29. Juli 2011

McLuhan und die Kirche II

Aus dem gleichen Interview, aus der gleichen Quelle

»I don't expect to be comfortable. The Church has never told anybody that it is a place of comfort or security in any ordinary psychological sense. Anyone who comes to the Church for that purpose is wrong. There is nothing of that sort available in the Church. There never has been. No, it isn't that kind of institution. At the speed of light there is nothing but violence possible, and violence kills every boundary. Even territory is violated at the speed of light. There is no place left to hide. It becomes a church of the soul.

Christ said: "I do not bring you peace but the sword." The church as the custodian of civilized values and so on - that church is all over, I'd say. We are on a life raft. That sort of survival operation. (...)

I have never been an optimist nor a pessimist. I'm an apocalyptic only. Our only hope is apocalypse. (...)

Apocalypse is not gloom. It's salvation. No Christian could ever be an optimist or pessimist; that is a purely secular state of mind. I have no interest whatever in secular institutions as places to have a nice or a bad time. I don't understand that kind of mentality. I guess it has taken me quite a long time to get to this state; it didn't happen overnight.«

McLuhan und die Kirche I

Marshall McLuhan in einem Interview 1977:

"I never came into the church as a person who was being taught Catholic doctrines. I came in on my knees. That is the only way in. When people start praying they need truths; that's all. You don't come into the Church through ideas and concepts, and you cannot leave by mere disagreement. It has to be a loss of faith, a loss of participation. You can tell: when people leave the Church, they have quit praying. The active relating to the Church's prayer and sacraments is not through ideas. Any Catholic who today has an intellectual disagreement with the Church has an illusion. You cannot have an intellectual disagreement with the Church. That's meaningless. The Church is not an intellectual institution. It is a superhuman institution." (Zitiert unter anderem bei Derrick de Kerckhove: Passion and Precision: The Faith of Marshall McLuhan)

28. Juli 2011

Christus spielt an zehntausend Orten...

Am 28. Juli 1844 wurde in Stratford, Essex, Gerard Manley Hopkins geboren. Anlaß, eines meiner Lieblingsgedichte dieses großen katholischen Dichters zu posten. (Die jüngste deutsche Übersetzung von Dorothea Grünzweig in der zweisprachigen Sammlung "Geliebtes Kind der Sprache" (Edition Rugerup) steht daheim im Regal und folgt ein andermal.)

As kingfishers catch fire, dragonflies draw flame;
As tumbled over rim in roundy wells
Stones ring; like each tucked string tells, each hung bell's
Bow swung finds tongue to fling out broad its name;
Each mortal thing does one thing and the same:
Deals out that being indoors each one dwells;
Selves — goes itself; myself it speaks and spells,
Crying Whát I dó is me: for that I came.

I say móre: the just man justices;
Keeps grace: thát keeps all his goings graces;
Acts in God's eye what in God's eye he is —
Chríst — for Christ plays in ten thousand places,
Lovely in limbs, and lovely in eyes not his
To the Father through the features of men's faces.

26. Juli 2011

Singen lernen mit der Sacred Harp

Gerne weise ich auf zwei "Sacred Harp"-Workshops hin, die am 29. und 30. Oktober in Würzburg und Frankfurt stattfinden: Sie werden privat organisiert und von zwei erfahrenen Sacred Harp-Sängern geleitet. Es sollten pro Workshop etwa 50 Teilnehmer sein, die Anmeldung ist noch bis zum 1. September möglich.

Zum Kennenlernen und Einsingen schon einmal ein paar Youtube-Links.

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"Das Geheimnis des Erfolgs bestand darin, daß man erst einmal zum robusten Individualisten werden mußte, sich dann aber hier und da anzupassen hatte. Danach mußte man sich konform verhalten. Man konnte im Handumdrehen vom robusten Individualisten zum Konformisten werden." (Chronicles vol. 1.- Köln, Kiepenheuer & Wietsch, 2008, S. 97f.) - So erinnert sich Bob Dylan an die frühen 60er, ohne zu zwinkern und auch nur anzudeuten, daß das eine gewissenmaßen überzeitliche Wahrheit sein könnte.

