26. März 2004

No Blogging



Bis Donnerstag bin ich da, wo es dieses Bier gibt.
"Geht hinaus und verkündet..." - Fragt sich bloß: Was?



Auch Kollar und Stola beugen dem mageren Jesusbild nicht vor. What would Luther say?

"Die Frage war, was danach passiert ist?

Nachdem er gekreuzigt worden war, hat eine tiefe Enttäuschung seine Anhänger ergriffen, nach dem Motto, jetzt ist alles aus. Dann ist etwas geschehen, was wir nicht greifen können, was höchstens zu deuten ist und was der Glaube akzeptieren kann.

Wir reden von der so genannten Auferstehung?

Das ist das, was wir nachher Auferstehung nennen. Es muss nach diesem Einschnitt ein Hoffen, ein Erwarten, ein Gegen-den-Augenschein-Annehmen aufgekommen sein, dass dieser Mann, der uns seinen Gott so verkündigt hat, nicht einfach in der Versenkung verschwunden ist, in irgendeiner Weise weiter lebendig sein muss. Aus dieser Annahme, so nenne ich es zunächst einmal, ist die Gewissheit geworden, dass das, was dieser Jesus war und verkörpert hat, mit seiner Kreuzigung nicht einfach tot ist, sondern ist in seiner Wirkung und seiner Bedeutung über seinen Tod hinaus lebendig bleibt. Dass diese Überzeugung theologisch erst mal zu dem Begriff "Auferstehung" geführt hat und im realen Glauben die Vorstellung von der Wiederbelebung eines Toten entstanden ist, ist ein weiterer Vorgang, weil der Glaube sich Bilder und Konkretionen sucht."

(Aus dem Interview des Südtiroler Wochenmagazins mit Hans Reimer, dem evangelischen Pastor von Meran.)
"Kein Problem, Chef!"

Das Buch zum Spruch. Eine Tour de Farce durch den längst vergangenen deutschen Alltag AD 2002. Absolut liebenswert!
Es geht ohne

Na, wenigstens ein Fasten, das nicht nur dem Herrn, sondern auch mir gefällt: Handy-Fasten.

Ich hab' nämlich keins.

25. März 2004

Die Wiederkehr der zwei Götter?

Sandro Magister vom italienischen L'espresso stellt die Debatte um die "Passion Christi" in den größeren Zusammenhang einer theologischen Auseinandersetzung um das richtige Verständnis der Heiligen Schrift.

Auf der einen Seite steht eine Strömung, die die Schrift von antijüdischen Tendenzen reinigen und sie deshalb nicht als "direkten Ausdruck des göttlichen Willens" (S. Ceccanti) verstanden wissen will. "Es ist klar, daß die vier Evangelisten ... eine Widerspiegelung der Gemeinschaften waren, zu denen sie gehörten. Notwendigerweise behaupteten sie ihre Identität, indem sie sich von den Juden abhoben. Doch der frühe (christliche) Glaube, der des Sohnes Gottes, konnte nicht anders als einen klaren Bruch zu vollziehen mit dem Glauben, der vom Vater auferlegt war, dem Gesetz des Moses. Dies hatte eine polemische Wirkung auf ihren Bericht von der Passion Christi."

Demgegenüber stehen Theologen wie der Päpstliche Hofprediger P. Raniero Cantalamessa und der Dominikaner Joseph Augustine Di Noia, Sekretär der Glaubenskongregation, die hier eine uralte Häresie heraushören, die des Marcion nämlich:

"M. fixierte seine Lehren in den 'Antithesen', die lediglich fragmentarisch überliefert sind. In ihnen machte er den Gegensatz von Alten und Neuem Testament thematisch. Das alte Testament wird verworfen, weil es einen zürnenden, gerechten, letztlich 'bösen' Gott (den Schöpfergott, Demiurgen) verkünde, der mit dem neutestamentlichen Gott der Liebe nichts gemein habe. Christus, der diesen Gott der Liebe verkündete, habe durch sein Leiden in einem zum Schein angenommenen Leibe (Doketismus) aus der Macht des Demiurgen befreit. Die Ablehnung des Schöpfergottes führte bei den Marcioniten zu einer weltflüchtigen Askese, die sich u. a. in der Ablehnung der Ehe äußerte. Die Zurückweisung des Alten Testamentes war zwangsläufig Antrieb, auch die neutestamentliche Überlieferung von allen Judaismen zu reinigen. M.s Bemühungen in dieser Hinsicht forcierten die Diskussionen um die 'Kanonbildung' und erzwangen dezidierte Stellungnahmen seitens der Großkirche. Das gereinigte Neue Testament M.s enthält neben dem gekürzten Lukasevangelium nur die Paulusbriefe (mit Ausnahme der Pastoralbriefe und des Hebräerbriefs)." (Art. Marcion des Bio-Bibliographischen Kirchenlexikons)

Auch im deutschen Kirchenalltag lässt sich ein ähnliches Phänomen beobachten: Um Jesus als den befreienden Heiler, als den zärtlichen Menschenfreund zu sehen, wird oft ein derart absoluter Gegensatz zwischen jüdischer Gesetzesfrömmigkeit und christlicher Freiheit vom Gesetz konstruiert, daß Marcion tatsächlich um die Ecke lugt. Konsequent wird der vom Konzil reich gedeckte "Tisch des Wortes" Sonntags wieder leer geräumt von der alttestamentlichen Lesung, die nicht ins zeitgemäße Weltbild passt in ihrer Partikularität, ihrem Eifer für das Gesetz und den eifernden Gott Israels.

(Den Text der von Magister angesprochenen Predigt P. Cantalamessas gibt es in einer englischen Version.)

