, Don miserable
Don stuttering, Don with roving eyes,
Don nervous, Don of crudities;
Don clerical, Don ordinary,
Don self-absorbed and solitary;
Don here-and-there, Don epileptic;
Don puffed and empty, Don dyspeptic,
Don dull, Don brutish, Don pedantic;
Don hypocritical, Don bad,
Don furtive, Don three-quarters mad;
Don (since a man must make an end),
Don that shall never be my friend.
Don different from those regal Dons!
With hearts of gold and lungs of bronze,
Who shout and bang and roar and bawl
The Absolute across the hall,
Or sail in amply bellying-gown
Enormous through the Sacred Town,
Bearing from College to their homes
Deep cargoes of gigantic tomes;
Dons admirable! Dons of Might!
Uprising on my inward sight
Compact of ancient tales, and port
And sleep – and learning of a sort.
Dons English, worthy of the land;
Dons rooted; Dons that understand.
Good Dons perpetual that remain
A landmark, walling in the plain –
The horizon of my memories –
Like large and comfortable trees.
Don very much apart from these,
Thou scapegoat Don, thou Don devoted,
Don to thine own damnation quoted,
Perplexed to find thy trivial name
Reared in my verse to lasting shame.
Don dreadful, rasping Don and wearing,
Repulsive Don – Don past all bearing.
Don of the cold and doubtful breath,
Don despicable, Don of death;
Don nasty, skimpy, silent, level;
Don evil; Don that serves the devil.
Don ugly – that makes fifty lines.
There is a Canon which confines
A Rhymed Octosyllabic Curse
If written in Iambic Verse
To fifty lines. I never cut;
I far pretend to end it – but
Believe me I shall soon return.
My fires are banked, but still they burn
To write some more about the Don
That dared attack my Chesterton.
Hilaire Belloc: The Catholic Sun
Wherever the Catholic sun doth shine,
There’s always laughter and good red wine.
At least I’ve always found it so.
Benedicamus Domino!
Wherever the Catholic sun doth shine,
There’s always laughter and good red wine.
At least I’ve always found it so.
Benedicamus Domino!
Entweder sichtbar oder gar nicht
Pünktlich kommt der Beitrag von Klaus Berger zur Ökumene in der heutigen FAZ: "Wer Augen hat. Blindekuh-Ökumene: Die unsichtbare Kirche gibt es nicht"
Er nimmt eine - neben den traditionellen Verhandlungsökumenikern und den "Wiedervereinigung jetzt"-Praktizierern - dritte Richtung ins Visier: Hier wird die sichtbare Kircheneinheit gar nicht mehr angezielt, sondern mit einem Verweis auf neutestamentlichen Theologiepluralismus überflüssig gemacht. Der Status quo reicht völlig. "Das höchste Ziel ist damit die Anerkennung jeder Einzelkirche durch die anderen Kirchen, insbesondere durch die katholische. Daher auch der Protest gegen 'Dominus Iesus', weil dieses Dokument anderen Konfessionen das Kirche-Sein abzusprechen schien, was selbst der gebildete Laie so verstand, als werde ihm das Christsein abgesprochen".
Daß dieser Ansatz ganz und gar nicht schriftgemäß ist, erklärt Berger so: "Und wer gar Paulus zum sanften Ökumeniker macht, der alle Christen zum Tisch des Herrn eingeladen hätte, verkennt, daß schon in Galater 1, 8 andere Christen, nämlich solche, die ein anderes Evangelium lehren als Paulus selbst, feierlich mit Bann und Fluch belegt werden. Und wer die nach Ansicht des Paulus falsche Sexualpartnerin hat, mit dem darf man nicht einmal zusammen essen, geschweige denn Abendmahl feiern (1 Korinther 5, 11). Die Leidenschaft für Wahrheit und Eindeutigkeit rangiert nach Paulus vor jeder verschwommenen Nächstenliebe.
So gewiß der Kanon des Neuen Testaments eine Variationsbreite des christlichen Konsenses angibt, so eindeutig ist es kein zukunftsträchtiger Weg, die Wahrheitsfrage auszuklammern. An den Extremen kann man lernen. Anhand der untereinander sehr verschiedenen Gruppen der Anthroposophen, der Mormonen und der Zeugen Jehovas, die sich alle auf Jesus berufen, mag die Bedeutung der Wahrheitsfrage erkennbar werden."
