29. August 2006

Und wieder die böse Da-Vinci-Falle

Nur ein Roman, rein fiktiv, "freier Acker" zur freien Verfügung des Autors, mit falschen Details versehen, damit jeder merkt: "Alles reine Erfindung". Keine Aufregung.

Aber dann doch: Theologische Unterstützung aus Fribourg, authentischer Hintergrund, "realistischer Gegenentwurf", "so könnte es gewesen sein", dazu "das Gefühl, daß Maria mir das Buch in die Feder diktiert".

Wer protestiert, hat keine Ahnung von der Autonomie der Kunst und bläst die Mücke zum Elefanten auf, steigert die Auflage und verstößt gegen demokratische Grundregeln.

Wer den Mund hält, der wagt nichts zu entgegnen, der geht in die Knie, weil er erkennt, daß postpatriarchalisch die 2000 Jahre alte Botschaft radikal überholt werden müsste, der signalisiert, daß an jungfräulicher Empfängnis und Jungfrauengeburt nicht mehr geglaubt werden kann und Inzest viel wahrscheinlicher ist.

Es geht um einen "Roman über Mutter Gottes" (sic in SpOn), nämlich um "Das Geschenk" einer Frau Maria Elisabeth Straub. Die "Ach-wie-skandalös! Lass-uns-sehen-ob-sie-sich-wieder-empören"-Maschinerie läuft spätestens mit Broders Artikel an.

Kommentare:

Petra hat gesagt…

Da ist mir Jesus: Out of Egypt von Anna Rice allemal lieber, da die es schafft, die Jungfräuliche Geburt und sogar die ewige Jungfräulichkeit der Muttergottes plausibel in einem Roman zu verarbeiten.

Aber wie ich schon sagte: die echte Provokation an diesen Dingen ist nicht der Umstand, "dass es sowas gar nicht gibt", sondern die Jungfräulichkeit an sich. Wer nicht an Keuschheit glaubt, dem ist auch die Jungfräulichkeit ein Gräuel und darum "unmöglich".

dilettantus in interrete hat gesagt…

Letztendlich doch eher "gähn!" oder?

Nur so langweilig und unkritisch hab ich Broder kaum erlebt.