24. März 2004

Und Ostern ist nicht mehr weit



Eier, Hasen, Hühner - und alles als fett- und schokoladenfreie
Marshmellows

23. März 2004

Matt Talbot

Anläßlich einer Kreuzgang-Diskussion bin ich heute wieder auf ihn gestoßen: den irischen Quartalssäufer und Heiligen Matt Talbot. Er war einer der Helden meiner katholischen Kindheit, denn in der alten Heiligenlegende von 1936 war er eine auffällige Figur: ein Dockarbeiter, einer von der Straße, ein Süchtiger und dann doch durch die Gnade Gottes: geheilt, neu geschaffen, großherzig, arm, offen, froh.
Leserbrief an die Heimatzeitung

... , 23. März 2004

Leserbrief zu Ihrem Interview „Ohne jede Barmherzigkeit“ – Main-Echo vom 20./21. März 2004

Sehr geehrte Redaktion,

anbei finden Sie einen Leserbrief zum obigen Artikel, den Sie gerne veröffentlichen dürfen:

„Zu meinem großen Schmerz wird der berüchtigte Film 'Die Sünderin' trotz aller Proteste zuständiger Stellen nun auch in Köln, in der Metropole unserer Erzdiözese aufgeführt. [...] Ich erwarte, daß unsere katholischen Männer und Frauen, erst recht unsere gesunde katholische Jugend in berechtigter Empörung und in christlicher Einmütigkeit die Lichtspielhäuser meidet, die unter Mißbrauche des Namens der Kunst eine Aufführung bringen, die auf eine Zersetzung der sittlichen Begriffe unseres christlichen Volkes hinauskommt.“ So warnte 1951 der spätere Konzilsvater Josef Kardinal Frings seine Gläubigen vor Hildegard Knef.

Über 50 Jahre und ein Konzil später hören die deutschen Katholiken ähnliche Warnungen - mit einem Unterschied: Diesmal geht es um einen Film, der die Passion Jesu aus biblischer und christlicher Perspektive zeigen will. Da muß Gefahr im Verzug sein, wenn die Deutsche Bischofskonferenz schon zwei Wochen vor dem Filmstart ein Statement loslässt und kurz danach – mit EKD und dem Zentralrat der Juden in Deutschland - eine großökumenische Stellungnahme nachschiebt! Für wie mündig hält man uns eigentlich nach 40 Jahren nachkonziliarer Erziehung zur Mündigkeit? Nach 9 – 13 Jahren staatlich gefördertem Religionsunterricht, nach diversen Sakramentskatechesen und allsonntäglichen Predigten?

Die lokalen Theologen dürfen im Konzert der Hierarchen nicht fehlen. So hatten die Leser des Main-Echo am 20. März die Gelegenheit, ganz erstaunliche Neu-Interpretationen des Christen-Glaubens zu vernehmen. Jesus, der charismatische Geschichtenerzähler und Knacker „ganz vertrackter Situationen“ – wenn das „das Entscheidende“ ist, sollten wir das uralt-veraltete Credo endlich updaten und die Formulierung „gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ersatzlos streichen. Und den Rosenkranz mit dem Gesätz: „Jesus, der noch jedes Problem gelöst hat“ ergänzen.

Diakon G. Knörzers Formulierung: „Also ich seh’ überhaupt keinen Gott, an keiner Stelle. Es ist ein gottloser Film“ sagt weniger über den Film als über eine Wahrnehmungsstörung des christlichen Geistlichen. Das bekannte Zitat aus Elie Wiesels Buch „Die Nacht“ („‚Wo ist Gott, wo ist er?’ fragte jemand hinter mir. ...Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: ‚Wo er ist? Hier ist er ... Er hängt dort am Galgen ...’“) gibt die Richtung an, in die wir auf Golgotha blicken müssen, wenn wir Gott sehen wollen. Übrigens sprechen nicht nur konservative Katholiken, sondern auch der evangelische Theologe Jürgen Moltmann vom „gekreuzigte(n) Gott“ und vom „Kreuz Christi als Grund und Kritik christlicher Theologie“. Aber das war 1972 und die Theologie ist eine schnelllebige Wissenschaft. Vielleicht ist ja, was heute „theologisch absolut unzulässig“ ist, auf der nächsten „Reflexionsstufe“ schon wieder erlaubt oder geboten?

Wer das Interview ganz aufmerksam liest, dem wird auch nicht entgangen sein, daß G. Knörzer zwar vom Leben Jesu, nie aber von der „Auferstehung“ spricht: Er redet nur von der „Auferstehungs-“, der „österlichen Geschichte“. – Ist Jesus nun auferweckt, oder erzählen wir uns das nur weiter? Ist die Frage selbst vielleicht schon Ausfluß einer mittelalterlichen „Reflexionsstufe“, die momentan „theologisch absolut unzulässig“ ist?

Wird ein Theologe eigentlich schizophren, wenn er einerseits das Leiden Jesu für ein „kleines Verbindungsglied“ und „die bedeutungslose Seite“ des Christentums hält und dann jeden Sonntag – wie G. Knörzer – mit am Altar steht und die Euchariste mitfeiert, die nach den Worten des Konzils „eingesetzt“ wurde, „um dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauern zu lassen und so der Kirche, seiner geliebten Braut, eine Gedächtnisfeier seines Todes und seiner Auferstehung anzuvertrauen“?

Schon allein um das kirchliche Establishment zu ärgern, möchte man alle über-16jährigen auffordern: Schock deine Eltern, deinen Pfarrer, deinen Religionslehrer - Geh in die „Passion Christi“! Bild dir selber deine Meinung!

Mit freundlichen Grüßen,

scipio

22. März 2004

Lesenswert (via Fonos Log)
Andreas Püttmann: Mel Gibsons Glaubenszeugnis Die Passion Christi.

Wieso bezahlen wir eigentlich nach 40 Jahren postkonziliarer Erziehung zur Mündigkeit eine Funktionärskaste, die uns um des Heils unserer Seelen willen warnt, bestimmte Filme zu besuchen?

Und was für eine spirituelle Weiterentwicklung: 1951 warnten die deutschen Bischöfe unsere Väter und Mütter vor der Sünderin Hildegard Knef: "Zu meinem großen Schmerz wird der berüchtigte Film 'Die Sünderin' trotz aller Proteste zuständiger Stellen nun auch in Köln, in der Metropole unserer Erzdiözese aufgeführt. [...] Ich erwarte, daß unsere katholischen Männer und Frauen, erst recht unsere gesunde katholische Jugend in berechtigter Empörung und in christlicher Einmütigkeit die Lichtspielhäuser meidet, die unter Mißbrauche des Namens der Kunst eine Aufführung bringen, die auf eine Zersetzung der sittlichen Begriffe unseres christlichen Volkes hinauskommt." (Josef Kardinal Frings).