Neutestamentlich ist für ihn das Ziel und die Bedeutung einer sichtbaren Kircheneinheit begründet durch "die sichtbare Einheit durch die Sukzession der Getauften, durch den Kanon und durch die allseits anerkannten Autoritäten", die sich "als menschliche Erfindungen ... relativieren" lassen.
Fazit: "Nach dem vierten Evangelium ist die tätig verwirklichte, sichtbare Einheit der Christen nicht menschlichem Ermessen überlassen, sondern Jesu Gebot. Jesus bindet geradezu den Glauben an ihn als Gottessohn an die Bewahrung der Einheit durch die Jünger (Johannes 17, 21-23). Wer die sichtbare Einheit verletzt - dazu gehören allerdings zumeist zwei Seiten -, der vergeht sich gegen den Willen Jesu. Der Verzicht auf eine sichtbare Einheit der Kirchen und die Ansiedelung der Einheit im Unsichtbaren ist daher für jeden Anhänger des Neuen Testaments unerträglich."
Pünktlich kommt der Beitrag von Klaus Berger zur Ökumene in der heutigen FAZ: "Wer Augen hat. Blindekuh-Ökumene: Die unsichtbare Kirche gibt es nicht"
Er nimmt eine - neben den traditionellen Verhandlungsökumenikern und den "Wiedervereinigung jetzt"-Praktizierern - dritte Richtung ins Visier: Hier wird die sichtbare Kircheneinheit gar nicht mehr angezielt, sondern mit einem Verweis auf neutestamentlichen Theologiepluralismus überflüssig gemacht. Der Status quo reicht völlig. "Das höchste Ziel ist damit die Anerkennung jeder Einzelkirche durch die anderen Kirchen, insbesondere durch die katholische. Daher auch der Protest gegen 'Dominus Iesus', weil dieses Dokument anderen Konfessionen das Kirche-Sein abzusprechen schien, was selbst der gebildete Laie so verstand, als werde ihm das Christsein abgesprochen".
Daß dieser Ansatz ganz und gar nicht schriftgemäß ist, erklärt Berger so: "Und wer gar Paulus zum sanften Ökumeniker macht, der alle Christen zum Tisch des Herrn eingeladen hätte, verkennt, daß schon in Galater 1, 8 andere Christen, nämlich solche, die ein anderes Evangelium lehren als Paulus selbst, feierlich mit Bann und Fluch belegt werden. Und wer die nach Ansicht des Paulus falsche Sexualpartnerin hat, mit dem darf man nicht einmal zusammen essen, geschweige denn Abendmahl feiern (1 Korinther 5, 11). Die Leidenschaft für Wahrheit und Eindeutigkeit rangiert nach Paulus vor jeder verschwommenen Nächstenliebe.
So gewiß der Kanon des Neuen Testaments eine Variationsbreite des christlichen Konsenses angibt, so eindeutig ist es kein zukunftsträchtiger Weg, die Wahrheitsfrage auszuklammern. An den Extremen kann man lernen. Anhand der untereinander sehr verschiedenen Gruppen der Anthroposophen, der Mormonen und der Zeugen Jehovas, die sich alle auf Jesus berufen, mag die Bedeutung der Wahrheitsfrage erkennbar werden."
Neutestamentlich ist für ihn das Ziel und die Bedeutung einer sichtbaren Kircheneinheit begründet durch "die sichtbare Einheit durch die Sukzession der Getauften, durch den Kanon und durch die allseits anerkannten Autoritäten", die sich "als menschliche Erfindungen ... relativieren" lassen.
Fazit: "Nach dem vierten Evangelium ist die tätig verwirklichte, sichtbare Einheit der Christen nicht menschlichem Ermessen überlassen, sondern Jesu Gebot. Jesus bindet geradezu den Glauben an ihn als Gottessohn an die Bewahrung der Einheit durch die Jünger (Johannes 17, 21-23). Wer die sichtbare Einheit verletzt - dazu gehören allerdings zumeist zwei Seiten -, der vergeht sich gegen den Willen Jesu. Der Verzicht auf eine sichtbare Einheit der Kirchen und die Ansiedelung der Einheit im Unsichtbaren ist daher für jeden Anhänger des Neuen Testaments unerträglich."
Eugen Redivivus
Der Evangelische Pressedienst (epd) hat die Identität von Gotthold Hasenhüttl aufgedeckt. Der Mann mit dem unwahrscheinlichen Namen ist in Wirklichkeit - Eugen Drewermann.