25. Juli 2011

Bloggeburtstag

"Pour tout homme, les ancres sont dans le ciel. C'est en haut qu'il faut chercher ce qui sauve du naufrage." (Rémi Brague)

("Für jeden Menschen sind die Anker im Himmel. Oben ist es, wo man suchen muß, was vor dem Schiffbruch rettet.")

Ich danke allen Lesern, Bekannten und Freunden für die Begleitung! Auf ein neues!

23. Juli 2011

Vorschlag für die nächsten 39 Stuhlkreise

Zur Mannheimer Dialogveranstaltung habe ich noch gar nichts geschrieben. Das machen andere viel kompetenter und treffender, so wie Peter heute bei Echo Romeo.

Eine Anregung würde ich jedoch den 39 Stuhlkreisen (Warum 39? Warum nicht 40?) mitgeben wollen: Bei so viel Harmonie und Übereinstimmung wird es beim nächsten Mal superlangweilig. Außerdem: 300 Leute in einem Raum - da mieft's früher oder später. Und daß geistlich-spirituell nichts läuft, will man sich ja wohl auch nicht vorwerfen lassen.

Wie wäre es daher mit einem "Abend der schwimmenden Lichter", wie er in meiner Nähe jetzt schon zwei- oder dreimal erfolgreich für "Sehnsüchtige, Träumer und Wünscher" veranstaltet wurde? Einen Fluß habt Ihr bestimmt in der Nähe, Teelichter auch, einen rauchenden Bischof mit Streichhölzern gibt's wohl ebenfalls. In der Dämmerung nichts wie raus an den Fluß, still werden, schweigen, nachsinnen, träumen - und dann das Licht in ein Papierboot oder eine gefaltete Tulpe setzen und davongleiten lassen.

Das hat etwas inklusiv-Liturgisches, ist irgendwie jesuanisch-heilend, frauenfreundlich, hierarchiefrei und ökologisch nachhaltig - und vor allem völlig undogmatisch machbar. Gern könnten dann also auch evangelische Dialogbeobachter mitmachen, Muslime, religiös-sensitive Agnostiker, Grünenpolitiker und Presse-Vertreter.

Und wenn dann die Kerzen langsam den Fluß hinabtreiben und in der Dunkelheit verschwinden, dann könnt Ihr gemeinsam von der "großen Strahlkraft" der Kirche träumen.

Das böse Erwachen kommt frühestens am nächsten Tag, wenn die Mückenstiche jucken. Aber da sind die Pressemeldungen ja schon geschrieben.

22. Juli 2011

Das Nötigste und das Gefährdetste

"Es gibt aber auch, nach der Demütigung des hierarchischen Triumphalismus, einen subtileren geistigen Triumphalismus der Gemeinde- oder Gruppenideologie. Aus solcher sind ja von jeher - seit Paulus, Johannes und den Gnostikern - die Sekten der 'reinen Kirche' hervorgegangen. Das sind Leute, die als Einzelne oder als Gemeinschaft das Attribut der kirchlichen Heiligkeit für sich gepachtet haben.

Die Humilität der kleinen Gruppen ist heute das der Kirche Nötigste, aber das Gefährdetste, durch Versuchung zur Weltlichkeit auf der einen, durch Versuchung zur abgeschlossenen Autonomie auf der andern Seite. Ausweg kann nur die Offenheit für die unverkürzte Katholizität der Offenbarung Gottes sein, für jenes Größtmögliche des Einsatzes Gottes in
Christus für die Welt, das keine voreilig abschließende Deutung verträgt, kein Bescheidwissen, keine endgültige Nachahmung und Wiedergabe im christlichen Leben, in Programmen und Einsätzen, sondern als das Immer-Größere uns überragt.