Die Nachfolger ebendieser Bischöfe warnen uns 2004 vor dem Film eines gläubigen Katholiken über die Passion Jesu. Über die Warnung vor der "Sünderin" lachen wir heute, die Warnung vor der "Passion" befolgen wir.
Zwist in Bremen: Dürfen Muslime biblische Geschichte unterrichten?
Nachgedanken zur "Passion Christi"- I

"Nach all den Verrissen, nun mal ehrlich: wer kann es sich erlauben, einen Film nicht gesehen zu haben, vor dem einhellig durch die katholische Bischofskonferenz, der EKD und dem Zentralrat der Juden in Deutschland gewarnt wird?" - damit hat Catholicism Wow absolut recht. Wenn dann noch ein Kino im näheren Umkreis den Besuchern eine Ausweiskontrolle ankündigt und gutbürgerliche Christen aus dem Familienkreis fragen, wie ich denn in diesen Film gehen könne, wo doch gerade heute in der Zeitung zwei Theologen usw. usf. - dann ist "Die Passion Christi" ein absolutes Muß für den White Male Conservative Catholic, der dieses Blog schreibt.

Gestern abend, zur Prime Time saß ich also in unserem lokalen Multiplex-Tempel; der Saal war zu gut 50 % gefüllt - vor allem mit jungen Leuten zwischen 18 und 25 beiderlei Geschlechts, viele Pärchen und kleine Gruppen, mit Cola, Popcorn und Nachos gut versorgt, keine typischen Kirchgänger und Bibelleser (beides cum grano salis). Die Stimmung war etwas ruhiger als sonst und wurde nach der Werbung, die uns leider nicht erspart blieb, ganz still. So weit ich sehen konnte, hielten alle bis zum Ende durch. Viele blieben über den Abspann hin sitzen. Von starken Gefühlen war nichts zu sehen oder zu hören, dafür gab es nachdenkliche Gesichter und leise Gespräche.

Ich habe selber für mich kein Fazit der "Passion" gefunden - es sind nur Bausteine, die ich im Folgenden aufschreibe:
  • Das vierte Gottesknechtlied (Jes 52, 13 - 53, 12) ist einer der zentralen Schlüssel, unter denen Gibson seinen Film verstanden haben will. Nicht nur das Motto "Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt" (53, 5), auch Sätze wie "Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen" (52) oder "Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht." (53, 11) finden ihre filmische Darstellung.
  • Wer mit dem Johannesevangelium, seiner Zuverlässigkeit als historische Quelle und seiner Theologie, Probleme hat, der wird auch weite Teile der "Passion" ablehnen. Denn das Warum der Passion und des Todes Jesu sieht Gibson in der dort gedeuteten Selbsthingabe Jesu für seine "Freunde" und seinem "Selbstverständnis" als "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Jo 14, 6). Ebenso betont Gibson die Souveränität Jesu, die Freiheit, mit der Er Sein Leiden annimmt als den Willen des Vaters - ebenfalls ein johanneisches Thema.
  • Wie sieht es denn aus mit dem "Es ist, wie es war", mit dem Anspruch auf eine vollständige Rekonstruktion des Passionsgeschehen? Wenn Joaquin Navarro-Valls von einer "cineastischen Transskription" spricht, steckt im Adjektiv die Einschränkung: Wir haben es hier mit einem Kunstwerk (manche nennen es "Machwerk", ich weiß) zu tun, und die schließen andere Interpretationen und Darstellungen nicht aus. Auch nach Mel Gibson wird es vermutlich noch viele andere filmische und künstlerische Werke geben, die das Leben und den Tod Jesu mit ihren je eigenen Mitteln zu verstehen suchen.
  • Gibson scheint nun undifferenziert aus den vier Evangelien, aus der katholischen Volksfrömmigkeit und Legende und aus Quellen wie den Schriften Anna Katharina Emmerichs zu schöpfen, ohne Hinweis auf ihre unterschiedliche historische Zuverlässigkeit und theologische Wertigkeit. Er folgt eben nicht streng dem johanneischen Ablauf oder einer synoptischen Perspektive. Der Kreuzabnahme durch Josef von Arimathäa folgt das alte Pieta und der Blick auf eher barocke Zusammenstellung der "Passionswerkzeuge", der "arma Christi". Ich frage mich aber, ob er nicht ganz bewußt genau das darstellt, was jeder von uns ungewollt und quasi-automatisch tut, wenn er die Passion Christi schildern soll: Die Einzelbericht zusammenfügen in eine "best of"-Variante. Nur Exegeten schaffen es wohl, fein-säuberlich jeweils zum matthäischen, markinischen, lukanischen oder johanneischen Jesus zu beten - je nach Anlass oder Lesejahr. Wir andern begegnen dem Einen, dessen Bild in uns aus allen möglichen Elementen sich zu einer - vielleicht - konsistenten "Gestalt" zusammensetzt. "Praestet fides supplementum sensuum defectui" - Der Glaube kommt dem Fehlen sinnlicher Wahrnehmung ergänzend zu Hilfe und füllt die Lücken mit seiner Vorstellungskraft, ein altes Verfahren in der Passionsbetrachtung.
  • Das Schlimmste am Film ist die Musik.
  • Wie schlimm ist die gezeigte Gewalt? Ich kenne kaum Filme aus der Brutalo-Schublade, weder die guten noch die schlechten, und bin auch sonst kein großer Kinogeher oder Filmexperte. Ich habe keine Ahnung, wie "schrottig", slayer- oder splattermäßig - so einer der oben erwähnten Theologen in unserer Lokalzeitung - "The Passion" im Vergleich ist. Es gab nur wenige Momente, wo ich dachte: "Jetzt ist es zu viel. Warum hat er an dieser Stelle nicht aufgehört". Dafür gab es aber einen Moment, wo es mich durchzuckte und ich mir eingestehen musste: "So brutal wie diese Römer - das könnte ich auch sein." Ich selber wurde mir offenbar als jemand, der nicht nur durch Feigheit und Taktieren, nicht nur Hetze und Verleumdung, sondern von schlichter Gewalttätigkeit gepackt, einen Menschen quälen und töten könnte. Eine Sekunde lang war mir klar, daß ich mich weiden könnte am Leiden anderer. Wie sagt Johannes über Jesus: "er wusste, was im Menschen ist". (Jo 2, 25)

(to be continued)
Hat Jesus gelacht?