Oder kennen Sie einen anderen "Sanften Priester und Rebell"?
[Jezz aba ma Schluß. Damit sich Gotthold nicht weiterwundern muß: "Ständig steht etwas Neues in den Weblogs, auch Dinge, die ich gar nicht gesagt habe" (Quelle wie oben.)
Der Evangelische Pressedienst (epd) hat die Identität von Gotthold Hasenhüttl aufgedeckt. Der Mann mit dem unwahrscheinlichen Namen ist in Wirklichkeit - Eugen Drewermann.
Oder kennen Sie einen anderen "Sanften Priester und Rebell"?
[Jezz aba ma Schluß. Damit sich Gotthold nicht weiterwundern muß: "Ständig steht etwas Neues in den Weblogs, auch Dinge, die ich gar nicht gesagt habe" (Quelle wie oben.)
Endlich!
Gotthold Hasenhüttl hat es in die Schlagzeilen geschafft. Erich bringt siealle in seinem Weblog.
Er tanzte nur einen Sommer. Cito transit gloria mundi - der Ruhm der Welt vergeht im Flug. Das Vergessen kommt. In 25 Jahren pinkelt der erste Hund an seinen Grabstein. Gotthold selber wird schon bereut haben (für den Grammatiker: Futur exakt) und sieht IHN. Ist immer noch geblendet, überwältigt, stummt, leer-voll von IHM. (Keine Angst: Ich bin mir bewußt, daß die ersten drei Sätze für mich genauso stimmen; der vierte hoffentlich noch nicht vn wegen durchschnittlicher Lebenserwartung und so, und wegen der letzten bitte ich Euch, Brüder und Schwestern, um Euer Gebet - für Gotthold und mich.)
Auf den Philippinen, in Südkorea, in Sibirien, in Peru, in Deutschland werden weiterhin Katholiken den Leib und das Blut Christi empfangen. Und irgendein junger Kirchenhistoriker sucht zu seinem Artikel für die 5. Auflage des LThK in den Weiten des Hyperweb nach Material über einen dubiosen katholischen Theologen, der damals in Berlin eine wahnsinnige Provokation unternommen haben soll. Irgendwas mit Hase, oder so. Keine Ahnung. Gab's damals ja viele davon. Sind gegen 2015 ausgestorben. Weil keiner mehr einsah, warum er so gequält katholisch sein sollte. Entweder mach ich's richtig oder lass es bleiben. Richtig.
Gotthold Hasenhüttl hat es in die Schlagzeilen geschafft. Erich bringt sie
Er tanzte nur einen Sommer. Cito transit gloria mundi - der Ruhm der Welt vergeht im Flug. Das Vergessen kommt. In 25 Jahren pinkelt der erste Hund an seinen Grabstein. Gotthold selber wird schon bereut haben (für den Grammatiker: Futur exakt) und sieht IHN. Ist immer noch geblendet, überwältigt, stummt, leer-voll von IHM. (Keine Angst: Ich bin mir bewußt, daß die ersten drei Sätze für mich genauso stimmen; der vierte hoffentlich noch nicht vn wegen durchschnittlicher Lebenserwartung und so, und wegen der letzten bitte ich Euch, Brüder und Schwestern, um Euer Gebet - für Gotthold und mich.)
Auf den Philippinen, in Südkorea, in Sibirien, in Peru, in Deutschland werden weiterhin Katholiken den Leib und das Blut Christi empfangen. Und irgendein junger Kirchenhistoriker sucht zu seinem Artikel für die 5. Auflage des LThK in den Weiten des Hyperweb nach Material über einen dubiosen katholischen Theologen, der damals in Berlin eine wahnsinnige Provokation unternommen haben soll. Irgendwas mit Hase, oder so. Keine Ahnung. Gab's damals ja viele davon. Sind gegen 2015 ausgestorben. Weil keiner mehr einsah, warum er so gequält katholisch sein sollte. Entweder mach ich's richtig oder lass es bleiben. Richtig.
17. Juli 2003
Zum Stand der Krankentötungen in den Niederlanden
Lesen: Fuat S. Oduncu und Wolfgang Eisenmenger: Geringe Lebensqualität: Die finstere Praxis der Sterbehilfe in Holland – bis hin zum Mord
"Die Zahl von Tötungen ohne Verlangen zeigt, dass ein Missbrauch auch durch die de-facto-Legalisierung nicht verhindert werden konnte, ja sie wirft die Frage auf, ob der Missbrauch nicht gerade durch die Duldung und Legalisierung der Tötung gefördert wird."