Für diese Katholizität schenkt dem, der empfänglich bleibt, wieder der Heilige Geist einen Instinkt, und der kann genau so scharf sein in dem alten Weib, das seinen Rosenkranz betet wie im Akademiker, der seinen Einsatz rational plant, oder im Theologen, der für den Einsatz Gottes den genuinsten Ausdruck sucht."
(Hans Urs von Balthasar: In Gottes Einsatz leben.- Einsiedeln: Johannes, 1972, S. 104f)

Vor über sechs Jahren schon einmal gepostet, aber immer noch nicht verkehrt.

Urlaubsgepäck



Das schlechte Wetter kann kommen.

20. Juli 2011

Keine Mobibel

Sehe ich das richtig, daß es die Einheitsübersetzung immer noch nicht in einer digitalen Form, geschweige denn für Mobilgeräte gibt? - Luther, Elberfelder, auch die Volxbibel - kein Problem. Die Herder-Übersetzung gibt es fürs iPhone in einer etwas sperrigen Ausgabe - immerhin.

Doch bei der offiziellen Bibelübersetzung der deutschen Katholiken tut sich nichts. Da ist "zappe", im iTunes-Laden genauso wie bei Amazon.

Musik zur Wochenmitte

Ihre Homepage ziert der Bibelvers "I lie down and sleep; I wake again because the Lord sustains me." Das allein reicht nicht, um hier auftreten zu dürfen. Da muß man schon auch musikalisch was drauf haben.

Haben sie, die Sleepy Man Banjo Boys! Den Beweis treten sie hier an, mit dem "Clinch Mountain Backstep" von Ralph Stanley. Endrucksvoll!


Eine Website, wie sie früher einmal war'n

Wo sich der Geburtstag dieses Blogs wieder nähert, denke ich hin und wieder an die guten alten Zeiten zurück, als das Web noch vergleichsweise jung und frisch war - und man sich tierisch freute, wenn man wieder eine gute gemachte Webpage entdeckt hatte.

Eine wie Save The Words zum Beispiel, wie geschaffen für Liebhaber der englischen Sprache: Hunderte von Wörtern wollen adoptiert werden und rufen flehentlich nach einem fleißigen Sprecher und Schreiber, der verspricht, sie in Konversation und Korrespondenz so häufig als möglich nach bestem Mögen und Vermögen einzusetzen.

19. Juli 2011

Supertugendhaft



Das nennt man wohl eine "contradictio in adiecto".

18. Juli 2011

Bernanos zum Spanischen Bürgerkrieg

Vor 85 75 Jahren erhoben sich die spanischen Generäle in Marokko gegen die Regierung der Zweiten Spanischen Republik. Georges Bernanos lebte damals auf Mallorca und war anfangs voller Sympathie für den Aufstand. Die Gräuel, die er in den ersten Monaten des Spanischen Bürgerkrieges von Seiten der von der Kirche unterstützten Aufständischen miterlebte, veränderten seine Position. In seinem Buch "Die großen Friedhöfe unter dem Mond", 1937 und 1938 geschrieben, versuchte er wachzurütteln und der ganzen Wahrheit eine Stimme zu geben, und eben nicht nur dem, was im Blick einer Partei davon übrig blieb. Die Wahrheit ist nicht rot, nicht braun und nicht schwarz, so ähnlich hat er es einmal woanders formuliert.

"Die Welt ist reif für jede Form von Grausamkeit, und sie ist reif für jede Form von Fanatismus und Aberglaube. Sie will bei allem lediglich einige ihrer Gewohnheiten respektiert sehn, etwa, dass man ihrer seltsamen Tierliebe nicht zu nahe tritt (die vielleicht eine der wenigen Errungenschaften der modernen abendländischen Empfindsamkeit darstellt). Ich glaube, darüber hinaus würden sich die Deutschen sehr rasch daran gewöhnen, ihre Juden, und die Stalinisten ihre Trotzkisten öffentlich brennen zu sehen.