Dem nachkonziliaren Volksmund und Umbert Eco nach wurde diese Frage in den dunklen Zeiten des Christentums ja mit einem klaren "Nein" beantwortet.

Umso bemerkenswerter eigentlich, daß der "Traditionalist" Mel Gibson in seinem Film gleich zu Anfang mit "Ja" antwortet und noch bemerkenswerter, daß das keiner unserer Großkritiker bemerkt. Aber dann vielleicht auch wieder nicht... De Passione Christi nihil nisi male.

19. März 2004

Todesrate

Die Aktion Lebensrecht für Alle referiert in ihrem Newsletter einen Bericht der WELT: Im Jahr 2001 kommen in Deutschland auf 1.000 Geburten 182,4 Abtreibungen - jedes 6. Kind wird während der Schwangerschaft getötet.
Puder

1920 in Deutschland: Als damals nach dem ersten Krieg, so erzählt die alte Dame, der kleine Bruder zur Welt kam, wurde jeden Abend eines der Kinder auf den Dachboden geschickt und klopfte dort das frische Wurmmehl aus den Balken. In der Küche wurde das Mehl gesiebt, um etwaige Splitter zu entfernen, und über Nacht getrocknet. Damit war der Vorrat an Babypuder für einen neuen Tag gesichert.

18. März 2004

Authentisch statt wahr

Eine Illustration zum vorigen Posting ebenfalls in der ZEIT: Aus anderem Holz. Robin Detje besucht einen Oberammergauer Herrgottsschnitzer - um das Mysterium Tremendum der biblischen Religion und ihre Praktiker zu erleben.

Was er fand, war ein moderner Katholik, der bis vor kurzem beim Schnitzen Guns 'n' Roses hörte, mit seinem Gott ein "recht privates und undogmatisches" Auskommen hat und in der Kunst "die Gnade der persönlichen künstlerischen Erfüllung" erhofft.

Es ist ein weiter Weg vom wahren Antlitz Christi, das die Ikonenmaler des Christlichen Ostens betend und fastend darzustellen suchten, zum "authentischen" Jesus am Kreuz, der sich "in einer tänzerischen Geste himmelwärts" reckt.
Klaus Bergers Therapie

"Es wird nichts helfen, die drei 'K' werden für Christen in dieser weltgeschichtlichen Auseinandersetzung notwendig werden: Katechismus, Kultur und Kinderfreundlichkeit. Mit Katechismus meine ich ein klares und verständliches Begreifen des eigenen Glaubens. Das betrifft besonders jene Positionen, die sich vom Islam unterscheiden, nämlich Dreifaltigkeit und Sühnetod Jesu. Wir können es nicht dabei belassen, dass nur der Islam auftritt als die 'biblische Religion für die Leute von der Straße'. Ein schlichter, klarer Katechismus, wie wir ihn in der Nachkriegszeit hatten, ist überfällig. Unsere Kultur aber sollte mit traditionsbewusster Gelassenheit auftreten, die darum weiß, dass wir viel, aber eben bei weitem nicht alles dem Islam des Mittelalters verdanken. Die Begegnungen werden oft gerade dadurch erschwert, dass die Gemeinsamkeiten weiter reichen, als wir ahnen. Ich habe aber immer wieder Muslime erlebt, die vor glaubwürdig frommen Christen große Hochachtung hatten. So ist es auch im Koran."

Wie geht der Westen mit dem Islam um? Dem Allermeisten im ZEIT-Artikel von Klaus Berger: Die Muslime sind längst unter uns stimme ich zu - eines aber lässt er außer acht: Der Westen - mindestens der europäische - ist säkular. Das eigentliche Thema ist daher nicht, wie Christen und Muslime miteinander umgehen und wie sie einander besser verstehen, sondern wie eine gott-freie Gesellschaft und Kultur mit Kulturen umgeht, in denen die Religion genau so selbstverständlich ist wie in Deutschland das Bekenntnis zur Freiheit des einzelnen, sein Leben nach eigenen, individuellen Vorstellungen zu gestalten, oder zu glauben, was er für richtig hält.

Ein "schlichter, klarer Katechismus" wäre vermutlich eine interessante Lektüre für aufgeschlossene Muslime und einen Teil des Feuilletons, ein Tabu-Buch für die Mehrzahl der deutschen Katholiken, ein schwer verdaulicher Bissen für die Hierarchie und unakzeptabel für die Theologenzunft. No chance, nicht einmal in der katholischen Kirche.
Korrektur am Rande

Das letzte Wort Jesu bei Mel G. sei das aramäische "tetelestai", sagt die FAZ.

Na, da hat aber jemand im Griechisch-Unterricht nicht aufgepasst. "tetelestai" ist immer noch das Perfekt Passiv des griechischen "telein - beenden, abschließen, vollenden".

17. März 2004

"... das ist ein theologisches Verbrechen!"

Na, diese Beiden sind ja richtig empört! Sind wir von 40jährigen Prälaten gar nicht gewohnt...
Empathie statt "backlash"

"Mel Gibson's new film 'The Passion of the Christ' may be reducing anti-Semitism, according to a new poll.

Not only is 'The Passion' not producing the much-feared anti-Semitic backlash, it has actually created an empathy for Jews, according to a poll released by the San Francisco-based Institute for Jewish and Community Research (IJCR).