Lesen: Fuat S. Oduncu und Wolfgang Eisenmenger: Geringe Lebensqualität: Die finstere Praxis der Sterbehilfe in Holland – bis hin zum Mord
"Die Zahl von Tötungen ohne Verlangen zeigt, dass ein Missbrauch auch durch die de-facto-Legalisierung nicht verhindert werden konnte, ja sie wirft die Frage auf, ob der Missbrauch nicht gerade durch die Duldung und Legalisierung der Tötung gefördert wird."
Armer Kerl
Nicht mal die Pensionäre haben mehr ihre Ruhe. Gotthold Hasenhüttl, von Suspendierung bedrohter katholischer Rebell, findet alles nicht so schlimm.
Schön, lehrreich und obercool die Passage: "Damals, erinnert sich Hasenhüttl, habe Pater Klein, der Spiritual der Gregoriana, die Studenten ermutigt, bei aller Kirchenbindung frei zu denken – 'daran habe ich mich gehalten'."
P. Wilhelm Klein SJ dürfte spätestens jetzt im Sarg auf dem Bauch liegen.
Nicht mal die Pensionäre haben mehr ihre Ruhe. Gotthold Hasenhüttl, von Suspendierung bedrohter katholischer Rebell, findet alles nicht so schlimm.
Schön, lehrreich und obercool die Passage: "Damals, erinnert sich Hasenhüttl, habe Pater Klein, der Spiritual der Gregoriana, die Studenten ermutigt, bei aller Kirchenbindung frei zu denken – 'daran habe ich mich gehalten'."
P. Wilhelm Klein SJ dürfte spätestens jetzt im Sarg auf dem Bauch liegen.
Damit lernt sich's leichter.
Was für Chemiker, Chemikanten und Gymnasiasten: The Comic Book Periodic Table of the Elements (via EveTushnet.com)
Was für Chemiker, Chemikanten und Gymnasiasten: The Comic Book Periodic Table of the Elements (via EveTushnet.com)
Laufrichtung
Erich fragt nach der Bewegungsrichtung der "Partner"-Kirchen im ökumenischen Raum.
In der Erwartung des deutschen (oder westeuropäischen) Mainstream ist die Richtung klar: In Richtung eines gesellschaftlich an-/eingepassten Christentums, einer sozial-multireligiös-orientierten, durchaus transzendenzoffenen NGO (Non-Governmental Organization), die die Eintrittsvoraussetzungen - auch in ihre Bürokratie und Leitungsschicht - niedrig hält, ihre gründlich bereute Geschichte auf die "Wir über uns"-Seite abschiebt und sich ansonsten für Frieden, Weltethos, saubere Luft, die UN, gegen Arbeitslosigkeit etc einsetzt. (Umso mehr als das alles den jesuanischen Geist voll verwirklicht.)
Da aber unsere evangelischen Brüder (und manchmal vor allem die Schwestern an ihrer Spitze) damit schon weiter gekommen sind als wir, bewegen sich also die r.-k. Christen auf die Protestanten zu und diese als running target vor uns her in der gleichen Richtung.
Erich fragt nach der Bewegungsrichtung der "Partner"-Kirchen im ökumenischen Raum.
In der Erwartung des deutschen (oder westeuropäischen) Mainstream ist die Richtung klar: In Richtung eines gesellschaftlich an-/eingepassten Christentums, einer sozial-multireligiös-orientierten, durchaus transzendenzoffenen NGO (Non-Governmental Organization), die die Eintrittsvoraussetzungen - auch in ihre Bürokratie und Leitungsschicht - niedrig hält, ihre gründlich bereute Geschichte auf die "Wir über uns"-Seite abschiebt und sich ansonsten für Frieden, Weltethos, saubere Luft, die UN, gegen Arbeitslosigkeit etc einsetzt. (Umso mehr als das alles den jesuanischen Geist voll verwirklicht.)
Da aber unsere evangelischen Brüder (und manchmal vor allem die Schwestern an ihrer Spitze) damit schon weiter gekommen sind als wir, bewegen sich also die r.-k. Christen auf die Protestanten zu und diese als running target vor uns her in der gleichen Richtung.
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