Ich hab’s gesehn, mit eigenen Augen habe ich’s gesehn, ich, der ich zu euch spreche: ich habe ein kleines christliches Volk mit einer Tradition der Friedfertigkeit, mit einer außerordentlichen, fast übertriebenen Liebe zur Geselligkeit, plötzlich sich verhärten sehn, ich habe die Gesichter hart werden sehn, ja selbst die Gesichter der Kinder. Vollkommen sinnlos, sich einzureden, man könne gewisse Leidenschaften unter Kontrolle behalten, wenn sie erst einmal entfesselt sind. (...)

Monate hindurch wurden die Mordkommandos in Mallorca in eigens zu diesem Zweck beschlagnahmten Lastwagen blitzschnell von Dorf zu Dorf befördert und überall schossen sie kaltblütig, vor aller Augen, Tausende von Verdächtigen nieder, Leute, gegen die selbst das Militärgericht nicht den geringsten Rechtsvorwand hätte finden können. Seine Exzellenz der Herr Erzbischof von Palma war darüber genauso unterrichtet wie jeder andere. Nichtsdestoweniger hat er sich, so oft er konnte, an der Seite dieser Henker sehn lassen, von denen einige - man wusste es allgemein - den Mord von Hunderten von Menschen an ihren Händen kleben hatten. Wird diese Haltung morgen die Haltung der Kirche sein?"
(Die großen Friedhöfe unter dem Mond.- Zürich: Arche, 1983, S. 166 f)

(Mit Dank an die aufmerksame Leserschaft für den Hinweis auf 75 seit 1936 vergangene Jahre. Es war einfach schon zu spät...)

16. Juli 2011

Tante-Emma-Laden



(Aus Dr. Boli's Celebrated Magazine)

Der Stolz der Außenseiter

Die "Welt" (Wer genau wird nicht klar - ist es Arno Lustiger, Hans Maier oder sind es beide?) rezensiert "Schritte über uns hinaus", den zweiten Band von Robert Spaemanns gesammelten Reden und Aufsätzen und zitiert den Philosphen mit einer Kindheitsgeschichte:

"Als ich 9 Jahre alt war, musste ich mit dem sogenannten Jungvolk, der Kinderorganisation der Nazis, mitmarschieren. Ich hatte als einziger Junge keine Uniform. Ich erinnere mich, dass es für mich ein Akt der Befreiung war, mich nicht zu schämen. Ich sagte zwar dem Fähnleinführer, dass meine Eltern kein Geld hätten, mir eine Uniform zu kaufen. Aber ich wusste, dass meine Eltern sie nicht kauften, weil sie eine Naziuniform ablehnten, und ich war stolz darauf. Das scheint mir überaus wichtig zu sein. Wenn eine christliche Familie in einer nicht christlichen Umgebung ihre Lebensweise leben will, dann kommt alles darauf an, dass die Kinder sich nicht schämen. Und das können sie nur, wenn sie ihre Außenseiterposition durch Stolz ausgleichen. Ohne diesen Stolz hätte das Judentum nicht zweitausend Jahre der Diaspora überlebt. Demut ist eine Tugend für Erwachsene, nicht für Kinder."

15. Juli 2011

Mit Brecht fragen

Brecht, ausnahmsweise einmal, mit der Miszelle "Darstellung von Sätzen in einer neuen Enzyklopädie":

"1. Wem nützt der Satz?
2. Wem zu nutzen gibt er vor?
3. Zu was fordert er auf?
4. Welche Praxis entspricht ihm?
5. Was für Sätze hat er zur Folge? Welche Sätze stützen ihn?
6. In welcher Lage wird er gesprochen? Von wem?"

Born to be what?



"I was not born to be free.

I was born to adore and to obey." (C. S. Lewis via Happy Catholic)

12. Juli 2011

Unkalkulierte Auslieferung

Vor der guten Nacht und dem "Nunc dimittis" bei "Da quod iubes et iube quod vis" noch diesen Satz aus dem Würzburger Synoden-Beschluß "Unsere Hoffnung" aufgeschnappt:

"Im Gebet wagen wir diese Armut, die unkalkulierte Auslieferung unseres Lebens an den Vater."