Among the 1,003 adults recently polled nationwide about the film, 83 percent said it did not make them blame contemporary Jews for Christ's death; only 2 percent said the film made them more likely to hold today's Jews responsible; and 9 percent said the film made them less likely to do so."

('Passion' not fueling anti-Semitism - The Washington Times)
Guido Horst: Mel Gibson oder Karl Rahner?

Die Paradigmen wechseln, während die deutsche Kirche Rahner feiert und huldigt. Die Inkarnation geschieht nicht mehr begrifflich-abstrakt, schwarz auf weiß, sondern vielfarbig-grell und zum Anfassen nah.

Wohl dem, der da noch ruhig akademisch feiern kann.
Leider keine Sensationsmeldung -

Es hätte sich so gut in den Zeitungen gemacht: Man treated after attempting to nail himself to cross - zu schade, daß er "Den Film" noch gar nicht gesehen hat. (via Saintly Salmagundi)

Garantiert unanstössige Kreuze!

Das Jesusbild der heutigen Kirchen sei in "Passion" nicht zu finden, sagt Ferdinand Kaineder, Referent für Laientheologen am Bischöflichen Ordinariat Linz in den Oberösterreichischen Nachrichten.

Meinte er solche Jesusbilder?



Motiv "Greenpeace" (politisch korrekt, daher auch für öffentliche Schulen geeignet)



Motiv "Swimmy" (führt Motive aus dem Kleinkindergottesdienst positiv in den Alltag hinein weiter)



Motiv "Leer" (erregt garantiert keinen Anstoß; völlig gewaltfrei)

16. März 2004

Papstwahl-Empfehlungen aus Belgien

Ein Kerl muss eine Meinung haben! Und deshalb weiß Daniel Vanescote ganz genau, was er vom Nachfolger des Johannes Paul II. erwartet: "Von einem Papst erwarte ich, dass er keine Dogmen aufstellt, sondern unterschiedliche Auffassungen in der Kirche und Gesellschaft wahrnimmt und überbrückt." Und dann hätte er noch gerne jemanden, der auf machtpolitischen Einfluß zugunsten von "Dienen" verzichtet.

Da muss er ja eigentlich mit JPII recht glücklich gewesen sein, denn der hat 1. keine Dogmen aufgestellt und 2. die unterschiedlichen "Auffassungen" in seiner Kirche und dem Rest der Welt sehr wohl wahrgenommen. Nur beim Überbrücken haperte es - was ja nicht am Papst gelegen haben muß.

Und ob Lech Walesa und seine Solidarnosc-Kollegen so froh gewesen wären, wenn der Papst nur schüchtern und bescheiden gedient und nicht auch mal mit den Sowjets diplomatisch Tacheles geredet hätte? Und die vielen anderen Christen und Nicht-Christen, denen JPII durch "machtpolitischen Einfluß" das Leben leichter machte?

Aber sehen wir M. Vanescote seine enge Perspektive nach, schließlich ist er als Synodalpräsident der Vereinigten Protestantische Kirche Belgiens Bürger einer westlichen, zivilen Gesellschaft und benötigt die moralische und machtpolitische Unterstützung des Vatikans frühestens, wenn in akuter Euthanasiegefahr schwebt.

(Südthüringer Zeitung Online: Wer soll der nächste Papst werden?)
Luzifers bloggende Kinder

Steiner-, Waldorf-, Anthro- und Posophenblogs gibt es auch "in stattlicher Anzahl", und zwar mit so richtig schön ungebrochenem Selbstbewußtsein, daß man als weißer deutscher männlicher Katholik - 2000 Jahre Kirchengeschichte auf dem Buckel und in eine hurenhafte Una Sancta hineingetauft - richtig neidisch sein möchte. Denn immerhin wissen sie sich ja von Joseph Beuys gesandt: "Schreiben Sie Artikel, gründen Sie Zeitschriften! Gestalten Sie Ihr Bewusstsein zum Platz der Völker, zur totalen Inkarnation, zum Sinnesorgan des Weltgeistes! Und zwar jetzt und sofort!"

Doch wenn dann wieder das Geraune um Feinstoffhöllen - ähm: -hüllen, unreine und gereinigte Auren und - Henscheid bewahre - Chakren-Arbeit einsetzt, bin ich um meinen leidenden und lebenden Erlöser aus Nazareth schon rein menschlich richtig froh. Freilich gibt es auch Blogs wie das von Felix Hau, der den inneranthroposophischen Frieden (wenn es den denn gibt) mit frechen Bemerkungen und Bildern stört. Highly amusing, auch wenn man nicht zu Luzifers Kindern gehört.

15. März 2004

Her mit den symbolischen Akten!

Nicht schlecht ist auch die Einladung der Benedictine Sisters of Erie, von der Orthodoxie zur Orthopraxie fortzuschreiten:

"Let prayer change you. Do something: Hug someone."
Der fehlende Blog

Nachdem Rachelle Linner in ihrem Commonweal-Artikel bemängelt hatte, daß es noch kein Nonnen-Blog gebe und daß die anderen in der Regel konservativ-katholisch seien, hat der Curt Jester Abhilfe geschaffen: Sr. Mary Biko von der Gemeinschaft der Schwestern von der göttlichen Fortschrittlichkeit beglückt uns als Thoroughly Modern Mary mit ihren Reflexionen zu den üblichen heißen Themen.
Kleider machen Leute

- und nach Nancy Sherman, einer Professorin von der Georgetown-Universität, in einer durchaus anderen Art und Weise, als wir heute üblicherweise annehmen. John Allen berichtet in seinem neuesten Word From Rome über einen Vortrag, den sie in Rom hielt:

"Sherman's point (drawing on Seneca) was that manners matter. The way we speak in polite conversation, our smiles, even the way we dress, over time can help shape our deeper moral selves. Sherman noted that such externals can mask hypocrisy, but they also can help nudge us in virtuous directions. She calls this 'the aesthetic of character'.

Sherman opened with a reference to her experience at the U.S. Naval Academy, where she taught the institution’s first course on ethics. Among other things, she commented on the attention paid in the military to decorum, including the way that a trim and neat uniform is believed to correlate with good conduct.

I was struck by the fact that Sherman made this observation before, in effect, a room full of men in uniform. There were 22 people at the seminar, 15 of whom were priests, and in typical Opus Dei fashion, all were in Roman collar. (Contrast this with her experience at Georgetown, where the Jesuits typically exhibit much greater sartorial flexibility). Her paper made me wonder if wearing priestly dress can help promote priestly virtue."

Christian Geyer hat in seinem Rahner-Jubiläumsartikel vom letzten Samstag Woche den Wandel der Rahnerschen Autorenfotos auf dem Hintergrund der rebellischen 70er analysiert. Vom properen Jesuiten, wie er uns z.B. auf der Rückseite der Erstauflagen des Kleinen Konzilskompendiums entgegenstrahlt, zum zerknitterten und unrasierten Startheologen, der seine Krawatte sichtbar ungern trägt, war in der Tat ein weiter Weg. Im Sinne von Nancy Sherman müsste man sich jetzt fragen, ob er in römischem Kragen und Soutane seinen wuscheligen Briefwechsel mit L. Rinser genauso geführt hätte wie mit offenem Hemdkragen. (Aber gut, vielleicht trug er ja anfangs noch die herkömmliche Priestertracht...)

- Zur Buße für diese Bemerkung werde ich heute ein Extra-Gebet für seine und meine Seele einschieben, dem guten GOtt für das theologische Charisma Rahners danken und seinen lebenden Mitbrüdern im Priesteramt ein tugendhaftes Leben erbitten.

14. März 2004

Zwischenbericht zum Erfolg "zeitgemäßer" religiöser Erziehung in der Familie

"Je mehr Kinder von ihren Eltern dazu angeregt werden, zu beten, gute Christen zu werden, gottesfürchtig zu leben, sich zu bekehren und bibelfest zu werden, desto eher erfahren sie Gott als liebevolles, mächtiges und helfendes Wesen." Das sagt nicht etwa der Maria-Goretti-Kreis oder ein evangelikal-fundamentalistischer Familienpastor, sondern die holländische Kinderpsychologin Simone A. de Roos nach einem interdiszplinären Forschungsprojekt zum Thema "Religiosität und Familie".

Mehr in der Tagespost

13. März 2004

Willkommen im Klub!

Wieder ein Neuer: Hieronymus mit Laudate Nomen Domini

12. März 2004

Wertewandel

"Wahre Werte erleben eine Renaissance" titelte das Handelsblatt gestern. Aber dann ging es doch wieder nur um "Rohstoffe, Strom, Immobilien und agrarische Nutzflächen".
Ahnenreihe der TAZ?



"Alexamenos bete(t) Gott an". (Mehr bei Rodney J. Decker: The Alexamenos Graffito)

Wenn Ihr nicht werdet ...

Endlich mal wieder ein Quiz, und noch dazu ein richtig spirituell korrektes:

My inner child is six years old today

My inner child is six years old!


Look what I can do! I can walk, I can run, I can
read! I like to do stuff, and there's a whole
big world out there to do it in. Just so long
as I can take my blankie and my Mommy and my
three best friends with me, of course.


How Old is Your Inner Child?
brought to you by Quizilla

11. März 2004

Die Plage zu Ein-Dollar-Fünfzig



Die Ägyptischen Plagen in der praktischen Sammelpackung aus dem Jewish.com-Store - "if only Moses knew..."
Aramäisch

Im Gegensatz zu Latein ist das Aramäische keine tote Sprache. Siehe Aramaic Is Alive & Well in the United States bei Catholic Analysis.
Bonbons aus einer vergangenen Welt

"Irgendwer muß Frau Wilhelmine Lübke auch sagen, daß sie auf Staatsbesuchen, ihren Mann nicht mit dem Ruf 'Heini, wir gehen zu Bett' ins Quartier beordern kann."

Diese und noch viele weitere Peinlichkeiten rund um Heini und Minken finden sich auf der finalen Heinrich-Lübke-Gedächtnisseite, die Markus Denkler zum Gedächtnis an den Urahn von Johannes Rau errichtet hat. (via Richard Herzingers Ideen und Irrtümer)

10. März 2004

Kirche von unten

Gerard Serafin verlinkt zu "St. Blog's Church - America’s most vibrant parish?", einer Übersicht über das katholische Blogwesen in Commonweal.

"Catholic blogdom is a predominantly lay phenomenon, and many, if not most, bloggers are married people and parents."
Chronik

Eine Chronik der laufenden Meinungen und Ereignisse rund um Mel Gibsons "Passion" schreibt für uns Josef Christoph Haefely.

9. März 2004

Frauen im Vatikan

Das hat Neuigkeitswert: Mit Barbara Hallensleben und Sara Butler sind erstmals zwei Frauen in die Internationale Theologenkommission des Vatikan berufen worden.

(Reuters und L'Osservatore Romano)
"Der Kerl war gesund!"

Aus dem Stats-Anzeiger vom 31. März 1785:


"Leben und WunderWerke des treuen Dieners Gottes Benedict Josef Labre, der zu Rom im Rufe der Heiligkeit den 16 Apr. gestorben. Aus dem Französischen ins Deutsche übersezt, und kürzlich verfasset von Iacob Schaffer, der ArzneiKunst Doctor in Strasburg. Strasburg, beim Buchdr. der bischöfl. Universität. Mit Gutheissen und Erlaubnis der Obern. 1784, 3, 40 Seiten.