Katholische Spaßfraktion, made in the USofA

Nicht für jedermann, zugegeben. Über die paar sachlichen Fehler wollen wir nicht streiten. Die swearwords nicht erwähnen.

Doch weil das ganze recht lustig ist und immerhin in einer der bekanntesten (und wohl besten) amerikanischen Satiresendungen lief, gehört es auf mindestens einen deutschen Blogozesenblog:

Stephen Colbert und Jack White übertrumpfen sich gegenseitig mit mixta catholica.



(Not sure whether we would ever see something like it on German TV. Gottschalk and Jauch might be capable of it.)

(via Happy Catholic)

11. Juli 2011

Meanwhile, further down the slippery slope ...

Wenn die Bruchsaler Katholiken, die am 28. Juni 2011 ihre "Oekumenische Erklärung" vom Stapel ließen, nur wüssten, wie verdammt hochnäsig und exklusiv sie immer noch sind, dann hätten sie bestimmt gleich den nächsten Schritt mitgemacht.

Stattdessen hinken Deutschlands fortschrittlichste Katholiken nur wieder hilf- und ahnungslos ihren ökumenischen Geschwistern aus Gottes ehemaligem "own country" hinterher. Sind so ängstlich, wie sie es ihren konservativeren Freunden sonst vorwerfen, wenn sie an alt-veralteten Traditionen festhalten, die moderne Menschen einfach nicht mehr verstehen.

Oder wer sagt denn, daß man in der Nachfolge Jesu Christi stehen müsse, um an den Tisch des Herrn geladen zu sein?

Das geht viel viel inklusiver - so man nur will. Man lese nur den Boston Globe (via get religion):

A quiet revolution is taking place at the altars of many churches - in the form of bread and wine.

Communion, the central ritual of most Christian worship services and long a members-only sacrament, is increasingly being opened to any willing participant, including the nonbaptized, the nonbeliever, and the non-Christian.

The change is most dramatic in the Episcopal Church, particularly in liberal dioceses like Massachusetts. The denomination’s rules are clear: “No unbaptized person shall be eligible to receive Holy Communion in this Church.” Yet, a recent survey by the Episcopal Diocese of Massachusetts found that nearly three-quarters of local parishes are practicing “open Communion,” inviting anyone to partake."

7. Juli 2011

Zufall oder Überraschung?

Unerwartet früh (o.k., es war 18h00) Feierabend machen können an einem wunderschönen Sommertag in Paris, bei Gibert Jeune den zweiten Band eines 30 Jahre alten Klassikers finden, auf den zu hoffen man schon aufgegeben hatte, dazu noch zu einem sagenhaften "occasion"-Preis, anschließend über die Seine an Notre-Dame vorbei in aller Seelenruhe zum Hotel schlendern, unterwegs einen Kaffee trinken, sich über den Trubel freuen und über all die, die sich ihrerseits am Trubel freuen, und über das Leben überhaupt.

Was soll man da auf die Frage des "Philosophie Magazine" antworten, die einen von den Kiosken anhüpft?



Nachtrag: Dabei vergaß ich noch ganz zu erwähnen, daß mich der Herr an der Hotelrezeption mit Handschlag begrüßte.

6. Juli 2011

Deutsche Hauptstadt

Außer Landes zu sein hilft definitiv, deutsche Aufgeregtheiten als solche wahrzunehmen.

Dieses Berliner Sommertheater ist von Paris aus gesehen einfach lächerlich. Aber so war es ja schon öfters: Der endlich aufgeklärte und an der Spitze des Fortschritts marschierende Deutsche macht rest- und gnadenlos ernst. Statt entspannt den Kopf zu schütteln, sollte ihm ein katholischer Bischof, der ihm per Selbstdefinition nichts bedeutet und nichts zu sagen hat, einmal nicht passen.

So deutsch wie immer mit seinem ganzen Wesen.