Ein höchstmerkwürdiges ActenStück zur Geschichte der stupidesten Schwärmerei, noch gegen das Ende des 18ten Säculi, in Italien, Frankreich, und Deutschland ... Labre, geb. 1748 in Frankreich, kein Betrüger, aber von Natur ein Schwärmer, und dabei stinkend faul, mag nichts lernen, will nicht arbeiten, verträgt sich in keinem Kloster, wird also ein Bettler von Profession, läuft nun Jar aus und ein von Loreto nach Rom, und von Rom nach Loreto (Reisende finden auf diesem Wege dergleichen TagDiebe noch jetzo in allen JaresZeiten), lebt in Rom wie der elendeste Bettler, wont daselbst im Colosseo, wird voll Ungeziefers, trinkt Wasser mit Essig, frißt lieber die vor die Häuser geworfene CitronenSchalen, als daß er sich, wie einem Menschen und Christen geziemte, durch Arbeiten (der Kerl war gesund, und erst 30 J. alt) ein reinlicheres Brod hätte verdienen sollen: und stirbt im Schmutz, und - wird ein Heiliger, und tut Wunder!...."
Die Tanten bloggen

Nachdem die Tante Zeit das Bloggen schon vor einiger Zeit begonnen hat, sitzt die andere Großtante nun auch am Keyboard: SPD Newslog: // (via netbib weblog)
Das Auge Gottes



(HubbleSite - NewsCenter - 2003 - 11 - Iridescent Glory of Nearby Planetary Nebula Showcased on Astronomy Day via Westprovinz der U.S.-Dominikaner)

8. März 2004

Salz statt Balsam auf moderne Seelen?

Eine der lesenswerten Besprechungen von "The Passion" stammt von Uwe-Siemon-Netto, einem deutschen lutherischen Theologen und UPI-Korrespondenten:

"Must a work of art be so drastic? Could it no be a little less troubling, you know, more of a politically correct balsam to the soul?

Must we really know what it looked like when the Romans scourged people about to be crucified? When they beat them with whips whose leather strips bore metal balls that dug deep into the victim's muscle tearing out chunks of flesh and exposing the bone beneath, as biologist Cathleen Shrier of Azusa Pacific University describes this procedure?

'It is as it was,' Pope John Paul II is reported to have said after previewing the film. But is this reason enough to show this to a society that, in the sarcastic words of Boston University's church historian Carter Lindberg, 'doesn't want to have crucified people hanging around'?

Is this the proper form of edification, for example, for feminist theologians constantly attempting to re-imagine Christ to the point of trying to do away with 'bleeding men dangling from a tree,' as one of their leaders opined a few years ago at an event where they 'consecrated' a Eucharist with milk and honey to celebrate female body juices?"

Es geht nicht um Erbaulichkeit, meint er, sondern um die alte christliche Wahrheit, daß vor Ostern der Karfreitag steht. "Ungekreuzigt steht keiner auf." (via Catholic Analysis)
Keine Zählkandidatin

"bild: Wir haben gehört, Sie sind eine engagierte Katholikin ...

Gesine Schwan: Ja. Der Glaube ist für mich sehr wichtig. Als mich jemand einmal gefragt hat, was für mich das größte Unglück wäre, habe ich geantwortet: Wenn ich meinen Glauben verlieren würde. Ich gehe regelmäßig zur Messe, obwohl ich nicht in einem typisch katholischen Haushalt groß geworden bin." (Aus der B-Zeitung)

Und diese klare Antwort wäre nicht der einzige Grund, warum Gesine Schwan eine gute Bundespräsidentin abgeben würde...
Das Aggiornamento muß weitergehen!

Nach der Lektüre des DBK-Textes zum Gibson-Film bin ich entschlossen, die dort implizierten Kriterien auch auf andere christliche Gedächtnisübungen wie den Kreuzweg anzuwenden.
Flannery O'Connor und christliche Schocktherapie

"The universe of the Catholic fiction writer is one that is founded on the theological truths of the Faith, but particularly on three of them which are basic - the Fall, the Redemption, and the Judgment. These are doctrines that the modern secualr world does not believe in. It does not believe in sin, or in the value that suffering can have, or in eternal responsibility, and since we live in a world that since the sixteenth century has been increasingly domnated by secular thought, the Catholic writer often finds himself writing in and for a world that is unprepared and unwilling to see the meaning of life as he sees it.

This means frequently that he may resort to violent literary means to get his vision across to a hostile audience, and the images and actions he creates may seem distorted and exaggerated to the Catholic mind."

(Catholic Novelists and Their Readers. In: Mystery and Manners, p. 185)

Und noch deutlicher:

"When you can assume that your audience holds the same beliefs you do, you can relax a little and use more normal means of talking to it; when you have to assume that it does not, then you have to make your vision apparent by shock - to the hard of hearing you shout, and for the almost-blind you draw large and startling figures."

(The Fiction Writer & His Country. In: Mystery and Manners, p. 34)

6. März 2004

Sieh da: Es geht auch mal schnell und deutlich

Manchmal, wenn es ums Seelenheil geht, können unsere deutschen Bischöfe ganz ganz schnell reagieren!

So auch jetzt, anläßlich einer Vorabaufführung der "Passion". Die Publizistische Kommission, bestehend aus dem neuen Erzbischof von Paderborn und fünf Weihbischöfen, äußert sich zurückhaltend und sehr sehr vorsichtig.

Und in einer Parallelaktion bekommen wir schon mal die Kritik von Peter Hasenberg zu lesen, die am 18.3. 2004 im Film-Dienst erscheinen wird. "Weil 'Die Passion Christi' keine Kompromisse zulässt, zwingt der Film dazu, Stellung zu beziehen und in Abgrenzung von Mel Gibson die Kernfragen des Glaubens neu zu thematisieren. Der Wert seines Films an sich darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, aber selbst wenn man ihn als gescheitert betrachtet, wirft er Fragen auf, denen sich Christen stellen müssen."

Aber immerhin stellt der Film die Fragen, die die beamteten Hirten und ihr Apparat salbungsvoll-harmonisch und immer kompromißbereit uns höchstens in kleinen Häppchen zu reichen pflegen.
Flugfreuden

"Ich bin Stewardeß. Ich bin diejenige, die zu Ihnen kommen muß, wenn Sie auf die kleine schwarze Frau auf dem gelben Schalter über ihrem Kopf drücken."