Keimende Vorurteile

Wenn der Franzose gerade nicht leidenschaftlich ißt, dann diskutiert er leidenschaftlich.

Wenn er gerade keinen zum Diskutieren dabei hat, dann ruft er schnell und lautstark einen an. Und findet kein Ende.

4. Juli 2011

Freundschaft

Gerade sah ich, dass es eine Freundin auf FB geschafft hat, mit sich selbst befreundet zu sein. Das amtliche Spaemann-Zitat dazu, abfotografiert aus GoogleBooks:

3. Juli 2011

Zweimal Indirektes zu Röser

Soll ich jetzt auch noch zum Artikel "Kirche wohin?" von Johannes Röser im "Christ in der Gegenwart" meinen Senf geben? Reicht Elsas volle Breitseite etwa nicht? Oder schießt man damit nicht sowieso und von vornherein auf sterbenskranke Spatzen?

Ich tu's mal indirekt, mit zwei Fundstücken, die andeuten, wo die von Röser gewünschte Diskussion, eine über Gott im Horizont der "Welterfahrung" von "Menschen des 21. Jahrhunderts, die sich in der Moderne erprobt und bewährt haben" hingehen sollte und was mir bei den wenigen Andeutungen, die Röser dazu macht, schon einmal fehlt:

Zum einen mit knappen 2 Minuten evangelikal-fundamentalistischer Klarheit im vollen Country-&-Western-Modus, die auch katholischer Gewissenserforschung dienen können:



(Ja, Billy Joe Shaver singt wirklich Unerhörtes und Ungehöriges: "If you don't love Jesus, go to hell. Take your rotten rags of righteousness and stuff them up yourself. If you don't love Jesus, go to hell." - Propheten dürfen das gelegentlich: übers Ziel hinausschießen. Fragt Johannes Röser. ;-) )

Zum zweiten ein paar Zeilen aus Robert Spaemanns 1972er Aufsatz "Die Frage nach der Bedeutung des Wortes 'Gott'":

"Ob der Mensch Gott braucht oder nicht, diese Frage läßt sich letzten Endes gar nicht anthropologisch entscheiden. Und die Frage, ob Gott ist oder nicht, läßt sich nicht vom Brauchen des Menschen her beantworten, sondern umgekehrt: Wenn Gott ist, dann ist nur von Gott her zu bestimmen, was der Mensch braucht. Die Tatsache, daß Gott, was seine Funktion betrifft, durch die Schaffung von Äquivalenten in der modernen Gesellschaft funktionslos geworden ist, läßt die Frage danach, was denn das Wort 'Gott' meint, neu erstehen.

Und die Antwort Gottes an Moses, der auf die Souveränität seines eigenen Sich-als-Er-selbst-Zeigenwollens verweist, gewinnt neuen Glanz. Man könnte den brennenden Dornbusch, in dem Gott zu Moses spricht, als ein göttliches Happening bezeichnen. Ich sage dies, weil ich meine, daß viele Artikulationen der jüngeren Generation der Suche entspringen nach einem Ausweg aus der Integration in einen Funktionszusammenhang, in dem alle durch alle manipuliert werden und nichts es selbst sein darf. Das Happening ist ein Versuch säkularer Liturgie in einem Augenblick, wo manche Theologen alles tun, um die Liturgie funktionell einzupassen in die sogenannten Bedürfnisse der Gesellschaft und damit den fundamentalsten Bedürfnissen der Jugend in gar keiner Weise entsprechen.

Aber alle Ausbruchsunternehmen, die einen Sinn suchen, der nicht nur relativ ist aufs System, münden auf irgendeine Weise ins System zurück, sei es durch Kommerzialisierung, sei es durch Politisierung. Es gibt kein Äquivalent für das Sich-Zeigen Gottes."
(zitiert nach: J Ratzinger; P Henrici: Credo.- Köln: Communio, 1992, S. 29; Absätze von mir eingefügt zwecks besserer Lesbarkeit)

1. Juli 2011