Und Ich darf demnächst wieder einmal mit ein paar hundert anderen homines sapientes den Atlantik überqueren und freue mich schon aufs Fliegen. Und natürlich auch auf die freundlichen Stewardessen, die einem im Idealfall das Gefühl vermitteln, daß sie schon immer darauf gewartet haben, einen 8 Stunden lang zu verwöhnen. Geschäftsmäßige Freundlichkeit, die uns das Eingepferchtsein in einer Flugmaschine erleichtert; ein Theaterstück namens höflicher Zuvorkommenheit, die für Augenblicke den Passagier auf Platz 20D als Individuum behandelt.

Je weiter vorne man sitzen darf, desto echter wirkt die Freundlichkeit. Und je weniger einer den "Senator" raushängen läßt, desto echter ist sie - vielleicht. (Ich werde nur "normaler" Business-Passagier sein.)

Lektüre zur Flugvorbereitung: Flucht vor Fluggästen und Flucht vor Stewardessen

5. März 2004

"It's time I reclaim My image!"

Kein Wunder, daß die "Passion" auch schon die Spaßvögel auf den Plan ruft. Auch für meinereinen ganz nett ist der Artikel in der "Onion": "Jesus Demands Creative Control Over Next Movie".

4. März 2004

"Selbst Atheisten erschrecken vor der sich ausbreitenden Leere"

Die Zeit 11 / 2004 - Rauterberg: Von allen guten Geistern verlassen

Mein Kommentar nach außen: Nicht rumpienzen jetzt - jede Gesellschaft bekommt die Kirche, die sie verdient. Mit ein bißchen Zeitverzögerung, weil die Kirche nicht so schnell reagiert. Wenn es dann aber so weit ist, ist der Effekt gewaltig.

Mein Kommentar nach innen: Kirche ist immer mehr als was man sieht. Kirche ist die organisierte und sich selbst organisierende Gegenwart des Drei-Einen Gottes in der Menschheit. Kirche ist lebendiger als wir denken und als wir im Westen normalerweise erfahren. Nicht Niedergang, sondern "Gestaltwandel" ist das, was vor sich geht.

3. März 2004

Marias Fiat

Frei nach Lukas - das musste einfach auch hier rein. Ein Dank an den Curt Jester!

Tabubrecher

Was sind das für Zeiten, wo konservative Katholiken als die letzten Tabubrecher übrigbleiben?

Jens Jessen stellt in der Zeit Nicolas Gomez Davila vor, der als "authentischer Reaktionär" in Tat und Wort seiner und unserer Zeit widersprach, so oft und so sehr er nur konnte.

"Es ist an der Zeit, die Kultur in Verruf zu bringen, damit es sich nicht mehr lohnt, sie im Dienste der Politik oder der Industrie zu erniedrigen."

"Der größte moderne Irrtum besteht nicht in der These vom toten Gott, sondern im Glauben, dass der Teufel tot sei."

"Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht."

2. März 2004

Mit Mel Gibson in der Kirchenbank

Nein, mein Leben dreht sich nicht um "The Passion", auch wenn es für Euch Blog-Leser so aussieht.

Für alle, die immer noch nicht genug zu Mel Gibson, seinem Film und seinem Glauben gelesen haben, gibt es hier einen hochinteressanten Artikel, der als biographischer Schlüssel zum Regisseur und seinem Werk dienen kann.

Sophie Masson, eine australische Schriftstellerin wurde in der gleichen traditionalistisch-katholischen Kirchengemeinde groß wie Mel Gibson und beschreibt den Glauben ihrer Familie, der sie trotz Revolte und Resignation nicht loslässt. Die Augen der Ikone Christi, vor die sie ihr Vater zu erzieherischen Zwecken hinstellte - sie folgen ihr immer noch. Und offensichtlich haben sie auch Mel Gibson nicht losgelassen.

"Today, the understanding of that passion burns deeply in me, the feeling of what religion actually is, for those who fight for it, and in its name. Though I do not share my parents' practices and many of their beliefs, my understanding of the Latin Mass movement is inevitably bound up with my love for and loyalty to them. People who see religion only as sociology, as politics, an intellectual thing, or an irrelevance, who have never been exposed to the vast, extraordinary, searing emotional and spiritual power born of human suffering and passion, may very well misunderstand or misinterpret such a passion."

An Mel Gibson erinnert sie sich: "But back home, I drew rebellious pictures of a bearded, long-haired, bright-eyed young man who bore marked resemblance to one of the Gibson boys, handsome, long-haired, quiet Mel. I would look at the dark, difficult Jesus of the icon, and think, 'I don't want to die early just for some cause. You don't have anything to say to me.'"
Quod licet bovi, non licet Jovi

Schon interessant: Katholiken zerbrechen sich den Kopf, ob der Passion-Film zu sehr die Schuldwelle reitet - und "People for the Ethical Treatment of Animals" hat keine Probleme, mit dem Slogan "He died for Your Sins" Mitleid mit Schweinen und anderen Verzehrtieren zu erzeugen.

(kath.net: Schweine-Reklame: 'Er starb für deine Sünden')

1. März 2004

Judenchrist

"Der unerschütterliche Monotheismus des Bob Dylan" ist Thema einer vierteiligen Artikelserie in Jewsweek, wobei der letzte Teil noch aussteht. (via Against the Grain)
Raymund Schwager SJ - requiesce in pace!




St. Josef berichtet, daß P. Raymund Schwager SJ am vergangenen Freitag plötzlich und unerwartet verstorben ist. Damit hat die Kirche nicht nur einen klugen und innovativen Theologen verloren, sondern auch einen mutigen Mann, der immer wieder für die ganze Wahrheit und gegen verbürgerlichtes Christentum - auch in den eigenen, Theologen-Reihen - eintrat.

Im Juli des letzten Jahres war ich kurz per E-Mail mit ihm in Kontakt, als der Übernahme seines Textes zum Fall "Hasenhüttl" unkompliziert und mit Segenswünschen zustimmte.

Sein Buch "Dem Netz des Jägers entronnen" hatte auch vorher schon einen Ehrenplatz im Bücherschrank.

Zum Paradies mögen ihn die Engel begleiten, dorthin, wo sein Herr ihn erwartet.